Möbel aus Menschenknochen

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Das Märchen von angeblichen Möbeln aus Menschenknochen wurde schon Schulkindern in der DDR im Zusammenhang mit dem Konzentrationslager Buchenwald und Ilse Koch erzählt.

Die Netzseite „Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora“ weiß darüber zu berichten:

„Josef Ackermann, politischer Häftling in der Pathologie und Sekretär des Lagerarztes Waldemar Hoven war, wie er 1950 vor Gericht als Zeuge aussagte, der Überbringer einer [angeblichen] Lampe aus Menschenhaut an Ilse Koch. Der Lampenfuß sei aus einem menschlichen Fuß und Schienbein angefertigt worden; auf dem Schirm habe man Tätowierungen und sogar noch Brustwarzen gesehen. Anläßlich der Geburtstagsparty von Koch [August 1941 – H.S.] habe er von Lagerarzt Hoven den Auftrag erhalten, die Lampe in die Villa Koch zu bringen. Das tat er. Einer der Partygäste habe ihm später erzählt, die Präsentation der Lampe sei ein Riesenerfolg gewesen.“[1]
Quelle
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In den ersten Jahren nach 1945 tauchten im Rahmen der Umerziehung der Deutschen eine Reihe von dann bald geplatzten Lügen über angebliche besonders unmenschliche Verbrechen, vor allem in deutschen Konzentrationslagern, auf. Da ging es von der angeblichen Seifenherstellung aus Menschenfett[2] über Lampen und Bücher aus Menschenhaut[3] bis zur „Menschenmühle von Belzec[4] und Herzverpflanzungen ohne Narkose.[5] Diese Vorwürfe konnten inzwischen überzeugend widerlegt werden.

Erst rund 50 Jahre nach den damaligen Vorgängen berichtete Gitta Sereny in ihrem Buch[6] über Speer wohl erstmalig von einem Erlebnis, das der junge Martin Bormann, ältester Sohn des Führersekretärs Martin Bormann und Hitlers Patenkind, 1944 gehabt haben will. Sie nahm 1990 an einer Therapiegruppe teil, die sich aus Kindern hochrangiger Nazis zusammensetzte, darunter war auch der inzwischen 60jährige Martin Bormann. „Bei dieser Sitzung im Rahmen eines Projektes, das der israelische Psychologe Dan Bar-On initiiert hatte, um den Kindern nationalsozialistischer ‚Täter‘ bei der Bewältigung ihrer Geschichte zu helfen, erzählte Martin ein furchtbares Erlebnis aus dem Jahre 1944, auf das er in seinen späteren Gesprächen mit mir noch mehrere Male zu sprechen kommen sollte.“

Danach sei der damalige Internatsschüler 1944 in den Ferien zu Hause auf dem Berghof gewesen. Eines Nachmittags lud Frau Potthast, Himmlers frühere Sekretärin, Martins Mutter und seine jüngere Schwester Elke mit ihm in ihr neues Haus ein. Nach Kaffee und Kuchen „sagte Frau Potthast, sie wolle den Besuchern etwas Interessantes zeigen, eine besondere Sammlung, die Himmler in einer ganz speziellen Mansarde aufbewahre. Sie führte sie hinauf in das Dachgeschoß. ‚Als sie die Tür öffnete und wir hineingingen, begriffen wir zuerst gar nicht, was wir da sahen - bis sie es uns erklärte, ganz wissenschaftlich, wissen Sie.‘ Martins Stimme war tonlos geworden. ‚Es waren Tische und Stühle aus Teilen menschlicher Körper. Da war ein Stuhl... die Sitzfläche war ein menschliches Becken und die Beine menschliche Beine – auf menschlichen Füßen. Und dann nahm sie ein Exemplar von Hitlers ›Mein Kampf‹ von einem Stapel – ich konnte nur daran denken, daß mein Vater gesagt hatte, ich brauche es nicht zu lesen, es sei von den Ereignissen überholt. (Wie Speer mir erzählte, hatte Hitler zu ihm genau dasselbe gesagt.) Sie zeigte uns den Einband – aus Menschenhaut, sagte sie – und erklärte uns, daß die Dachauer Häftlinge, die ihn gemacht hätten, dazu Rückenhaut verwendet hätten.‘

