RMS Lusitania

Aus Metapedia

(Weitergeleitet von Lusitania)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die RMS Lusitania (RMS = Royal Mail Ship – „Königlisches Postschiff“) war ein Passagierdampfer der britischen Reederei Cunard Line. Sie wurde ab September 1907 im Liniendienst LiverpoolNeu York eingesetzt.

Zusammen mit dem Schwesterschiff „Mauretania“ gehörte sie zu den schnellsten und größten Passagierschiffen ihrer Zeit. Das Schiff benötigte für die Atlantiküberquerung nur viereinhalb Tage und erhielt im Oktober 1907 das Blaue Band. Die „Lusitania“ wurde nach der alten römischen Provinz Lusitanien im Gebiet des heutigen Portugal benannt.

Sie war schon bei ihrem Bau als Hilfsschiff der britischen Kriegsflotte konzipiert worden und transportierte sofort nach Beginn des Ersten Weltkrieges Munition aus den vorgeblich neutralen VSA nach Großbritannien.

Inhaltsverzeichnis

Versenkung im Ersten Weltkrieg

Zeitungsmeldung vom Untergang der Lusitania

Am 7. Mai 1915 wurde das Schiff vor der Südküste Irlands durch einen Torpedo des deutschen Unterseebootes SM U 20 versenkt. Die deutsche Botschaft hatte zuvor versucht, in vielen VS-amerikanischen Zeitungen Anzeigen mit Warnungen an die Zivilbevölkerung, mit diesem Schiff durch Kriegsgebiet zu fahren, aufzugeben. Die meisten Anzeigen wurden nicht gedruckt. Die „Lusitania" wurde von alliierter Seite gezielt in die Zone des deutschen Sperrgürtels um England gelenkt, wo sie am 7. Mai 1915 von einem deutschen U-Boot versenkt wurde. Als ein Sieg gegen das Deutsche Reich immer fraglicher wurde und die VS-Kriegskredite an die Westalliierten zu platzen drohten, diente die Versenkung der „Lusitania“, die als heimlicher Munitionstransporter diente, als propagandistischer Grund zum Kriegseintritt der VSA.

Der Kommandant von SM U 20, Walther Schwieger, schrieb zu den Umständen:

„Ungewöhnlich starke Detonation, gefolgt von ungeheurer Rauchwolke. Trümmermassen flogen bis in Schornsteinhöhe. Es folgte eine zweite Explosion, als wäre Munition in die Luft gegangen. Die Brücke und die Stelle der Bordwand, wo der Torpedo traf, waren weit aufgerissen.“[1]

Dies alles sind keine Indizien, die auf ein nur friedlich vor sich hin dümpelndes Passagierschiff hindeuten, das sich noch dazu wissentlich und provokativ in der Sperrzone befand. Die nachfolgende antideutsche Hetzpropaganda schlachtete das Ereignis als angeblichen völkerrechtswidrigen Massenmord an Zivilisten bis zum äußersten aus. Die Torpedierung der „Wilhelm Gustloff“ 30 Jahre später, bei der fast 10.000 deutsche Zivilisten umkamen, war ihnen dann jedoch keine Meldung wert.

Winston Churchill

Winston Churchill war im Ersten Weltkrieg First Lord der Admiralität.[2] Als die Lusitania in ein Gebiet kam, in dem ein deutsches U-Boot lauerte, rief er den zum Schutz der Lusitania berufenen Zerstörer zurück.[2] Er rechnete damit, daß die Versenkung eines britischen Schiffes mit amerikanischen Passagieren an Bord es der im wesentlichen bereits damals plutokratisch gelenkten Presse der VSA ermöglichen würde, anti-deutsche Gefühle hochkochen und die politische Meinung zugunsten eines Kriegseintritts umschwenken zu lassen.[2]

Textbeitrag

Quelle
Folgender Text ist eine Quellenwiedergabe. Unter Umständen können Rechtschreibfehler korrigiert oder kleinere inhaltliche Fehler kommentiert worden sein. Der Ursprung des Textes ist als Quellennachweis angegeben.

Die Lusitania war ein britisches Passagierschiff, das regelmäßig zwischen Liverpool und New York verkehrte. Sie gehörte der Cunard Company, die, wie bereits erwähnt, das einzige größere Schiff eines Wettbewerbers des Morgan-Kartells war. Sie verließ den New Yorker Hafen am 1. Mai 1915 und wurde sechs Tage später von einem deutschen U-Boot vor der Küste Irlands versenkt. Von den 1.195 Toten waren 195 Amerikaner. Mehr als jedes andere Ereignis bereitete dieses den Befürwortern eines Kriegseintrittes eine überzeugende Plattform für ihre Ansichten. In diesem Augenblick begannen die Amerikaner, noch immer zögerlich, nicht unbedingt die Notwendigkeit eines Krieges, aber doch dessen Unausweichlichkeit zu akzeptieren.

Die Beschreibung der Lusitania als Passagierschiff täuscht. Obwohl als Luxusschiff gebaut, war ihre Konstruktion von der britischen Admiralität so bestimmt, daß sie beim Bedarf zu einem Kriegsschiff umgewandelt werden konnte. Von der Kraft der Maschinen über die Form ihres Rumpfes bis hin zu den Munitionskammern zeugte alles von militärischem Plan. Sie war für die Ausrüstung mit zwölf Sechs-Zoll-Kanonen konstruiert. Die Kosten für diese Sonderausrüstung wurden von der britischen Regierung getragen. Selbst in Friedenszeiten mußte ihre Mannschaft mit Offizieren und Matrosen der Reserve der Royal Navy verstärkt werden.

Im Mai 1913 wurde sie ins Trockendock geschleppt und mit zusätzlichen Panzerungen, Drehgestellen für Kanonen auf den Decks und Munitionsdepots ausgerüstet. Ebenfalls gab es Flaschenzüge, um Granaten zu den Kanonen zu heben. Zwölf mächtige Kanonen wurden zum Trockendock geschafft. All dies wird im National Maritime Museum in Greenwich, England, dokumentiert, doch noch immer wird darüber gestritten, ob diese Kanonen damals tatsächlich eingebaut wurden. Dafür gibt es keinen Beweis. Am 17. September jedenfalls kehrte die Lusitania zur See zurück, bereit für die Härte des Krieges, aber sie wurde in das Flottenregister der Admiralität nicht als Passagierschiff, sondern als ein bewaffnetes Hilfsschiff eingetragen! Von da an wurde sie auch in Jane's Fighting Ships als Hilfskreuzer und in der britischen Publikation The Naval Annual als ein bewaffnetes Handelsschiff geführt.[3]

Ein Teil der Umbauten im Trockendock diente dazu, Passagierkabinen auf den unteren Decks zu entfernen, um Platz für größere militärische Ladungen zu schaffen. So wurde aus der Lusitania eines der wichtigsten Transportmittel für Kriegsmaterial, einschließlich Munition, aus den Vereinigten Staaten nach England. Am 8. März 1915 reichte der Kapitän der Lusitania seinen Rücktritt ein, nachdem es mehrere bedrohliche Annäherungen deutscher U-Boote gegeben hatte. Zwar sei er bereit, den U-Booten gegenüberzutreten, erklärte er, aber nicht länger willens, „die Verantwortung dafür zu tragen, daß man Passagiere mit Munition oder Schmuggelgütern vermischt“.[4]

Churchill stellt eine Falle

Aus Englands Sicht waren die Zeichen an der Wand klar. Wenn die Vereinigten Staaten nicht in den Krieg gezogen werden konnten als Verbündeter, müßte England schon bald um Frieden nachsuchen. Die Herausforderung lautete also: Wie konnte man die Amerikaner aus ihrer hartnäckigen Neutralität herausholen? Wie dies gelang, ist einer der umstrittenen Aspekte des Krieges. Es ist für viele Menschen geradezu unvorstellbar, daß englische Politiker möglicherweise die Zerstörung eines ihrer Schiffe mit amerikanischen Bürgern an Bord ins Kalkül gezogen haben könnten, um die Vereinigten Staaten auf ihre Seite in den Krieg hineinzuziehen. Allein der Gedanke scheint deutscher Propaganda zu entspringen. Robert Ballard schrieb in National Geographie: „Innerhalb weniger Tage nach der Versenkung tauchten in New York Sympathisanten der Deutschen mit einer Verschwörungstheorie auf. Die britische Admiralität, so behaupteten sie, habe die Lusitania absichtlich in Gefahr gebracht in der Hoffnung, sie würde angegriffen und die VSA damit in den Krieg gezogen.“[5]

