Der unvergessene Krieg

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Der unvergessene Krieg“ ist eine 1978 von der ehemaligen Sowjetunion mit US-amerikanischer Finanzhilfe produzierter 15teilige Fernsehserie, die 1981 im BRD-Fernsehen erstmals ausgestrahlt wurde. Der Film folgt präzise der zwölfbändigen „Geschichte des großen vaterländischen Krieges“.

Inhaltsverzeichnis

Produktion

Der amerikanische Rußland-Experte Harrison E. Salisbury, im Zweiten Weltkrieg UPI-Korrespondent in Moskau, schrieb die Drehbuchentwürfe, der US-Produzent Isaac Kleinerman übernahm die künstlerische Oberleitung, der sowjetische Dokumentarfilmer Roman Karmen suchte mit 500 Helfern in den Filmarchiven geeignetes Material heraus, und am Ende setzte Armeegeneral Pawel Alexejewitsch Kurotschkin, im Krieg Befehlshaber mehrerer Armeen, an Text und Film den Zensorenstift an.

Die Sowjets schnitten — entgegen der Vereinbarung einer identischen Fassung — für den Gebrauch in der UdSSR einige der Szenen, in denen Stalin auftritt, heraus und gaben ihm auch einen eigenen Namen, der den Zweck aufzeigt: „Der Große Vaterländische Krieg“.

In den USA lief das Mammutwerk als „Der unbekannte Krieg“ — weil dem US-Produzenten Fred Wiener („Air Time International“) „das alles unbekannt war, doch nicht nur mir, sondern, so meine ich, den meisten Amerikanern“. Geldgeber waren die American Express Company und die Chase Manhattan Bank.

»Leo Kirch brachte unter anderem die sowjetisch-amerikanische Produktion >Der unvergessene Krieg< auf die deutsche Mattscheibe, ein arger antideutscher Schinken mit Stalin-Verherrlichung.«[1]

Die DDR-Genossen nannte ihre eigene deutsche Fassung der Serie „Die entscheidende Front“. Das „Jahrhundertwerk des Weltfilmschaffens“ („Neues Deutschland“) rief bei mitteldeutschen Zuschauern laut ARD-Korrespondent Fritz Pleitgen „sehr bald Ermüdungserscheinungen“ hervor.

Die Westdeutschen zauderten mit dem Ankauf, das ZDF lehnte wegen Tendenz und Überlänge ab. „Radio Moskau“ mutmaßte: „Vielleicht haben führende Kreise in der BRD Angst vor dem Film, weil er ihre Worte von der Gefahr aus dem Osten ad absurdum führt?“

Der WDR kaufte nach dem „Holocaust“-Erfolg auf Empfehlung der Redaktionschefs Heinz Werner Hübner und Theo M. Loch die US-Fassung für 1,1 Millionen Mark. Hübner: „Nach 35 Jahren ist es an der Zeit, so etwas beim Publikum zur Diskussion zu stellen.“ Im Frühjahr schlossen sich die anderen ARD-Anstalten an,[2] ausgenommen der Bayerische Rundfunk.

Doch als WDR-Redakteur Michael Eickhoff begann, das Drehbuch der amerikanischen Serienversion zu übersetzen, merkte er, daß die vielgerühmte Serie eine arge Schwäche hat: einen kümmerlichen Text. Eickhoff stieß auf „historische Ungereimtheiten, propagandistische Übertreibungen“, und bald erkannte er: „Die Sicht der Sowjets hat sich gegenüber den Amerikanern doch weitgehend durchgesetzt.“[3][4]

Film-Redner war der Schauspieler Burt Lancaster. Drehbuch: Rod McKuen. Regie: Isaac Kleinerman und Roman Karmen.

Geschichte

Als die Bundesregierung 1982 den Film auch zur Verwendung an Schulen empfahl, wandte die Bundestagsabgeordnete und Oberstudienrätin a. D. Ursula Benedix-Engler ein, Produktionsplan und Drehbuch der Serie seien bis in kleinste Einzelheiten von der „Abteilung Agitation und Propaganda“ des Zentralkomitees der KPdSU überwacht und gesteuert worden. Der polnische Historiker und Dokumentarfilmer Janusz Piekalkiewicz, der im Exil lebte, entlarvte einige Fälschungen in der Serie. So wurden z.B. in der Folge „Befreiung Weißrußlands“ zwei Frauen gezeigt, die einen vor ihnen liegenden Toten beweinen - angeblich ein Opfer der abrückenden deutschen Truppen. Tatsächlich aber stammte der Filmausschnitt aus der Deutschen Wochenschau Nr. 568 vom Juli 194 und der Mann, dessen Tod der Fernsehfilm den Deutschen anlastete, war in Wirklichkeit von der sowjetischen Geheimpolizei GPU in Lemberg ermordet worden. Piekalkiewicz, der auf der polnischen Filmakademie in Litzmannstadt (Lodz) studiert hatte, erkannte noch zahlreiche andere Szenen wieder:

„Spätestens ab der Folge über Stalingrad stammen 85 bis 90 Prozent dieser ›Dokumentarserie‹ aus sowjetischen Spielfilmen.“[5]

Von den Verantwortlichen für die Ausstrahlung in der Bundesrepublik, dem WDR, war bis dahin stets der Eindruck erweckt worden, als seien bei allen Schwächen des Textes wenigstens die Bilder doch sehr realistisch. Auch die Katyn-Lüge wurde in der Serie verbreitet.

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Die Hersteller von Propagandafilmen pflegen in dieser Hinsicht allgemein mit der Wahrheit sehr großzügig umzugehen. (...) So betrachtet, bleibt die Verwendung des betroffenen Fotos selbstverständlich eine Fälschung; sie wird jedoch, wie mir scheint, durch eine bedrückende höhere Wahrheit wenn schon nicht legitimiert, so doch zumindest verständlich.
– Klaus Katz, WDR-Sprecher nach den Enthüllungen [5]


Siehe auch

Verweise

Fußnoten

  1. Der „Deutsche Anzeiger“ berichtete: Leo Kirch kontrollierte über Jahre den Markt beim An- und Verkauf von Hollywood-Produkten.
  2. Chronik der ARD, 14. September 1981: Zunächst im Dritten Fernsehprogramm des WDR und dann auch in mehreren anderen Dritten läuft »Der unvergessene Krieg«.
  3. DER SPIEGEL 38/1981: Zuviel Zelluloid, zuwenig Information
  4. DER SPIEGEL 38/1981: Im Fernsehen: Rußlands Vaterländischer Krieg
  5. 5,0 5,1 zitiert in Walther Dahl: Ehrenbuch des deutschen Soldaten, FZ-Verlag, 1986; Seite 496 f.
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