Vanunu, Mordechai

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Mordechai Vanunu

Mordechai Vanunu (hebräisch מרדכי ואנונו‎; geb. 13. Oktober 1954 in Marrakesch/Marokko) ist ein israelischer Nukleartechniker, der das geheime Nuklearwaffenprogramm Israels aufdeckte.[1]

Inhaltsverzeichnis

Leben

Herkunft

Mordechai Vanunu wurde am 13. Oktober 1954 in Marrakesch/Marokko geboren und hat zehn Geschwister. Sein Vater, ein Rabbiner, emigrierte 1963 mit der Familie nach Israel, wo sie ein Einwanderer-Quartier im südlichen Beersheba bezogen.[2]

Ausbildung

Vanunu, der orthodox-jüdisch erzogen wurde, besuchte zunächst eine religiöse Grundschule, dann eine „Yeshiva“, eine Schule für angehende Gelehrte. Nach drei Jahren Militärdienst begann Vanunu ein Physikstudium, das er aus finanziellen Gründen abbrechen mußte. Ab 1978 studierte er zeitweise noch nebenberuflich an der Universität von Beersheba, wechselte die Fakultäten und hörte v. a. Philosophievorlesungen an der Ben-Gurion-Universität (→ David Ben-Gurion).

Wirken

Von 1976 bis 1985 arbeitete Mordechai Vanunu als Techniker in dem von der israelischen Regierung lange geheim gehaltenen Nuklear-Forschungszentrum Dimona in der Negev-Wüste und fand heraus, daß dort tief unter der Erde insgeheim Plutonium für Atomwaffen hergestellt wurde. Er fotografierte heimlich und sammelte Beweise dafür, daß Israel atomar aufrüstet, obwohl er wie alle dort Angestellten eine Geheimhaltungserklärung unterschreiben mußte. Als Kontrolleur der Nachtschicht hatte er Zugang zum Hochsicherheitstrakt. Vanunu, der von Studienkollegen als Einzelgänger beschrieben wurde, hatte sich schon während des Militärdienstes vom orthodoxen Judentum abgekehrt und orientierte sich – aufgeschreckt durch den Libanonkrieg 1982 und die israelische Besatzungspolitik im Westjordanland – politisch links und als Fürsprecher der Palästinenser.[2]

Nachdem Vanunu 1985 aus wirtschaftlichen Gründen mit 180 weiteren Angestellten von Dimona entlassen worden war, ging er ins Ausland. Im Gepäck hatte er zwei Filmrollen mit heimlich im atomaren Forschungszentrum gemachten Fotos. Nach einer Reise durch den Fernen Osten landete er in Sydney (Australien), wo er als Taxifahrer arbeitete. Dort freundete er sich mit einem anglikanischen Geistlichen an, der Vanunu zum Christentum bekehrte. 1986 ließ sich der vom Judentum konvertierte Vanunu christlich taufen, was zur völligen Abkehr vom Großteil seiner orthodoxen Familie führte. In Israel wurde dem verfemten Atomspion dieser „Abfall vom rechten Glauben“ und sogar „Antisemitismus“ vorgeworfen.

Bestärkt durch pazifistische Bibelstunden und die Katastrophe von Tschernobyl ging Vanunu 1986 durch die Vermittlung eines Bekannten an die Öffentlichkeit. Er kontaktierte zunächst den „Daily Mirror“, dessen jüdischer Verleger Robert Maxwell die Fotografien an Israel weiterleitete. Vanunu lieferte der Londoner „Sunday Times“ sein heimlich gesammeltes Material und offenbarte damit Israels Atommachtpläne. Unklar blieb, ob die Zeitung für diese aufsehenerregende Geschichte Geld bezahlte; die Rede war von 250.000 Pfund. Die Vanunu versprochenen 50.000 britischen Pfund wurden jedoch nie ausbezahlt, da der Atomspion vorher festgenommen wurde. Die „Times“ holte Vanunu nach London, um sein Beweismaterial von Fachleuten prüfen zu lassen.

Kurz vor der sensationellen Veröffentlichung am 5. Oktober 1986 ließ sich Vanunu am 30. September 1986, unter Zuhilfenahme eines weiblichen Lockvogels, einer blonden Agentin namens „Cindy“, nach Rom und dort in eine Falle des isrealischen Geheimdienstes locken. Eine „Mossad“-Gruppe verschleppte Vanunu Ende September 1986 unter nie ganz geklärten Umständen nach Israel. Trotz extremer Sicherheitsvorkehrungen konnte Vanunu durch eine Inschrift auf seiner Hand, die er auf der Fahrt zur Vernehmung gegen das Fenster eines Polizeiautos preßte, verraten, daß er in Rom gekidnappt worden war. Erst 40 Tage später gab die israelische Regierung zu, daß sie Vanunu in Gewahrsam hatte.[2] Die Agentin Cindy Hanin Bentov führt ihr Leben heute in Orlando. Die Entführung erfolgte ohne Einverständnis des Gastlandes Italien.