Schauen wir uns diese Verschwörungstheorie näher an. Winston Churchill, damals First Lord der Admiralität, meinte:

Es gibt viele Arten von Kriegsmanövern ... Es gibt Manöver der Zeit, der Diplomatie, der Konstruktion oder der Psychologie. Keines davon hat direkt mit dem Schlachtfeld zu tun und wirkt sich dennoch häufig entscheidend darauf aus ... Ein Manöver, das einen Alliierten ins Feld führt, ist so nützlich wie jenes, das eine große Schlacht zu gewinnen hilft. Das Manöver, das einen wichtigen strategischen Punkt einzunehmen hilft, mag weniger wertvoll sein als jenes, das einen gefährlichen Neutralen besänftigt oder einschüchtert.[6]

Das von Churchill gewählte Manöver war ausgesprochen rücksichtslos. Nach den sogenannten Cruiser Rules gaben sowohl England als auch Deutschland den Mannschaften unbewaffneter Handelsschiffe des Gegners eine Chance, in die Rettungsboote zu steigen, ehe man das Schiff versenkte. Doch im Oktober 1914 erteilte Churchill Befehl, daß britische Handelsschiffe nicht länger die Befehle von U-Booten zum Anhalten beachten und sich durchsuchen lassen dürfen. Besaßen sie Waffen, mußten sie den Feind angreifen. Wenn nicht, sollten sie versuchen, das U-Boot zu rammen. Die unmittelbare Auswirkung dieses Befehles war, daß deutsche U-Boote zu ihrem Schutz unter Wasser blieben und die Schiffe ohne Warnung versenkten.

Weshalb sollten die Briten eine solche Dummheit begehen, die das Leben von lausenden ihrer eigenen Seeleute fordern konnte? Die Antwort lautet: Es war keine Dummheit. Es handelte sich um eine kaltblütige Strategie. Churchill rühmte sich:

Der erste britische Gegenzug, auf meine Verantwortung, lag darin, die Deutschen von Angriffen von der Oberfläche abzuhalten. Das untergetauchte U-Boot mußte sich deshalb zunehmend auf Unterwasserangriffe verlassen und ging damit das große Risiko ein, neutrale für britische Schiffe zu halten und neutrale Seeleute zu ertränken und somit Deutschland in Konflikte mit anderen großen Mächten zu verwickeln.[7]

Um die Wahrscheinlichkeit eines versehentlichen Versenkens einer neutralen »großen Macht« zu erhöhen, befahl Churchill den britischen Schiffen, die Namen an den Rümpfen zu entfernen und in den Häfen die Flagge eines neutralen Landes aufzuziehen, vorzugsweise die der Vereinigten Staaten. Als eine weitere Provokation wurde der britischen Marine befohlen, gefangene U-Boot-Matrosen nicht als Kriegsgefangene, sondern als Verbrecher zu behandeln. „Überlebende“, schrieb Churchill, „sollten gefangengenommen oder erschossen werden ..., was immer passend sein mag.“[8] Weitere Befehle, die heute einen peinlichen Teil der offiziellen Archive der Marine darstellen, waren sogar noch rücksichtsloser: „Bei allen Aktionen sollte unverzüglich auf weiße Flaggen geschossen werden.“[9]

Die Falle wurde sorgfältig gelegt. Die deutsche Marine wurde dazu angestachelt, erst zu schießen und später Fragen zu stellen. Unter diesen Umständen war es praktisch unvermeidbar, daß auch Amerikaner ihr Leben würden lassen müssen.

Ein schwimmendes Munitionsdepot

Nach vielen Jahren der Forschung ist es jetzt endlich möglich, die Ladung der Lusitania auf ihrer letzen Reise festzustellen. Sie bestand unter anderem aus 600 Tonnen Pyroxyline (bekannt als Schießbaumwolle),[10] sechs Millionen Schuß Munition, 1.248 Kisten Schrapnell-Ladungen (möglicherweise ohne Sprengladungen) plus eine unbekannte Menge von Munition, die alle Kammern des untersten Decks und die Korridore des F-Decks ausfüllte. Zusätzlich gab es viele Tonnen von „Käse“, „Schmalz“, „Fellen“ und anderen Sachen, die, wie sich später herausstellte, falsch beschriftet worden waren. Worum es sich dabei handelte, ist unbekannt, doch es scheint sicher, daß es Schmuggelware war oder gar Waffen. Die ganze Ladung war von der J. P. Morgan Company übergeben worden. Doch davon ahnte die Öffentlichkeit nichts, schon gar nicht die arglosen Amerikaner, die unwissentlich für sich und ihre Familien eine Schiffahrt in den Tod gebucht hatten und als menschliche Köder in dem globalen Spiel der Hochfinanz und der niederen Politik dienten.

Die deutsche Botschaft in Washington war sich der Natur der Ladung auf der Lusitania wohlbewußt und schickte eine offizielle Beschwerde an die amerikanische Regierung, weil praktisch alles davon eine direkte Verletzung internationaler Neutralitätsabkommen darstellte. Als Antwort traf eine kategorische Leugnung der Kenntnis von solch einer Ladung ein. Nach der Erkenntnis, daß die Regierung Wilson die Schiffsladung stillschweigend billigte, unternahm die deutsche Botschaft einen letzten Versuch, das Unheil abzuwenden. Sie plazierte Anzeigen in 50 Zeitungen der Ostküste einschließlich New Yorks, in denen Amerikaner davor gewarnt wurden, mit der Lusitania zu reisen. Die Anzeige wurde vorab bezahlt, und sie sollte eine ganze Woche vor dem Ablegen des Schiffes auf den Reiseseiten erscheinen. Sie lautete:

Bekanntmachung!
REISENDE, die sich auf eine Fahrt über den Atlantik begeben möchten, mögen bedenken, daß zwischen Deutschland und seinen Verbündeten und Großbritannien und dessen Verbündeten Krieg herrscht; daß die Kriegszone auch die Gewässer in der Nähe der Britischen Inseln umfaßt; daß in Übereinstimmung mit der formellen Benachrichtigung der Kaiserlichen Deutschen Regierung Schiffe, welche die Flagge Großbritanniens oder seiner Verbündeten aufgezogen haben, in diesen Gewässern zerstört werden könnten und daß Reisende, die sich in dieser Kriegszone auf Schiffen Großbritanniens oder deren Verbündeten aufhalten, dieses auf eigenes Risiko tun. — Kaiserliche deutsche Botschaft Washington D.C., 22. April 1915

Obwohl der Anzeigetext den Zeitungen rechtzeitig vorlag, intervenierte das Außenministerium mit dem Schreckgespenst möglicher Verleumdungsklagen. Dieses verschreckte die Herausgeber dermaßen, daß sie die Anzeige nicht ohne vorherige Absprache mit den Anwälten des Außenministeriums drucken wollten. Von den 50 Zeitungen veröffentlichte nur Des Moines Register die Anzeige zu dem gewünschten Datum. Was danach geschah, wird von Simpson so beschrieben:

