Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend

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Abzeichen des RADwJ – das Anlegen der Brosche war bei Außendienst und Ausgang Pflicht.

Der Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend (RADwJ) wurde ab Juni 1935 als Nachfolger der „weiblichen Abteilung“ des Freiwilligen Arbeitsdienstes (FAD) gesetzlich eingeführt.

Inhaltsverzeichnis

Erläuterung

Lagerfahne des FAD (weibliche Abteilung) bis 1935
Lagerfahne des RADwJ ab 1935

Der RADwJ spielte gegenüber dem „Reichsarbeitsdienst der männlichen Jugend“ im Dritten Reich jedoch vorerst eine geringere Rolle. 1934, noch beim FAD, nahmen beispielsweise nur 7.347 „Arbeitsmaiden“ am Arbeitsdienst teil, dagegen waren es bei den „Arbeitsmännern“ 220.000. Für junge Frauen war der Dienst bis 1939 freiwillig. Der Einsatz der Mädchen im weiblichen Arbeitsdienst erfolgte fast ausschließlich in der Landwirtschaft. Hier halfen die Mädchen bei der Garten- und Feldarbeit, bei der Hausarbeit, der Versorgung des Kleinviehs, beim Melken und bei der Beaufsichtigung der Kinder. Während des Krieges wurden die Dienstzeiten der Mitglieder des RAD mehrmals verlängert.

Freiwilliger Kriegshilfsdienst

Im Zuge eines sechsmonatigen Kriegshilfsdienstes wurden die Frauen in Dienststellen der Wehrmacht, in Behörden, Krankenhäusern (nicht selten erfolgte ein Wechsel als Schwesterhelferin zum DRK) sowie Verkehrs- und Rüstungsbetrieben eingesetzt. Später wurden die Mädchen zum Kriegsdienst im Flugmeldedienst bei der Luftwaffe oder bei der Flak abkommandiert. Die Männer waren direkt der Wehrmacht unterstellt.

Gesetz für den Reichsarbeitsdienst

Brosche des FAD (weibliche Abteilung) bis 1935
RADwJ-Bezirkseinteilung zur Kriegszeit
Sonderbriefmarke der Reichspost 1944
Flieger-Unteroffizier Erich Kreul mit seiner Frau Dorothea, welche die Erinnerungsbrosche des RADwJ trägt

Das Gesetz für den Reichsarbeitsdienst wurde am 26. Juni 1935 erlassen.

§ 1 (2) lautete:

„Alle jungen Deutschen beiderlei Geschlechts sind verpflichtet, ihrem Volk im Reichsarbeitsdienst zu dienen.“

§ 3 (1) lautete:

„Der Führer und Reichskanzler bestimmt die Zahl der jährlich einzuberufenden Dienstpflichtigen und setzt die Dauer der Dienstzeit fest.“

Dienstzeit

Für den Ausbau des weiblichen Arbeitsdienstes fehlten zunächst die finanziellen Mittel, um Lager ausstatten und Personal einstellen zu können, weshalb der RADwJ vorerst freiwillig war. Erst ab 1939 wurden daher Mädchen zum Dienst verpflichtet. Für Frauen betrug die Dienstzeit seit 1939 sechs Monate, die jedoch häufig durch eine Notdienstverpflichtung verlängert wurden. Im Juli 1941 wurde die Dienstzeit durch den Kriegshilfsdienst um weitere sechs auf zwölf Monate ausgedehnt, im April 1944 auf 18 Monate verlängert und im November 1944 schließlich vollständig entfristet. Die durch die Dienstzeitverlängerungen des Jahres 1944 gewonnenen zusätzlichen Kräfte kamen überwiegend als Flakhelferinnen zum Einsatz.

RADwJ-Lager

Der um 1931/32 – zur Zeit der Weltwirtschaftskrise – geschaffene Arbeitsdienst wurde im Dritten Reich systematisch ausgebaut. Als Schule der Nation sollte der Reichsarbeitsdienst für die weibliche Jugend (RADwJ) dazu beitragen, junge deutsche Frauen aller Schichten in die Volksgemeinschaft einzugliedern. Ein halbes Jahr lang lebten die Arbeitsmaiden zusammen mit Gleichaltrigen in stadtfernen Lagern, fern der Sorgen des Alltags. Der Tagesablauf war strukturiert: Frühsport, Fahnenappell, Arbeit, Unterricht, organisierte Freizeitaktivitäten.

