Luftkriegsakademie Berlin-Gatow

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Die Luftkriegsakademie Berlin-Gatow (LKA) der Luftwaffe wurde 1935 in Berlin-Gatow im Berliner Bezirk Spandau eingeweiht. An der Kriegsakademie der Luftstreitkräfte wurden Offiziere im Dienstrang eines Hauptmanns oder Majors zu Führungsgehilfen der Generalstäbe aus- und weitergebildet. Seit 1950 wurden die Gebäude der Luftkriegsakademie und Lufttechnischen Akademie zu einem Tuberkulose-Krankenhaus umgebaut.

Blick auf die Laboratorien (rechts und links) und Sporthalle (Mitte) der Lufttechnischen Akademie mit dem Kühl- und Löschwasserteich der Luftkriegsakademie

Inhaltsverzeichnis

Erläuterung

Flugleitstelle Berlin-Gatow, 1935: Vorbeimarsch an Otto von Stülpnagel, Kommandeur der Luftkriegsakademie vom 1. November 1935 bis 31. März 1939.

Auf dem Flugplatz unter dem Befehl der dortigen Fliegerhorst-Kommandantur befand sich ebenfalls die Luftkriegsschule 2 (im Norden) und die Lufttechnischen Akademie (wie Luftkriegsakademie im Süden). Ebenfalls wurde die Luftkreisschule II, die 1937 in Höhere Luftwaffenschule umbenannt wurde, nach Gatow verlegt. Der Führer wurde vom Flugplatz Gatow, wo sich die Führerstaffel zeitweilig befand, regelmäßig von Hans Baur nach Berchtesgaden geflogen, ebenfalls bestand zwischen dem Fliegerhort und der Erprobungsstelle Rechlin regelmäßiger Flugverkehr. Kurz vor Kriegsende flog Hanna Reitsch am 26. April 1945 vom Flugplatz Gatow mit Generaloberst Robert Ritter von Greim zum Führerbunker in das bereits vollständig eingeschlossene Berlin. Auch Flugzeugführerin Beate Uhse flog letztmalig 1945 von Gatow aus nach Norddeutschland.

Geschichte

Eingang zum Hauptgebäude bzw. zur Sporthalle der Technischen Akademie der Luftwaffe
Fliegerhorst Berlin-Gatow (Luftkriegsschule)

Im Auftrag des RML wurden unter der Federführung von Ernst Sagebiel (Schöpfer des Reichsluftfahrtministeriums und der Flughäfen Berlin-Tempelhof und München-Riem) in den Jahren 1934–1935 am westlichen Rand Berlins auf dem Gelände der Hellen Berge westlich vom Berg Hohengatow (Gatower Berge) die Luftkriegsakademie und die Lufttechnische Akademie errichtet. Schon ab 1925 hatten die Segelflieger das Gelände für sich entdeckt, unter anderem fanden dort Segelflugschulungen der Deutschen Hochschule für Leibesübungen statt. Auch die Einrichtung einer Sportschule und eines Forst- und Landwirtschaftlichen Flugversuchsinstituts auf dem Gelände 1934 sind bereits als getarnte Vorbereitungen für die Nutzung durch die Luftwaffe anzusehen. Die Nähe zum geschichtsträchtigen Truppenübungsplatz Döberitz war der Luftwaffe sehr willkommen.

Über 4.000 Arbeiter stellten innerhalb von nur einem Jahr bis zum Herbst 1935 die Gebäude der Kaserne (Fliegerlager) im Hottengrund (Berlin-Kladow) und der Luftkriegsakademie östlich des Kladower Dammes fertig. Dazu gehörte ebenfalls die Luftkriegsschule mit einem Start- und Landeplatz sowie zehn unterschiedliche Flugzeughallen und eine größere Anzahl von Gebäuden. Die Baukosten betrugen rund 55 Millionen Reichsmark. Vorher entstanden Unterkünfte für die Bauarbeiter.

