Rechts

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Rechts ist ein Sammelbegriff für politische Strömungen innerhalb eines politikwissenschaftlichen Klassifikationsschemas.

Inhaltsverzeichnis

Erläuterung und Abgrenzung

Das Links-Rechts-Schema stammt aus einer zufälligen Sitzordnung aus der Zeit der Französischen Revolution. Links saßen die Republikaner, die die Monarchie ablehnten, rechts die Monarchisten, die die Republik ablehnten. Dies war über sehr lange Zeit das entscheidende Kriterium, das auch auf andere Länder Europas übertragbar war. Noch in der Weimarer Republik gab es diese Unterscheidung als wesentliches Schisma der jungen Republik: „Rechts“ waren die, die den Kaiser wiederhaben wollten und die sich deshalb unter der kaiserlichen schwarz-weiß-roten Fahne sammelten. Links standen die Republikaner, die auf die alte nationaldemokratische schwarz-rot-goldene Fahne zurückgriffen. Eine „Mitte“ konnte es dabei nicht geben. Entweder man akzeptierte die Republik, dann war man links (auch wenn man „Zentrum“ hieß) oder man wollte wieder eine Monarchie. Die Frage übertraf bis kurz vor Ende der Weimarer Republik alle anderen an Gewicht, so daß die Unterscheidung wesentlich blieb. Erst am Ende der Republik kamen Kräfte hoch (und an die Macht), die in dieses Schema nicht mehr paßten. Da die traditionelle Rechte aber ein Bündnis mit ihnen schloß, wurden sie ganz allgemein als „rechtsradikal“ bezeichnet, obwohl sie nicht im Traum daran dachten, wieder eine Monarchie einzuführen.

Nach dem Krieg hatte das Rechts-Links-Schema in Deutschland kaum noch eine praktische Bedeutung. Nur ganz wenige Regional-Parteien (Bayernpartei, Deutsche Partei) hatten auch Monarchisten in ihren Reihen. Gleichwohl wurde das Schema benutzt – wenngleich weitgehend bedeutungsleer. Als links verstanden sich die Nachfolger der Weimarer Linken, also die Terror verbreitenden Kommunisten, Sozialdemokraten, und die der Emanzipation verpflichteten sogenannten Linksliberalen. Rechts waren die, die dem entgegenstanden, nämlich Konservative und Nationale. Dem Pragmatismus der Zeit entsprechend gab es auch noch eine „Mitte“, die mit solchen ideengeschichtlichen Einteilungen gar nichts anfangen konnten.

In den sechziger Jahren gab es – zunächst in Frankreich – junge akademische Kräfte, die den Gegenpol zu den APO-Bewegungen darstellten. Sie setzten auf grundsätzlich andere ideengeschichtliche Quellen, die – hier ganz knapp gefaßt – die Verschiedenheit der Menschen und deren Recht dazu in den Mittelpunkt ihrer Überlegenheit rückten. Sie standen damit in bewußtem Gegensatz zu den Gleichheitsideologien der sich selbst als „links“ bezeichnenden Kräfte. Kurzerhand wurden sie – ohne ihr Zutun – in die Schublade „rechts“ gelegt. Da sie sich nun aber deutlich von der traditionellen „alten“ Rechten unterschieden, wurden sie in Anlehnung an den Begriff der „Neuen Linken“ als „Neue Rechte“ bezeichnet. Da keine Lust bestand, einen Streit um diese Worte zu führen, akzeptierte man diesen Begriff und definierte ihn selbstverständlich selbst. Der geistige Kopf der „Neuen Rechten“, Alain de Benoist, formulierte seine Definition so:

„Ich bezeichne als rechts gesinnt eine jede Denkhaltung, welche die Vielfältigkeit der Welt und demnach die sich zwangsläufig daraus ergebenden relativen Unterschiede als ein Wohl betrachtet, dagegen die allmähliche Vereinheitlichung der Welt, die vom zweitausendjährigen Diskurs der Gleichheitslehre befürwortet und verwirklicht wird, als ein Übel.“[1]

