Selbsttötung

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Selbsttötung (in älterer Sprache vereinzelt Selbsttod[1]) oder auch Suizid (von lat. sui caedere, „sich töten“), aufwertend Freitod, abwertend Selbstmord, bezeichnet die willentliche Beendigung des eigenen Lebens.

Inhaltsverzeichnis

Bewertung der Selbsttötung durch verschiedene Weltanschaungen

Antike

In der allgemein vorherrschenden Weltanschauung der Antike wurde die Selbsttötung nicht als verwerflich betrachtet. Zwar wurde sie unter anderem von den griechischen Philosophen Plato und Pythagoras verworfen, jedoch nicht unbedingt und in jeder Situation, während z. B. Hegesias die Selbsttötung sogar ausdrücklich anempfahl. Im ganzen galt die Selbsttötung in der antiken Welt aber als nicht ehrenrührig und wurde teilweise sogar nötigenfalls von Feldherren und Staatsmännern erwartet.

Christentum und der Begriff Selbstmord

Im nachantiken Christentum dagegen unterlag die Selbsttötung einer zunehmenden Verdammung durch die Kirche und wurde als Sünde, später auch unter dem abfälligen Ausdruck Selbstmord (→ Mord) verurteilt. Diese Ablehnung beruhte auf dem aus dem Judentum übernommenen monotheistischen Dogma von dem Einen (die Menschen beherrschenden) Gott, der allen Menschen das Leben als Geschenk gemacht habe, – welches sich ideologisch nicht mit der Handlung eines Suizidanten vereinbaren ließ. Bis ins 19. Jahrhundert hinein verweigerte die Kirche daher dem Suizidanten ein kirchliches Begräbnis, d. h. die Bestattung auf einem Friedhof, so daß die Leichen in „ungeweihter Erde“ bestattet werden mußten (→ „Eselsbegräbnis“).

Zuerst belegt ist der Begriff Selbstmord laut Grimm bei dem protestantischen Barockdichter Georg Philipp Harsdörffer in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts[2]. Immanuel Kant kritisierte den Begriff Selbstmord hingegen: „Die willkührliche Entleibung seiner selbst kann nur dann allererst Selbstmord (homicidium dolosum) genannt werden, wenn bewiesen werden kann, daß sie überhaupt ein Verbrechen ist.

„Aufklärung“

Erst mit Beginn des Aufklärungszeitalters wurde die Selbsttötung wieder nüchterner und teilweise mit einer gewissen Sympathie betrachtet, vor allem, da sie als Vorrecht der menschlichen Vernunft gegenüber dem Tier verstanden wurde. So äußerte Georg Christoph Lichtenberg:

„... und allezeit habe ich bei mir befunden, daß ein Mensch, bei dem der Trieb zur Selbsterhaltung so geschwächt worden ist, daß er so leicht überwältigt werden kann, sich ohne Schuld ermorden könne.“[3].

Andererseits lehnte der pessimistische Philosoph Arthur Schopenhauer die Selbsttötung zwar ab, allerdings nur vom höchsten moralischen und philosophischen Standpunkt aus; des weiteren wertete er sie aber ausdrücklich nicht als ein Verbrechen oder gar als Sünde.

Bekannte Persönlichkeiten, die Selbsttötung begingen bzw. den Freitod wählten (Auswahl)

Zitate

  • „Es wäre nicht gut, wenn die Selbstmörder oft mit der eigentlichen Sprache ihre Gründe erzählen könnten; so aber reduziert sie sich jeder Hörer auf seine eigene Sprache und entkräftet sie nicht sowohl dadurch, als macht ganz andere Dinge daraus.“Georg Christoph Lichtenberg[4]
  • „Wenn in schweren, grausenhaften Träumen die Beängstigung den höchsten Grad erreicht; so bringt eben sie selbst uns zum erwachen, durch welches alle jene Ungeheuer der Nacht verschwinden. Das Selbe geschieht im Traume des Lebens, wann der höchste Grad der Beängstigung uns nöthigt, ihn abzubrechen.“Arthur Schopenhauer[5]
  • „Wenn sonst aber einer meint, es ist besser, er nimmt sich das Leben, gut, ich hindere ihn nicht; nur auf eines muß ich ihn aufmerksam machen: Ganz kann er sich der Welt nicht entziehen, die Stoffe, aus denen sein Körper sich aufbaut, bleiben im Haushalt der Natur, und was seinen Geist betrifft, so wissen wir nicht, ob nicht auch seine Seele in ein Reservoir zurückfließt und vielleicht eines Tages in irgendeiner Form wiederkommt.“ Adolf Hitler[6]
  • „An den alliierten Kontrollrat! Erschießen hätte ich mich ohne weiteres lassen! Es ist aber nicht möglich, den Deutschen Reichsmarschall durch den Strang zu richten! Dies kann ich um Deutschlands willen nicht zulassen. Außerdem habe ich auch keine moralische Verpflichtung, mich dem Strafvollzug meiner Feinde zu unterziehen. Ich wähle deshalb die Todesart des großen Hannibal.“Hermann Göring[7]

Siehe auch

Literatur

  • Arthur Schopenhauer: Ueber den Selbstmord. In: Parerga und Paralipomena II, Erster Teilband, Kapitel 13, S. 332 (Ausgabe Diogenes, 1977, ISBN 3-257-20429-0)
  • Matthias Thöns: Patient ohne Verfügung: Das Geschäft mit dem Lebensende, Piper, 2016, ISBN 978-3492057769 [320 Seiten]
  • Uwe-Christian Arnold / Michael Schmidt-Salomon: Letzte Hilfe: Ein Plädoyer für das selbstbestimmte Sterben, Rowohlt, 2014, ISBN 978-3498096175
  • Jessica Düber: Selbstbestimmt Sterben – Handreichung für einen rationalen Suizid, Independently published, 2017, ISBN 978-1520488202 [80 Seiten]

Verweise

Fußnoten

  1. Vgl.: Selbsttod, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Bd. 16, Sp. 497 bis 498
  2. Vgl.: Selbstmord, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Bd. 16, Sp. 485 bis 486
  3. Lichtenberg. Aphorismen – Essays – Briefe. Hrsg. von Kurt Blatt, Schünemann Verlag, Bremen, ISBN 3 7961 2514, S. 72
  4. Lichtenberg. Aphorismen – Essays – Briefe. Hrsg. von Kurt Blatt, Schünemann Verlag, Bremen, ISBN 3 7961 2514, S. 92
  5. Arthur Schopenhauer: Parerga und Paralipomena II, Erster Teilband, § 159, Seite 337; Ausgabe Diogenes, 1977, Zürich, ISBN 3 257 20429 0
  6. In: Monologe im Führerhauptquartier – die Aufzeichnungen Heinrich Heims, herausgegeben von Werner Jochmann, Wilhelm Heyne Verlag, München 1980, ISBN 3-453-01600-9 (Aufzeichnung vom 23. September 1941, Seite 67)
  7. David Irving: Göring – Eine Biographie, Arndt-Verlag, Kiel 2007, S. 450, ISBN 978-3-88741-191-6
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