Piłsudski, Józef

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Marschall Józef Piłsudski, der Schöpfer und Beherrscher des Polenstaates, ist im Alter von 68 Jahren verstorben.
Pilsudski (links) mit Edward Rydz-Śmigły während des polnischen Überfalls auf die Sowjetunion

Józef Klemens Piłsudski (* 5. Dezember 1867 in Zalavas bei Wilna; † 12. Mai 1935 in Warschau) war ein polnischer Politiker und kurzzeitig Staatsoberhaupt nach einem Militärputsch.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

Nach abgebrochenem Medizinstudium beteiligte er sich an der Vorbereitung eines Sprengstoffattentats auf Zar Alexander III.. Die Verschwörer wurden am 13. März 1887 verhaftet und in der Peter-und-Paul-Festung in St. Petersburg inhaftiert. Neben den Piłsudskis gehörte auch Lenins Bruder Alexander Uljanow zu der Gruppe. Józef Piłsudski wurde zu fünf Jahren Verbannung verurteilt.

Im Jahre 1892 beteiligte er sich an der Bildung der Polnischen Sozialistischen Partei (PPS) und ab 1893 war er führendes Mitglied der Partei innerhalb des Russischen Reichs. Er wurde 1900 in Lodz verhaftet und floh von St. Petersburg nach Krakau. Anschließend reiste er 1904 nach Japan, um dort Hilfe für einen polnischen Aufstand gegen Rußland zu erhalten. Die Anhänger Piłsudskis konnten sich einzig im österreichisch regierten Galizien und in Teilen Schlesiens ungehindert organisieren. Entsprechend stellte Piłsudski 1908 beginnend Partisanenverbände auf.

Erster Weltkrieg

Im Ersten Weltkrieg kämpften Piłsudski und seine Verbände zunächst auf der Seite des Habsburger Reiches gegen Rußland. Im Juli 1916 trat er von der Führung zurück.

Zwischen Januar und Juni 1917 leitete er die Abteilung Heereswesen im Provisorischen Staatsrat. Durch die Ablehnung eines Treueides der 1917 gebildeten polnischen Wehrmacht gegenüber dem deutschen Kaiser kam es zum Bruch und am 20. Juli 1917 zur Internierung Piłsudskis in Magdeburg durch die deutschen Behörden. Von Magdeburg aus ernannte er Edward Rydz-Śmigły Anfang 1918 zum Chefkommandanten der Kampforganisation Polska Organizacja Wojskowa (POW). In den Wirren der Novemberrevolution wurde entschieden, ihn in Begleitung von Harry Graf Kessler nach Berlin und von dort mit dem Zug nach Warschau auszuweisen.

Staatschef Polens

Im November 1918 wurde Piłsudski polnischer Staatschef. Er verfolgte das Ziel der Wiederherstellung des sogenannten Großpolens, auch weit über die Grenzen des polnischen Siedlungsgebietes hinaus. Durch diese Politik kam es durch den Versailler Vertrag zur Abtrennung großer Gebiete Ostdeutschlands sowie zum polnischen Überfall auf die Sowjetunion und zum polnisch litauischen Krieg.

Am 18. März 1921 unterzeichnete Polen den Friedensvertrag von Riga, in dem die Ostgrenze so definiert wurde, daß auch eine Reihe von Gebieten, die nicht mehrheitlich von Polen bewohnt waren, Teil des polnischen Staates wurden. Auch gegenüber Litauen setzte sich Piłsudskis Politik vorläufig durch. Obwohl Polen im Vertrag von Suwałki (7. Oktober 1920) auf den größten Teil des strittigen Gebiets von Wilna mit seiner polnischen Bevölkerungsmehrheit verzichtet hatte, eroberten schon zwei Tage später polnische Truppen unter General Lucjan Żeligowski im Handstreich die Stadt. Der Anschluß an Polen wurde am 20. April 1922 endgültig vollzogen. Piłsudski trat wegen Differenzen im Jahre 1923 als Generalstabschef zurück.

Das im Dezember 1921 von Pilsudski-freundlichen politischen Kreisen in Warschau errichtete „Forschungsinstitut für Nationalitätenfragen“ verfolgte aufmerksam die Entwicklung aller Minderheiten Polens und stellte in seinen Publikationen das gesammelte Material in einseitiger polnischer Beleuchtung der Öffentlichkeit zur Verfügung. Die Tätigkeit dieser von den Behörden sowie von den Universitäten weitgehend unterstützen Institute zeigt, daß die politisch bestimmte, propagandistisch aufgemachte Auseinandersetzung mit dem Deutschen Reich, dem deutschen Volk sowie mit dem deutschen Kultureinfluß in Polen das wichtigste Anliegen eines überaus beachtlichen Zweiges der polnischen Kulturwissenschaften bildete. Der deutschfeindliche Grundzug dieser Tätigkeit pflanzte sich in der polnischen Presse in verstärktem Masse fort.

