Schlieffen-Plan

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Der Schlieffenplan mit der zwingend notwendigen westlichen Umfassung von Paris

Der Schlieffen-Plan war ein von Alfred Graf von Schlieffen, dem Chef des Generalstabes der Armee, entwickelter Kriegsplan. Ziel war es, einen durch die Einkreisung Deutschlands zu erwartenden Mehr-Fronten-Krieg schnell und siegreich zu beenden.

Inhaltsverzeichnis

Die Voraussetzungen

Jahrhundertelang war Deutschland zu einer Ansammlung politisch nur lose verbundener oder ganz selbständiger feudaler Herrschaften zerfallen. Deutschland war weitgehend Spielball fremder Mächte. Beispielsweise befanden sich unter Napoleons 600.000 Mann starker Armee, die Rußland angriff, 200.000 deutsche Soldaten.

Diese Lage revolutionierte Bismarck durch seine Reichsgründung 1871. Mit einem Schlag entstand eine neue Weltmacht. Doch es entstand aus dem Machtvakuum in Mitteleuropa nicht nur eine neue Weltmacht, diese war auch jeder anderen großen Macht überlegen. Sie war sogar stärker als zwei der alten Mächte zusammen.

Zum französischen Überfall auf Deutschland 1870 hieß es bereits unmißverständlich: "Dieser Krieg bedeutet die deutsche Revolution, ein größeres politisches Ereignis als die Französische Revolution des vergangenen Jahrhunderts." (Benjamin Disraeli, zweimaliger britischer Premierminister)[1]

Deutschland konnte Frankreich bezwingen und es folgte die Reichsgründung. Die alten, zurückfallenden Kräfte, die Engländer und Franzosen, waren nicht bereit, diese Veränderungen anzuerkennen. Sie reagierten mit Haß, Neid und Angst. Schon nach wenigen Jahren hatte die französische Diplomatie Deutschland durch ein Geflecht von Bündnissen eingekreist. Bei einem Krieg würde Deutschland von mehreren Seiten aus bedroht werden.

Der Plan

Schlieffen, der 1905 in den Ruhestand ging, hinterließ seinem Nachfolger eine Denkschrift, den sogenannten Schlieffen-Plan. Schlieffen brach mit der Vorstellung, einen ausgeglichenen Zweifrontenkrieg gegen Frankreich und Rußland zugleich zu führen. Er ging davon aus, daß dieser aufgrund der materiellen Überlegenheit der Gegner zu Deutschlands Niederlage führen mußte. Schlieffens Ziel war es, alle Kräfte in Nordwestdeutschland zu versammeln, durch Belgien in Nordfrankreich einzumarschieren, die französische Armee zu umfassen, an die Schweizer Grenze zu drücken und zu vernichten. An allen anderen Fronten sollte nur mit schwachen Kräften hinhaltend verteidigt werden. Nach der schnellen Niederwerfung der Franzosen und Engländer sollte sich das deutsche Heer nach Osten wenden. Für den Nordwesten als Angriffsziel hatte sich Schlieffen entschieden, weil Rußland aufgrund fehlender Infrastruktur eine lange Mobilisierungszeit hatte. Die Süddeutsche Grenze zu Frankreich war geländeungünstig und stark befestigt. Als Zahlenverhältnis sah Schlieffen 1:7 vor: Für jede Division, die hinhaltend verteidigen sollte, sollten 7 Divisionen im Nordwesten angreifen. Es war das größte Cannae, das bis dahin ein Feldherr geplant hatte.