Der rechte Baedeker

Strömungen

Richtung Parole Feindbild Köpfe Referenz(-epoche) Idole
Gegenrevolutionäre Legitimisten Dieu et Roi! 1789 und die Folgen Rivarol, de Maistre, Bonald, Cortés, Balzac, Dostojewskij, Pessoa Restauration nach 1815 Charlotte Corday, Marie-Antoinette, die Kämpfer der Vendée
Nationalrevolutionäre Nach vorn! Der Bourgeois Nietzsche, Spengler, Sorel, Drieu La Rochelle, Jünger, Niekisch, von Salomon, Marinetti, Ramiro L. Ramos, Jean Thiriart, Schulze-Boysen 1793, Pariser Kommune, Zwischenkriegseuropa, Republik von Salò (RSI) Saint-Just, Che Guevara, Castro, Muammar Gaddhafi, Saddam Hussein
Europäische Föderalisten Autonomie und Subsidiarität Der zentralistisch-bürokratische Nationalstaat Althusius, Constantin Frantz, Proudhon, Romain Rolland, Alexandre Marc, Robert Aron, Denis de Rougemont, Gianfranco Miglio die griechischen Städtebünde, die deutschen Genossenschaften, die Anfänge der USA, die Girondisten, die Pariser Kommune, Österreich-Ungarn, die helvetische Konföderation Friedrich II. von Hohenstaufen, Thomas Jefferson, Coudenhove-Kalergi, Otto von Habsburg
Personalisten und Kommunitäre Für organisch-lebendige Gemeinschaften! Individualegoismus Léon Bourgeois, Franz von Baader, Ferdinand Tönnies, Charles Péguy, Georges Bernanos, Daniel Halévy, Martin Buber, Marcel Mauss, Simone Weil, Hannah Arendt, Saint-Éxupery, Christopher Lasch Vergesellschaftungsformen des Mittelalters Baden Powell, Leo XII., die italo-faschistische bzw. nationalsozialistische Volksgemeinschaft, der ständestaatliche Austrofaschismus
Rechtsliberale Laissez faire, laissez passer! Rechter und linker Kollektivismus Locke, Adam Smith, JS Mill, Benjamin Constant, Karl Popper, Friedrich Hayek, Raymond Aron, Francois Furet Aufklärung, Freihandel des 19. Jahrhunderts, Reagan-USA, Thatcher-England. Louis-Philippe, Guizot, Disraeli
Biohygieniker, Sozialdarwinisten, Eugeniker Auswahl der Besten! Das Debile Darwin, Herbert Spencer, Georges Vacher de Lapouge, Otto Amon, Ludwig Gumplowicz, Charles Richet, Jack London, Julian Huxley, Alexis Carrel, Richard Dawkins das Tierreich, die Zukunft der Gattung Platon, Sparta, Campanella, die Gesetzgebung der 20er Jahre in der USA und der UdSSR, die Erbgesetze im Nationalsozialismus, die chinesischen Kommunisten, die Genom-Biotechnologen der Gegenwart
Christdemokraten Soziale Verantwortung! gesellschaftliche Zentrifugalkräfte Lamennais, Franz Hitze, Franz Joos, Jacques Maritain, Mauriac, Paul Ricoeur Zentrumspartei im Wilhelminischen Reich, Weimarer Sozialkatholizismus, Adenauer-Deutschland, Bidault-Frankreich, De Gasperi-Italien. Leo XII., Johannes XXIII.
Egotistische Rechte Jeder für sich! Der Staat Mandeville, Milton Friedman, Murray Rothbard, Gordon Bullock, James Buchanan Der Wilde Westen, Manchester-England, Taiwan, Osteuropa nach 1989 Robinson Crusoe, Bill Gates.
Rassisten Rasse rein halten! Vermischung Gobineau, H.S. Chamberlain, George Montandon, René Martial, Alfred Rosenberg Die Prähistorie, Drittes Reich, Japan der Prophet Esra, Isabella von Spanien, Ku-Klux-Klan, Himmler