„Nach der Einrichtung des Reichsarbeitsdienstes der weiblichen Jugend (RADwj) enstanden zunächst 327 Lager im Reichsgebiet. Die Dienstzeit war auf 6 Monate festgelegt, die im Verlauf des Krieges ständig verlängert wurde, bis sie schließlich gegen Ende des Krieges auf unbestimmte Zeit festgesetzt wurde. Arbeitsdienstpflichtig waren alle jungen Frauen zwischen dem 18. und 21. Lebensjahr. Das Betätigungsfeld der jungen Frauen erstreckte sich von Hilfsarbeiten bei Bauernfamilien über die Kinderbetreuung bis zu Tätigkeiten als Lehrerinnen oder Säuglingsschwestern. Der weibliche Arbeitsdienst war etwas anders strukturiert als der männliche RAD, eine Lagerabteilung bestand im Normalfall aus 33 Arbeitsmaiden, die unter der Leitung einer Lagerführerin in 3 Kameradschaften aufgeteilt waren. Der Bezirk XI Hessen stand unter der Leitung der Bezirksführerin, Stabshauptführerin Lotte Hornung. Die Bezirksführerinnen-Schule war in Bingenheim, Wetterau. Im südhessischen Raum gab es 11 Lager des RADwj, und zwar in Dornheim, Leeheim, Worfelden, Hessenaue, Darmstadt, Kirchbrombach, Ober-Ostern, Ober-Mossau, Riedrode, Klein-Rohrheim und Allmendfeld.“[1]

Ein Lager bestand aus rund 40 junge Frauen zwischen 18 und 25 Jahren, 33 waren Arbeitsmaiden, drei waren Kameradschaftsälteste, drei waren Gesundheitshelferinnen, und eine war Lagerführerin. Arbeitsmaiden erhielten anfänglich täglich 20 Pfennig Aufwandsentschädigung (später vermutlich etwas mehr), die Lagerführerin und die Gesundheitshelferinnen (vorwiegend DRK-Schwestern) erhielten einen festen Monatslohn.

RADwJ-Bezirke

Ursprünglich war der RADwJ in 13 Bezirke aufgeteilt, ab 1939 kamen noch bis zu 20 weitere Bezirke hinzu, da die jungen Frauen nun dienstverpflichtet wurden und die Arbeitsgaue der Männer übernehmen mußten. Die ersten 13 Bezirke waren:

Zweiter Weltkrieg

Vergewaltigtes und ermordetes deutsches Mädchen im Osten 1945; verläßlichen Schätzungen zufolge wurden rund zwei Millionen Frauen und Mädchen Opfer jener brutalen Massenvergewaltigungen, es können aber auch bis zu 20 Millionen gewesen sein. „Für die deutschen Frauen traten als Gipfel dieser Torturen die Vergewaltigungen hinzu, der sich die Sieger in Ost und West schuldig machten. Millionen Frauen und Mädchen wurden auf diese barbarische Weise geschändet.“Ernst von Salomon

Der weibliche RAD wurde ab 1939 als Ersatz für fehlende männliche Arbeitskräfte in der Landwirtschaft und als sogenannter Kriegshilfsdienst (KHD) in Ämtern und Schreibstuben, in der Rüstungsproduktion und im öffentlichen Nahverkehr (Kriegshilfsdienstschaffnerin) sowie im Luftschutz verwendet. Dazu wurde die Arbeitsdienstzeit um ein halbes Jahr verlängert. Ab 1944 wurden Arbeitsmaiden des RAD auch für die Besetzung von Flak-Scheinwerfer-Batterien und zur Lenkung von Nachtjagd-Einheiten der Luftwaffe herangezogen.