Maiputsch

Am 15.6.1934 während eines Empfanges in Warschau (v.l.n.r.): Hans von Moltke (deutscher Gesandter in Warschau), Marschall Pilsudski, Joseph Goebbels und der polnische Außenminister Oberst Josef Beck

Nach der Ablehnung einer Regierungsbildung mit Aleksander Skrzyński als Premierminister durch Staatspräsident Stanisław Wojciechowski entschlossen sich die Anhänger Piłsudskis im Militär zu einem Staatsstreich. Im Mai 1926 zwang er den Staatspräsidenten und das Kabinett Witos zum Rücktritt. Piłsudski wurde erneut vom polnischen Sejm zum Staatsoberhaupt ernannt, verzichtete aber auf die weitere Präsidentschaft und überließ das Amt seinem treuen Kandidaten Ignacy Mościcki. In der Folge beherrschte er das Land in wechselnden Funktionen, unter anderem als Verteidigungsminister.

Deutschfeindliche Haltung

Von nun ab bemühte er sich vorrangig um die Gewinnung von Lebensraum im Westen. Zweimal versuchte er, Frankreich für einen Überfall auf Deutschland zu gewinnen. Innenpolitisch baute er ein Terrorregime auf. Die politische Opposition wurde mit polizeistaatlichen Mitteln bekämpft. Aufstände der ukrainischen und weißruthenischen Minderheiten im Osten und die unterdrückten Deutschen im Westen wurden verfolgt und niedergehalten.

Die damals durch den polnischen Staat zensierte, Pilsudski nahestehende Zeitschrift „Mocarstwowiec“ - „Die Liga der Großmacht[sic!]“ - schrieb zum Beispiel im Jahre 1930:

„Wir sind uns bewußt, daß Krieg zwischen Polen und Deutschland nicht vermieden werden kann. Wir müssen uns systematisch und energisch für diesen Krieg vorbereiten. Die heutige Generation wird sehen, daß ein neuer Sieg bei Grunwald (Anspielung auf die Schlacht bei Tannenberg 1410) in die Seiten der Geschichte eingeschrieben wird. Aber wir werden dieses Grunwald in den Vorstädten von Berlin schlagen. Unser Ideal ist, Polen mit Grenzen an der Oder im Westen und der Neiße in der Lausitz abzurunden und Preußen vom Pregel bis zur Spree einzuverleiben. In diesem Krieg werden keine Gefangenen genommen, es wird kein Platz für humanitäre Gefühle sein. Wir werden die ganze Welt mit unserem Krieg gegen Deutschland überraschen.“[1]

Im Jahre 1932 wollte Polen dann zusammen mit Frankreich einen sogenannten „Präventivkrieg“ gegen das Reich führen, doch Frankreich ließ sich dafür nicht gewinnen.

Der deutschen Auslandsabwehr gelang es im Jahre 1933, Polens Angriffspläne gegen Deutschland mitsamt des polnischen Mobilmachungsplanes aufzudecken. Marschall Pilsudski gelang es jedoch nicht, Frankreich zur Teilnahme zu überreden und wagte einen Angriff deshalb nicht.

Erst nachdem Pilsudski seine Kriegspläne gegen Deutschland nicht verwirklichen konnte, gab es eine Annäherung an Deutschland[2], was insbesondere zum deutsch-polnischen Nichtangriffspakt im Jahr 1934 geführt hatte. Die polnische Regierung unter Pilsudski gehörte zu den ersten Staatsleitungen, die alsbald unverhüllt die Auflösung des Kunststaates Tschecho-Slowakei forderte.[3]

Im Jahre 1935 schlossen Hitler und Pilsudski einen Vertrag über die Minderheitenfrage ab, der aber von Polen im gleichen Jahr von Pilsudski einseitig aufgekündigt wurde. 1936 versuchte Polen nochmals mit Frankreich einen Krieg gegen Deutschland anzufangen, doch Frankreich lehnte erneut ab.

Verweise

Literatur

Fußnoten

  1. Pit Pietersen: Kriegsverbrechen der alliierten Siegermächte, S. 262 (Die polnische Provokationsstrategie)
  2. vgl.: Vorkriegsgeschichte.de
  3. Georg Wiesholler: Der Zweite Weltkrieg
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