Politische Modelle

Richtung Parole Feindbild Köpfe Referenz(-epoche) Idole
Monarchisten Es lebe die Dynastie! Republikaner Chateaubriand, Comte, Taine, Victor Hugo, Maurras, Léon Daudet, Walter Scott, Henri Massis, Philippe Aries Vendée-Erhebung, Restauration, Napoleon III. Jeanne d‘Arc, Drei Musketiere, Heinrich IV. (Frankreich), Richelieu, Ludwig XIV.
Nationalliberale Ordnung und Freiheit! Die Sozialdemokratie Montesquieu, Edward Gibbon, Burke, Adam Mickiewicz, Toqueville, Ernest Renan, Max Weber, Gustave le Bon, Vilfredo Pareto, Toynbee, Bertrand de Jouvenel, Thomas Mann, Russell Kirk das 2. frz. bzw. deutsche Kaiserreich Sulla, Disraeli, Bismarck, Churchill
Gaullisten Für ein Europa der Vaterländer! Raum- und kulturfremde Mächte Alfred de Vigny, de Gaulle, Schmitt, Malraux London 1940, Paris 1944, Algier 1958 Colbert, Napoleon, de Gaulle, General Leclerc, Mao Tse-Tung
Faschisten Glauben! Gehorchen! Kämpfen! Der Parlamentarismus Georges Valois, Brasillach, Rebatet, Prezzolini, Mussolini, Giovanni Gentile, Mosley, Maurice Bardèche Italien 1923-44, Spanien unter Franco, der „Caesarismus aller Zeiten“ José Antonio Primo de Rivera, Joris van Severen, die Kadetten des Alcazar, Evita Peron, Gamal Abdel Nasser, Oberst Tejero.
Regionalisten Für ein Europa der 100 Flaggen! Bürokratischer Zentralismus Jean Giono, Jean Mabire, Henri Béraud die Grundherrschaften Alteuropas, die Südstaaten der USA, Elsaß-Lothringen 1871-1918, das späte k.u.k. Kaiserreich, Irland Gerry Adams, Umberto Bossi
Nationalisten Es lebe die Nation! Kosmopolitische Internationalismen Paul Déroulede, Edouard Drumont, Maurice Barrès Die europäischen Nationalisierungsprozesse in der Neuzeit und Moderne General Boulanger, Jacques Doriot, Jean-Marie Le Pen

