Savoyen, Prinz Eugen von

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Prinz Eugen (1718) trug den Bei- und Ehrennamen „der Türkenbezwinger“

Eugen Franz, Prinz von Savoyen-Carignan (Lebensrune.png 18. Oktober 1663 in Paris; Todesrune.png 21. April 1736 in Wien) war ein deutscher Offizier der Kaiserlichen Armee, Hofkriegsratspräsident, Feldherr, Reichsgeneralfeldmarschall des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und Staatsmann in habsburgischen Diensten, militärhistorisch zuweilen fälschlicherweise als Generalissimus geführt. Aufgrund seiner großen militärischen Erfolge gilt der geachtete Kunstmäzen als der Begründer der Großmachtstellung des Erzherzogtum Österreichs innerhalb des Ersten Reiches.

Prinz Eugens langfristige historische Leistung war es, die Türken mit ihrer Osmanischen Armee für die nächsten 250 Jahre aus dem europäischen Abendland zu vertreiben bzw. deren Einfluß zu verbannen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Signatur
Portrait des Prinzen Eugen von Savoyen mit Kommandostab

Herkunft

Prinz Eugen in der Schlacht bei Belgrad 1717, zeitgenössischer anonymer Künstler um 1720, Ölgemälde im Heeresgeschichtlichen Museum, Wien
Belagerung Belgrads 1717

Prinz Eugen, der „edle Ritter“, wurde am 18. Oktober 1663 als Sohn des Generals Eugen Moritz Graf von Savoyen-Carignan (Sohn von Thomas Franz Fürst von Carignan) und der Bankierstochter Olympia Mancini, einer Nichte des französischen Kardinals Jules Mazarin, in Paris geboren, wo sein Vater zu dieser Zeit in französischen Diensten stand. Seine Tante väterlicherseits war Luise Christine von Savoyen-Carignan, Gemahlin von Ferdinand Maximilian Erbprinz von Baden, somit war Erster Kreisgeneralfeldmarschall der Truppen des Schwäbischen Reichskreises und Reichsgeneralfeldmarschall der Reichsarmee Ludwig Wilhelm Markgraf von Baden-Baden, genannt der Türkenlouis sein Vetter.

Zu seinen Geschwistern gehörte unter anderem Ludwig Thomas Graf von Soissons (1657–1702), zuletzt kaiserlicher Feldzeugmeister (gefallen in der Schlacht von Landau 1702), und Ludwig Julius Ritter von Savoyen bzw. Chevalier de Savoye (1660–1683), zuletzt kaiserlicher Oberst (gefallen in der Schlacht um Petronell 1683).

Werdegang

In der Folge wuchs er am Hof Ludwigs XIV. in Paris auf. Nach dem Tod seines Vaters 1673 bestimmten König Ludwig und Herzog Viktor Amadeus II. von Savoyen für Prinz Eugen als viertgeborenem Sohn eine geistliche Laufbahn, er hingegen liebäugelte mit einer militärischen Karriere und verließ – nachdem ihm der französische König das Kommando über ein Regiment verweigert hatte – Paris in Richtung Erzherzogtum Österreich, wo er hoffte, das kaiserliche Dragonerregiment seines 1683 bei Petronell gefallenen älteren Bruders Ludwig Julius zu erhalten. Der römisch-deutsche Kaiser Leopold I. verlieh ihm aber vorerst lediglich ein Offizierspatent.

„Franz Eugen, Prinz von Savoyen, wurde am 18. October 1663 zu Paris als der jüngste von fünf Söhnen des Grafen Eugen Moritz von Soissons aus dem Hause Savoyen und seiner Gemahlin Olympia Mancini, einer der Nichten des Cardinals Mazarin geboren. Eugens Mutter hatte lange Zeit hindurch in hoher Gunst bei Ludwig XIV. gestanden und in Folge dessen eine einflußreiche Rolle am französischen Hofe gespielt. Als jedoch der in seinen Neigungen sehr unbeständige König sich allmählich von ihr abwandte, empfand die Gräfin von Soissons diese Zurücksetzung so bitter, daß sie in eine Reihe von Intriguen sich einließ, welche zuletzt sogar ihre Verweisung vom Hofe nach sich zogen. Die frühere Neigung der Gräfin zu dem Könige verwandelte sich nun in glühenden Haß. Auch ihren Kindern flößte sie dieses leidenschaftliche Gefühl ein; solches gelang ihr insbesondere bei ihrem jüngsten Sohne. Hiezu kam noch, daß Eugen, klein und schwächlich von Gestalt, mit unschönen Gesichtszügen, von dem Könige für den geistlichen Stand bestimmt worden war, während er selbst aufs sehnsüchtigste wünschte, sich dem Kriegsdienste widmen zu dürfen. Die schroffe Zurückweisung seines Begehrens brachte auf die empfängliche Seele des Jünglings den mächtigsten Eindruck hervor. Er entschloß sich, Frankreich zu verlassen und soll hiebei den Schwur geleistet haben, nie anders dorthin zurückzukehren als mit den Waffen in der Hand.“[1]