George Viereck [der Herausgeber einer deutschen Zeitung, der die Anzeigen für die Botschaft entworfen hatte] fragte am 26. April beim Außenministerium nach, weshalb seine Anzeigen nicht veröffentlicht worden waren. Endlich erhielt er einen Termin bei [Außenminister William Jennings] Bryan und wies ihn daraufhin, daß die Lusitania bis auf eine Ausnahme auf allen ihren Fahrten während des Krieges Munition transportiert hatte. Er zeigte Kopien ihrer Ladungsverzeichnisse, die bei der Hafenmeisterei öffentlich einsehbar waren. Darüber hinaus informierte er Bryan, daß nicht weniger als sechs Millionen Schuß Munition am kommenden Freitag mit der Lusitania auslaufen sollten und daß man die Beladung in diesem Augenblick an Pier 54 beobachten könne. Bryan griff zum Telefon und klärte die Sache mit den Anzeigen. Er versprach Viereck, er würde sich bemühen, den Präsidenten dazu zu bringen, Amerikaner vor Reisen zu warnen. Keine solche Warnung wurde jemals vom Präsidenten ausgesprochen, doch es kann keinen Zweifel daran geben, daß Präsident Wilson von der Natur der Ladung der Lusitania Bescheid wußte. Er unternahm nichts, gestand aber an dem Tage, da er von ihrer Versenkung erfuhr, daß seine Vorahnungen ihm viele schlaflose Stunden bereitet hätten.[11]

Wahrscheinlich stimmt es, daß Wilson in seinem Herzen Pazifist war, aber es ist gleichermaßen sicher, daß er nicht Herr seines eigenen Schicksals war. Bei ihm handelte es sich um einen umgesetzten Hochschulprofessor aus dem Efeu-überwucherten Princeton, der im Herzen ein Internationalist war und davon träumte, eine Weltregierung zu schaffen, um ein Jahrtausend des Friedens zu erreichen. Doch er fand sich umgeben und abhängig von Männern starken Willens, scharfsinnigen politischen Begabungen und mächtigen finanziellen Ressourcen. Gegen diese Kräfte vermochte er allein nichts auszurichten, und es gibt Grund zu der Annahme, daß er innerlich unter vielen Dingen litt, die er zu tun gezwungen war. Wir werden das moralische Urteil über einen Mann, der wegen seiner absichtlichen Weigerung, seine Landsleute zu warnen, 195 von ihnen in den Tod geschickt hat, anderen überlassen. Wir können uns auch darüber wundern, wie solch ein Mann die Scheinheiligkeit aufbringt, die Deutschen für diese Tat zu verdammen, aber gleichzeitig alles dafür tut, damit die amerikanische Öffentlichkeit die Wahrheit nicht erfährt. Es wäre verblüffend, wären seine privaten Gewissensbisse nicht größer als nur ein paar schlaflose Stunden.

Die letzte Reise

Während Morgan und Wilson auf der amerikanischen Seite des Atlantiks die tödliche Bühne bereiteten, spielte Churchill auf der europäischen Seite seinen Teil. Als die Lusitania am l. Mai aus dem Hafen von New York auslief, erhielt sie den Befehl, sich dicht an der Küste Irlands mit einem britischen Zerstörer, der Juno, zu treffen. Auf diese Weise sollte sie in feindlichen Gewässern Begleitschutz erhalten. Als die Lusitania den Treffpunkt erreichte, war sie jedoch allein, und der Kapitän vermutete, man habe sich im Nebel verpaßt. In Wahrheit jedoch war die Juno im allerletzen Augenblick aus diesem Gebiet abgezogen und nach Queenstown zurückbeordert worden. Dies geschah in voller Kenntnis der Tatsache, daß die Lusitania auf direktem Wege in ein Gebiet war, von dem man wußte, daß dort ein deutsches Unterseeboot lauerte. Und noch schlimmer: Der Lusitania hatte man befohlen, weniger Kohle zu verbrauchen, und zwar nicht, weil es nicht genügend davon gab, sondern weil dies weniger teuer sei. Natürlich sind langsame Ziele viel leichter zu treffen als schnelle. Das Schiff war gezwungen, einen der vier Dampfkessel abzuschalten, und erreichte nun von U-Booten infizierte Gewässer mit lediglich 75 Prozent seiner möglichen Höchstgeschwindigkeit.

Während sich die Lusitania den gefährlichen Gewässern näherte, wußte praktisch jeder, daß sie sich in ernster Gefahr befand. Die Londoner Zeitungen waren voll mit Geschichten über deutsche Warnungen und Schiffsversenkungen. Im Kartenzimmer der britischen Admiralität beobachtete Churchill das Spiel und zählte kühl die Schüsse. Kleine Scheiben markierten die Stellen, wo am Tag zuvor zwei Schiffe von Torpedos angegriffen worden waren. Ein Kreis deutete auf das vermutete Operationsgebiet eines U-Bootes hin. Eine große Scheibe stellte die Lusitania dar, die mit 19 Knoten direkt auf den Kreis zusteuerte. Doch nichts wurde für sie getan. Admiral Coke at Queenstown wurde der oberflächliche Befehl erteilt, sie so gut, wie es ging, zu beschützen, wozu er gar keine Möglichkeit hatte. Tatsächlich machte sich auch niemand die Mühe, den Kapitän der Lusitania davon zu unterrichten, daß das Rendezvous mit der Juno abgesagt worden war.

Zu den anwesenden Offizieren im Kartenraum gehörte an diesem verhängnisvollen Tag Fregattenkapitän Joseph Kenworthy, der zuvor von Churchill darum gebeten worden war, die politischen Auswirkungen zu untersuchen, wenn ein Ozeanschiff mit amerikanischen Passagieren an Bord versenkt werden würde. Entrüstet über den Zynismus seiner Vorgesetzten verließ er den Raum. In seinem 1927 erschienenen Buch The Freedom of the Seas stellte er ohne weitere Kommentierung fest: „Die Lusitania wurde mit erheblich reduzierter Geschwindigkeit und ohne Eskorte in ein Gebiet geschickt, von dem man wußte, daß dort ein U-Boot lauerte.“[12] Hier muß man nichts hinzufügen.

Zu dieser Zeit befand sich Oberst House in England, und genau an dem Tage der Versenkung sollte er eine Audienz bei König Georg V. erhalten. Begleitet wurde er von Sir Edward Grey, und auf dem Wege fragte ihn Sir Edward: „Was wird Amerika tun, falls die Deutschen ein Ozeanschiff mit amerikanischen Passagieren an Bord versenken?“ – „Ich erwiderte, falls dies geschehen würde, würde eine Welle der Entrüstung über Amerika hinwegfegen, die uns wahrscheinlich in den Krieg hineinziehen würde.“[13] Im Buckingham Palast schnitt auch König Georg das Thema an und nannte sogar ausdrücklich ein mögliches Ziel. Er fragte: »Angenommen, sie versenken die Lusitania mit amerikanischen Passagieren...«[14]

Eine mächtige Explosion, ein nasses Grab

Vier Stunden nach dieser Unterredung wurde durch das Periskop des deutschen U-Bootes U-20 am Horizont der schwarze Rauch der Lusitania entdeckt. Das Schiff kam direkt auf das U-Boot zu, das mit Volldampf für einen 90-Grad-Schuß auf den Ozeanriesen auswich, der kaum 600 Meter entfernt war. Der Torpedo traf drei Meter unter der Wasserlinie kurz vor der Brücke, Steuerbord. Ein zweiter Torpedo wurde vorbereitet, aber nicht benötigt. Unmittelbar nach dieser Explosion gab es eine zweite und viel größere Explosion, die buchstäblich die Seite des zweiten Lagerraumes aufriß und das Schiff auf den Meeresboden schickte. Welch ein Loch muß das gewesen sein! Die Lusitania, eines der größten jemals gebauten Schiffe, sank in weniger als 18 Minuten!