Arbeitsmaid Elisabeth Schaible berichtet

„Geweckt wurden wir zehn Minuten vor sechs Uhr, mussten uns schnell anziehen, je nach Wetter mit Trainingsanzug oder Turnzeug und für einen zehnminütigen Sport antreten. Der bestand entweder aus einem Lauf um die Anlage oder ins Taubertal. Anschließend ging es zum Waschen, das wir nackt und mit Ganzkörperwaschung tun mussten. Danach Bettenmachen, eckig und zackig, sauber und ordentlich – ein Bett in Wellenform wurde von der Führerin herausgerissen und musste nochmals gebaut werden. Nach dem Frühsport teilte sich die gesamte Gruppe, da es nur 10 Waschbecken und drei Duschen gab. Die Einen wuschen sich, während die Anderen schon ihre Betten machten. Anschließend zog man die Arbeitskleidung an und versammelte sich vor dem Haus bis die Führerin kam. Dann standen alle um die Fahne und während wir grüßten, wurde sie gehisst. Die Führerin sagte einen schönen Spruch, während wir alle uns an den Händen hielten und ein Lied sangen. Erst dann kam das Frühstück mit Brot, Butter, Marmelade und Kaffee so viel wir wollten [...]
Mein erster Außendienst war in der Wäscherei Wertmüller drei Tage in der Woche Ich fühlte mich dort nicht so glücklich, da die anderen abends braungebrannt von den Feldern kamen, während ich weißgesichtig blieb, denn ich saß meist hinter der Wäscherei in einem Raum mit Glasdach, wo ich Strümpfe zu flicken hatte. Die Hausfrau war sehr nett und das Essen war sehr gut, aber ich wäre gerne mit den anderen aufs Feld gegangen. Nach einigen Tagen wurde ich auch noch für ein anderes Haus eingeteilt, nämlich bei Frau Deeg. Sie hatte ein ganz kleines Wohnhaus und eine Scheuer direkt am Burgtor. Der Herr Deeg hatte ein Pferdefuhrwerk, mit dem er den Lastenverkehr in der Stadt ausführte, Sendungen von der Post oder der Bahn mussten ausgefahren werden. Frau Deeg war eine große, magere, liebe Frau mit großen Füssen, die mich sehr gern hatte. Manchmal habe ich vor ihrer Rückkehr vom Acker schon gekocht, z. B. Spätzle gemacht oder auch Dampfnudeln, über die sie sich sehr gefreut hat. Gelegentlich ging ich mit ihr auf die Felder nördlich der Stadt. Das Wohnhaus war sehr klein mit einer winzigen Küche hinter der Wohnstube. Diese war so schmal, dass nur ein Tisch an der Wand und je ein Stuhl rechts und links hineinpassten. Und ich musste auch die Betten machen in dem ganz kleinen Schlafzimmer, in das nur die zwei Betten und ein Nachtkästchen passten. Frau Deeg sagte manchmal zu mir: Ach Elisabeth, seit Sie die Betten machen, schlafe ich so gut. [...]
Ich durfte jeden Morgen den wunderschönen Taubertalweg entlang gehen. Um die Zeit geistig zu nutzen, hatte ich das Reclamheft von Goethes „Iphigenie“ in der Hand und lernte in dieser Zeit die ersten drei Akte auswendig. In der Mühle hatte ich leichte Arbeit. Die alte Frau Reinwald hatte zwei Söhne, einer an der Front, der andere gerade in Urlaub und betrieb die Mühle. Es gab zwei Knechte, einen deutschen und einen polnischen, und auch zwei Mägde, eine deutsche und eine polnische. Ihre Aufgabe war u. a. das Hereinholen des Heus. Ich musste u. a. Bohnen im Garten pflücken (neben dem klappernden Mühlrad) oder die Wäsche aufhängen. Meine Hauptarbeit war, oben in der Stadt einzukaufen. Dazu musste ich mit dem alten Handwägele das Brot hinauffahren, das als aufgehender Teig in Körbchen lag. Ich musste aufpassen, dass der Brotteig auf der steilen Strecke nicht aus dem Wagen herausfiel. Nachmittags habe ich dann das gebackene Brot abgeholt (das Rothenburger Brot war sehr dunkel und hier in sehr großen flachen Laiben aus geformt) und ich musste mit meiner Fuhre wieder die sehr steile Kobolzeller Steige mit ihrem Katzenkopfpflaster hinunter. Plötzlich hat mein altes Leiterwägelchen das linke Hinterrad verloren und kippte auf die Seite und die Brote rollten dem Rad hinterher. Es gelang mir, die aufmüpfig gewordene Fracht noch in die Ecke neben dem unteren Torbogen zu bugsieren – einen Meter weiter und die Verfolgungsjagd hätte erst ganz unten an der Tauber ein Ende gefunden. [...]
Der Abschied fiel uns allen sehr schwer .Wir waren sehr traurig und sangen noch einmal gemeinsam ,O Du schöner Rosengarten’. Unsere Zeit in Rothenburg war nach Meinung aller Mädchen einmalig wunderschön und unvergesslich. Es war, auch aus späterer Sicht, meine schönste Zeit. Mit mir mussten sich Lotte, Isolde, Erika und Hildegund zur Luftwaffenstellung Erpel bei Neustadt a. d. Aisch auf den Weg machen. Wir trugen zwar unsere Arbeitsdienst-Kleidung, gehörten aber als Arbeitsmaiden zur Luftwaffe. Nach fünf Monaten in Rothenburg war ich dann ganze acht Monate lang, also bis zum Kriegsende, bei der Luftwaffe. Wir arbeiteten an großen ,Milchglaskarten’, auf denen ganz Deutschland in nummerierte Planquadrate eingeteilt war. Hier hatten wir die Einflüge der feindlichen Flugzeuge und die eigenen Flugbewegungen einzuzeichnen, natürlich auf der Rückseite und in Spiegelschrift.“ — Elisabeth Schaible[2]

