Strasser, Otto

Aus Metapedia

Wechseln zu: Navigation, Suche
Dr. Otto Strasser (1897–1974)

Otto Johann Maximilian Strasser (auch: Straßer) (Lebensrune.png 10. September 1897 in Windsheim (Mittelfranken); Todesrune.png 27. August 1974 in München) war ein deutscher Offizier des Kaiserlichen Heeres und der Freikorps sowie nationalbolschewistischer Politiker. Nach der Mitgliedschaft in der SPD (1917–1920) gehörte er von 1925 bis 1930 der NSDAP an und wurde zu deren linkem Flügel gerechnet.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Otto Strasser nahm als hochdekorierter Leutnant der Reserve der Artillerie der bayerischen Armee am Ersten Weltkrieg teil und wirkte danach im Freikorps „von Epp“ bei der Bekämpfung der kommunistischen Münchner Räterepublik mit. In seiner Armeezeit trug er wegen des Abonnements einer sozialdemokratischen Zeitschrift den Spitznamen „Der rote Leutnant“. Er ging zum Studium nach Berlin und trat nach seiner Promotion in Staatswissenschaften ins Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft ein.

SPD-Mitglied

Von 1917 bis 1920 war er Mitglied der SPD und führte im Widerstand gegen den Kapp-Aufstand eine paramilitärische Gruppe („Rote Hundertschaft“). Im April 1920 brach Otto Strasser mit der SPD, der er Verrat an den Arbeitern im Ruhraufstand vorwarf.

Als Autor der Zeitungen Vorwärts, Germania und Gewissen engagierte er sich für das völkische Denken Arthur Moeller van den Brucks und seine „mitteleuropäische Reichsidee“.

NSDAP-Mitglied

Otto Strasser trat 1925 in die NSDAP ein und baute mit seinem Bruder Gregor Strasser sowie Joseph Goebbels einen linken und sozialrevolutionären Flügel auf.

Die Brüder Strasser beherrschten die Berliner Parteiorganisation und entwickelten ein eigenständiges ideologisches Profil gegenüber dem süddeutschen Parteiflügel um den späteren Führer Adolf Hitler. Sie verfochten – zunächst gemeinsam mit Goebbels, dem engen Mitarbeiter Gregor Strassers im Rheinland und in Westfalen – einen antikapitalistischen, sozialrevolutionären Kurs der NSDAP. Dieser unterstützte teilweise die Streiks der sozialdemokratischen Gewerkschaften und trat für eine Anlehnung Deutschlands an die Sowjetunion ein. Trotzdem war der Strasser-Flügel antimarxistisch geprägt.

Völkischer Beobachter vom November 1939: Otto Strasser als Werkzeug, Georg Elser der Mörder, Sigismund Payne Best und Richard Henry Stevens die Hintermänner

Hitler gelang es, die Parteilinke um die Brüder Strasser entscheidend zu schwächen, indem er sowohl Gregor als auch Goebbels auf seine Seite zog; Otto dagegen hielt weiterhin an dem sozialistischen Programm fest, propagierte die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit mit den Sozialisten und opponierte gegen die Annäherung Hitlers an die bürgerliche Rechte. Damit geriet Otto Strasser nicht nur in Gegensatz zu Hitler, sondern auch zu Goebbels und schließlich zu seinem Bruder.

Zeitungsmeldung zur Verwicklung Strassers in das Bürgerbräuattentat

Am 1. März 1926 gründeten die Brüder die Kampf-Verlag GmbH. Dieser Verlag war das publizistische Sprachrohr des linken Flügels der NSDAP. Auf Hitlers Angebot vom 22. Mai 1930, den Verlag für 120.000 Reichsmark zu kaufen, ging Otto Strasser nicht ein. Auf Betreiben Goebbels' kam es zum endgültigen Bruch zwischen Otto Strasser und Hitler. Dazu Goebbels in seinem Tagebuch:

Der Parteirichter Buch „hat ein Komplott aufgedeckt. Dr. Strasser, Heinz, Blank und Konsorten gegen Hitler [...] Jetzt erkenne ich voll die Zusammenhänge. Nun gilt es fest zu bleiben. Ich bleibe auf meinem Platz stehen. Bei Hitler. Wir werden der Schlange den Kopf abtreten.“

Infolge des Richtungskampfes innerhalb der NSDAP trat er am 4. Juli 1930 aus der Partei aus – große Wirkung konnte er damit allerdings nicht erzielen, da der weit beliebtere Gregor in der Partei verblieb. Zeitgleich erschien die Kampfschrift „Die Sozialisten verlassen die NSDAP“, in der Otto Strasser unter anderem die Unterstützung des Nationalsozialismus für Mahatma Gandhi und den indischen Freiheitskampf anmahnte und der Münchner Parteiführung eine deutliche Absage erteilte. Anschließend nutzte er den Verlag als Sprachrohr der Schwarzen Front, der sogenannten „Kampfgemeinschaft Revolutionärer Nationalsozialisten“ KGRNS.

