Milzbrand

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Milzbrand ist eine bakterielle Infektion, die durch den „Bacillus anthracis“ (Anthrax) hervorgerufen wird.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Erreger kommt nur bei Tieren vor und wurde erstmals von Robert Koch 1877 isoliert und beschrieben. Menschen können sich nur infizieren, wenn sie engen Kontakt mit Tieren haben. Der Erreger kann durch Kontakt mit Tieren durch kleine Hautwunden oder durch Einatmen aufgenommen werden. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch kommt praktisch nicht vor. Eine Behandlung erfordert die Gabe von Antibiotika (Ciprofloxacin, Doxycyclin oder Amoxicillin) über mehrere Wochen hinweg.

Einsatz gegen die deutsche Zivilbevölkerung

Der englische Kriegshetzer Churchill schrieb bereits im September 1924:

„Ich bin dafür, methodisch bereitete Bazillen absichtlich auf Menschen und Tiere loszulassen. Mehltau, um die Ernte zu zerstören, Anthrax, um Pferde und Vieh zu vertilgen, Pest, um damit nicht nur ganze Armeen, sondern auch die Bewohner weiter Gebiete zu töten.“ [1]

Während des Zweiten Weltkrieges wurden in Großbritannien auf direkte Weisung Winston Churchills Biowaffen entwickelt und produziert. Durch die Versuche wurde Gruinard Island, eine unbewohnte Insel im Nordwesten Schottlands, mit Milzbrandsporen verseucht. Großbritannien produzierte dann Milzbranderreger in größeren Mengen als biologische Waffe gegen die deutsche Zivilbevölkerung. Beabsichtigt war, die Milzbrandsporen in Tierfutter einzuarbeiten und dieses über landwirtschaftlichen Gebieten in Deutschland abzuwerfen. Etwa 2.700 alliierte Flugzeuge sollten die Bomben zudem auf die deutschen Großstädte Aachen, Hamburg, Berlin, Frankfurt/M. und Stuttgart abwerfen. Die Zahl der potentiellen Toten wurde dabei auf rund drei Millionen geschätzt. Diese deutschen Städte wären nach Ansicht von Fachleuten bei durchgeführter Verseuchung jahrzehntelang nicht bewohnbar gewesen. In den ersten Kriegsjahren fehlten den Engländern allerdings noch die technischen Voraussetzungen, genügend Anthraxbomben herzustellen. Diese wurden jedoch dann in der zweiten Kriegshälfte in den VSA in großer Menge angefertigt.

Im Dezember 1943 wurde der geplante anglo-amerikanische Giftgaseinsatz gegen die deutsche Zivilbevölkerung vereitelt, als die gesamte Flotte im Hafen von Bari versenkt werden konnte. Churchill plädierte deshalb danach für den Einsatz von Milzbrandbomben. Von denen hatte er bereits am 8. März 1944 bei den VS-Amerikanern eine halbe Million Exemplare geordert: „Wir sollten es als eine erste Lieferung betrachten.“ Zwei Monate später wurden 5.000 dieser Bomben über den Atlantik transportiert. Am 28. Juli 1944 allerdings gaben die Stabschefs ihre Ansicht zu Protokoll, auf den B-Waffen-Einsatz solle vorerst verzichtet werden – zugunsten von überwältigenden, möglichst finalen Brandangriffen auf Städte wie Berlin oder Dresden. Churchill zeigte sich von dem Vorschlag, die Anthraxbomben im Depot zu lassen, keineswegs begeistert:

„Aber ich kann natürlich nicht gegen Pfarrer und Krieger gleichzeitig vorgehen. Die Angelegenheit soll weiterhin überprüft und dann wieder zur Sprache gebracht werden, wenn sich die Lage verschlechtert.“[2]

Die VSA übernahmen dann die spätere Massenproduktion von Biowaffen für England, da England aufgrund der Nähe zu Deutschland als Produktionsstandort angreifbar gewesen wäre. 1944 gab die VS-Armee eine Million 2-Kilogramm-Anthrax-Bomben in Auftrag, die auf Berlin, Hamburg, Stuttgart, Frankfurt/M., Aachen und Wilhelmshaven abgeworfen werden sollten. Nur durch eine Produktionsverzögerung kamen die Massenvernichtungswaffen nicht zum Einsatz gegen Deutschland.

Staatsterrorismus in den VSA

Nach den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 wurden in den VSA zur Verstärkung der Bedrohungswirkung Briefe mit Milzbranderregern verschickt. Der konstruierte Zusammenhang erfüllte sich jedoch nicht, da die Erreger aus dem eigenen Labor für Biokampfstoffe in Fort Detrick stammten. Kurz nach diesem Bekanntwerden endete die Hysterie, und jegliche Berichterstattung dazu wurde eingestellt.[3]

Zur Zeit der Ukraine-Krise, im Juni 2015, zeigte sich das Moskauer Außenamt um die Anwesentheit VS-amerikanischer Biolabors in Georgien besorgt. Noch im Mai hatte das VS-Militär eingestanden, versehentlich Milzbranderreger an 24 Labors geschickt zu haben. Im Juli 2016 kam es zu einem Milzbrandausbruch im Automen Kreis der Jamalo-Nenzen in Sibirien.

Literatur

  • Robert Koch: Die Aetiologie der Milzbrand-Krankheit, begründet auf die Entwicklungsgeschichte des Bacillus Anthracis (PDF-Datei)
  • Karl Böhm: Kalbefieber und Milzbrand (1906) (PDF-Datei)
  • Georg Soberheim: Experimentelle Untersuchungen zur Frage der aktiven und passiven Milzbrandimmunität (1897) (PDF-Datei)
  • Der Große Wendig, Band 2: Milzbrand-Verseuchung Deutschlands, S. 220

Verweise

Fußnoten

  1. zitiert in: „Nation Europa“, Band 6 1956, S. 41; Original in: „Winston Churchill: The Power of Words. His Remarkable Life Recounted Through His Writings and Speeches“, Da Capo Press, 2012, S. 176f. (eingeschränkte Voransicht auf Google-Bücher)
  2. Vgl. Robert Harris / Jeremy Paxman: Eine höhere Form des Tötens. Die geheime Geschichte der B- und C-Waffen, Econ-Verlag 1983, S. 156
  3. Vgl. zu den Ermittlungsfragen ausführlich: „Reinster Schwindel“ – Die „Amerithrax“-Milzbrandermittlungen des FBI, Kopp Online, 21. April 2015
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