Trotha, Lothar von

Aus Metapedia

(Weitergeleitet von Lothar von Trotha)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Generalleutnant Lothar von Trotha 1905, u. a. Träger des Eisernen Kreuzes (für den deutsch-französischen Krieg) und Träger des Pour le Mérite, in Paradeuniform mit „Südwester“, Paradedegen und Großer Ordensschnalle.

Adrian Dietrich Lothar von Trotha (Lebensrune.png 3. Juli 1848 in Magdeburg; Todesrune.png 31. März 1920 in Bonn) war ein deutscher Offizier der Preußischen Armee, als Generalleutnant Kommandeur der Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika und zuletzt mit dem vom Kaiser Wilhelm II. verliehenen Charakter als General der Infanterie verleihen.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werdegang

Adrian Dietrich Lothar von Trotha, Kommandeur der Schutztruppe in Deutsch-Südwestafrika.jpg

Abstammung

Lothar von Trotha entstammte einer preußischen Offiziersfamilie, die zu dem weitverzweigten alten Adelsgeschlechtvon Trotha“ aus dem Saalekreis mit Stammhaus Burg Trotha im heutigen Halle-Trotha gehört. Ein häufiger Wohnortwechsel, bedingt durch den Offiziersberuf seines Vaters, prägte die Kindheit mit. So besuchte von Trotha Gymnasien in Wittenberg, Koblenz und Köln.

Militär

Der Kadettenschüler von Trotha trat am 24. November 1865 als Fahnenjunker in das 2. Garde-Regiment zu Fuß im Garde-Korps der Preußischen Armee ein und nahm am deutschen Bruder- und Deutsch-Französischen Krieg teil. Als Major kommandierte er ab 1892 das Lauenburgische Jäger-Bataillon Nr. 9 in Ratzeburg. Ab Juni 1894, inzwischen zum Oberstleutnant befördert, wurde er à la suite des Bataillons zur Dienstleistung beim Auswärtigen Amt kommandiert. Er wurde mit dem Posten des Stellvertreters des Gouverneurs von Deutsch-Ostafrika und den Funktionen des Kommandeurs der dortigen Schutztruppe betraut.[1] Mitte August 1897 kehrte von Trotha nach Deutschland zurück und war als Oberst bis 15. Dezember 1899 Kommandeur des Infanterie-Regiments „von Stülpnagel“ (5. Brandenburgisches) Nr. 48. Anschließend beauftragte man ihn mit der Führung der 72. Infanterie-Brigade. Am 27. Januar 1900 folgte schließlich unter gleichzeitiger Beförderung zum Generalmajor die Ernennung zum Kommandeur der Brigade.

Am 17. August 1900 wurde ihm während des Boxeraufstands das Kommando der 1. Ostasiatischen Infanterie-Brigade übertragen. 1901 reiste er nach Japan, Sumatra, Indien und Ceylon (heute: Sri Lanka), Indochina und Java. Nach seiner Rückkehr aus China war Generalmajor von Trotha zunächst vom 28. Oktober 1901 bis 26. Januar 1902 bei den Offizieren von der Armee. Er erhielt dann das Kommando über die 16. Infanterie-Brigade und wurde ein Jahr später am 17. Februar 1903 mit der Führung der 16. Division beauftragt. Mit seiner Beförderung zum Generalleutnant am 22. März 1903 erfolgte die Ernennung zum Divisionskommandeur.

Deutsch-Südwest

Am 3. Mai 1904 erfolgte nach der Abberufung Theodor Leutweins die Ernennung zum Oberbefehlshaber und Gouverneur von Deutsch-Südwestafrika mit dem Auftrag, den Aufstand der Herero zu beenden. Unter seiner Führung wurden die Herero bei der Schlacht am Waterberg entscheidend von der Schutztruppe geschlagen und flohen in die Trockensavanne der Omaheke. General Lothar von Trotha erließ am 2. Oktober 1904 seinen Aufruf an das Volk der Herero.

