Natur

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Symbiose der Natur mit einem Verkehrsweg der Moderne: Reichsautobahn in Thüringen, 1938 von Erna Lendvai-Dirksen

Natur (lat.: natura, von nasci „entstehen, geboren werden“, altgr. semantische Entsprechung φύσις, physis, vgl. „Physik“) bezeichnet alles, was nicht künstlich ist, also nicht von Menschen geschaffen oder stark beeinflußt wurde. Im alltäglichen Sprachgebrauch steht Natur häufig auch für eine nicht-städtische bzw. -urbane, ländlich geprägte Gegend.

Erläuterung

Der Begriff unterlag im Laufe der Geschichte einer deutlichen Wandlung. In der Neuzeit, mit Aufkommen der Industrialisierung, wurde Natur positiv besetzt, in der Romantik sogar als anzustrebendes Ideal betrachtet. Im wesentlichen hat sich diese Definition bis heute erhalten, am ausgeprägtesten im heutigen Gedanken der Ökologie. In früheren Zeiten hingegen wurde Natur ambivalenter betrachtet und auch durchaus als etwas Bedrohliches und Feindliches definiert.

In einem verwandten Sinn zu Natur wird heutzutage häufig auch der Begriff „Umwelt“ (Umweltschutz) verwendet. Zudem befinden sich heidnische Naturreligionen derzeit in Europa im Aufwind.

Artikel aus dem staatspolitischen Handbuch


Quelle Folgender Text stammt aus dem Staatspolitischen Handbuch, Band 1: Begriffe.

Natur bezeichnet eigentlich alles, was nicht von Menschenhand ist. In diesem Sinn verwendete die griechische Antike physis, die römische natura. Das Verhältnis des Menschen zur N. war immer von einer tiefen Ambivalenz bestimmt. Einerseits bot sie die notwendigen Lebens-Mittel, andererseits war die N. übermächtig und bedrohte die menschliche Existenz. Das hat sich grundsätzlich erst in der Moderne geändert, die mittels Technik einen Grad der Naturbeherrschung erreichte, der ohne Beispiel ist. Allerdings sind damit auch Möglichkeiten geschaffen worden, den Bestand der N. als solchen in Frage zu stellen (Umwelt), und es ist deutlicher hervorgetreten, daß das Verhältnis des Menschen zur N. niemals ein rein sachliches sein kann, sondern von starken Empfindungen geprägt ist, die vielleicht in einer biologisch verankerten »Biophilie« (Edward O. Wilson) wurzeln, sich aber jedenfalls im Zug der menschlichen Entwicklung auf ganz verschiedene Weisen äußerten, von der Vergöttlichung der Naturmächte (Religion) über die Naturromantik bis zum ökologischen Bewußtsein.

Die angesprochene Ambivalenz der Wahrnehmung des Natürlichen wirkt sich in besonderem Maß auf das Selbstverständnis des Menschen aus. Frühzeitig wurde die Bedeutung der Frage erkannt, wie die N. von der Kultur (dem von Menschenhand Geschaffenen) getrennt werden solle. Bezeichnend, daß sich schon in der Philosophie des Aristoteles ein eigentümliches Schwanken in bezug darauf feststellen läßt, ob es ein natürliches Wesen des Menschen (Menschenbild) gebe, aus dem sich »Naturrechte« ableiten lassen. Entsprechende Folgerungen waren im Grunde nur möglich, wenn man vom prinzipiellen Gut-Sein der N. als Ganzes ausging. Diese Auffassung wurde zwar im Laufe der Zeit immer wieder in Frage gestellt, aber die Masse der Religionen und Weltanschauungen ver­trat zuletzt die Ansicht, daß die N. eine sinnvolle Einheit bilde, in der der Mensch seinen Platz habe.

Diese Meinung findet sich auch in der Bibel, wenngleich sie die N. radikal entgöttlichte und die Vorstellung vom Sündenfall dahin führte, daß auch die N. insgesamt als erlösungsbedürftig angesehen wurde. Ein Konzept, das noch in der mittelalterlichen Scholastik vertreten wurde, allerdings mit Beginn der Neuzeit (Moderne) und der Infragestellung der christlichen Glaubenswahrheit von zwei Seiten unter Druck geriet: durch die Vorstellung einer ganz guten N. und durch die Vorstellung einer ganz bösen N. Die Diskussion hatte vor allem Auswirkungen auf das Menschenbild und führte seit dem 17. Jahrhundert entweder zu der optimistischen Annahme, daß der Mensch von N. gut oder von N. böse sei.