Erste militärische Erfolge

Als Offizier der Kaiserlichen Armee zog er mit dem Entsatzheer nach Wien, wo er am 12. September 1683 an der Entsatzschlacht gegen das Türkenheer, das die Reichsstadt belagerte, teilnahm.

Am 14. Dezember 1683 erhielt der Prinz von Kaiser Leopold I. das Kommando über das Dragoner-Regiment „Kueffstein“. In der Schlacht bei Gran am 16. August 1685 bewies der Prinz erneut sein militärisches Geschick und seine persönliche Tapferkeit, so daß er vom Kaiser zum Generalfeldwachtmeister befördert wurde.

1696 befehligte er die Kaiserliche Armee in Oberitalien, welche er dann gemäß dem Vertrag von Vigevano wieder verließ. 1697 wurde er zunächst Stellvertreter des Oberbefehlshabers in Ungarn.

Ab dem 5. Juli 1697, während des Großen Türkenkrieges, befehligte Eugen als Oberbefehlshaber den habsburgischen Gegenstoß in Ungarn. In der Schlacht von Zenta gelang ihm schließlich ein vernichtender Sieg gegen die türkische Hauptmacht.

Unmittelbar danach gelang es ihm Sarajevo einzunehmen. Die Folge seiner Siege war der Friede von Karlowitz 1699, bei dem Österreich Türkisch-Ungarn, Siebenbürgen und Slawonien erwarb und so den Status einer Großmacht errang.

„Er wandte sich nach Oesterreich, das gerade damals von den Türken aufs äußerste bedroht wurde. An dem Kaiserhofe fand er die zuvorkommendste Aufnahme. Unverzüglich trat er in das nur allzuschwache Heer, welches den unermeßlichen Schaaren der durch Ungarn gegen Wien vordringenden Osmanen entgegengeworfen wurde. In einem Reitergefechte bei Petronell am 7. Juli 1683 konnte Eugen seine jugendliche Tapferkeit zum ersten Male erproben. Er kämpfte in der Schlacht, durch welche am 12. September 1683 das hartbedrängte Wien von den Türken befreit wurde. Noch in demselben Jahre erhielt Eugen als Oberst das erledigte Dragonerregiment Kuefstein. Er machte die folgenden Feldzüge gegen die Türken mit und wurde bei einem Sturme auf Ofen am 3. August 1686 durch einen Pfeilschuß an der rechten Hand, jedoch nicht gefährlich verwundet. Ernstlichere Folgen waren zu besorgen, als er zwei Jahre später bei dem entscheidenden Sturme auf Belgrad durch eine Musketenkugel eine schwere Wunde am Bein erhielt. Monate lang war Eugen an das Lager gefesselt, bis endlich seine ungeschwächte Jugendkraft die Heilung herbeiführte. In den ersten Monaten des Jahres 1689 eilte er nach Turin zu dem Haupte seines Hauses, dem Herzoge Victor Amadeus von Savoyen, der ihm bisher in freundschaftlichster Weise zugethan gewesen und dem vermögenslosen jungen Prinzen auch durch werkthätige Unterstützung seine Theilnahme bezeigt hatte. Nun handelte es sich darum, den Herzog von Savoyen in dem Kriege, welchen der König von Frankreich gegen Deutschland begonnen hatte, für letzteres zu gewinnen. Aber Victor Amadeus zögerte mit seinen Entschlüssen, so daß E. sich vorerst unverrichteter Dinge zu dem Heere begeben mußte, das am Rheine die Franzosen bekämpfte. Am 4. August 1689 wurde er vor Mainz durch eine Musketenkugel nicht unbedeutend am Kopfe verwundet. Neuerdings geheilt, verfügte sich Eugen im Jahre 1690 mit kaiserlichen Truppen, die er befehligte, nach Piemont zu dem Herzoge von Savoyen, der endlich definitiv der großen Allianz gegen Frankreich beigetreten war. Seinen Streitkräften voraneilend, kam Eugen eben recht zu den Piemontesen, um der Schlacht bei Staffarda beizuwohnen, welche jedoch unglücklich ausging. Mit den Garden und der Gendarmerie des Herzogs von Savoyen deckte der Prinz das sich zurückziehende Heer.“