Politische Stile

Richtung Parole Feindbilder Köpfe Referenz(-epoche) Idole
Ästhetizismus Nihil commune! Die Viel-zu-Vielen Dante, Chateaubriand, Gobineau, Baudelaire, Barbey D‘Aurevilly, Viliers de L‘Isle Adam, Thomas Carlyle, Gabriele D‘Annunzio, Stefan George, Moeller van den Bruck, Mario Praz, Gottfried Benn, Axel Matthes, Armin Mohler. Spätantike, Hellenismus, Symbolismus Autoren der „Schwarzen Romantik“, Wagner, Präraffaeliten, Stefan George, Mishima
Rechte Anarchisten Mir geht nichts über mich! Unterordnungszwänge Rabelais, Stirner, Nietzsche, Darien, Céline, Aymé, Cioran, Léo Malet Alle und keine eo ipso keine
Macho-Rechte Le style c‘est L‘Homme! Effeminisierung, Moralismus Stendhal, Montherlant, Paul Morand, Jean Raspail, Michel Houellebecq Kreuzzüge, Reconquista, Kriege El Cid, Don Quichotte, Troubadoure, Torreros
Unternehmer Besser, schneller, billiger, mehr! Gewerkschaften, Sozialgesetzgebung Andrew Carnegie, Henry Ford, Rockefeller, Ayn Rand Die industrielle Revolution, Gründerzeiten Marco Polo, Till Necker, J.R. Ewing, Hugo Stinnes
Antikommunisten Lieber tot als rot! Der Kommunismus Emmanuel Malynski, George Orwell, Stéphane Courtois USA zur McCarthy/Reagan-Zeit, südamerikanische Diktaturen, portugiesische bzw. griechische Junta Pilsudski, Pius XII., Tschiang Kai-Tschek, McCarthy, Salazar, Franco, Pinochet, Solschenizyn.
Aktionisten An die Macht! Das liberale Establishment D’Annunzio, Malaparte, Malraux, Ernst von Salomon Freikorps, Fiume 1919, Marsch auf Rom, Marsch auf die Feldherrnhalle 1923, Spanien 1936, Algier 1961, Chile 1973 Lawrence of Arabia, Ungern-Sternberg, Ernst Röhm, Skorzeny, Oberst Tejero
Bürgerlich-zentristische Rechte Die Mitte führt! Extremismus Henri Troyat, Jean d‘Ormesson, Jean-Marie Rouart Anfänge der 3. Franz. Republik Adolphe Thiers, Georges Pompidou, Edouard Balladur
Poujadisten Wir selbst! Funktionäre & Fiskus Pierre Poujade, Jean Dutourd Bauernerhebungen, regionale Revolten, der korporativ gegliederte Ständestaat, der Schwarzmarkt, die poujadistische Republik von 1956 Pierre Poujade, Asterix, Louis de Funès
Technokraten Wir haben die Lösung! Bedenkenträger, Lebensschützer Jeremy Bentham, Saint-Simon, Auguste Comte, John Taylor, Hendrik de Man, Jules Romains, Le Corbusier die europäischen Industriegesellschaften der 20 und 30er Jahre, New Deal, Vichy, die 60er Jahre Vaubban, Eiffel, Henry Ford, Albert Speer, Jean Coutrot
Katholische Traditionalisten Gott schütze den König! Materialismus, christlicher Progressismus, Islam Augustinus, Thomas von Aquin, Leon Bloy, G.K. Chesterton, Ernest Hello Mittelalter, Kreuzzüge, Reconquista, Restauration Konstantin, Chlodwig, Karl Martell, Jeanne d‘Arc, Bernadette Soubirous, Pius X., Pius XII., Mgr. Lefebre
Konspirative Rechte Sie sind überall! Verschwörer, Komplotte Augustin Barruel, Léo Taxil, Henry Ford, Jacques Bordiot, Ludendorff, Jan van Helsing Inquisition Edouard Drumont, Darquier de Pellepoix
Nationalsozialisten Sieg Heil! Blut und Boden! Reaktionäre, Liberale, Kommunisten, Juda Theodor Fritsch, Rosenberg, Goebbels, George Rockwell Die NS-Bewegung 1921-45 Hitler, Heß, der Großmufti von Jerusalem, Himmler, die SS
Die Bizeps-Rechte Kraft und Ehre! Der Stärkste ist am mächtigsten allein! Die Anderen Die Autoren von Pitbull- und Bodybuilding-Magazinen sowie des Doc Martens-Katalogs Prähistorische Hordengesellung, Tribalismen, Stammesgesellschaften Bruce Lee, Jean-Claude Van Damme, Schwarzenegger
Fokloristen Volk und Erde! Der industrialistische Konsumismus Thoreau, Hamsun, Giono, FG Jünger, Wiechert, Herman Wirth, Blunck, Darée, Tolkien, Henning Eichberg Bauernkriege, Handwerkerrevolten, Maschinenstürme Kelten, Stedinger, Katharer, bündische Jugendbewegung, Nacktbader
Esoteriker und Traditionalisten Zurück zur Überlieferung Die Moderne als solche Evola, Guénon, Schuon, Jung, Eliade, Borella Das Goldene Zeitalter Julian Apostata, Cusanus, Paracelsus, Novalis, Codreanu, Rahn, Hellpach, Imam Chomeini
Ökologen Mutter Erde! der die natürlichen Ressourcen vernutzende, wissenschaftlich-technische Industrialismus bzw. massendemokratische Konsumismus Ernst Haeckel, Carrel, Charbonneau, Ludwig Klages, Gebrüder Jünger, Heidegger, Koestler, Grzimek, Konrad Lorenz, Eibl-Eibesfeldt, Ellul, Gruhl, Goldsmith Gesellschaften mit traditionalen Herrschaftsformen Akitivisten der Naturschutzbewegung, Baldur Springmann, Werner Herzog, Ted Kaczynski