Die Bauten der neuen Luftwaffe wichen vom überkommenen Bild der Kasernenarchitektur ab. Der historisierende Architekturstil zielte auf Repräsentation. Großzügigkeit war bestimmend. Die, für die Ausbildung notwendigen, Einrichtungen wurden durch Sporthallen und Schwimmhallen sowie anderen Freizeiteinrichtungen ergänzt. Zum Schutz gegen Luftangriffe mußten die Architekten zwei Bedingungen erfüllen: Auflockerung der Gesamtanlage durch Rasenflächen sowie Blumenbeete und Tarnung der Gebäude durch Nutzung von Waldgelände.

Großzügig mit Hörsaalbauten, Laboratorien, Sportgelegenheiten, einem luxuriösen Casino und in die Landschaft eingefügten Wohnhäusern für Lehrkräfte und Lehrgangsteilnehmer ausgestattet (für das leitende Personal wurden am Rande des Geländes die Fliegerhorst-Siedlung mit 30 Doppelhaushälften gebaut, die Professoren konnten täglich zu Fuß zum Dienst gehen) und in Nähe eines Flugplatzes gelegen, dienten sowohl die Luftkriegsakademie als auch die Lufttechnische Akademie der Ausbildung von Generalstabsoffizieren der Luftwaffe.

Einweihung

Am 30. März 1935 fand das Richtfest statt. Am 1. November 1935 wurden die Schulen in Anwesenheit Adolf Hitlers, des Reichskriegsministers Generaloberst Werner von Blomberg, der Oberbefehlshaber des Heeres und der Kriegsmarine, Generalmajor Werner von Fritsch und Admiral Erich Raeder eingeweiht und nahmen den Lehrbetrieb auf. Der Chef des Luftkommandoamts, Generalmajor Walther Wever, hielt die Eröffnungsrede.

Wichtige Einrichtungen

Fliegerlager (Kladow)
Offiziersheim
  • Rollfeld
  • Flugleitstelle
  • Hauptwache der Luftkriegsschule
  • Stabsgebäude
  • Unterkunfts- und Lehrsaalbauten mit Wirtschaftsgebäuden
  • Garagenhof
  • Unterkünfte der Betriebskompanien mit Wirtschaftsgebäuden
  • Hauptwache der beiden Akademien
  • Offizierskasino
  • weitere Unterkünfte und Lehrsaalbauten
  • Unterkünfte der Lehrgangsteilnehmer
  • Wasserbecken und Laboratoriumsbauten
  • Sporthalle
  • Unterkünfte für Lehrkräfte
  • Heizwerke

Tag der Luftwaffe

Flugplatz Gatow bei der Schlacht um Berlin

Der 21. April 1936, der Todestag des erfolgreichsten Jagdfliegers im Ersten Weltkrieg Manfred von Richthofen, werden an diesem „Tag der Luftwaffe“ in Gatow den Verbänden der Luftwaffe durch den Oberbefehlshaber der Luftwaffe Hermann Göring die Truppenfahnen verliehen.

Wissenschaftliche Hauptbücherei

Unmittelbar nach der Eröffnung im Herbst 1935 stand ihnen eine Fachbibliothek zur Verfügung, die zahlreiche wissenschaftliche Zeitschriften hielt und über eine große Kartensammlung verfügte. Bis 1940 wuchs ihr Bestand auf 16.000 Bände an (darunter der ca. 1.000 Bände umfassende Bestand der Bücherei des Seeflugzeug-Versuchskommandos Warnemünde und Bücher, die aus nach dem Ersten Weltkrieg aufgelösten Militärbibliotheken stammen und über die Deutsche Heeresbücherei in Berlin in die Bücherei des Fliegerhorstes bzw. die Bibliothek der Luftkriegsakademie in Berlin-Gatow gelangten). Anfangs war die Bibliothek unter der Bezeichnung „Wissenschaftliche Hauptbücherei“ dem Fliegerhorst Berlin-Gatow unterstellt, der als Basisstruktur zentrale Dienstleistungen für die auf dem Gelände bestehenden Ausbildungsstätten der Luftwaffe bereitstellte.