Überlebende der Mannschaft, die während des Angriffs im Kesselraum tätig waren, gaben an, daß die Kessel nicht explodiert waren. Simpson berichtet:

Der deutsche Torpedo war nicht hinter dem Schott des ersten Kesselraumes explodiert, doch weiter vorn zerriß etwas den größten Teil des Schiffsbugs. Es könnten die Drei-Zoll-Granaten der Bethlehem Company gewesen sein, vielleicht die sechs Millionen Schuß Munition oder auch der höchst zweifelhafte Inhalt der Fellballen oder der kleinen Käsekisten. Taucher, die das Wrack begutachtet haben, sagten übereinstimmend aus, der Bug sei von einer gewaltigen inneren Explosion zerstört worden, und große Teile der Panzerung, von der Innenseite verbogen, lägen in einiger Entfernung vom Rumpf.[15]

Als eine Mannschaft des Woods Hole Oceanographic Institute im Sommer 1993 das Wrack inspizierte, stellte sie fest: „Als unsere Kameras über den Frachtraum glitten, gab es eine große Überraschung: Es gab kein Loch ..., wir fanden keinen Beweis, daß ein Torpedo der U-20 explodiert war, womit eine Theorie des Untergangs des Schiffes an Überzeugungskraft verlor.“[16] Es fällt schwer, die Überraschung der Mannschaft zu teilen. Fotografien zeigen, daß das Wrack auf der Steuerbord-Seite, also der rechten Seite, liegt. Weil dort das Torpedo einschlug, ist es nur logisch, daß ein Loch verborgen bleibt. Es müßte sich auf der Seite befinden, die auf dem Ozeanboden liegt. Die Gruppe berichtete, daß sie nur einen Teil der Unterseite des Buges inspizieren konnte. Sicher liegt es daran, daß der größte Teil davon, ebenso wie die gesamte Steuerbord-Seite, im Schlamm vergraben ist. Weil der Torpedo nur drei Meter unter der Wasserlinie getroffen hatte, kann das entstandene Loch nicht einmal in der Nähe des Bodens des Schiffsrumpfes sein, sondern ungefähr auf mittlerer Höhe zwischen dem Hauptdeck und dem Boden. Mit anderen Worten: Es müßte sich ungefähr in der Mitte der Seite befinden, die jetzt dem Meeresgrund zugewandt ist. Wenn kein Loch erkannt werden kann, so heißt das nicht, daß es keine interne Explosion gegeben habe. Statt dessen wäre genau diese zu erwarten.

Wie dem auch sei: Die Lusitania wäre nicht innerhalb von 18 Minuten gesunken, gäbe es nicht irgendwo ein Loch. Selbst die Suchmannschaft mußte dieses indirekt anerkennen, als sie auf die Frage stieß, was die zweite Explosion verursacht haben könnte. In dem offensichtlichen Versuch, keiner »Verschwörungstheorie« Nahrung zu geben, stellte der Bericht abschließend fest, die Explosion sei vermutlich nicht von Munition, sondern von Kohlenstaub verursacht worden.

Letzten Endes scheint es relativ unerheblich, ob die Explosion von Waffen oder durch Kohlenstaub ausgelöst wurde. Es genügt hier festzuhalten, daß sie auch von Munition hätte verursacht werden können.

Eiliges Vertuschen

Eine offizielle Untersuchung unter der Leitung von Lord Mersey sollte die Umstände der Versenkung und die Schuldfrage klären. Von Anfang an war dies eine zusammengebastelte Angelegenheit. Alle Beweise und Zeugenaussagen wurden sorgfältig begutachtet, um sicherzustellen, daß nichts in die Unterlagen einging, was die Doppelzüngigkeit der britischen und amerikanischen Beamten entlarvt hätte. Unter den Papieren, die Lord Mersey vor der Anhörung übergeben wurden, befand sich auch eines von Kapitän Richard Webb, einem der Männer, die von der Marine für die Vertuschung ausgewählt worden waren. Darin stand: „Ich wurde angewiesen von der Admiralität, Sie zu informieren, daß es für politisch zweckdienlich gehalten wird, Kapitän Turner als Befehlshaber auf der Lusitania als Hauptschuldigen des Unheils hinzustellen.“[17]

Der Schlußbericht ist ein äußerst interessantes Dokument. Wer ihn ohne Kenntnis der Fakten liest, könnte zu der Ansicht gelangen, Kapitän William Turner sei dafür verantwortlich gewesen. Dennoch versuchte Mersey, diese Darstellung abzuschwächen. Er schrieb: „Die Schuld sollte nicht dem Kapitän angelastet werden ..., daß er den Ratschlägen nicht in jeder Beziehung folgte, kann man rechtmäßigerweise nicht einer Nachlässigkeit oder Inkompetenz zuschreiben.“ Dann fügte er einen letzten Absatz hinzu, der oberflächlich betrachtet eine Verurteilung der Deutschen sein mag, aber mit dem Verständnis der Hintergründe eine Anklage von Churchill, Wilson, House und Morgan war:

Die ganze Schuld für die grausame Zerstörung von Leben in dieser Katastrophe liegt ausschließlich auf denen, die das Verbrechen ersonnen, und bei denen, die es ausgeführt haben. [18]

War sich Lord Mersey der Doppeldeutigkeit dieser Worte bewußt? Möglicherweise nicht, aber zwei Tage nach seinem Bericht schrieb er Premierminister Asquith und lehnte die Vergütung für seine Dienste ab. Er fügte hinzu: „Ich bitte darum, künftig nicht mit der Wahrnehmung von Aufgaben der Justiz seiner Majestät betraut zu werden.“ Später kommentierte er die Ereignisse äußerst knapp: „Der Lusitania-Fall war ein verdammt schmutziges Geschäft.“[19]

Der Ruf nach Krieg

Der Zweck des Komplottes wäre besser erfüllt gewesen, hätten die Deutschen ein amerikanisches Schiff versenkt, doch ein britisches Schiff mit 195 ertrunkenen Amerikanern genügte auch. Die Beteiligten verloren keine Zeit, die öffentlichen Gefühle aufzuwühlen. Wilson schickte der Kaiserlichen Deutschen Regierung ein empörtes Telegramm, das weithin von der Presse zitiert wurde.

Zu dieser Zeit war Bryan schon vollständig desillusioniert von der Doppelzüngigkeit seiner eigenen Regierung. Am 9. Mai schickte er Wilson einen in scharfem Ton abgefaßten Brief:

Deutschland besitzt das Recht, den Versand von Kriegskonterbande an die Alliierten zu verhindern, und ein Schiff, das solche Konterbande führt, darf sich nicht auf Passagiere als Schutz gegen Angriff verlassen. Es wäre so, als würde man Frauen und Kinder vor eine Armee stellen. [20]

Wilson ließ sich von seinem Vorhaben nicht abbringen. Seinem ersten Schreiben folgte ein zweites mit drohendem Unterton, das am 1. Juni intensiv im Kabinett beraten wurde. Der bei der Besprechung anwesende McAdoo hierzu:

Ich erinnere mich, daß Bryan auf dieser Sitzung wenig zu sagen hatte, er hatte die Augen die meiste Zeit halb geschlossen. Nach der Sitzung sagte er dem Präsidenten – wie ich später erfuhr -, er könne das Schreiben nicht unterzeichnen ..., dann bemerkte er, er könne als Außenminister nicht länger nützlich sein, und schlug seine Ablösung vor.[21]

Auf Bitten Wilsons wurde McAdoo zu Bryan nach Hause geschickt, um ihn zu einem Sinneswandel zu überreden, da man seinen Rücktritt als Zeichen von Uneinigkeit im Kabinett werten könnte. Bryan wollte sich die Sache noch einen Tag überlegen, aber am nächsten Morgen war er entschlossen. In seinen Memoiren, die von seiner Frau mit Anmerkungen versehen wurden, enthüllte Mrs. Bryan, ihr Mann habe in dieser Nacht nicht schlafen können. „Er war so unruhig, daß ich ihm vorschlug, ein bißchen zu lesen, um müde zu werden. Er hatte in seiner Tasche ein altes Buch aus dem Jahre 1829 mit dem Titel A Wreath of Appreciation of Andrew Jackson. Er fand es höchst interessant.“[22] Welche Ironie! Im Kapitel 17 lesen wir von dem verbitterten Kampf Präsident Jacksons gegen die Bank der Vereinigten Staaten, der Vorläuferin des Federal Reserve Systems, und seiner Vorhersage:

Geht keine Gefahr für unsere Freiheit und Unabhängigkeit von einer Bank aus, deren Natur sie so wenig an unser Land bindet? ... Kein Grund zur Sorge um die Reinheit unserer Wahlen im Frieden und die Unabhängigkeit unseres Landes zu Zeiten des Krieges? ... Weil sie unsere Währung kontrolliert, die öffentlichen Gelder verwaltet und Tausende unserer Bürger in ihrer Abhängigkeit hält, könnte sie ernstzunehmender und gefährlicher sein als die Kriegsschiffe oder Armeen eines Feindes. [23]

Es wäre spannend zu wissen, welche Gedanken Bryan durch den Kopf gingen, als er von Jacksons Warnung las und dies auf die künstlich erzeugte Kriegshysterie in diesen Tagen anwandte, die von den Finanzkräften der Wall Street und der neu geschaffenen Federal Reserve geschürt wurde.