Der Prozeß gegen den „Staatsfeind Nummer eins“ wurde hinter verschlossenen Türen geführt, und Vanunu wegen Spionage und Verrat zu 18 Jahren Gefängnis verurteilt. Davon mußte er 12 Jahre in einer Einzelzelle verbringen, bevor er am 21. April 2004 unter strengen Auflagen aus dem Gefängnis in Aschkelon freigelassen wurde. Anträge auf Berufung, Haftverkürzung und Begnadigung waren stets abgelehnt worden, obwohl er auch prominente Fürsprecher hatte. Doch in Israel selbst galt er immer noch als Verräter. Mordechai Vanunu durfte nach seiner Freilassung Israel nicht verlassen, sich keiner ausländischen Botschaft nähern und keinerlei Kontakt, auch nicht über Funktelefon oder Weltnetz, zu Nichtjuden oder Journalisten herstellen. Trotz dieses Hausarrestes, den er zweitweise in der St. Georgs-Basilika in Jerusalem verbrachte, gab Vanunu einige Interviews und wurde deshalb auch mehrfach wieder inhaftiert. Bis zu seiner Freilassung war er 18 Jahre im Gefängnis, davon elfeinhalb in Einzelhaft. Israel befürchtete offenbar immer noch, daß Vanunu weitere Staatsgeheimnisse über den Kernforschungskomplex Dimona verraten könnte. Zwar hat der jüdische Staat den Besitz atomarer Waffen nie offiziell zugegeben, jedoch seit Beginn des Nuklearwaffenprogramms in den späten 1960er Jahren verlauten lassen, daß Israel nicht als erstes Land die Atombombe einsetzen werde.[2] Internationale Experten gehen seitdem davon aus, daß Israel in Dimona Material für bis zu 200 Atomsprengköpfe hergestellt hat.[3]

Seit seiner Haftentlassung am 21. April 2004 hat Mordechai Vanunu im Gästehaus der anglikanischen Kirche zum Heiligen Georg in Ost-Jerusalem Asyl gefunden. 1997 war Mordechai Vanunu von einem amerikanischen Ehepaar adoptiert worden, dem es jedoch auch nicht gelang, ihm die VS-Staatsbürgerschaft und die Möglichkeit zur Ausreise zu verschaffen. Auch Vanunus an Norwegen gerichteter Asylantrag wurde im April 2005 abgelehnt. Der vielfach ausgezeichnete Atomspion, der den einen als Verräter und den anderen als Aufklärer gilt, konnte den ihm bereits 1987 zuerkannten Alternativen Nobelpreis erst im April 2005 entgegennehmen. Auch für den Friedensnobelpreis war er während seiner Haft mehrmals nominiert worden.

Am 2. Juli 2007 entschied ein israelisches Gericht, daß Vanunu wieder für sechs Monate ins Gefängnis muß. Es hatte ihn schon im April schuldig befunden, Kontakt zu Ausländern gehabt und damit gegen Auflagen der Justiz verstoßen zu haben. Auch soll er versucht haben, sich in den Libanon abzusetzen. Am 28. Dezember 2009 wurde Mordechai Vanunu erneut in Haft genommen und am nächsten Tag in einen Hausarrest entlassen.[4]

Mordechai Vanunu steht heute (2014) immer noch unter Hausarrest in Israel und hat nur eingeschränkten Kontakt zur Außenwelt.

Mordechai Vanunu in einem Interview mit Delinda C. Hanley, Herausgeberin der „Washington Report“ On Middle East Affaires1:

„Ich habe die volle Strafe abgesessen. Sie haben kein Recht, mich in Israel festzuhalten. (...) Können Sie sich vorstellen, wie es sich nach all den Jahren der Haft anfühlt, nicht weggehen zu können? (...) Sie lassen mir die ‚palästinensische Behandlung’ angedeihen, und ich glaube, der Hauptgrund dafür ist, weil ich Christ geworden bin. Ich will frei sein. Wenn ich unter israelischer Herrschaft bleiben muß, bin ich nicht frei.“

Filmbeitrag

Israels geheime Atomwaffe (5 Teile)


Israel hat seit Jahrzehnten Atomwaffen, versucht aber, dies geheim zu halten. Doch ohne Erfolg. In den 80er Jahren verriet der Atomtechniker Vanunu, der in der Atomfabrik Dimona in der Negev-Wüste arbeitete, das Geheimnis. Er machte Fotos, reiste nach Europa und informierte Journalisten. Daraufhin kidnappte der israelische Geheimdienst Vanunu in Rom, entführte ihn nach Israel und stellte ihn vor Gericht. Er wurde zu 18 Jahren Haft wegen Spionage und Landesverrat verurteilt und verbrachte einen großen Teil dieser Zeit in Isolierhaft.(GE) Im Juli 2004 soll er freikommen. Seine amerikanischen Adoptiv-Eltern, Friedensaktivisten, haben regel-mäßig versucht, ihn im Gefängnis zu besuchen. Beim letzten Mal begleitete sie eine Kamera-Mannschaft der BBC.

Siehe auch

Israelische Atombombe

Literatur

Joel Cohen, „Die Vanunu Affäre“ (1995); Peter Hounam „The Woman from Mossad: The Torment of Mordechai Vanunu“ (2000); Joel Cohen, „The Wistleblower of Dimona: Israel, Dimona & the Bomb“ (2003).

Auszeichnungen

  • 1987: Alternativer Nobelpreis
  • 2001: Ehrendoktor der Universität Tromso
  • 2002: Nuclear-Free-Future-Award
  • 2005: Friedenspreis des norwegischen Volkes
  • 2010: Carl-von-Ossietzky-Medaille (in Abwesenheit) [5]

Verweise


Fußnoten

  1. Internationales Biographisches Archiv 48/2005 vom 3. Dezember 2005 (se)
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 Munzinger-Archiv GmbH, 2005
  3. Netzeitung, 20. April 2006: Reiseverbot für Vanunu verlängert
  4. Netzeitung, 29. Januar 2010: Vanunu verstößt gegen Auflagen: Liebe zu einer Frau bringt Atomspion in Haft
  5. Die Internationale Liga für Menschenrechte hatte die Verleihung abgesagt. Grund sei das Ausreiseverbot für den israelischen Preisträger Mordechai Vanunu. Der geplante Festakt wurde in eine Protestveranstaltung umgewandelt.
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