Massaker von Neu-Stettin, Februar 1945

1945, als die Rote Armee in Ost- und Mitteldeutschland einfiel, wurden viele Tausende Mädchen und Frauen des RADwJ vergewaltigt, ermordet, manche bestialisch abgeschlachtet. Die deutschbrasilianische Leonora Geier (Lebensrune.png 22. Oktober 1925 in Sao Paulo), die nach Thüringen umsiedelte, nachdem sie einen Reichsdeutschen geheiratet hatte, berichtete schon am 6. Oktober 1955 gegenüber einer Kommission (Dr. Trutz Foelsche,[3] Bernard Wassmann, Reiner Halhammer, Manfred Haer und Kyrrill Wratilavo), was sie erlebte, als Polen und Russen das RADwJ-Lager „Vilmsee“ nordöstlich der Kreisstadt Neustettin stürmten:

„Am Morgen des 16. Februar (1945) besetzte eine russische Abteilung das RAD-Lager Vilmsee bei Neustettin. Der Kommissar bedeutete mir in gutem Deutsch, daß das Lager aufgelöst sei und daß wir als uniformierte Einheit sofort in ein Sammellager transportiert würden. Da ich als Brasilianerin Angehörige einer verbündeten Nation der Alliierten war, betraute er mich mit der Führung des Transportes, der nach Neustettin in den Hof einer ehemaligen Eisengießerei ging. Wir waren etwa 500 Maiden des weiblichen RAD. Der Kommissar behandelte uns sehr höflich und wies uns die Fremdarbeiter-Baracken des Werkes zu. Der angewiesene Platz war jedoch für alle zu eng, weshalb ich bei dem Kommissar vorstellig wurde. Er sagte, daß es ja nur vorübergehend sei, und daß ich in die Schreibstube kommen könnte, wenn es für mich zu eng wäre, was ich gerne annahm. Sofort bedeutete er mir, keinen Kontakt mehr mit den anderen aufzunehmen, da diese Angehörige einer illegalen Armee wären. Meine Vorhaltung, daß dies nicht den Tatsachen entspräche, schnitt er mit der Bemerkung ab, daß ich erschossen würde, wenn ich in irgendeiner Form nochmals etwas ähnliches wiederhole.
Ich hörte plötzlich lautes Geschrei und schon brachten zwei Rotarmisten fünf Mädchen herein. Der Kommissar befahl ihnen, die Kleider abzulegen. Als diese sich aus Scham widersetzten, hieß er mich es ihnen zu tun, und mit ihnen ihm zu folgen. Wir schritten über den Hof zur ehemaligen Werksküche, die man völlig ausgeräumt hatte, bis auf ein paar Tische an der Fensterseite. Es war entsetzlich kalt und die Bedauernswerten zitterten. In dem großen, gekachelten Räume erwarteten uns einige Russen, die anscheinend sehr obszöne Bemerkungen machten; denn jedes Wort wurde mit lautem Lachen quittiert. Der Kommissar bedeutete mir, hinzusehen, wie man aus Herrenmenschen Jammerlappen mache. Nun kamen zwei Polen, nur mit einer Hose bekleidet herein, bei deren Anblick die Mädchen aufschrieen. Rasch hatten sie die erste ergriffen und mit dem Rücken über die Tischkante gebogen, bis ihre Gelenke knackten. Ich war fast einer Ohnmacht nahe, als der eine das Messer zog und ihr die rechte Brust vor den Augen der anderen herunterschnitt. Dann hielt er einen Augenblick inne und schnitt die andere Seite ab. Ich habe noch nie einen Menschen so verzweifelt schreien hören wie dieses Mädchen. Nach dieser Operation stach er mehrmals das Messer in den Unterleib, was wiederum vom Johlen der Russen begleitet war.