Spanischer Erbfolgekrieg

Prinz Eugen vor Belgrad; „Halt’t euch brav, ihr deutschen Brüder, / Greift den Feind nur herzhaft an!“
Portrait Prinz Eugens von Savoyen von Gerard Valck (1652–1726)

Ab 1700 kämpfte Eugen im Spanischen Erbfolgekrieg als Oberbefehlshaber in Italien, wobei ihm in der Schlacht von Capri und in der Schlacht von Luzzara glänzende Siege gelangen.

Am 27. Juni 1703 wurde er zum Präsidenten des Hofkriegsrates des Erzherzogtums und zum Generalleutnant – damals nach Einführung des Reichsgeneralfeldmarschalls und der Streichung des General-Capos bzw. Generalissimus der höchste militärische Titel der Kaiserlichen Armee – ernannt.

In Italien gelangen ihm in der Folge gemeinsam mit J. Churchill Herzog von Marlborough, dem Kommandierenden der verbündeten britischen Truppen, die glänzenden Siege bei Höchstädt (1704), Ramillies, Turin (1706, nur Eugen), Oudenaarde (1708) und Malplaquet (1709).

Reichsgeneralfeldmarschall

Am 21. Februar 1707 wurde Eugen vom römisch-deutschen Reichstag zum Reichsgeneralfeldmarschall und Heeresführer in der Reichsarmee ernannt. Von 1707 bis 1715 war er zudem Generalgouverneur von Mailand. Trotz Eugens militärischer Erfolge gelang es ihm in der Folge nicht, Großbritannien zum Verbleib in der Allianz mit dem Erzherzogtum Österreich zu bewegen, woraufhin Österreich 1714 im Rastatter Frieden gezwungen war, den Krieg zu beenden.

Venezianisch-Österreichischer Türkenkrieg

Als 1716 ein weiterer Türkenkrieg, der Venezianisch-Österreichische Türkenkrieg, ausbrach, hatte Prinz Eugen abermals den Oberbefehl über die gesamten österreichischen Streitkräfte inne. In diesem Krieg sollten ihm seine gewaltigsten militärischen Erfolge gelingen.

Mit dem Sieg in der Schlacht von Peterwardein 1716 konnte Ungarn endgültig von der türkischen Herrschaft befreit werden.

Befreiung Belgrads

Am 22. August 1717 gelang es Prinz Eugen schließlich, die türkische Festung Belgrad zu erobern, indem er sie unerwartet nicht von Land, sondern mittels einer Pontonbrücke vom Wasser aus angriff. Dieser historische Sieg ist im Lied vom Prinzen Eugen (auch bekannt als Prinz Eugen, der edle Ritter) verewigt.

„Am 9. Juli 1716 kam Eugen nach Futak und fand den Zustand seiner Truppen vortrefflich. Am 5. Aug. führte er sie zum Angriffe gegen die Türken, welche sich angeschickt hatten, Peterwardein zu belagern. In der Nähe dieser Festung errang er einen glänzenden Sieg, welchem die Eroberung von Temesvar folgte. Nun suchte die Pforte ängstlich den Frieden, aber dringend rieth Eugen dem Kaiser zur Fortführung des Krieges. Die Wiedereroberung Belgrads wurde zur allgemeinen Losung, zum Zielpunkte der kriegerischen Unternehmungen des Prinzen. Groß war die Gefahr, der er sich und sein Heer dabei aussetzte, denn einerseits galt die Festung in jener Zeit für außerordentlich stark, und andererseits sammelte der Großwesir bei Nissa ein ungemein zahlreiches, dem Prinzen weit überlegenes Entsatzheer. Eugen ließ sich jedoch hiedurch nicht irre machen in der Ausführung seiner kühnen Entwürfe. Während er die Belagerung von Belgrad begann und sie nachdrücklich fortsetzte, traf er alle Vorkehrungen, der türkischen Armee einen ihr unwillkommenen Empfang zu bereiten. Ta jedoch der Feind nicht zum Angriffe schritt, blieb dem Prinzen um sich aus der gefährlichen Lage zu befreien, in welche er zwischen der Festung und dem Entsatzheere gerathen war, nichts übrig als gegen letzteres selbst die Offensive zu ergreifen. Am 16. Aug. 1717 führte er diesen Entschluß aus. In wenig Stunden schlug er den Großwesir vollständig aufs Haupt und in Folge des errungenen Sieges ergab sich binnen kurzem Belgrad an den Prinzen. Unermeßlich war die Freude, welche der Sturz dieses stärksten Bollwerkes des Islams in der ganzen Christenheit hervorrief. Von allen Seiten erntete der Prinz enthusiastische Lobpreisung für seine That. So tief war die Bewunderung für ihn in das Gemüth des Volkes, insbesondere in wackere Soldatenherzen gedrungen, daß jenes schmucklose Lied, von einem seiner braven Krieger verfaßt, ohne sonst einen Werth zu besitzen als den, das unverfälschte Zeugniß der damaligen Stimmung des Volkes zu sein, in dem Munde desselben sich erhielt bis auf den heutigen Tag.“