Der Soldat und Kolonialschriftsteller Paul Leutwein berichtete in seinem Roman „Im Banne Afrikas“ über seine Erlebnisse und Erfahrungen in Deutsch-Südwestafrika. Der Sohn des dortigen Gouverneurs Theodor Leutwein beschreibt u. a. seine Begegnungen mit führenden Persönlichkeiten wie dem Kommandeur der Kaiserlichen Schutztruppe Lothar von Trotha. Einen besonderen Schwerpunkt bilden seine Schilderungen der Aufstände im Jahr 1904, die er als Soldat der Kaiserlichen Schutztruppe miterlebte.

Zu von Trotha schrieb er u. a.:

„General v. Trotha machte keineswegs einen blutdürstigen Eindruck. Er war ein sehr stattlicher Herr, auf dessen Gesicht viel eher Leben und Leben lassen geschrieben stand. Seine fast kindliche Eitelkeit, mit der er durch phantasievolle Nachhilfen seine Uniform und damit seine schöne Figur zur Geltung zu bringen verstand, konnten diesen Eindruck nur verstärken. Sein Fehler war eine geradezu sture militärische Einseitigkeit. Er hatte sich in Ostafrika und in China betätigt. Er war der echt preußische Soldat mit allen und Vorzügen und Fehlern geblieben. Mit großer Freundlichkeit empfing der den Gouverneur Theodor Leutwein. ‚Damit Sie mich nicht mißverstehen, lieber Leutwein, ich habe mir nur in meiner Eigenschaft als Truppenführer erlaubt, Ihnen eine Weisung zu erteilen. Als Gouverneur sind Sie natürlich mit mir gleichberechtigt.‘ Diese Äußerung charakterisierte ihn vollkommen. Er hatte bereits unter Wissmann zu hören bekommen, daß der Gouverneur der erste Mann der Kolonie ist. Für ihn, den preußischen Offizier, bestand eine solche Auffassung nicht. [...] Trotha litt nicht, daß ihm Leutwein etwa einen militärischen Vortrag hielt. Nein, in freundschaftlichem Zusammensein bei einem Glase Sekt sollte die ganze Kriegslage besprochen werden.“

Zur Schlacht am Waterberg schrieb Paul Leutwein:

„Samuel Maharero habe jetzt über 3000 Gewehre. Kajata stände mit über 1000 Gewehren bei Okatumba, um dem Gouverneur, während seines Angriffs, in den Rücken zu fallen. [...] Zu Karikos erstaunen zog aber Ounja ein bereits mit seinem klobigen Schriftzeichen bedecktes Blatt hervor und las laut vor: ‚Wir haben mit den Deutschen gefochten. Die Deutschen haben tapfer stand gehalten. Wir auch. Wir haben 35 getötet, darunter einen Kapitän. Die noch nicht tot waren, haben wir mit Kiris (Keulen) tot geschlagen.‘ [...] Bei der Wasserstelle Oviumbo wurde halt gemacht und mit dem Tränken der Pferde begonnen. Auf einmal wurde die Wasserstelle beschossen. Im Glauben, es handle sich um eine versprengte Abteilung, griff der Spitzenführer Leutnant Reiss mit 17 Mann an. Die Herero wichen zurück. Bald sah sich Reiss im Hinterhalt. Er selbst fiel mit sieben Mann. Die übrigen retteten sich zur Hauptabteilung, die bereits in Kampfstellung gegangen war. So begann die merkwürdige Schlacht von Oviumbo. Sie ist denkwürdig, weil sie im dichtesten Busch auf nächste Entfernung geführt wurde, ohne daß einer der Gegner in der Lage war einen groß angelegten Angriff zu machen. Rings herum Dickicht und wieder Dickicht. [..] Am Waterberg hatte sich im August 1904 ein großer Teil der Streitmacht der Herero samt Familien und Vieh eingefunden und hoffte, ganz nach Theodor Leutweins bisheriger Politik, auf Verhandlungen mit der deutschen Kolonialregierung. Lothar von Trotha aber lehnte jede Verhandlung ab. Die verhältnismäßig kleine Truppe von Trothas wäre den ungefähr 6000 Hererokriegern allerdings deutlich unterlegen gewesen, hätte sie sich nicht auf Geschütze und Maschinengewehre stützen können, die die Herero unter Dauerbeschuß nahmen. Zwar gelang von Lothar nicht die angestrebte Vernichtung der Herero, die zu großen Teilen in die Omaheke-Halbwüste fliehen konnten, militärisch aber waren die Herero besiegt. Die Nama führten, auch nach Hendrik Witbois Tod 1905, noch bis 1908 einen zermürbenden Guerilla-Krieg gegen die deutsche Schutztruppe.“
Grabstätte von General der Infanterie Lothar von Trotha und seiner Gemahlin Lucy auf dem Poppelsdorfer Friedhof