Aus England schickte Oberst House ein Telegramm an Präsident Wilson, der es im Kabinett verlas. Es rief Tausende von Leitartikeln aller Zeitungen im ganzen Land hervor. House schrieb in getragenen Worten:

Amerika steht an einem Scheideweg, wo es sich entscheiden muß, ob es für zivilisierte oder unzivilisierte Kriegsführung steht. Nicht länger dürfen wir neutrale Zuschauer bleiben. Unsere Handlungen in dieser Krisenzeit werden die Rolle bestimmen, die wir im Frieden einnehmen werden. Und wie weit wir einen Friedensschluß für das ewige Wohl der Menschheit beeinflussen können. In der Zeit der Balance werden wir gewogen, und unsere Stellung unter den Nationen wird von der Menschheit bewertet. [24]

In einem weiteren Telegramm zwei Tage später entlarvt sich House als ein psycho-politischer Meister, der auf Wilsons Ego zu spielen vermochte wie ein Geiger die Saiten einer Stradivari. Er schrieb:

Sollte unglücklicherweise der Krieg nötig sein, werden Sie hoffentlich der Welt ein Beispiel amerikanischer Tüchtigkeit zeigen, die eine Lektion für ein Jahrhunden oder länger sein soll. Es wird allgemein geglaubt in Europa, wir seien so unvorbereitet und daß es so lange dauern würde, unsere Möglichkeiten auszuschöpfen, daß unser Eintritt in den Krieg kaum etwas bewirken würde.
Im Falle eines Krieges sollten wir die Herstellung von Munition so beschleunigen, daß wir nicht nur unsere Truppen, sondern auch die der Alliierten damit ausstatten könnten ... und dies so schnell, daß die Welt darüber verwundert wäre.[25]

Dem gemeinsamen Druck der Presse und des Präsidenten konnte der Kongreß nicht standhalten. Am 16. April 1917 erklärten die USA Deutschland den Krieg (und im Dezember Österreich-Ungarn). Acht Tage später verabschiedete der Kongreß pflichterfüllt das Kriegsdarlehens-Gesetz, das eine Milliarde Dollar für die Alliierten vorsah. Schon am nächsten Tag wurden den Briten 200 Millionen Dollar überwiesen, die jedoch sofort zur Schuldentilgung an Morgan weitergingen. Ein paar Tage später wurden 100 Millionen für Frankreich bereitgestellt. Doch der Aderlaß ging weiter. Innerhalb von drei Monaten hatten die Briten bei Morgan schon 400 Millionen Dollar überzogen, und die Bank wandte sich an die Regierung mit einer Zahlungsaufforderung. Doch anfangs sah sich das Finanzministerium nicht in der Lage, so viel Geld aufzubringen, ohne seine eigenen verfügbaren Mittel zu gefährden, und lehnte eine Zahlung ab. Mit Hilfe eines Finanzmanövers, beschrieben in Kapitel 10, wurde dieses Problem jedoch rasch gelöst: Unter Benjamin Strong schuf das Federal Reserve System die benötigten Mittel mit Hilfe des Mandrake-Mechanismus. „Die Regierung Wilson fand sich in der unangenehmen Position, J. P. Morgan aus der Patsche helfen zu müssen“, schrieb Ferrell, doch Benjamin Strong „[Finanzminister] bot an, McAdoo zu helfen. In den folgenden Monaten von 1917 bis 1918 zahlte das Ministerium Morgan Stückchen für Stückchen der Überziehung.“[26] Gegen Ende des Krieges hatte das Ministerium insgesamt 9 466 000 000 einschließlich 2170 000 000 Dollar nach dem Waffenstillstand ausgeliehen.

Dies waren die Summen, auf die man lange gewartet hatte. Zusätzlich zu den Morgan-Darlehen wurden weit größere Gewinne mit der Kriegsproduktion erzielt. Schon Monate vor der Kriegserklärung hatte sich die Regierung insgeheim vorbereitet. Dem damaligen Ministerialdirektor der Marine, Franklin D. Roosevelt, zufolge hatte man bereits im Herbst 1916 umfangreiche Kriegsmaterialien anzulegen begonnen.[27] Ferdinand Lundberg fügt hinzu:

Es war kein Zufall, daß alle strategischen Regierungsposten, vornehmlich solche, die mit Einkauf zu tun hatten, für die Wall-Street-Patrioten reserviert waren. Bei den meisten wichtigen Berufungen konsultierte Wilson [den Präsidenten von Rockefeller’s National City Bank/ Dodge, der den bis dahin unbekannten Bemard Baruch, einen Spekulanten in Kupfer-Aktien, als Vorsitzenden des allmächtigen War Industries Board vorschlug...
Als Leiter dieser Kommission gab Baruch jährlich zehn Milliarden Dollar aus ... Baruch füllte dieses Amt und alle Ausschüsse mit früheren und künftigen Manipulatoren der Wall Street, Industrialisten, Financiers und Agenten ..., die die Preise auf einer „Kosten-plus“-Basis festlegten, und – wie Untersuchungen feststellten – achtete darauf, daß die Kosten großzügig gepolstert wurden, um versteckte Profite abzuwerfen ...
Die amerikanischen Soldaten in den Schützengräben, die Arbeiter zu Hause, die ganze Nation in Waffen ..., sie kämpften nicht nur, um Deutschland zu unterwerfen, sondern auch gegen sich selbst. Daß dieser Interpretation nichts Metaphysisches anhaftet, wird klar an der Feststellung, daß die gesamten Kriegsausgaben der Vereinigten Staaten vom 6. April 1917 bis zum 31. Oktober 1919, als die letzten Truppen aus Europa zurückkehrten, 35.413.000.000 Dollar betragen hatten. Die Netto-Unternehmensgewinne zwischen dem 1. Januar 1916 und Juli 1921, als die industriellen Kriegsaktivitäten endgültig eingestellt wurden, betrugen 38.000.000.000 Dollar und lagen damit ungefähr so hoch wie die gesamten Kriegsausgaben. Mehr als zwei Drittel dieser Unternehmensgewinne wurden von genau den Unternehmen eingestrichen, die von dem Pujo-Ausschuß als unter der Kontrolle des „Geld-Trustes“ stehend bezeichnet worden waren.[28]

Mit Hilfe des Federal Reserve Systems war das Bankenkartell in der Lage, Geld für Frankreich und England zu schaffen, damit diese beiden Nationen es amerikanischen Banken zurückzahlen konnten ..., genauso wie dieses erneut im Zweiten Weltkrieg und dann wieder zu Zeiten des „großen Bailouts“ in den 1980er und 1990er Jahren geschah. Tatsächlich war 1917 die kürzlich eingeführte Einkommensteuer ein praktisches Instrument, um viel Geld für die Kriegführung einzuziehen und um, wie Beardsley Ruml etwas später erklärte, Kaufkraft der Mittelklasse abzuschöpfen. Doch der größte Batzen kam, wie immer in Kriegszeiten, nicht von der Direktbesteuerung, sondern von der versteckten Steuer, genannt Inflation. Zwischen 1915 und 1920 verdoppelte sich die Geldmenge von 20,6 Milliarden auf 39,8 Milliarden Dollar.[29] Umgekehrt fiel während des Ersten Weltkrieges die Kaufkraft um beinahe 50 Prozent. Mit anderen Worten: Die Amerikaner haben unwissentlich rund die Hälfte jeden existierenden Dollars an die Regierung bezahlt. Und dies natürlich zusätzlich zu ihren Steuern. Dieser massive Zuwachs an Geld war das Ergebnis des Mandrake-Mechanismus und kostete nichts. Doch die Banken durften Zinsen dafür verlangen. Die uralte Partnerschaft zwischen der Politik und dem Finanzwesen hatte ihre Mission erfüllt.