Lufttechnische Akademie

Die Lufttechnische Akademie (LTA), zuweilen auch Technischen Akademie der Luftwaffe (TAL), gliederte sich in zehn Institute, die eigene Handbibliotheken hatten. An einigen Instituten wurden während des Zweiten Weltkrieges kriegswichtige Forschungen betrieben. Zu Beginn des Jahres 1938 hörte die Lufttechnische Akademie auf, eine selbständige Einrichtung zu sein. Die bis dahin getrennten militärstrategischen und militärtechnischen Lehrgänge wurden zu einem Ausbildungsgang vereinigt. Die naturwissenschaftliche und technische Literatur wurde fortan in den Gesamtbestand der Bücherei der Luftkriegsakademie aufgenommen. Seit 1942 existierte wieder eine Technische Akademie der Luftwaffe mit einer separaten Ausbildung.

Lehrpersonal

Die Gliederung der Lufttechnischen Akademie in Institute und das Studium an ihr orientierte sich an einer Technischen Hochschule. Die Absolventen sollten nach ihrem Studium – mit der Einschränkung, dass sie keine Konstrukteure waren – den Wissensstand eines Ingenieurs erreichen und befähigt sein, die militärtaktischen Entscheidungen in einem Generalstab in Kenntnis der technischen Implikationen vorzubereiten. Bis auf wenige Ausnahmen waren die Lehrer an der Luftkriegsakademie Militärangehörige.

Zu Institutsleitern an der Lufttechnischen Akademie berief der Reichs- und Preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Absprache mit dem Reichsluftfahrtministerium zivile Beamte. Von den zumeist jungen Wissenschaftlern und Ingenieuren hatten einige ihr Studium an der Technischen Hochschule Berlin absolviert und waren dort promoviert worden. Sie wurden zu Professoren ernannt. Da die Ernennung und Besoldung von Professoren in der Kompetenz der Länder lag, überwies das Reichsluftfahrtministerium die Gehälter der Gatower Professoren an die Technische Hochschule in Berlin-Charlottenburg, die sie daraufhin als durchlaufenden Haushaltsposten auszahlte.

Den Schwerpunkt der Ausbildung an der Lufttechnischen Akademie bildete die Luftfahrttechnik. Unterrichtet wurden überdies die mathematischen und physikalischen Grundlagen sowie Elektrotechnik und Funktechnik, Werkstoffkunde und einige andere Fächer. Im ersten, Ende 1935 begonnenen Lehrgang beschritten nur zehn Offiziere den anspruchsvollen Ausbildungsgang an der Lufttechnischen Akademie – darunter Hauptmann Viktor von Loßberg, der später letzter Kommandeur der Akademie werden sollte.

Ausbildung

„Der Alltag wird von der Ausbildung dominiert. Zunächst steht die „preußische“ Ausbildung zum Soldaten mit ‚Griffeklopfen‘ (Formalausbildung) und Gefechtsdienst im Vordergrund. Danach erfolgt die Ausbildung zum Offizier. Die Fahrschule ist Bestandteil und willkommene Abwechslung der Schulung. Neben rein Militärischem gehört auch das Auftreten des zukünftigen Offiziers in der Gesellschaft zum Ausbildungsprogramm. Höhepunkt ist der, durch Tanzstunden und Benimmkurse vorbereitete, große Abschlußball. Darüber hinaus stehen in der Kaserne breit gefächerte Möglichkeiten zur sportlichen und musischen Betätigung in der Freizeit bereit. Sportstätten und Schwimmhallen ermöglichen neben Leichtathletik und Schwimmen auch die Ausbildung im Boxen und Fechten. Das nahe Berlin sowie das unmittelbare Umland bieten vielfältige Möglichkeiten, die knapp bemessene Freizeit in Uniform zu nutzen. Die Ausbildung an der Luftkriegsschule wird der Offiziernachwuchs für das fliegende Personal ausgebildet. Diese Ausbildung besteht aus drei Teilen und endet nach drei Jahren. Im ersten Abschnitt erhält der Offizieranwärter seine militärische Grundausbildung. Dieser folgte eine neunmonatige theoretische und praktische Flugzeugführerausbildung in den Klassen A1 bis B2. Danach schließt sich ein Truppenpraktikum an. Im letzten Kurs stehen Taktik, Waffenlehre, Luftgeographie, Wehrwesen, Kriegsgeschichte sowie die flugtechnischen Fächer im Mittelpunkt. Nach Ablegen der Offizierprüfung erfolgt, vor der Versetzung in die Truppe, die Wahl zum Offizier durch das Offizierkorps der Luftkriegsschule. Der durch die wachsenden Verluste zunehmende Bedarf an Flugzeugführern führte ab Ende 1942 zu einer Verkürzung der Ausbildung um die Hälfte. Ende Januar 1945 wird die Flugausbildung wegen Treibstoffmangel eingestellt. Die letzten Offiziere werden im März als Infanteristen zur Fallschirmjägerdivision versetzt.“[1]