Quelle: 17. Etappe

Semantik: Rechts ist schlecht und Links ist gut

Quelle
Folgender Text ist eine Quellenwiedergabe. Unter Umständen können Rechtschreibfehler korrigiert oder kleinere inhaltliche Fehler kommentiert worden sein. Der Ursprung des Textes ist als Quellennachweis angegeben.

Der politische Verortungsbegriff „rechts“ hat in den letzten Jahrzehnten im bundesdeutschen Alltagssprachgebrauch eine immer pejorativere Bedeutung erlangt. Noch vor kaum zehn Jahren konnte sich ein gemäßigter Konservativer wie Bodo Hauser in der staatlichen ZDF-Sendung Frontal 21 als „rechter“ Widerpart zu dem „linken“ Ulrich Kienzle präsentieren, ohne daß er bei den meisten Zuschauern in den Ruch des Nationalismus oder gar des Nationalsozialismus geraten wäre. Heute dagegen wird „rechts“ schon zumeist als Synonym zu „rechtsextrem“ verwendet. Die mit dem Wort „rechtsextrem“ assoziierten Begriffsbilder wie „Nazi“ oder „Faschismus“ haben derart stark auf den Wortbestandteil „rechts“ abgefärbt, daß man heutzutage „extrem“ getrost weglassen kann, um gemeinhin verstanden zu werden. Natürlich kommt dieser semantische Wandel den sich als „links“ bezeichnenden Politikern sehr gelegen, stehen sie doch nun in der semantischen Politmetaphorik als genaues Gegenteil der bösen „Rechten“ da, also als die Guten schlechthin. CDU-Mitglieder, die sich noch vor wenigen Jahrzehnten problemlos „rechts“ verorteten, würden sich heute mit Klauen und Zähnen gegen diese Etikettierung wehren, wähnen sie sich doch heute vielmehr in der „Mitte“, wo sich auch FDP und große Teile von Grünen und SPD semantisch zuhause fühlen, und würden auch den Gegenbegriff „links“ längst nicht mehr als Schmähung empfinden.

Dieser semantische Wandel hin zum Pejorativen muss aber nicht monokausal auf die Planung einschlägig interessierter Politiker und Medien, mithin auf eine Verschwörung zur Begriffsumwertung zurückzuführen sein, sondern er hätte sich durchaus auch ausschließlich auf dem Sprachmarkt als Ergebnis eines von unsichtbarer Hand gesteuerten Kommunikationsprozesses aller Teilnehmer der deutschen Sprechergruppe ergeben können, genauso wie es zum Beispiel auch den Wörtern „Gift“, „Weib“ oder „Dirne“ ergangen ist. Es wäre ein schwieriges und schier unmöglich anmutendes sprachpolitisches Unfangen, dem Begriff „Dirne“ eine neue Zurückdeutung in Richtung „Mädchen“ angedeihen zu lassen.