Nach diesen schweren militärischen Niederlagen war das Osmanische Reich 1718 gezwungen, den Frieden von Passarowitz zu unterzeichnen, der das Erzherzogtum Österreich um das nördliche Serbien, das Banat und die westliche Walachei vergrößerte. Mit dem Frieden von Passarowitz wurde die fast 300 Jahre andauernde Türkengefahr für Europa endgültig gebannt.

„Den Gipfel seines Ruhms hat er bald darauf in einem neuen Türkenkrieg erklommen. Der Entschluß Karls VI. zur Unterstützung der von den Osmanen angegriffenen Republik Venedig ging in erster Linie auf Eugen zurück, der bei dieser Gelegenheit das Reich der Habsburger im Südosten endgültig stabilisieren wollte. Wieder übernahm er den Oberbefehl über die kaiserliche Armee, mit der er den Feind zunächst am 5.8.1716 bei Peterwardein schlug. Der Eroberung von Temesvár folgte die Belagerung von Belgrad, und hier erstritt Eugen am 16.8.1717 in gefährlicher Lage zwischen der Festung und einem gewaltigen Entsatzheer einen vollständigen Sieg, der Belgrad in kaiserliche Hand brachte. Damals ist das berühmte Soldatenlied von Prinz Eugen dem edlen Ritter entstanden, wohl von einem Angehörigen des bayerischen Kontingents der Armee gedichtet, der ihm den Rhythmus der Tänze seiner Heimat gab. Durch den Frieden von Passarowitz vom 21.7.1718 erhielt Österreich das Banat und das nördliche Serbien. Er wirkte zugunsten Wiens auch auf den Verlauf neuer Streitigkeiten im Westen ein, die durch das Aufbegehren des nunmehr bourbonischen Spanien gegen seine in Utrecht vorgenommene Verstümmelung und Entmachtung entstanden waren; hier konnte der Kaiser die von seinen Truppen besetzte Insel Sizilien gegen Verzicht auf Sardinien behalten.“[2]

Späteres Leben

Nach der Beendigung des Türkenkrieges widmete sich Prinz Eugen insbesondere seiner Tätigkeit als Sammler und Kunstmäzen, wobei er zu einem der bedeutendsten Bauherren der Barockzeit wurde. Seine riesige Büchersammlung, die Eugeniana, füllt heute den Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek. 1703 wurde das Stadtpalais in Wien nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach gebaut und 1708 erweitert. 1726 wurde Schloß Hof im Marchfeld umgebaut. Für den Prinzen wurde auch das Hauptwerk Hildebrandts, das Schloß Belvedere, erbaut.

1734 im Polnischen Erbfolgekrieg hatte der greise Eugen noch einmal den Oberbefehl über die Reichsarmee am Rhein inne, wo ihm aber kein entscheidender militärischer Erfolg mehr gelang. Unter seinem Befehl kämpfte auch das preußische Kontingent, darunter Oberst und späterer König Prinz Friedrich, seit 1732 rehabilitiert und Chef des früheren Regiments zu Fuß „von der Goltz“ (1806: Nr. 15), das im damaligen Ruppin stationiert war.

