Ketzerei

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Die Ketzerei (mhd. ketzerīe, ketherīe; auch Häresie von altgr. αἵρεσις haíresis „das Erwählte“, „Wahl“, „das Nehmen“; [kirchen]lat. haeresis) bedeutet im allgemeinen einen Bruch mit der bestehenden Ordnung und die Anzweiflung angeblicher Offenkundigkeiten. Im religiösen Kontext bezeichnet der Begriff die Abkehr von festgelegten religiösen Grundprinzipien und die Bezweiflung des damit verbundenen Dogmas (einer auf Gott zurückgehenden verbindlichen Glaubenslehre), namentlich in der römisch-katholischen Kirche eine von der offiziellen Kirchenmeinung abweichende Lehre.

Inhaltsverzeichnis

Ketzer, Katharer und perfekt Reine

Die Begriffe „Ketzerei“ und „Ketzer“ für das bereits in der frühen spätantiken Kirche verwendete „Häresie“, „Häretiker“ entstanden im Mittelalter. Das Wort geht auf die Selbstbezeichnung der Katharer zurück, der „Reinen“ (abgeleitet aus dem altgriechischen Wort „Katharsis“ für Reinigung). Der Ausdruck „Ketzer“ ist eine durch ständigen und gedankenlosen Gebrauch entstandene Abschleifung des ursprünglich bedeutungstragenden Wortes. Es wurde von der Katholischen Kirche, nach dem Ende der Katharerkriege im frühen 14. Jahrhundert, dann pauschal als Schimpfwort verwendet für alle Formen von Häresie bis Ungläubigkeit. Jene ursprünglichen Katharer zogen anfangs als Wanderprediger durch ganz Europa, beginnend wohl im Grenzgebiet zwischen dem früheren oströmischen und dem weströmischen Imperium (also in der kroatischen Grenzregion). Katharer verfochten und predigten die Idee der totalen Armut als Lebensweise „in der Nachfolge Jesu“. Die moralische Ablehnung persönlichen Eigentums – als Teil des asketischen Lebens – kann bis heute jedoch nur in Institutionen gewährleistet werden, die mittels äußerst strenger Regularien das Gemeinschaftseigentum rituell und sittlich schützen. Orden und Klöster akkumulieren auf diese Weise enormes Kapital und werben Erbschaften größten Ausmaßes ein, beharren zugleich aber strikt auf der Selbstdarstellung als Gemeinschaft „eigentumsloser“ Personen.

Verketzerte, Geächtete und Verfolgte

Ketzerei, Häresie stellt stets eine selbsterwählte Lebens- oder Lehrart, Schule oder auch Sekte dar. Nicht die Handung oder ihr Motiv, sondern die äußere Attitüde dabei, entscheidet darüber, ob Ketzerei oder kirchliches Wohlgefallen vorliegt. In der früher machtvoll wirkenden und allgemein prägenden kirchlichen Propaganda erhielt das Wort „Ketzertum“ bald den Nebenbegriff willkürlicher Menschenmeinung und wurde seit Mitte des 2. Jahrhunderts n. d. Z. eine stehende Bezeichnung für die vom katholischen, das heißt allgemein geltenden Glauben abweichenden Lehren einzelner oder ganzer, von der katholischen Kirche ausgestoßener Fraktionen oder Sekten. Diejenigen, die sich zu einer solchen Lehre bekannten, wurden Ketzer, Häretiker genannt und im Falle der Katharer rücksichtslos ausgerottet – in Südfrankreich bis hin zur vollständigen Entvölkerung von Gegenden (bei Toulouse). Die „Nachfolge Jesu“ kann sich dabei auf ein einzelnes Jesuswort beziehen – und dann etwa Besitzlosigkeit als Forderung nahelegen – oder aber auf die Gesamtheit biblischer oder biblischer und kirchlicher Lehraussagen.

Habituell und psychisch kann jede Einstellung und ihr Gegenteil immer dogmatisch begründet werden. Erscheinungen wie die beispiellos reisefreudige Lebensweise von Ordensmitgliedern werfen die Frage auf, was dort beispielsweise unter „Eigentumslosigkeit“ eigentlich verstanden wird. Kaum jemand, der einem geregelten Brotberuf nachgeht, kann sich einen solchen Lebenswandel aus Erwerbsarbeit heraus leisten. Die ordenstypischen Attitüden der „Einfachheit“ schützen anscheinend weder vor Fettsucht noch vor der Eitelkeit von Medienstars (zu denen es nicht allein Eugen Drewermann und Hans Küng, sondern unzweifelhaft auch der Jesuit und Managementberater Rupert Lay gebracht hat) noch vor methodisch betriebener Erbschleicherei. Die kirchenfromme, „gottgefällige“ Lebensweise erweist sich deshalb – gegenüber den verurteilten und bekämpften Lebensweisen eigenständig denkender sogenannter „Ketzer“ – als bloße Darbietung. Für ausnahmslos jede dogmatisch verbotene (oder in den Zehn Geboten als verboten gekennzeichnete) Handlung gibt es ein kirchenförmiges Ventil, aus dem Gewalt, Willkür, Lüge, Mord, Diebstahl, brutaler Zwang, Täuschung und Betrug mit kirchlichem Segen von Kirchenangehörigen auf Schafe und Unterworfene niedergeht. Der Ketzer ist lediglich der vom Machtsystem als solcher stigmatisierte. Weder sein Handeln noch sein Fühlen, Glauben oder Rationalisieren ist wesensmäßig unterschieden von Aktionen der Amtskirche, die ihr Privileg und ihre Definitionsmacht mit allen Mitteln behauptet.

Strafwürdigkeit der Ketzerei

Als Widerstand gegen die „göttliche Offenbarung“ galt die Ketzerei der Kirche als die schwerste Sünde und seit Ende des 4. Jahrhunderts als Widerstand gegen die Staatsgesetze auch als ein politisches Verbrechen, worauf im Mittelalter die Todesstrafe stand. Von der Ketzerei als Verfälschung der kirchlichen Lehre (bzw. Anzweiflung der kirchlichen Dogmen) wurde das Schisma als strafbare Trennung von der Kirche in Verfassung und Gebräuchen unterschieden. So sind nach der römisch-katholischen Auffassung alle Protestanten Häretiker, die griechisch-orientalischen Christen hingegen nur Schismatiker. Verglichen mit Jesus Christus – und selbst verglichen mit dem Apostel Paulus, dem eigentlichen Begründer des Christentums –, haben der römische Kaiser Konstantin und der nordafrikanische Kirchenvater Augustinus erkennbar die weitaus bedeutenderen Anteile zum Lehrgebäude der Katholischen Kirche und seiner amtsförmigen Durchsetzung geliefert, das mittels drakonischer „Lehrzuchtverfahren“ gegen Abweichungen aller Art auf Linie gehalten wird.

Siehe auch

Literatur

  • Jürgen Stillig: Jesuiten, Ketzer und Konvertiten in Niedersachsen. Untersuchungen zum Religions- und Bildungswesen im Hochstift Hildesheim in der Frühen Neuzeit (= Schriftenreihe des Stadtarchivs und der Stadtbibliothek Hildesheim, Bd. 22); s/w-Abbildungen, Bernward Verlag, Hildesheim 1993, ISBN 978-3-870-65745-1 [XIII, 574 Seiten]

Verweise

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