Der Begriff „rechts“ scheint inzwischen im Bewusstsein der meisten Sprecher des Deutschen so sehr im Zusammenhang mit der Bedeutung „faschistisch, nationalsozialistisch, menschenverachtend, totalitär“ verankert zu sein, daß auch hier eine Umdeutung wie ein hoffnungsloses Unterfangen anmutet. So gibt es auch nur noch wenige, welche die frühere Bedeutung trotzig verteidigen, indem sie sich selbst affirmativ als „rechts“ bezeichnen und damit „konservativ“, „wertkonservativ“ oder „nationalkonservativ“ meinen, gleichzeitig aber den Anspruch erheben, daß dadurch eine scharfe Distanz zu „nationalsozialistisch“ zum Ausdruck komme. Diese Distanzierung wird umso schwerer, als auch die tatsächlichen Neonationalsozialisten sich mittlerweile schlicht und ergreifend als „Rechte“ etikettieren, nicht etwa als „Rechtsextreme“. Auch im liberalen bis libertären Spektrum gibt es noch Rückzugsgefechte von Liberalkonservativen, die den Begriff „rechts“, wie er vormals relativ unverfänglich in Komposita wie „rechtsliberal“ zur Anwendung kam, nicht aufgeben möchten und sich im Zweifelsfall lieber als „rechts“ denn als „links“ verortet wissen möchten, zumal sie mit „links“ Sozialismus, Steuerstaat, Gleichmacherei und Bevormundung assoziieren, während mittlerweile im durchschnittlichen Sprachempfinden „links“ vielmehr mit positiven Begriffen wie „gerecht“, „fortschrittlich“, „solidarisch“ und „tolerant“ in Verbindung gebracht wird.

Neben der Möglichkeit, den Begriff „rechts“ zu affirmieren und auf dessen früheres semantisches Umfeld zu pochen, gibt es eine weitere Option, die möglicherweise erfolgversprechender ist, nämlich sowohl die positive Konnotation von „links“ als auch die negative Konnotierung von „rechts“ semantisch zu erweitern, so dass man sich beispielsweise als konsequentem Liberalen begrifflich als lupenreinen Linken bezeichnen kann, während alles Nicht-Liberale dann „rechts“ wäre. Eine semantische Erweiterung von „rechts“ könnte dann so aussehen „totalitär, unfrei, jede Form von unfreiwilligem, aufgezwungenem Sozialismus, also sowohl national- wie auch internationalsozialistisch, staatliche Bevormundung und staatliche Diskriminierung, aggressiv bis militaristisch, menschenverachtend“. Mit dieser eigentlich unwesentlichen Begriffserweiterung könnte man problemlos Systeme wie die DDR, die Sowjetunion, Nordkorea, das chavistische Venezuela und die sozialistische Militärdiktatur in Birma in die „rechte Ecke“ verschieben, und einige Programmpunkte der „Linkspartei“ wären dann so rechts, daß sich diese Partei eigentlich in „Rechtspartei“ umbenennen müsste, um glaubwürdig zu bleiben. Aber auch der Steuer- und Schnüffelstaat der Großen Koalition wiese dann immer deutlicher rechte Züge auf.

„Links“ müsste dann nur noch mit den dominanten Assoziationen wie „frei“ und „ungezwungen“ angereichert werden, um dann argumentieren zu können, dass „gerecht“ und „solidarisch“ nur dann „links“ sein könne, wenn sie ohne staatlichen Zwang erfolge, und erst dann könne man mit Fug und Recht behaupten, „fortschrittlich“ und „tolerant“ zu sein. Flugs könnte man sich dann als Erzliberaler und Freund der freien Marktwirtschaft als aufrechter Linker positionieren und mit in den „Kampf gegen Rechts“ wider Faschisten, Sozialpopulisten und braune wie rote Zwangssozialisten ziehen. Die Durchsetzung dieser semantischen Verschiebung mutet Ihnen zu aufwendig und zu utopisch an? Vielleicht ist dieser Weg aber mittlerweile weniger steinig als das Unterfangen, den Begriff „rechts“ zu depejorisieren.