„Da die tägliche Höchstleistung für einen Gewaltmarsch bei 32 km lag, konnte ein Korps auf einer einzigen Straße nicht weiter vorankommen; somit befand sich das Ende einer 29 km langen Marschkolonne am Ende des Tages immer noch in der Nähe des Abmarschpunktes. Auf zwei parallelen Straßen konnten die Letzten die Hälfte der Strecke zurücklegen, bei vier Straßen drei Viertel und so weiter. Im Idealfall mußten die Einheiten eines Korps nicht hintereinander, sondern nebeneinander vorrücken, so daß am Ende des Tages alle das 32 km entfernte Tagesziel erreichten. Tatsächlich waren Parallelstraßen, wie Schlieffen in einem seiner Nachträge einräumte, bestenfalls in einem Abstand von einem oder zwei Kilometern zu finden. Da seine große Schwenkbewegung über eine Frontbreite von 300 km aber mit etwa 30 Armeekorps vorangetrieben werden sollte, verfügte jedes Korps nur über eine Frontlinie von 10 km, an der es vorrücken konnte. Dort gab es höchstens sieben parallele Straßen. Das reichte nicht aus, um die Letzten der Marschkolonnen bis zum Ende des Tages zu den Spitzen aufschließen zu lassen. Dieser Nachteil war schon an sich gravierend; noch schwerer wog, daß es völlig unmöglich war, in den Radius der Schwenkung noch mehr Truppen hineinzuzwängen. Schlieffens Entscheidung, mit dem vorhandenen Truppenbestand zu rechnen, war deshalb richtig; sein Plan ging von mathematischen Gegebenheiten aus. Wie er in seinem letzten Nachtrag erkannte, führte jeder Versuch, die Anzahl der Marschverbände zu erhöhen, möglicherweise schon der Aufmarsch der derzeit vorhandenen Anzahl, zu einem sinnlosen Stau: «Es wird sonst hinter der Feuerlinie ... unnötigerweise Masse gebildet.»“[2]

Die Aufgabe des Plans

Schlieffens Nachfolger als Chef des Generalstabes, Graf von Moltke der Jüngere, veränderte das Zahlenverhältnis von 1:7 in 1:3. Dies bedeutete die faktische Aufgabe des Planes. Die Quintessenz des Schlieffen-Planes ("Macht mir den rechten Flügel stark"), die Schlieffen immer wieder anmahnte und die sich zu einem geflügelten Wort entwickelte, mißachtete er.

Der Weltkrieg

Der Aufstieg Deutschlands rief Neider und Gegner auf den Plan, die das Land im Ersten Weltkrieg zu vernichten suchten.

Zu Beginn des Weltkrieges bestanden die Gegnerschaften im wesentlichen so, wie Schlieffen sie angenommen hatte. Der deutsche Vormarsch wurde mit solcher Macht und Schnelligkeit durchgeführt, daß die Westalliierten nach einem Monat am Rand der Niederlage standen. Der Leiter des britischen Expeditionskorps schlug vor, seine Truppen nach England zurückzuziehen. Die französische Regierung war aus Paris geflohen. Nun ereignete sich das sogenannte „Wunder an der Marne“. Zwar war zwischen zwei deutschen Armeen eine 40-Kilometer-Lücke entstanden, doch trotzdem konnten die Franzosen bis zum 10. September keinen einzigen Erfolg verzeichnen. Im Gegenteil. Ihre neu gebildete Armee vor Paris und die Armee unter General Foch wurden verheerend geschlagen. Die deutschen Frontkommandeure waren schon wieder dabei, die Frontlücke zu schließen. Da ordnete Moltke der Jüngere den Rückzug an. Die Franzosen witterten hinter diesem rätselhaften Rückzug eine besonders gefährliche List.[3] Einziger Grund dafür war jedoch die Schwäche und Ängstlichkeit des Chefs des Generalstabes. Er war weder der Kriegsvorbereitung noch der Kriegsführung gewachsen.

Die Katastrophe

Voraussetzung für das Gelingen de Planes war absolute Schnelligkeit. Hierfür hatte Schlieffen ein tägliches Marschpensum von mindestens 22 Kilometern errechnet. Bei Gewaltmärschen war ein maximales Pensum von 32 Kilometern täglich möglich. Das ganze Unternehmen mußte in einer Zeit von höchstens 42 Tagen zu Ende geführt werden.[4] Spätestens dann wäre das russische Heer kampfbereit und sämtliche verfügbaren Truppen mußten nach Osten geworfen werden. Sollte die Umfassung im Westen länger als diese 42 Tage dauern, wäre der Krieg bereits für Deutschland verloren. Der äußerste rechte Flügel hatte dabei die Hauptlast zu tragen. Er hatte den weitesten Weg und er mußte zwingend Paris westlich umfassen. Diese zwingende westliche Umfassung hatte Schlieffen als Grundessenz seines Planes mehrfach betont.