Der Kampf-Verlag mußte am 1. Oktober 1930 geschlossen werden. Es folgten mehrere Versuche, neue Publikationen unter anderem Namen zu gründen und zu vermarkten („Der Nationale Sozialist“, „Die Deutsche Revolution“, „Die Schwarze Front“), die alle ohne jede Wirkung blieben. Die Blätter erreichten nie mehr als 10.000 Abnehmer, trotz der Unterstützung anderer nationalrevolutionärer Splittergruppen. Zeitweilig verband sich Strasser mit Walther Stennes zu der Nationalsozialistischen Kampfgemeinschaft Deutschlands NSKD. Auch gründete er neben der Schwarzen Front die Schwarze Garde die sich in der revolutionären Tradition eines Klaus Störtebeker, Florian Geyer und Lützows altem Geist sah.

Nach der Machtergreifung 1933 floh Strasser nach Österreich, später wechselte er über Prag in die Schweiz und nach Portugal. 1943 wanderte er nach Kanada aus. Aus der Emigration heraus griff er in vielen Publikationen in Form von Büchern, Zeitschriften und Flugblättern die Herrschaft der NSDAP in Deutschland an. Dabei setzte er auf die Doppelstrategie, einerseits im Ausland Diffamierungen über Hitlers Person, Herrschaftspraxis und politische Zielsetzung zu betreiben und andererseits subversives Material nach Deutschland schmuggeln zu lassen. Weiterhin vertrat er das politische Leitbild eines Sozialismus auf nationaler Basis (siehe seine Schrift „Aufbau des deutschen Sozialismus“, 1932 veröffentlicht und 1936 ergänzt) und warf Hitler zunächst den Verrat an der eigentlichen nationalsozialistischen Ideologie, später vor allem aber die angebliche Ermordung seines Bruders Gregor im Rahmen des Röhm-Putsches vor.

In der Führung seiner Untergrund-Organisation Schwarze Front galt Strasser als großer Organisator und Sturkopf, der sich niemals reinreden ließ und zeitweise an seiner eigenen Dogmatik scheiterte. Die Prager Zentrale wurde ab 1933 von inneren Auseinandersetzungen und äußeren Angriffen erschüttert. Der Organisationsleiter Heinrich Grunov sah die Ursache vor allem in Strassers bombastischem Wesen. Die Liquidierung seines Schwarze-Front-Mitstreiters Rolf Formis durch Agenten der Gestapo 1935 hatte die SF schon emorm geschwächt. Dies kam fast dem Ende der SF als Organisation gleich.

1938 veröffentlichte Otto Strasser mit dem Weltbühne-Autor Kurt Hiller die „Prager Erklärung“, ein nationalrevolutionäres Manifest, das sich gegen ein Deutschland unter Hitlers Führung wandte.

Bürgerbräuattentat

Die Nationalsozialisten bezichtigten Otto Strasser, gemeinsam mit dem britischen Geheimdienst das Bürgerbräuattentat organisiert zu haben.

Der Völkische Beobachter titelte am 23. November 1939 nach dem Attentat auf Hitler im Bürgerbräu-Keller:

„Verräter Otto Strasser das Werkzeug des englischen Geheimdienstes! Wiederholte Anschläge auf den Führer!“

Joseph Goebbels schrieb dazu in seinen Tagebüchern:

17. November 1939:
„Die Hintergründe des Münchener Attentats liegen nun ziemlich klar: der eigentliche Attentäter ist eine Kreatur von Otto Straßer. Der war während der entscheidenden Tage in der Schweiz. Nach dem Attentat ist er gleich nach England, also offenbar zu seinen Brot- und Auftraggebern abgekratzt. Das Werk des secret service. Wir halten alles noch geheim, um die Hintermänner nicht argwöhnisch zu machen.“
19. November 1939:
„Die Attentatsfrage von München wird weiter untersucht. Otto Straßer steht mit dem secret service hinter allem.“

In einer Biographie des britischen Geheimdienstoffiziers Sigismund Payne Best beschreibt ein niederländischer Freund von Best, wie Georg Elser in Zürich 4.000 RM erhielt, um ein Attentat auf Hitler auszuführen. Otto Strasser, der ja auch von der nationalsozialistischen Presse als Drahtzieher Elsers beschuldigt wurde, hatte das Treffen eingefädelt. Der Niederländer Henri A. Bulhof beruft sich dabei auf Tagebücher von Best, der ebenfalls im Venlo-Zwischenfall involviert gewesen war.

Strasser bei einer DSU-Veranstaltung

Nachkriegszeit

Nach dem Krieg erschienen 1948 unter dem Titel „Hitler und ich“ Strassers Erinnerungen beim Asmus Verlag. Es handelte sich dabei um die erste deutschsprachige Ausgabe der Erinnerungen an die parteiinternen Flügelkämpfe vor 1933, die ursprünglich in französisch verfaßt und 1940 als „Hitler et moi“ beim Verlag Grasset in Paris veröffentlicht worden waren. Erst eine Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes ermöglichte ihm 1955 die schon früher angestrebte, bis dahin aber verweigerte, Rückkehr nach Deutschland.