Zusammenfassung

Um den Anfang des Ersten Weltkrieges zu finanzieren, mußten England und Frankreich viel Geld von amerikanischen Investoren borgen und hatten sich für die Vermittlung ihrer Schuldverschreibungen das House of Morgan ausgesucht. Morgan wurde für sie auch als Einkaufsvermittler für Kriegsmaterial tätig und profitierte deshalb zweimal: wenn das Geld geborgt wurde und wenn es ausgegeben wurde. Weitere Profite entstanden durch die Vergabe der Aufträge an Unternehmen, die unter dem Einfluß von Morgan standen. Doch der Krieg wurde für die Alliierten bedrohlich, als deutsche U-Boote die atlantischen Schiffahrtsrouten zu kontrollieren begannen. Als es so aussah, als würden England und Frankreich in die Nähe einer Niederlage oder eines Waffenstillstandes nach deutschen Bedingungen kommen, wurde es zunehmend schwieriger, ihre Anleihen zu plazieren. Keine Anleihen hieß keine Einkäufe, und Morgans Cashflow geriet in Gefahr. Außerdem, falls die schon früher ausgegebenen Schuldverschreibungen wertlos würden, wie dies in Folge einer Niederlage zu erwarten war, hätte das Morgan-Konsortium gigantische Verluste erlitten.

Der einzige Weg, das Britische Empire zu retten, den Wert der Anleihen wiederherzustellen und Morgans Cashflow zu erhalten, bestand darin, daß die amerikanische Regierung mit Geld einsprang. Da aber neutrale Staaten durch internationale Verträge daran gehindert waren, mußte man Amerika in den Krieg ziehen. Zwischen britischen Beamten und Oberst House wurde mit dem Einverständnis des Präsidenten ein entsprechendes geheimes Abkommen getroffen. Von diesem Augenblick an drängte Wilson den Kongreß zu einer Kriegserklärung. Dies geschah genau zu der Zeit, als er mit der Parole „Er hält uns aus dem Krieg heraus“ für eine Wiederwahl kandidierte. In der Zwischenzeit hatte Morgan sich die Kontrolle über große Teile der Medien gesichert, mit denen er dann einen landesweiten „Zeitungs-Blitzkrieg“ gegen Deutschland führen konnte, indem er den Eintritt in den Krieg als einen Akt amerikanischen Patriotismus hinstellte.

Morgan hatte bereits ein internationales Schiffahrtskartell geschaffen, einschließlich der deutschen Handelsflotte, das auf hoher See beinahe ein Monopol besaß. Nur die britische Cunard Lines blieb abseits. Die Lusitania gehörte dazu und stand im Wettbewerb mit Morgans Kartell. Die Lusitania war nach militärischen Spezifikationen gebaut und bei der britischen Admiralität als ein bewaffneter Hilfskreuzer registriert worden. Die Passagiere dienten der Verhüllung der wahren Aufgabe, nämlich Kriegskonterbande aus den Vereinigten Staaten zu holen. Dies war Wilson und anderen Personen der Regierung bekannt, ohne daß sie etwas dagegen unternahmen. Als die deutsche Botschaft eine Warnung an amerikanische Passagiere drucken lassen wollte, intervenierte das Außenministerium gegen die Veröffentlichung. Als die Lusitania zu ihrer letzen Fahrt den New Yorker Hafen verließ, war sie im Grunde ein schwimmendes Waffendepot.

Die Briten wußten, daß die Verwicklung der Vereinigten Staaten in den Krieg den Unterschied zwischen Niederlage und Sieg ausmachen würde, und jede dazu taugliche Maßnahme schien willkommen – selbst das kaltblütig geplante Opfer eines seiner größten Schiffe mit Engländern an Bord. Doch der Trick bestand darin, auch Amerikaner an Bord zu haben, um ein emotional aufgeheiztes Klima in den Vereinigten Staaten zu schaffen. Als die Lusitania in feindliche Gewässer vorstieß, wo ein deutsches U-Boot auf der Lauer lag, befahl der britische Marineminister Winston Churchill den Abzug des Zerstörers, der das Schiff schützen sollte. Dieser Zug wie auch die befohlene Verringerung der Geschwindigkeit machte aus der Lusitania ein leichtes Ziel. Nach dem Einschlag eines gut gezielten Torpedos zerriß eine zweite Explosion von innen das Schiff, das viele für unsinkbar hielten, und es gurgelte in weniger als 18 Minuten auf den Meeresgrund.

Die Tat war vollbracht, und sie erzeugte ganze Wellen der Abneigung gegen die Deutschen. Diese Wellen überfluteten auch Washington und spülten die Vereinigten Staaten in den Krieg hinein. Innerhalb weniger Tage nach der Kriegserklärung billigte der Kongreß einen Milliardenkredit für England und Frankreich. 200 Millionen Dollar wurden umgehend nach England geschickt und auf Konten von Morgan geleitet. Die gewaltigen, für den Krieg benötigten Geldmengen wurden vom Federal Reserve System geschaffen, also von den Amerikanern mit Hilfe der versteckten Steuer, Inflation genannt, eingezogen. Innerhalb von nur fünf Jahren hatte diese Steuer die Hälfte all ihrer Ersparnisse verschlungen. Die unendlich höheren Kosten in Form amerikanischen Blutes kamen auf diese Rechnung obendrauf.

So kam es also, daß vollkommen verschiedene Motive solch unterschiedlichsten Persönlichkeiten wie Churchill, Morgan, Oberst House und Wilson sich in dem einen Punkt zusammenfanden: Amerika in den Ersten Weltkrieg zu treiben. Churchill suchte den militärischen Vorteil, Morgan strebte nach den Kriegsgewinnen, House hatte es auf politische Macht abgesehen, und Wilson träumte von der Chance, nach dem Kriege einen Völkerbund zu dominieren.

Quelle: Auszüge eines Textbeitrages aus G. Edward Griffin: Die Kreatur von Jekyll Island: Die US-Notenbank Federal Reserve – Das schrecklichste Ungeheuer, das die internationale Hochfinanz je schuf, S. 282–299


Umstände der Versenkung

Die „Lusitania“ fuhr mit Tarnfarben, die Versenkung erfolgte ohne Vorwarnung durch das getauchte U-Boot, das auf Periskopbefund schoß. Die Kontroverse entzündet sich, seerechtlich gesehen, an der Frage, ob die Versenkung ohne Vorwarnung zulässig war und ob die „Lusitania“ den U-Boot-Regeln für Passagierschiffe oder denen für Kriegsschiffe unterlag.

Die „Lusitania“ fuhr zum Zeitpunkt des Torpedierens ohne Flagge, ihr Name war mit schwarzer Farbe unkenntlich gemacht, ihre Schornsteine zeigten nicht die Cunard-Reedereifarben, sondern waren einheitlich schwarz gestrichen. Ebenso waren ihre Rettungsboote frisch in grau – statt wie normal weiß – gestrichen. Die Frage der Schornsteinfarbe bzw. der Rettungsboote war lange umstritten. Der diesbezügliche Logbucheintrag des Kommandanten von U 20 wurde als Schutzbehauptung betrachtet. Der tatsächlich geführte Farbanstrich wurde aber durch Dokumente, wie etwa dem Brief eines Opfers, endgültig geklärt. Außerdem transportierte sie Munition. Zusätzlich ist noch zu berücksichtigen, daß ein Auftauchen des Bootes und ein Warnschuß zum sofortigen Abdrehen des Dampfers geführt hätte, der durch seine überlegene Geschwindigkeit leicht hätte entkommen können. Auch wurde durch die britische Unart, sich als neutrales oder ziviles Schiff zu tarnen und dann auf aufgetauchte U-Boote mit versteckten Geschützen zu feuern, was für deren ungepanzerte Hülle höchst gefährlich war, es den deutschen Booten nicht ermöglichte, Kontrollen durchzuführen. Das alles war im Interesse Churchills, der sich dadurch Verwicklungen Deutschlands mit anderen Mächten erhoffte und den Tod unschuldiger Zivilisten, auch von Briten, nicht nur billigend im Kauf nahm, sondern im Sinne der Nützlichkeit für die antideutsche Greuelpropaganda begrüßte.