Sie seien geflohen, sagte Martin; seine Mutter habe die Kinder vor sich her die Treppe hinuntergeschoben. ‚Elke war schrecklich verstört, und ich auch.‘ Es half nichts, daß Gerda Bormann, um die Kinder zu beruhigen, ihnen sagte, der Vater habe sich geweigert, das Buch im Haus zu haben, als Himmler ihm ein ähnliches Exemplar schickte.“

Sereny schreibt dann weiter, der 15jährige habe nach dem Zusammenbruch 1945 Fotos von entsetzlichen Dingen in den Konzentrationslagern gesehen: „‚Die Leute sagten, die Fotos müßten Fälschungen sein, aber ich wußte, daß alles wahr war‘, sagte er, das Gesicht rot vor Anspannung. ‚Nach dem, was ich in dem Dachgeschoß gesehen hatte, habe ich nie mehr daran gezweifelt.. .‘

‚Diese Schweine‘, sagte einer der Zuhörer, als Martin fertig erzählt hatte. ‚Diese Leute Schweine zu nennen‘, sagte der Sohn Martin Bormanns, ‚ist eine Beleidigung für die Schweine.‘“

So weit der Bericht über eine ganz und gar unglaubwürdige Erinnerung, die zur psychoanalytischen Analyse reizt, wobei die äußeren Umstände – die erwähnte Psychotherapiegruppe um den israelischen Psychologen und die dort wohl abgehandelten Themen – besonders zu berücksichtigen wären. Wenn es wirklich solch einen Stuhl gegeben hätte, wäre es wohl gleich nach 1945 herausgekommen, wären wohl Überbleibsel gefunden worden. Hinweise auf solch eine „Tatsache“ hätte die Umerziehung sich nicht entgehen lassen. Es ist auch unwahrscheinlich, daß der Sohn Bormanns dieses „Erlebnis“ bis 1990 bei sich behielt, nachdem er schon früh sich als völlig umerzogen erwiesen und sich von seinem Vater losgesagt hatte. Bekannte von ihm äußerten gegenüber dem Verfasser die Vermutung, daß die von ihm erzählte Geschichte von einem späteren schweren Unfall mit Knochenbrüchen beeinflußt sein könnte. Auch die Meldungen über Knochen-Souvenirs, die US-Soldaten im Zweiten Weltkrieg[7] oder im Vietnamkrieg an ihre Angehörigen schickten,[8] könnten beigetragen haben. In einem weitverbreiteten Buch so publikumswirksam dargeboten, wird die schaurige Erzählung wohl bedauerlicherweise bei einigen Leuten Glauben finden und so dem Ziel der Umerziehung weiter dienen.

Quelle: Der große Wendig, Richtigstellungen zur Zeitgeschichte, Bände I-III, Grabert-Verlag Tübingen, Band II, 2007, S. 768f.


Siehe auch

Verweise

Fußnoten

  1. „Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora“: Der Lampenschirm
  2. Siehe: Beitrag Nr. 256, „Seife aus Menschenfett?“
  3. Arthur L. Smith: Die Hexe von Buchenwald: Der Fall Ilse Koch, Köln 1983; siehe: Beitrag Nr. 257, „Ilse Koch und die Lampenschirme“
  4. Siehe: Beitrag Nr. 247, „Die ‚Menschenmühle‘ von Belzec“
  5. Siehe: Beitrag Nr. 252, „Erste Herzverpflanzungen in deutschem KL?“
  6. Gitta Sereny: Albert Speer, Kindler, München 1995, S. 360 f. Ähnliches äußerte Martin Bormann in der Folge 208 der WDR-Sendereihe „Boulevard Bio“ unter „Der Name des Vaters...“ am 24. September 1996. Das Institut für Zeitgeschichte erklärte mit Brief vom 28. Januar 1998, daß es dafür keine Beweise gebe.
  7. Charles A. Lindbergh: Kriegstagebuch 1938–1945, Fritz Molden, Wien-München-Zürich 1972, S. 404–449
  8. Edgar L. Jenes, in: AtlanticMonthly, Februar 1946
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