Versuche einer erneuten politischen Betätigung, wie 1956/57 mit der Partei Deutsch-Soziale Union, die er anführte, blieben bei den Wahlen weitgehend erfolglos. 1960 wurde Johann Löw als Vorsitzender der DSU gewählt und Strasser wurde Ehrenpräsident. 1962 schrieb Strasser eine Zusammenfassung seiner politischen Tätigkeit: „Der Faschismus“. In diesem Buch skizzierte Strasser die Weltanschauung Hitlers und Mussolinis und brach seinen eigenen Sozialismus aus der Konkursmasse des Faschismus heraus. Karl Otto Paetel, Louis Dupeux und Erich Müller beschrieben Strasser als Teil der Nationalbolschewisten.

Otto Strasser zog sich bis zu seinem Tode 1974 ins Privatleben zurück. Er heiratete 1971 ein letztes Mal und veröffentlichte 1969 ein Buch beim linken Heinrich Heine Verlag (Reihe: Streit-Zeit-Bücher, Vorwort: Gerhard Zwerenz). Das Buch trug den Titel „Mein Kampf“, enthielt aber keine Hitler-Biographie, sondern eine vom Verlag überarbeitete Fassung des 1958 im Selbstverlag erschienenen Strasser-Buches „Exil“.

Weltanschauung

Otto Strasser 1955

Strassers Schriften wandelten sich im Laufe der Jahre. Ab 1932 konnten der Schwarzen Front auch Juden aus Deutschland beitreten. In der ursprünglichen Kampfgemeinschaft Revolutionärer Nationalsozialisten war das nicht der Fall gewesen. Strasser sah in den Juden keine niedere Rasse, sondern eine andere Rasse, eine Einstellung, die in dieser Zeit weit in der völkischen und konservativen sozialistischen Szene verbreitet war.

Ab 1933, das hat Kurt Hiller in seiner Schrift Köpfe und Tröpfe 1950 wiedergegeben, näherten sich er und Strasser ideologisch einander an, so daß eine gemeinsame Erklärung, die sogenannte Prager Erklärung, zustande kam. Auch stand Strasser z. B. dem Massenmörder an Deutschen Eduard Benes eher neutral gegenüber und er überging den Nationalismus eines Thomas Masaryk, der so etwas wie ein Friedrich Engels in der Ideologie Strassers war (nachzulesen in Strassers Buch Europa von Morgen, zu dem Wenzel Jaksch, ein enger Freund Otto Strassers während seiner Prager Exilzeit, das Vorwort schrieb).

Während seiner NSDAP-Zeit hatte sich Strasser 1927 vom Radauantisemitismus eines Julius Streicher in der Schrift „Der Antisemitismus ist tot - Es lebe die völkische Idee“ distanziert. Die 1930 noch in seiner NSDAP-Zeit veröffentlichten „14 Thesen zur deutschen Revolution“ wählte Karl Otto Paetel 1965 für seine Schaffensbilanz „Versuchung oder Chance“ als Beispiel für eine politische Möglichkeit aus, die Strasser (laut Paetel) aber aus persönlichem Unvermögen vergab.

Otto Strasser war ein rechter Nationalbolschewist, der seine Ideologie ab 1945 nicht mehr als „deutschen Sozialismus“ oder „nationalen Sozialismus“, sondern als „Solidarismus“ bezeichnete.

Werke

  • Aufbau des deutschen Sozialismus. Wolfgang-Richard-Lindner-Verlag, Leipzig 1932
  • Die deutsche Bartholomäusnacht. Reso-Verlag, Zürich 1935
  • Wohin treibt Hitler? Darstellung der Lage und Entwicklung des Hitlersystems in den Jahren 1935 und 1936. Verlag Heinrich Grunov, Prag 1936
  • Hitler tritt auf der Stelle. Oxford gegen Staats-Totalität. Berlin – Rom – Tokio. Neue Tonart in Wien. NSDAP-Kehraus in Brasilien. Die dritte Front, Band 6. Grunov, Prag 1937.
  • Kommt es zum Krieg? Periodische Schriftenreihe der „Deutschen Revolution“, Band 3. Grunov, Prag 1937
  • Europa von morgen. Das Ziel Masaryks. Weltwoche, Zürich 1939
  • Hitler und Ich. Asmus-Bücher, Band 9. Johannes-Asmus-Verlag, Konstanz 1948
  • Der Faschismus. Geschichte und Gefahr. Politische Studien, Band 3. Günter-Olzog-Verlag, München (u. a.) 1965
  • Mein Kampf. Eine politische Autobiographie. Streit-Zeit-Bücher, Band 3. Heinrich-Heine-Verlag, Frankfurt am Main 1969

Auszeichnungen (Auszug)

Literatur

Meine Werkzeuge