Quelle: David Schah, ef-online 21. Mai 2009


Europäische „Rechte“ der Gegenwart

In Europa gibt es verschiedene rechte und rechtskonservative Parteien.

SCHWEDEN

Wichtigste Forderung der Schweden-Demokraten ist eine drastisch verschärfte Ausländerpolitik. Parteichef Jimmie Akesson fordert erhebliche Einschnitte bei der Einwanderung. Er sieht den Islam als größte ausländische Bedrohung seit dem Zweiten Weltkrieg. Unter den 9,4 Millionen Einwohnern Schwedens sind rund 14 Prozent Einwanderer. Die meisten stammen aus Finnland, gefolgt von dem ehemaligen Jugoslawien, Irak, Iran und Polen.

DÄNEMARK

Die Dänische Volkspartei (DVP) gilt als politisches Vorbild für die Schweden-Demokraten. Sie hatte in den vergangenen zehn Jahren einen rasanten Aufstieg erlebt, und Parteichefin Pia Kjærsgaard wird als „heimliche Herrscherin“ in Kopenhagen angesehen. Mit 13,8 Prozent bei der Parlamentswahl 2007 ist die DVP zur Mehrheitsbeschafferin für Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen geworden. Dänemarks demonstrativ harte Zuwanderungs- und Ausländerpolitik wird dem Geschick von Kjærsgaard zugeschrieben.

NIEDERLANDE

Die 2006 gegründete Partei für Freiheit (PVV) des Islamgegners Geert Wilders wurde im Juni drittstärkste Kraft im Parlament. Sozialpolitisch bezieht Wilders teils linke Positionen. So ist er gegen die Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre.

FRANKREICH

Seit 1972 führt Jean-Marie Le Pen die Nationale Front im Kampf gegen das Establishment und Überfremdung. Seinen größten politischen Coup hatte Le Pen im Jahr 2002 gelandet. Damals erreichte er bei der Präsidentenwahl überraschend den zweiten Wahlgang, wo er dem Amtsinhaber Jacques Chirac unterlag. Bei den Regionalwahlen im März kam die Nationale Front auf etwa neun Prozent. Jetzt bereitet der 82 Jahre alte Le Pen die Übergabe der Parteiführung an seine Tochter Marine Le Pen vor.

SCHWEIZ

Den rechten Rand beherrscht die nationalkonservative Schweizerische Volkspartei (SVP). Im Nationalrat, der großen Kammer des Parlaments, hat sie die meisten Sitze. Mit einer Plakataktion gegen Ausländer – weiße Schafe verjagten ein schwarzes Schaf – zog die SVP im Wahlkampf 2007 Kritik auf sich. Ihre Galionsfigur ist Christoph Blocher. Weiter rechts steht die Eidgenössisch-Demokratische Union, die im Parlament einen Sitz hat.

ÖSTERREICH

Bei den Wahlen 2008 wurde die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) mit 17,5 Prozent drittstärkste Kraft. Gemeinsam mit dem von Jörg Haider von der FPÖ abgespaltenen Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) kamen die Rechten auf rund 28 Prozent der Stimmen.

UNGARN

Der rechtsgerichtete Bund Junger Demokraten (FIDESZ) regiert seit den Wahlen im April 2010 mit einer Zweidrittelmehrheit. Parteichef und Ministerpräsident Viktor Orban richtet den Staat zunehmend wieder National aus. Ein „System der nationalen Zusammenarbeit“ soll die chaotische Nachwende-„Demokratie“ ersetzen. Weiter rechts von ihr steht die Partei „Jobbik“ (Die Besseren), die mit 17 Prozent erstmals ins Parlament eingezogen war.

ITALIEN

Die wichtigste rechte Partei Italiens ist die „Lega Nord“ von Umberto Bossi. Sie ist mit vier Ministern an der Regierung von Silvio Berlusconi beteiligt. Dieser hat sein Amt dem Erfolg der „Lega Nord“ bei der Wahl 2008 zu verdanken. Die „Lega Nord“ kämpft für ein von Rom und dem armen Süditalien unabhängiges Norditalien.