„Die Lusitania war kein friedlicher Passagierdampfer, sondern gehörte zu der britischen Kriegsflotte. In ‚The times book of the Navy‘, das zu Beginn des Krieges mit einer Vorrede des Admirals Lord Charles Beresford herausgegeben wurde, sind in einem Anhang ‚The ships of the british fleet‘ die Dampfer der Cunard-Linie Lusitania und Mauretania unter der Benennung ‚Royal naval reserved merchant cruisers‘, also als der Reserve der königlichen Kriegsmarine angehörige Handelskreuzer angeführt. Die Lusitania wird ausdrücklich bezeichnet als ‚permitted to fly the blue ensign‘, berechtigt die blaue Flagge (welche die Reserve der Kriegsflotte kennzeichnet) zu führen. [...] Bekanntlich wurde nach der Torpedierung der Lusitania von englischer Seite offiziell dementiert, daß das Schiff Munition an Bord geführt habe. Die Note der deutschen Regierung an die Vereinigten Staaten behauptete hingegen unter anderem, daß das Schiff 5.400 Kisten Munition führte. Der amtliche Bericht des Führers des deutschen Unterseebootes erklärt, daß nur ein einziges Torpedo abgeschossen worden sei, während die übereinstimmende Aussage der geretteten Passagiere dahin geht, daß drei Explosionen erfolgten – ein für die Deutschen ausschlaggebender Beweis für die Beschaffenheit der Ladung. Die letzte amerikanische Note an Deutschland leugnete auch nicht die Möglichkeit, daß sich Munition in der Ladung befunden habe. Von britischer Seite wurde, wahrscheinlich wahrheitsgemäß, behauptet, die Lusitania sei nicht bewaffnet gewesen. Aber ob ein Kriegsfahrzeug bei einer einzelnen bestimmten Gelegenheit bewaffnet sei oder nicht, war für den Führer des deutschen Unterseeboots unmöglich zu unterscheiden. Hingegen wußte er, daß die englische Regierung Handelsschiffe zum Widerstand gegen Unterseeboote ermutigte und sie mit Prämien belohnte, sofern es ihnen gelang eines zu versenken. Nicht einmal warnen konnte das Unterseeboot die Lusitania. Es mußte mit der Wahrscheinlichkeit der Armierung des Schiffes rechnen, und ein einziger Schuß aus dessen 15 cm-Kanonen hätte dann genügt, das Boot in den Grund zu bohren. Und selbst, wenn das große Schiff unbewaffnet war, vermochte das Unterseeboot nicht es zu warnen, da es sich sonst der Gefahr ausgesetzt hätte, von dem ungleich schnelleren Dampfer überrannt und versenkt zu werden. Jedenfalls würde eine Warnung das so rasch fahrende Schiff augenblicklich überhaupt jeder Gefahr entzogen haben. Daß die Lusitania keine Kriegsflagge führte, konnte nicht ins Gewicht fallen, da selbst die britischen Kriegsschiffe sich mit der Flagge neutraler Staaten deckten. Die vielen unschuldigen Passagiere, die sich auf dem Schiff befanden und die trotz der Warnung der deutschen Gesandtschaft in Amerika an Bord gegangen waren, ahnten natürlich nicht, daß sich Kriegsmaterial unter der Schiffsladung befand, taten also wider Willen und Wissen einen ähnlichen Dienst wie jene Zivilpersonen, die, wie es nach der Behauptung kämpfender Heere vorkommen soll, vom Feinde vor seiner Front hergetrieben werden.“[30]

Verhalten der VSA nach der Versenkung

Nach der Versenkung des Schiffes und dem Tod von 124 VS-Bürgern sah sich der VS-Präsident Woodrow Wilson veranlaßt, eine Verschärfung des Tons in den deutsch-amerikanischen Beziehungen anzuschlagen.

Stimmen, die sich gegen diesen in den Weg stellten, wie etwa der von Außenminister William Jennings Bryan, wurden von Kabinettsmitgliedern sehr schnell isoliert. Bryan hatte noch am Abend der Versenkung eine Kommission beauftragt, die dem längst vorhandenen Verdacht nachgehen sollte, daß die Briten militärische Fracht geladen hätten. Bereits am nächsten Tag stand nach Überprüfung der Ladepapiere fest, daß die „Lusitania“ 4.200 Kisten Munition und 1.250 Kisten Granathülsen an Bord gehabt hatte.

Bryan äußerte sich daraufhin gegenüber Wilson, daß es das Recht der Deutschen sei, Konterbande zu bekämpfen und es nicht angehen könne, Passagiere, darunter Frauen und Kinder, als menschliche Schutzschilde zu mißbrauchen. Ähnlich sah dies auch die VS-amerikanische Bevölkerung, die trotz der Tragödie keinen Anlaß einer Verstrickung in den europäischen Krieg sah.

Nach einer scharfen Debatte bei der Kabinettsitzung am 11. Mai 1915, bei der Bryan keine Mehrheit für seine ausgleichenden Ansichten gewinnen konnte, willigte er gegen seine Meinung in die sogenannte „Erste Lusitania-Note“ ein, forderte jedoch, eine abschwächende Erklärung zu dieser Note in der Presse erscheinen zu lassen, was Colonel Edward Mandell House, der damalige Kriegsminister und andere Politiker während einer Intervention bei Wilson vereitelten. Wilson bat Bryan deshalb am 13. Mai, die Erklärung zurückzuziehen. Am 15. Mai wurde daraufhin die Lusitania-Note ohne verständigende Zusätze übermittelt.

Nachdem auch eine Zweite Lusitania-Note, welche in ihrer Form einem Ultimatum glich, in aller Schärfe den Angriff des deutschen U-Bootes als Verbrechen dargestellt hatte, das die VSA in einen Krieg hätte stürzen können, trat Bryan als Außenminister zurück.

Die „Lusitania“ absichtlich geopfert?

Karikatur im „Kladderadatsch“:
Im „Weisen Haus“ in Washington
Mister Wilson, in der „Lusitania“-Debatte:
„Meine Herren! Soviel Opfermut müssen die Söhne der großen Republik Amerika schließlich haben, daß sie zum Besten unseres Munitionsgeschäfts gelegentlich ertrinken!“

Einige bekannte Historiker und Buchautoren stellten die These auf, die britische Admiralität habe, eingefädelt vor allem vom Ersten Seelord – Marineminister Winston Churchill – die „Lusitania“ absichtlich vor das deutsche U-Boot gelotst, um durch den Unmut über amerikanische Todesopfer die Öffentlichkeit der VSA auf seiten der sogennanten Entente in den Krieg zu bringen. In der Tat gibt es Ungereimtheiten über den Wissensstand der Admiralität, welche die „Lusitania“ ja leicht hätte retten können, wenn sie diese über die Nordküste Irlands hätte fahren lassen. Die Unterlagen zu dem Vorfall beim British Naval Intelligence Department sind weiterhin geheim.

Belegt ist, daß es der britischen Admiralität im Dezember 1914 gelungen war, die codierten Funksprüche der deutschen Marine zu entschlüsseln. Diese Arbeit erledigte die unter dem Decknamen „Room 40“ arbeitende Funkentschlüsselungsabteilung. Churchill hatte angeordnet, die eingegangenen gegnerischen Funksprüche ihm persönlich auszuhändigen. Über deren Inhalt informierte er dann den Chief of the War Staff, Vizeadmiral Sir Henry Oliver und einige ausgewählte Offiziere. Am 5. Mai 1915, zwei Tage vor dem Untergang, ließ sich Churchill die genaue Position von U 20 erklären. Das deutsche U-Boot befand sich nahe jener Position bei Fastnet, an der die Juno, ein britischer Kreuzer, den Geleitschutz für die Lusitania übernehmen sollte. Nachdem der Chief of the War Staff Churchill erklärt hatte, daß der wartende Kreuzer einer deutschen U-Boot-Attacke nichts entgegensetzen könnte, waren sich beide einig, die Juno wieder nach Queenstown zurückzuschicken. Der Kapitän des Schiffes erhielt diese Anweisung noch am selben Tag. Gleichzeitig wurde jedoch jede Unterweisung Kapitän Turners über diese Maßnahme unterlassen. Die „Lusitania“ steuerte daraufhin ohne Richtungsänderung auf den nun verlassenen Treffpunkt zu. Erst als U 20 bereits zwei andere britische Schiffe bei Fastnet versenkt hatte, meldete die Marinestelle in Queenstown dies an die „Lusitania“. Deren Kapitän hielt jedoch unbeirrt an dem von der Admiralität vorgeschriebenen Kurs fest, so wie es seinen Befehlen entsprach – mit Ziel Liverpool. Am Mittag des 7. Mai erhielt Turner den verhängnisvollen Befehl, nicht Liverpool, sondern Queenstown, wo bekannterweise seit mehreren Tagen U 20 patrouillierte, anzusteuern.