Feldlazarett

Als Generalleutnant von Trotha am 20. Mai 1904 Hamburg verließ, um das Oberkommando in Deutsch-Südwestafrika zu übernehmen, schiffte man gleichzeitig sieben Feldlazarette Kurs Schutzgebiet ein. Außer den ständig in Deutsch-Südwestafrika operierenden sogenannten Etappen-Lazaretten und einigen kleinen Feldlazaretten mit wenigen Betten gab es damals bereits ein Marine-Feldlazarett und zwei Feldlazarette, die schon im April mit allem Zubehör verfrachtet worden waren. Alle Sanitätsanstalten zählten zum militärischen Umfeld und nicht (wie oft mißverständlich berichtet wurde) zur Organisationsform des Roten Kreuzes.

Tod

General der Infanterie Lothar von Trotha verstarb 1920 in Bonn. Seine letzte Ruhestätte fand er in einem, wenn auch inoffiziellen Ehrengrab auf dem Poppelsdorfer Friedhof.

Familie

Erste Ehe

Von Trotha heiratete in erster Ehe am 15. Oktober 1872 in Mainz Bertha Neumann (Lebensrune.png 15. Februar 1850 in Graudenz; Todesrune.png 9. Oktober 1905 in Berlin), die Tochter von NN. Neumann und Auguste Spaencke. Aus dieser Ehe stammen zwei Kinder: Thilo August Wolfgang Lothar (1874–1929; Major der Preußischen Armee) und Ernst Eugen Emil Helmut (1875–1928; Hauptmann der Preußischen Armee).

Zweite Ehe

In zweiter Ehe heiratete Generalleutnant a. D. von Trotha am 19. Mai 1912 in London Lucy Goldstein-Brinckmann (Lebensrune.png 30. April 1881 in Frankfurt am Main; Todesrune.png 30. Januar 1958 in Bonn), die Tochter von Bankdirektor Heinrich Goldstein-Brinckmann und Christel Brinckmann. Die Ehe blieb kinderlos. Allerdings wird auf dem Grabstein des Paares auf dem Poppelsdorfer Friedhof „unser geliebter Sohn Wolfgang“ (Lebensrune.png 5. Oktober 1900) gedacht, der am 3. November 1918 als Fahnenjunker des Kürassier-Regiments „Graf Gessler“ (Rheinisches) Nr. 8 bei den am 5. November 1918 eingestellten Stellungs- und Abwehrkämpfe in Nordfrankreich gefallen war. Anzunehmen ist, daß Lucy Wolfgang mit in die Ehe gebracht hat und daß er ggf. von Lothar von Trotha adoptiert wurde.

Werke (Auswahl)

  • Meine Bereisung von Deutsch-Ostafrika; Vortrag des Oberst von Trotha gehalten in der Sitzung der Gesellschaft für Erdkunde am 12. Juni 1897 (PDF-Datei)

Auszeichnungen (Auszug)

Siehe auch

Fußnoten

  1. Siegfried von Ziegner: Geschichte des Lauenburgischen Jäger-Bataillon Nr. 9. Ratzeburg 1898. Verlag von H. H. C. Freystatatzky's Buchdruckerei.
Meine Werkzeuge