Netze (Fluß)

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Der Korridor durch Westpreußen. Nördlich der Netze bestand die Bevölkerungsmehrheit aus Kaschuben und Deutschen

Die Netze ist der wichtigste Nebenfluß der Warthe. Sie ist 366 km lang und hat ein Einzugsgebiet von 17.240 km². Der Fluß entspringt zwischen Kolo und Leslau. Es besteht eine Kanalverbindung über Bromberg zur Weichsel, der Bromberger Kanal, 1772 bis 1774 erbaut. Bei Santok mündet die Netze in die Warthe.

Der Netzedistrikt

Der Unterlauf des Flusses von der Einmündung der Drage an folgt dem Thorn-Eberswalder Urstromtal, er bildet das Netzebruch, eine moorige Bruchlandschaft, die vor dem 18.Jahrhundert kaum besiedelt war. Lediglich bei Zantoch und Driesen gab es Flußübergänge, an denen Befestigungsanlagen entstanden. Im Mittelalter wurde entlang der Netze eine Reihe von Burgen errichtet, um das polnische Kernland nach Norden abzusichern. Dieses reichte aber deutlich darüber hinaus, so daß die Grenze des deutschen pommerschen Herzogtums der Greifen weiter nördlich verlief. Mitte des 13. Jahrhunderts ging die untere Netze aus dem Besitz Polens in den der brandenburgischen Neumark über. Im Zuge der im 12. bis 14. Jahrhundert einsetzenden deutschen Kolonisation entstanden in der Sumpflandschaft nur sehr wenige Ansiedlungen.

Als Kurfürst Joachim Friedrich 1603 die Festung Driesen errichten ließ, erfolgte eine erste planmäßige Besiedlung des Netzebruches. 1722 entstanden erste Pläne zu einer übergreifenden Trockenlegung der Sümpfe, doch bis 1728 baute man lediglich weitere neue Dörfer. In den Sümpfen gab es eine große Wildschweinpopulation, deren Fortbestand im Falle einer Trockenlegung offensichtlich Anlaß zur Sorge gab. Auf die ihm vorgebrachten Bedenken reagierte König Friedrich Wilhelm I. mit der Bemerkung: Besser Menschen als Schweine.

Die verheerenden Überschwemmungen im Warthebruch von 1736 waren Anlaß zur Einsetzung einer Trockenlegungskommission, die 1738 ihre Arbeit aufnahm. Wasserbauingenieur und Oberdeichinspektor Simon Leonard von Haerlem unterbreitete 1739 einen Vorschlag zur Melioration beider Brüche, der die Besiedlung des Netzebruches mit 82 Familien vorsah. Der Beginn der Arbeiten wurde durch den Siebenjährigen Krieg verhindert. 1763 erfolgte die Vermessung des Netzebruches und im Juni wurde mit der Trockenlegung begonnen, die 1769 beendet war.

Die gesamten Arbeiten standen unter der Leitung des Domänenrates Franz Balthasar Schönberg von Brenkenhoff (1723–1780). Nach der Ersten Teilung Polens wurde die Gegend um den Fluß 1772 als Netzedistrikt ein Teil des Königreichs Preußen. Nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon ging es 1807 zum wiedergegründeten polnischen Staat Herzogtum Warschau zurück, wurde aber nach dem Wiener Kongress 1815 wieder preußisch.

Die Mehrzahl der Neusiedler des trockengelegten Bruches waren deutschsprachige Einwanderer aus Polen, deren Anzahl fast zwei Drittel betrug. Ein weiteres Zehntel waren Sachsen. Wegen des nicht ausreichenden Hochwasserschutzes wurden im 19. Jahrhundert mehrere Dämme, Deiche und Gräben errichtet. Zwischen 1872 und 1874 entstand der Hochwasserdamm Pollychen–Zantoch, der zur Trennlinie zwischen Warthe- und Netzebruch wurde. Doch auch weiterhin gab es in fast jedem Jahr Schäden durch Hochwasser. Aus diesem Grunde erließ der Reichstag im Jahre 1929 das Warthe- und Netze-Gesetz. Im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Arbeitslose wurden die Dämme verbessert und Schöpfwerke errichtet.

  • Länge: 366 km
  • Quellgebiet: zwischen Kolo und Leslau
  • Mündung: bei Santok in die Warthe
  • Einzugsgebiet: 17.240 km²

Rechte Nebenflüsse: Küddow, Drage Linke Nebenflüsse: Panna, Durchflossene Seen: Goplosee

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