Argumente für Vorsätzlichkeit der Kriegsgegner Deutschlands

  • Die Anfrage des britischen Außenministers an den Chefberater des Weißen Hauses über das Verhalten der VSA bei einer deutschen Attacke gegen ein Passagierschiff („Das wird den Krieg bringen“)
  • Seit dem 5. Mai, dem Tag, als der vorgesehene Geleitschutz zurückbeordert wurde, wurden der „Lusitania“ irreführende Positionsangaben des deutschen U-Bootes U 20 gefunkt. An diesem Tag erfuhr auch Churchill die genaue Standortbestimmung von U 20.
  • Turner wurde verschwiegen, daß der sicherere Weg nach Liverpool um die Nordostküste Irlands bereits einige Tage zuvor freigegeben worden war.
  • Das Verhalten der Admiralität gegenüber Kapitän Turner nach der Versenkung, diesen als Hauptschuldigen darzustellen
  • Churchill legte später dar, daß er die Verschärfung des U-Boot-Krieges und damit den getauchten Angriff der Deutschen bewußt provoziert habe: „Getaucht liefen sie ein größeres Risiko, ein neutrales für ein britisches Schiff zu halten und neutrale Seeleute zu töten, womit Deutschland in Auseinandersetzungen mit anderen Mächten verwickelt wurde.“[31]

Verfahren nach dem Krieg

Die britische Admiralität versuchte ihre Verantwortung auf den Kapitän der „Lusitania“ – William Turner – abzuwälzen und beschuldigte ihn, durch falsches Verhalten und durch Mißachtung von Befehlen zur Versenkung beigetragen zu haben. In einem Schreiben der Admiralität, dem auch Churchill zustimmte, wurde dem zuständigen Richter Lord Mersey nahegelegt, daß er Turner als Hauptschuldigen verurteilen solle. In dem folgenden Gerichtsverfahren des Board of Trade wurde Kapitän Turner von Lord Mersey jedoch rehabilitiert. Mersey war von dem Verhalten der Admiralität so empört, daß er von seinem Amt als Richter zurücktrat.

Die spätere gerichtliche Würdigung vor dem Neu Yorker Appellationsgericht Ende Januar 1923 ergab, daß die „Lusitania“ sehr wohl Munition an Bord gehabt hatte und somit die deutsche Versenkung nicht als Seerkriegsverbrechen, sondern als eine regelkonforme Kriegshandlung anzusehen war. Laut eidesstattlicher Aussage von Kapitän Turner waren u. a. 1.271 Kisten Munition, 189 Pack sonstiges Kriegsmaterial, 260.000 Pfund Messingplatten, 111.762 Pfund Kupfer, 58.465 Pfund Kupferdraht sowie 4.200 Kisten mit Patronen und sonstigen Granaten an Bord des Schiffes.

Ein Grund für die Wirrungen ist, daß Kapitän Turner am 7. Mai 1915 den Befehl erhielt, nicht wie geplant Liverpool, sondern Queenstown anzulaufen. Dadurch geriet die „Lusitania“ unmittelbar in den Wirkungskreis von U 20, welcher der britischen Admiralität zuvor durch ihre Decodierabteilung „Room 40“ bekannt war. Zudem hatte man bereits am 5. Mai den britischen Kreuzer „Juno“, der von dort den Geleitschutz für die „Lusitania“ hätte übernehmen sollen, von dessen Position am Fastnet-Felsen abgezogen. Die britische Admiralität übermittelte Turner irreführende Positionsangaben des deutschen U-Bootes und verschwieg dabei wissentlich die Tatsache, daß drei Tage zuvor die alternative Liverpool-Route um die Nordküste Irlands freigegeben worden war.

Die Akten des British Naval Intelligence Department, die sich auf die „Lusitania“ und ihre Ladung beziehen, sind im Navy Records Office in Bath aufbewahrt. Sie befinden sich auch im Jahr 2015 noch immer auf der Geheimliste und somit unter Verschluß. Als VS-Präsident Woodrow Wilson in zwei Noten gegen Deutschland verlangte, die Versenkung der „Lusitania“ als Verbrechen zu verurteilen, trat der amerikanische Außenminister William Jennings Bryan zurück, weil die Note Wilsons den Charakter eines Ultimatums hatte und die Vereinigten Staaten in einen Krieg mit Deutschland hätte verwickeln können.

Siehe auch

Literatur

  • Hans Steinuth: Lusitania, 1915 (Netzbuch)

Verweise

Fußnoten

  1. in: Werner von Langsdorff: U-Boote am Feind (1937), S. 33 (PDF-Datei)
  2. 2,0 2,1 2,2 G. Edward Griffin: Die Kreatur von Jekyll Island: Die VS-Notenbank Federal Reserve – Das schrecklichste Ungeheuer, das die internationale Hochfinanz je schuf, Kopp-Verlag, Rottenburg 2006. ISBN 978-3938516287
  3. Simpson, S. 17–28, 70
  4. Simpson, S. 87
  5. „Riddle of the Lusitania“ von Robert Ballard in: National Geographie, April 1994, S. 74
  6. Winston Churchill: The World Crisis (New York: Scribner’s Sons, 1949), S. 300, und Barnes & Noble (Nachdruck), 1993, S. 464
  7. Churchill, S. 274–275
  8. Simpson, S. 37, und Diaries of Admiral Sir Hubert Richmond, 27. Februar 1915, National Maritime Museum in Greenwich
  9. Simpson, S. 37
  10. Schießbaumwolle explodiert dreimal heftiger als Schießpulver in einem geschlossenen Raum, und sie kann mit viel niedrigeren Temperaturen entzündet werden. Siehe Manuel Eissler, Modern High Explosives (New York: John Wiley & Sons, 1914), S. 110, 112, 372
  11. Simpson, S. 97
  12. Joseph Kenworthy / George Young: The Freedom of the Seas (New York: Ayer Company, 1929), S. 211
  13. Seymour, Band I, S. 432
  14. Seymour, Band I, S. 432
  15. Simpson, S. 157
  16. „Riddle of the Lusitania“ von John Ballard, S. 74, 76
  17. The Papers of Lord Mersey, zitiert von Simpson, S. 190
  18. Simpson, S. 241
  19. Simpson, S. 241
  20. Bryan, Band u, S. 398–399
  21. McAdoo, S. 333
  22. Bryan, Band u, S. 424
  23. Herman E. Krooss, Documentary History of Banking and Currency in the Unites States (New York: Chelsea House, 1983), Band m, S. 26–27
  24. Seymour, S. 434
  25. Seymour, S. 435
  26. Ferrell, S. 89, 90
  27. Clarence W. Barron: They Told Barron; Notes of Clarence Walker Barron, herausgegeben von Arthur Pund und Samuel Taylor Moore (New York: Harper and Brothers, 1930), S. 51
  28. Lundberg, S. 134, 144–145
  29. Banking and Monetary Statistics 1914–1942 (Washington, D.C.: Board of Governors of the Federal Reserve System, 1976), S. 34
  30. Georg Brandes: Der Tragödie zweiter Teil – Der Friedensvertrag (1920), S. 6 ff.(PDF-Datei)
  31. Janusz Piekalkiewicz: Der Erste Weltkrieg, S. 277

Meine Werkzeuge