„Während die Front sich auf die Somme zubewegte, sorgte sich Moltke seinerseits um die Lage der 8. Armee, die Ostpreußen gegen die Russen verteidigte. Das lenkte seine Aufmerksamkeit von den umfangreicheren und entscheidenderen Operationen im Westen ab. Da er nach der Einnahme von Namur eine Möglichkeit sah, Streitkräfte einzusparen, entschied er sich, die freigesetzten Truppen durch Deutschland an die Ostfront umzuleiten. Die 8. Armee wünschte keine Verstärkung durch das Garde-Reservekorps und das XI. Korps, und Ludendorff, ihr neu ernannter Stabschef, teilte dies am 28. August der OHL mit. Trotzdem wurden die Verstärkungen entsandt. Mittlerweile waren die im Westen vorrückenden Armeen weiter geschwächt: (...) Der Abzug von fünf Armeekorps - einem Siebtel des deutschen Heeres im Westen - aus der Kampflinie erleichterte Moltkes logistische Schwierigkeiten, die zunahmen, je mehr die deutschen Armeen sich auf dem überlasteten Straßennetz Paris näherten. Gleichwohl gilt: Eine überlegene Truppenmacht am entscheidenden Punkt ist ein Schlüssel zum Erfolg. Moltkes Truppenaufteilung machte eine deutsche Dominanz jedoch eher unwahrscheinlich. Er verringerte seine Chance, überlegene Kräfte zu konzentrieren, noch mehr, als er am 27. August die Flügelarmeen - Klucks 1. und Bülows 2. Armee - anwies, sich auseinanderzuziehen: (...) Am 28. August, einen Tag nach Moltkes Erlaß, entschied Kluck eigenmächtig, seine Marschrichtung zu ändern und - ostwärts von Paris - nach Südosten vorzurücken; er begründete das damit, daß eine Bedrohung seitens der anscheinend kampfunfähigen BEF nicht mehr gegeben sei und daß die französische 5. Armee durch einen Vorstoß in ihre Flanke endgültig ausgeschaltet werden müsse. Moltke nahm diese Entscheidung Klucks hin, obwohl er ihm am 27. August unmißverständlich befohlen hatte, «westlich ... gegen die untere Seine» zu marschieren. Am 2. September ging Moltke noch einen Schritt weiter. In einem Funkspruch aus dem provisorischen Hauptquartier der OHL in Luxemburg teilte er der 1. und 2. Armee mit: «Absicht Oberster Heeresleitung, Franzosen in südöstlicher Richtung von Paris abzudrängen. 1. Armee folgt gestaffelt der 2. Armee und übernimmt weiterhin den Flankenschutz des Heeres.» Moltke nahm den Gang der Ereignisse eher hin als ihn noch selbst zu gestalten. Die 2. Armee hatte angehalten, um sich von den Kämpfen und den langen Märschen zu erholen. Die 1. Armee mußte also, wenn sie ihr gestaffelt folgen sollte, ebenfalls pausieren.“[5]

Am 14. September wurde Moltke der Jüngere von Kriegsminister Falkenhayn abgelöst. Zu spät! Die Folgen dieses Führungsversagens waren schrecklich. Aus dem ursprünglich von Schlieffen geplanten Bewegungskrieg entwickelte sich der Stellungskrieg des Ersten Weltkriegs.

Von Schlieffen hat das Scheitern des Bewegungskrieges nicht mehr erlebt. Er starb bereits im Jahre 1913.

Beurteilung

Der Schlieffen-Plan ist nicht durchgeführt worden und somit auch nicht gescheitert. Seine Qualität bestand gerade in der Radikalität, mit der er die Lage analysierte und zu lösen versuchte. Diese hat Moltke d.J. ihm genommen.

Durchgeführt worden sind einige Teile des Schlieffen-Planes mit unzureichenden Angriffskräften. Trotzdem brachten diese - mit weniger als der Hälfte der im Schlieffen-Plan vorgesehenen Kräfte - die Westalliierten in kurzer Zeit an den Rand des Abgrundes. Alle Einwände gegen den Plan (logistische Probleme, überraschend schneller Aufmarsch der durch riesige französische Kredite infrastrukturell aufgerüsteten Russen) müssen hinter der Unfähigkeit Moltkes des Jüngeren zurücktreten. 1940 hat dann die deutsche Wehrmacht gezeigt, wie schnell die Umsetzung und entschlossene Durchführung von Schlieffens Grundgedanken zum Erfolg führen kann.

Literatur

Fußnoten

  1. Georg Franz-Willing, Der Zweite Weltkrieg, 1979 Seite 15
  2. John Keegan: Der Erste Weltkrieg, eine europäische Tragödie; S. 56
  3. Hellmut Diwald, Geschichte der Deutschen, Ullstein
  4. John Keegan: Der Erste Weltkrieg, eine europäische Tragödie; S. 52
  5. John Keegan: Der Erste Weltkrieg, eine europäische Tragödie; S. 159f.
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