Die Nächste schrie um Gnade, doch vergebens, da sie besonders hübsch war, hatte ich den Eindruck, man tat das schaurige Werk sehr langsam. Die anderen drei waren ganz zusammengebrochen, sie schrieen nach ihrer Mutter und bettelten um einen raschen Tod, doch auch sie ereilte das Schicksal. Die Letzte war noch ein halbes Kind mit einer kaum entwickelten Brust, ihr riß man buchstäblich das Fleisch von den Rippen, bis der weiße Knochen zum Vorschein kam.
Wieder brachte man fünf Mädchen herein, diesmal hatte man genaue Auslese getroffen, alle waren gut entwickelt und hübsch. Als sie die Leiber der Vorgängerinnen sahen, begannen sie zu weinen und zu schreien. Mit schwacher Kraft versuchten sie verzweifelt sich zu wehren. Doch es half ihnen nichts, die Polen wurden immer grausamer. Der einen schnitten sie den Leib der Länge nach auf und gossen eine Dose Maschinenöl hinein, das sie zu entzünden versuchten. Die andere schoß ein Russe in das Geschlechtsteil, bevor sie ihr die Brüste abschnitten. Ein großes Gejohle begann, als aus einer Werkzeugkiste eine Säge gebracht wurde. Jetzt zerriß man den übrigen Mädchen die Brüste damit, was in kurzem den Boden in Blut schwimmen ließ. Ein Blutrausch packte die Russen. Laufend brachte man Mädchen.
Wie in einem roten Nebel sah ich das schreckliche Geschehen, immer wieder vernahm ich den unmenschlichen Aufschrei beim Martern der Brüste und das laute Aufstöhnen beim Verstümmeln der Schamteile. Als mir die Knie versagten, zwang man mich auf einen Stuhl, der Kommissar achtete stets darauf, daß ich hinblickte, ja, als ich mich erbrechen mußte, hielten sie sogar inne bei der Marterung. Ein Mädchen hatte sich nicht ganz entkleidet, es mochte auch etwas älter als die übrigen sein, deren Alter um siebzehn Jahren lag. Man tränkte ihren Büstenhalter mit Öl und entzündete dies, was gelang, und während sie aufschrie, trieb man ihr einen dünnen Eisenstab in die Scheide, bis dieser am Nabel heraustrat.
Auf dem Hofe liquidierte man mit Knüppeln ganze Gruppen von Mädchen, nachdem man die hübschesten für diesen Marterraum ausgesondert hatte. Die Luft war erfüllt vom Todesgeschrei vieler hundert Mädchen. Doch angesichts dessen, was sich hier abspielte, war der Totschlag draußen geradezu human. Es war eine furchtbare Tatsache, daß keines der hier verstümmelten Mädchen die Besinnung verlor. Jede erlitt die Verstümmelung bei vollem Bewußtsein. Im Entsetzen waren alle gleich in ihren Äußerungen, stets war es das Gleiche, das Betteln um Gnade, der hohe Schrei beim Schneiden der Brust und das Stöhnen beim Verletzen der Geschlechtsteile. Mehrmals unterbrach man das Morden, um das Blut herauszukehren und die Leichen wegzuschaffen.
Am Abend fiel ich in ein starkes Nervenfieber. Von da an fehlt mir jede Erinnerung bis zu dem Zeitpunkt, in dem ich in einem Lazarett erwachte. Deutsche Truppen hatten vorübergehend Neustettin zurückerobert und somit uns befreit. Wie ich später erfuhr, wurden in den drei Tagen der ersten russischen Besetzung etwa 2000 Mädchen ermordet, die sich in der Umgegend in RAD-, BDM- und sonstigen Lagern befanden.
Frau Leonora Geier, geb. Cavoa.“