Nachkriegszeit

Ab dem 2. Juli 1945, nach Gebietstausch gemäß der Vereinbarungen auf der Konferenz von Jalta mit der Roten Armee – die nach der Schlacht um Berlin den Flugplatz besetzten und dort vorwiegend Schlachtflugzeuge stationierten –, bewohnten Führungskräfte der Royal Air Force die Fliegerhorst-Siedlung. Die benachbarte Habichtswald-Siedlung wurde weiterhin zivil bewohnt. Inzwischen sind die Häuser der Fliegerhorst-Siedlung in Privatbesitz. Das britische Army Air Corps war ab 1970 dort stationiert bis zum Abzug der Besatzungstruppe am 30. Juni 1994. Am 7. September 1994 übernahm die Bundeswehr den Flugplatz einschließlich von den Briten gebauten Golf- und Schießplatz.

Heute beherbergt der idyllisch über dem Ufer der Havel gelegene Gebäudekomplex ein Krankenhaus. Nordöstlich des Kladower Damms schließen sich die Gebäude der ehemaligen Luftkriegsschule und des Fliegerhorstes an, in denen sich heute die General-Steinhoff-Kaserne und das Luftwaffenmuseum der Bundeswehr (Außenstelle „Militärhistorische Museum der Bundeswehr – Flugplatz Berlin-Gatow“) befinden. Der Golfplatz wurde 1999 um das Gelände der Senatsreserve für Kohle erweitert und ist heute Heimat des „Berliner Golf Club Gatows“.

Führung (Kommandeure)

Luftkriegsakademie

  • 1. November 1935: General der Flieger Otto von Stülpnagel
  • 1. April 1939: General der Flieger Hellmuth Volkmann
  • 5. Oktober 1940: Generalleutnant Robert Knauß
    • da Knauß ab Herbst 1943 gesundheitsbedingt beurlaubt war, ist anzunehmen, daß Rieckhoff schon früher mit der Wahrnehmung der Geschäfte beauftragt war
  • 19. Januar 1944: Generalleutnant Herbert Rieckhoff
  • 1. November 1944: General der Flieger Werner Kreipe

Lufttechnische Akademie

  • 1. Oktober 1935: Generalleutnant Erich Karlewski
  • 1. Februar 1938 bis 31. März 1939: General der Flieger Otto von Stülpnagel (mit der Leitung betraut; Personalunion)
    • durch Verschmelzung der Akademien 1938 war der Kommandeur der LKA war auch Kommandeur der LTA
  • 18. September 1944: Oberst i. G. Viktor von Loßberg

Siehe auch

Literatur

  • Viktor von Loßberg: Geschichte der Technischen Akademie der Luftwaffe
    • enthält auch Zur Ausbildung eines Führungsgehilfen mit taktischen und technischen Fähigkeiten von Prof. Dr.-Ing. Franz Möller vom 31. August 1944

Verweise

Fußnoten

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