Tod

Am 21. April 1736 verstarb Prinz Eugen an einer Lungenentzündung in Wien. Nach einem gewaltigen Leichenzug durch die gesamte Wiener Innenstadt wurde er schließlich im Wiener Stephansdom beigesetzt. Hugo von Hofmannsthal schrieb:

„Eugens letzte Tage und der Löwe im Belvedere [...] der König von Frankreich, den er so oft besiegt hatte, verehrte ihm einen afrikanischen Löwen [...] endlich kamen drei Tage, wo der Löwe seinen Herrn nicht mehr sah, er verweigerte alles Fressen und lief unruhig im Käfig auf und nieder [...] gegen drei Uhr morgens stieß er ein solches Gebrüll aus, daß der Tierwärter hinauslief in die Menagerie um nachzusehen. Da sah er Lichter in allen Zimmern des Schlosses, zugleich hörte er in der Kapelle das Sterbeglöcklein und so wußte er, daß sein Herr, der große Prinz Eugen, zu eben dieser Stunde gestorben war“.[3]

Seine Nichte (Tochter des Bruders Ludwig Thomas), Maria Anna Victoria von Savoyen (1683–1763), wurde seine Haupterbin. 1738 heiratete die 19 Jahre ältere Anna Victoria den jungen Reichsgeneralfeldmarschall Joseph Friedrich von Sachsen-Hildburghausen.

Charakterbild

Max Braubach schreibt über den Charakter und das Nachwirken des Prinzen in der Neuen Deutschen Biographie (NDB):

„Unzweifelhaft ist Eugens Fähigkeit und Leistung als Feldherr, wenngleich manche Zeitgenossen ihn als „Hasardeur“ hinstellten, der allzu rücksichtslos seine Truppen aufs Spiel setzte und opferte. Aus dieser Kritik sprach das Staunen der in den vorsichtigen Methoden der bisherigen Kriegführung befangenen Kriegstheoretiker über die Kühnheit, mit der Eugens in blitzschneller Erfassung der jeweiligen Lage seine Entschlüsse faßte und verwirklichte, wobei er doch nach dem Zeugnis Marlboroughs alle Schwierigkeiten und Hindernisse wohl sah und erwog, bevor er zu dem dann mit ganzer Kraft ausgeführten Schlage schritt. Besonders deutliche Beispiele planvoller Leitung und energischen Handelns, die auf eine wirkliche Entscheidung, auf die volle Niederlage des Gegners zielten, bieten die Feldzüge von Höchstädt 1704 und von Belgrad 1717, aber insgesamt läßt die lange Kette seiner Siege die Stärke und Einzigartigkeit seiner militärischen Begabung erkennen, durch die er zum größten Feldherrn seiner Zeit, zum Lehrer und Vorbild für einen Friedrich den Großen und einen Napoleon wurde. [...] Problematischer als sein Feldherrntum ist Eugens Tätigkeit als Staatsmann, zu der ihn mehr die Umstände als eigener Ehrgeiz führten. Er besaß höhere politische und diplomatische Einsicht als die drei Kaiser, denen er diente [...] Anstalten zu wirklichen Reformen lassen sich indessen kaum feststellen. Und im Grunde fehlten ihm überhaupt in seinem politischen Handeln Entschlußkraft, Wagemut und Konsequenz, die er als Soldat in so hohem Maße bewiesen hat. Gerade in der Hinwendung zu der Idee der Staatsräson zeigt er sich als Träger und Förderer der geistigen Entwicklung der Zeit. Von seiner Aufgeschlossenheit legen seine Bauten in Wien und Ungarn, seine Kunstsammlungen und seine großartige Bibliothek, um deren Vermehrung er ständig bemüht war, Zeugnis ab. Weder selbständiger Denker noch literarischer Schöpfer, verdiente er doch den ihm von dem Dichter Jean Baptiste Rousseau zugelegten Ehrentitel des ‚philosophe guerrier‘, da er den Mittelpunkt einer geistig hochstehenden Gesellschaft bildete, an die sowohl Leibniz als auch die italienischen Historiker Giannone und Muratori und die französischen Aufklärer Montesquieu und Voltaire Anschluß suchten und fanden. Wenn er auch in dem Kampf der Geister nicht eigentlich Stellung bezog, so daß ihn Freunde und Gegner der Aufklärung für sich in Anspruch nehmen zu können glaubten, so neigte er, der als Statthalter der Niederlande den verfolgten Jansenisten gegenüber Toleranz angewandt wissen wollte, innerlich doch wohl den fortschrittlichen Anschauungen des 18. Jahrhunderts zu. Sein menschliches Wesen ist angesichts seiner Verschlossenheit schwer zu fassen, zumal intime Zeugnisse fehlen; sein persönlicher Nachlaß ist offenbar durch Schuld seiner ihn beerbenden Nichte verloren gegangen. Unverheiratet, war er doch kaum der ‚Mars ohne Venus‘, wie ihn ein Zeitgenosse genannt hat, vielmehr liebte er den Umgang mit Frauen; enge Beziehungen verbanden ihn vor allem mit Lori Gräfin Batthyáni, einer Tochter des Ministers Stratmann, der man in den letzten Jahrzehnten auch erheblichen Einfluß auf ihn nachsagte. Im übrigen hat es an dem ‚edlen Ritter‘ gewiß auch bedenkliche Seiten gegeben, so eine oft zu Ungerechtigkeit führende Eifersucht und Unversöhnlichkeit gegen Widersacher. Aber dem standen Pflichtbewußtsein, persönliche Integrität und Zuverlässigkeit, überhaupt Größe des Charakters gegenüber. In Deutschland hat er schon zu Lebzeiten eine große Popularität gewonnen, die in Volksschriften und Flugschriften, Dichtung und Geschichtsschreibung zum Ausdruck kam. Es war das die Folge davon, daß er in seinem Kampf um Österreichs Großmachtstellung die deutsche Mitte Europas von schwerstem Druck von zwei Seiten befreit und damit das gesunkene Selbst- und Nationalbewußtsein des deutschen Volkes belebt hat.“