Die Berichte der deutsch-brasilianischen Staatsbürgerin Leonore Geier, geb. Cavoa, als Tatzeugin wurden auch von Bernhard Wassermann und Manfred Haer – Angehörige der Infanterie-Geschütz- und Ausbildungskompanie 81 – bestätigt, die nachträglich mit den Bergungsarbeiten in den Lagern betraut waren, als nach einem vorübergehenden Rückzug der 1. weißrussischen Armee die deutsche Wehrmacht nach einem Gegenstoß Neustettin wieder befreit hatte. Die nächste Offensive führte dann die 2. weißrussische Front ab dem 24. Februar 1945, Neustettin wurde endgültig am 27/28. Februar 1945 von den Rotarmisten der 32. Garde-Kavallerie-Division besetzt.

Die Zeugin war zur Zeit des Massakers als Schreibhilfe im Lager „Vilmsee“ des weiblichen Arbeitsdienstes tätig. Als Brasilianerin galt sie vor der russischen Armee als Verbündete im Zwangseinsatz des NS-Staates. Die Darlegung dieser Vorrechte weist ein Schriftstück aus, welches vorlag und den Stempel der weißrussischen Armee trägt. Der Bericht wurde am 6. Oktober 1956 verfaßt und gibt die Ereignisse vom 16., 17. und 18. Februar 1945 wieder. Die meisten Medien haben die Ereignisse ignoriert, berichtet haben die „Deutsche Nationalzeitung“ (Nr. 17/65, Seite 7),[4] „Der Scheinwerfer“ (Nr. 11/15, November 1994), „Der Schlesier“ (Nr. 10 vom 10. März 1995) und „Der Freiwillige“ (Juni 1995, Seite 10–11). Mit dem Massaker näher beschäftigt hat sich der Architekt Dipl.-Ing. Erwin Groke (Witzendorffstraße 31, 21339 Lüneburg), der ergänzende Zeugenberichte aufzeichnete. Groke schrieb dazu:

