Romantik

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Romantik im weitesten Sinne steht für eine über die romantische Dichtung hinausgreifende, in Deutschland gegen Ende des 18. Jahrhunderts entstandene eigentümliche Richtung des geistigen Lebens im 19. Jahrhundert, die sich auch über andere europäische Länder verbreitete, im engeren Sinne für einen Zeitraum der deutschen Literatur von 1798 bis um 1830. Die Romantik suchte das Phantastische, Überschwengliche und Formlose durch Nachahmung des Mittelalterlichen und Orientalischen zum herrschenden Prinzip in Poesie und Kunst zu machen und stand hiermit im Gegensatz zum Klassizismus und in deutlicher Abgrenzung zur Aufklärung. Die Bedeutung des Wortes Romantik war indes schon bei den Begründern der neuen Richtung nicht ganz feststehend.

Inhaltsverzeichnis

Artikel aus dem staatspolitischen Handbuch


Quelle Folgender Text stammt aus dem Staatspolitischen Handbuch, Band 1: Begriffe.

Romantik ist zuerst die Bezeichnung jener geistigen Bewegung, die am Ende des 18. Jahrhunderts gegen die Aufklärung sowie den Rationalismus und Idealismus gerichtet entstand. Was ihre Strömungen verband, war die prinzipielle Frontstellung gegen die Annahme eines durchgängig nach vernünftigen Prinzipien handelnden autonomen Subjekts, das unabhängig von allen konkreten natürlichen und historischen Bedingungen sich selbst und die Welt erkennen und neu machen kann.

Soweit die R. auf das Feld des Politischen übergriff, lassen sich – nach Hans-Christof Kraus – fünf Zentralelemente einer politischen R. feststellen: 1. die Wiederinachtsetzung von Kontinuität und Überlieferung gegen die Revolution, 2. die Ablehnung einer strikten Scheidung von Mensch und Natur; der Mensch (Menschenbild) gilt als Teil einer göttlichen und natürlichen Ordnung der Welt, 3. die Erneuerung der Ständeordnung als einer der Gesellschaft adäquaten, weil geschichtlich gewachsenen »organischen« Gliederung, 4. die enge Verknüpfung von Politik und Religion, insbesondere die Legitimation des Staates als christlicher Staat, 5. die Kritik des Wirtschaftsliberalismus, vor allem da, wo die Industrialisierung zu unhaltbaren sozialen Verhältnissen führte und deshalb die Forderung nach Eingliederung der „Proletairs“.

Obwohl die R. keine primär politische Bewegung war, hat sie erheblichen politischen Einfluß, vor allem auf den deutschen Konservatismus, genommen. Das gilt in erster Linie für Vordenker der R. wie Adam Müller, Joseph Görres oder Franz von Baader, in gewissem Sinn auch für Friedrich Gentz. Obwohl die Möglichkeiten praktischer Umsetzung bereits im Vormärz radikal beschnitten waren, lebten viele ihrer Ideen fort und beeinflußten in nachhaltiger Weise das deutsche Staatsdenken. Das gilt nicht nur für die Theorien Othmar Spanns, der im 20. Jahrhundert explizit auf die R. zurückgriff, sondern allgemeiner noch und insbesondere für die rechte Intelligenz im Umfeld der Konservativen Revolution. Man hat in dem Zusammenhang auch von einer „Neuromantik“ gesprochen, die zwar nicht genuin, aber doch in bestimmten Bereichen politisch orientiert war.

Damit sei ausdrücklich nicht gesagt, daß das konservative Denken insgesamt auf romantischen Vorgaben beruht, es hat gerade hier immer wieder scharfe Kritik an der R. und der politischen R. gegeben, eine „Anti-R.“, ausgehend von Hegel ebenso wie von Carl Schmitt.

Wichtige Autoren und Werke

Die romantischen Dichter und Philosophen taten sich in Universitätstädten zu Freundeskreises zusammen. Mittelpunkt ihrer Kreise waren oft Frauen: Karoline Schlegel, zunächst Ehefrau August Wilhelm Schlegels, danach von Schellings; Elisabeth (genannt Bettina) von Arnim, Ehefrau Achim von Arnims und Schwester dessen Freundes Clemens Brentano; Rahel Levin und Henriette Herz, die in Berlin literarische Salons unterhielten.

Als Hauptgattung der Romantik galt ihren Vertretern selbst der Roman. Sie sahen ihn als diejenige Textsorte an, in der alle Gattungsgrenzen aufgelöst werden konnten, wo theoretische Reflexion, Erzählung und lyrische Stimmungen zusammentreffen konnten, ohne in starre Formen gefaßt zu sein.

Für die Nachwelt ist die romantische Lyrik die wichtigste literarische Form. Der musikalische Charakter der Lyrik, ihre Bildlichkeit, die Möglichkeit, Dinge auszudrücken, die anders nicht auszudrücken sind, paßt zur Weltsicht der Romantik.

Frühromantik

Frühromantik: philosophisch, theoretisch orientiert (Jena, Berlin)

  • August Wilhelm Schlegel (1767–1845)
    • gab zusammen mit seinem Bruder von 1798–1800 die Zeitschrift „Athenaeum“ heraus
  • Novalis (Friedrich von Hardenberg, 1772–1801)
    • Hymnen an die Nacht (Gedichte 1797)
    • Heinrich von Ofterdingen (Romanfragment 1802)
  • Ludwig Tieck (1773–1853)
    • Der gestiefelte Kater (Drama, 1797)
    • zusammen mit Wilhelm Heinrich Wackenroder (1773–1798): Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders (1797)
    • Theoretische Schriften (1796)

Hoch- und Spätromantik

Hoch- und Spätromantik (Heidelberg)

Zitat

  • Am lächerlichsten ist mir immer die Wut vorgekommen, Verfassungen zu machen. Wahrlich lieber Freund, es gibt einen Despotismus der Liberalität, der so unleidlich ist, wie jede andere Tyrannei, indem er das frische Leben fanatisch mit eitel Garantien, Vor- und Rücksichten umbaut, daß man vor lauter Anstalten zur Freiheit nicht zu dieser selbst gelangen kann.“ — Joseph von Eichendorff

Siehe auch

Literatur

  • Hans Benzmann: Das Zeitalter der Romantik 1800–1820 nebst einem Anhang „Die Freiheitskriege und die Reaktion im Liede der Zeit“, eine Sammlung (1908) (PDF-Datei)
  • Jakob Baxa (Hg.): Gesellschaft und Staat im Spiegel deutscher Romantik, Die Herdflamme, Bd 8, Jena 1924
  • ders.: Einführung in die romantische Staatswissenschaft [1923], Die Herdflamme, Ergänzungsbd. 4, zuletzt Jena 1931
  • Paul Kluckhohn: Das Ideengut der deutschen Romantik [1941], zuletzt Tübingen 1966
  • Carl Schmitt: Politische Romantik [1919], zuletzt Berlin 1998
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