Erbe

Prinz-Eugen-Denkmal am Wiener Heldenplatz

Die Österreichische Marine, die Royal Navy, die Marina Militare, die United States Navy und die deutsche Kriegsmarine benannten Schiffe nach ihm. Das berühmteste war der Schwere Kreuzer Prinz Eugen, dem im Zweiten Weltkrieg im Mai 1941 zusammen mit dem Schlachtschiff Bismarck der Atlantikdurchbruch gelang: Es überstand im Gegensatz zur Bismarck den Weltkrieg beinahe unbeschadet, wurde aber im Jahre 1946 nahe dem Bikini-Atoll im Pazifik bei amerikanischen Atombombenversuchen versenkt.

Die vor allem im nordserbischen Banat aus Volksdeutschen aufgestellte 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“ wurde nach dem Feldherren benannt, da er durch die Vertreibung der Osmanen vom Balkan die Ansiedlung Volksdeutscher ermöglichte. Damit hatte man, wie der spätere Divisionskommandeur Otto Kumm ausführte, bewußt an die jahrhundertelange Tradition der Grenzer-Regimenter angeknüpft.

Der Bund Deutscher Pioniere (BDPi) vergibt einen Prinz-Eugen-Preis für den jeweiligen Lehrgangsbesten der Bautechnikerlehrgänge an der Schule des Heeres für Bautechnik.

Auszeichnungen (Auszug)

Siehe auch

Literatur

  • Heinrich von Sybel:
    • Prinz Eugen von Savoyen (PDF-Datei)
    • Prinz Eugen von Savoyen. Drei Vorlesungen gehalten zu München im März 1861 (PDF-Datei)
  • Alfred Ritter von Arneth: Prinz Eugen von Savoyen: Nach den handschriftlichen Quellen der kaiserlichen Archive, 3 Bde., Wien 1858
  • Theodor Stiefenhofer: Bannerträger des Reiches: Prinz Eugen von Savoyen, in: Ernst Adolf Dreyer / Heinz W. Siska (Hg.): Kämpfer, Künder, Tatzeugen. Gestalter deutscher Größe. 3 Bde., Zinnen-Verlag, München–Wien–Leipzig 1942, Bd. I, S. 207–215
  • Max Braubach: Prinz Eugen von Savoyen, 5 Bde, Wien 1963–65
  • Hanne Egghardt:
  • Karl Gutkas: Prinz Eugen und das barocke Österreich: Ausstellung der Republik Österreich und des Landes Niederösterreich; Marchfeldschlösser Schloßhof und Niederweiden, 22. April bis 26. Oktober 1986, Niederösterreichisches Landesmuseum, Wien 1986, ISBN 3-900464-37-6 (formal falsche ISBN)
  • Franz Herre: Prinz Eugen: Europas heimlicher Herrscher, Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1997, ISBN 3-421-05085-6

Verweise

Fußnoten

  1. Alfred Ritter von Arneth: Eugen, Franz, Allgemeine Deutsche Biographie (ADB)
  2. Max Braubach: Eugen Prinz von Savoyen, Neue Deutsche Biographie (NDB)
  3. Hugo von Hofmannsthal: Prinz Eugen der edle Ritter, sein Leben in Bildern, Verlag Seidel und Sohn, Wien 1913
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