„Ein damals 24jähriger Panzerführer war in der ersten Hälfte Februar 1945 in Cottbus mit anderen Besatzungen zu einer Ersatz-Abteilung zusammengestellt und dann nach Frankfurt/Oder verlegt worden. Am 15. Februar wurden rund 20 Panzerbesatzungen mit Infanterie-Waffen ausgestattet und zunächst auf LKW und dann im Fußmarsch in Richtung Neustettin in Marsch gesetzt. Sie sollten in einem Wald westlich von Neustettin bereitgestellte Panzer übernehmen und mit diesen einen Gegenangriff in Richtung Osten fahren. Der Zug des Zeugen griff einen Vorort von Neustettin an, der auch eine Bahnstation hatte.
‚Nach Erledigung einiger PAK ergaben sich die Russen. Rund 200 kamen aus den Häusern und ließen sich auf dem Vorplatz des Bahnhofs nieder. Dann geschah etwas Unerwartetes. Einige deutsche Frauen rannten auf die Russen zu und stachen mit Messern und Gabeln auf die Russen ein. Die Gefangenen waren unsere Schutzbefohlenen, das durften wir nicht zulassen. Erst als ich eine MP-Garbe vor den Frauen in die Luft abgab, wichen sie zurück und beschimpften uns, daß wir diese Bestien auch noch schützten.
Sie forderten uns auf, in die Häuser zu kommen und uns die Bestialitäten anzusehen. Wir taten es nach und nach und waren total erschüttert, so was hatten wir noch nicht erlebt – unfaßbar abscheulich. In vielen Zimmern lagen entblößte tote Frauen. Sie hatten in den Unterleib eingeritzte Hakenkreuze, ihre Eingeweide quollen teils heraus, die Brüste waren zerschnitten, die Gesichter zerschlagen und aufgequollen. Andere waren mit Händen und Füßen an Möbeln angebunden und massakriert. Aus der Scheide steckte ein Besenstiel heraus, bei einer anderen ein Reisigbesen usw. Für mich als junger Mann von 24 Jahren ein erschütternder Anblick, unfaßbar.
Dann berichteten die Frauen: Die Mütter mußten erleben, wie ihre zehn- und zwölfjährigen Töchter von ca. 20 Typen vergewaltigt wurden und die Töchter die Vergewaltigungen der Mütter erleben – auch der Großmütter. Frauen, die sich wehrten, wurden brutal zu Tode gequält. Da gab es kein Erbarmen! Viele Frauen waren nicht aus dem Ort; sie waren aus anderen Orten vor den Russen geflohen – hierher. Sie berichteten auch von dem Schicksal der RAD-Maiden, deren Lagerbaracken von den Russen eingenommen waren. Als das Massaker an den Maiden begann, konnten sich einige unter den Baracken verkriechen. Sie konnten dann nachts fliehen und berichteten uns. Es waren drei dieser Maiden. Die Frauen und Mädchen sahen und erlebten z. T. das, was Frau L. Geier schildert. Die von uns befreiten Frauen befanden sich in einer kaum beschreibbaren Verfassung. Sie waren übermüdet, hatten einen verwirrten, stieren Gesichtsausdruck. Einige waren nicht ansprechbar [...] Nachdem wir die Folgen dieser unmenschlichen Bestialitäten gesehen und erlebt hatten, waren wir ungeheuer motiviert. Wir wußten, daß der Krieg nicht mehr zu gewinnen war; es war uns aber eine Verpflichtung, daß wir bis zur letzten Patrone zu kämpfen hatten.‘ Soweit ein Soldat als Zeitzeuge.“

Bildergalerie

Lichtbildnisse von Liselotte Purper

Siehe auch

RADwJ-Wimpel 106 (Niedersachen)

Literatur

  • Gertrud Schwerdtfeger-Zypris: Arbeitsmaiden ganz vorn, Die Mädelbücherei, Heft 9
  • Gertrud Kapp: Als Arbeitsmaid im Osten, Die Mädelbücherei, Heft 32
  • Hanna Trendtel: Mecklenburg und seine Arbeitsmaiden, 1943
  • Wilhelm Decker: Arbeitsmaiden am Werk, 1940
  • Gertrud Albrecht: Das Pflichtjahr, 1942 (Mit zip gepackte PDF-Datei)

Fußnoten

  1. Reichsarbeitsdienst der weiblichen Jugend (Sammlung Peter Merschroth)
  2. Elisabeth Schaible: Meine Zeit im RAD-Lager Rothenburg ob der Tauber, 2012
  3. Dr. Trutz Foelsche (1906–1992) aus Thorn war Pionier der Phasenraum- bzw. Theoretischen Mechanik und arbeitete 12 Jahre als Wissenschaftler am NASA-Langley Research Center in den Vereinigten Staaten, wo er auch 1992 (Yorktown, York County, Virginien) verstarb.
  4. Michael Walsh: Carnage and Cover-Up (englischsprachig)
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