Die erste dieser beiden Optionen hat im Gefolge von Aufklärung und Französischer Revolution erheblich an Einfluß gewonnen, die zweite verdankt ihre anhaltende Wirkung einer bestimmten Interpretation des Darwinismus. Während die Linke deshalb dazu neigt, eine gute N. zu postulieren, steht die Rechte ihr ambivalent gegenüber. Dabei kann die Linke ihre Anschauung nur aufrechterhalten, indem sie eine vordarwinistische Anschauung der N. verficht – das ist auch in bezug auf ihren Ökologiebegriff (Umwelt) festzustellen –, während die Rechte gelegentlich einen harten Naturalismus vertritt oder doch davon ausgeht, daß der Schluß vom – natürlichen – Sein auf das menschliche Sollen als solcher legitim ist. In letzterem Fall konvergieren Vorstellungen, die aus der philosophischen Tradition herrühren, und solche, die sich aus der Ethologie oder verwandten Disziplinen herleiten.

Zitate

  • „Natura nihil facit frustra nec supervacaneum (et nihil largitur).“ [Die Natur macht nichts vergebens und nichts Überflüssiges (und sie schenkt nichts.] - Aristoteles, de incessu animalium
  • „Natura expellas furca, tamen usque recurret.“ [Treib die Natur mit der Heugabel aus - sie kehret doch wieder.] — Horaz, („Epistulae“, I, 10, 24)
  • „Der Grundcharakter aller Dinge ist Vergänglichkeit: wir sehn in der Natur Alles, vom Metall bis zum Organismus, theils durch sein Daseyn selbst, theils durch den Konflikt mit Anderm, sich aufreiben und verzehren. Wie könnte dabei die Natur das Erhalten der Formen und Erneuern der Individuen, die zahllose Wiederholung des Lebensprocesses, eine unendliche Zeit hindurch, aushalten, ohne zu ermüden; wenn nicht ihr eigener Kern ein Zeitloses und dadurch völlig Unverwüstliches wäre, ein Ding an sich, ganz anderer Art, als seine Erscheinungen, ein allem Physischen heterogenes Metaphysisches? - Dieses ist der Wille in uns und in allem.“Arthur Schopenhauer[1]
  • „Die Natur ist ewig fruchtbar, von allem, was sie bildet, ist nur das unterste im toten Steine in stehenden Formen starr befestigt; alles Höhere läuft ewig verjüngt durch immer andere Gestalten durch, und immer wird, was vorher dagewesen, in jede neue Bildung aufgenommen. Das sei auch Vorbild jedes menschlich geistigen Beginnens; das Vorhandene soll geachtet werden und geehrt und eingehen in jedes neu Erzeugte, aber es wolle nicht dem Leben seine bildende Kraft entreißen und allen Fortschritt stehend machen. Wer, das lebendig Gute der Gegenwart blind verschmähend, sich ausschließend an das Vergangene haftet, erweckt den Verdacht, daß er durch eine Nebenabsicht sich leiten läßt, die er sich kundzugeben scheut.“Joseph Görres
  • „Wir können vernünftigerweise nicht annehmen, der Natur entkommen zu können. Wir können nur wählen, ob wir sie als erinnerte gegenwärtig halten oder der vergessenen anheimfallen wollen.“Robert Spaemann

Siehe auch

Das Kehlsteinhaus umgeben von erhabener Natur

Literatur

  • Arthur Schopenhauer: Ueber den Willen in der Natur (1836; zweite, verbesserte und vermehrte Auflage 1854)
  • Julie Adam: Der Natursinn in der deutschen Dichtung, Wien & Leipzig 1906 / Neue Folge Wien & Leipzig 1908 (PDF-Datei, PDF-Datei) Letztere Für Nicht-USA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Konrad Lorenz: Die Rückseite des Spiegels [1973], zuletzt München 1992.

Fußnoten

  1. A. Schopenhauer: Parerga und Paralipomena II, Erster Teilband, S. 107, § 66 (Ausgabe Diogenes 1977 ISBN 3 257 20430 2)