BELGIEN

Die rechte Partei „Vlaams Belang“ (früher Vlaams Blok) kam auf 7,7 Prozent nach annähernd zwölf Prozent im Jahr 2007.

Zitate

  • „Unsere Gesellschaft bietet somit das erstaunliche Schauspiel einer Rechten, die nicht als solche auftreten kann, ohne daß man sie des ‚Faschismus‘ bezichtigt, und einer Linken sowie einer extremistischen Linken, die sich jederzeit sozialistisch, kommunistisch oder marxistisch nennen und dabei ganz fraglos behaupten kann, daß ihre Doktrinen nichts mit dem Stalinismus, noch überhaupt mit irgendeiner historisch verwirklichten Form des Sozialismus ... zu tun hätten.“Alain de Benoist[2]
  • „[...] in Deutschland [...] ist dem Verdikt ‚rechts‘ eine besondere Schärfe eigen, denn hinter ihm lauert immer ein Superlativ, nämlich das Verdikt ‚faschistisch‘, also verbrecherisch.“ — Dieter E. Zimmer[3]
  • „Deutschland ist ein ordentliches Land. Es gibt Gut und Böse. Gut ist alles, was nicht böse ist. Böse ist alles, was rechts ist.“ — Eckhard Fuhr[4]
  • „Nicht Fortschritt und Beharrung (vulgär Reaktion genannt), sondern Emanzipation und Institutionalisierung ist also die wirkliche Alternative zwischen Links und Rechts.“Eugen Lemberg
  • „Rechts gibt es allzu viele, die schlafen, links allzu viele, die träumen. Unsere Aufgabe jedoch ist, wach zu bleiben.“Gustave Thibon
  • „Ein Rechter wird man durch eine Art von ,zweiter Geburt’. Man hat sie durchlebt, wenn man sich – der eine früher, der andere später – der Einsicht öffnet, daß kein Mensch je die Wirklichkeit als Ganzes zu verstehen, zu erfassen und zu beherrschen vermag. Diese Einsicht stimmt manchen melancholisch, vielen aber eröffnet sie eine wunderbare Welt. Jedem dieser beiden Typen erspart sie, sein Leben mit Utopien, diesen Verschiebebahnhöfen in die Zukunft, zu verplempern.”Armin Mohler

Siehe auch

Literatur

  • Norbert Borrmann: Warum rechts? Leben unter Verdacht – Vom Wagnis, rechts zu sein. Regin-Verlag, 2011, ISBN 978-3941247338
  • Daniel Friberg: Die Rückkehr der echten Rechten – Handbuch für die wahre Opposition, Arktos Media, London 2015, ISBN 978-1-910524-56-5, Buchvorstellung
  • Rolf-Josef Eibicht: Deutschlands Rechte. Ordnungs- und Gestaltungsauftrag, München 1998
  • Hermann Heller: Politische Ideenkreise [1926], Werke, Abt. 2, zuletzt Leiden 1971
  • Ernst Nolte:
    • Marxismus und Industrielle Revolution, Stuttgart 1983;
    • Historische Existenz, München 1998
  • Anton Peisl / Armin Mohler (Hgg.): Kursbuch der Weltanschauungen. Schriften der Carl Friedrich von Siemens Stiftung, Bd. 4, Frankfurt a. M. 1980

Verweise

Fußnoten

  1. Neue Rechte, Alte Rechte, keine Rechte?
  2. In: Kulturevolution von rechts, edition d, Bd 6, Krefeld 1985, S. 17
  3. PC oder: Da hört die Gemütlichkeit auf, in: Die Zeit vom 22. Oktober 1993
  4. Deutsche Ordnung, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 2. Mai 1995
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