Vormilitärische Ausbildung

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Société Nationale de Sauvetage=Seenotrettung
préparation au service militaire=Vorbereitung auf den Militärdienst

Die Vormilitärische Ausbildung umfaßt neben wehrsportlichen Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen oft Praktiken der politischen Wehrerziehung. Damit soll zum einen der Gefechtswert der späteren Soldaten erhöht werden wie auch Ausfälle geburtenschwacher Jahrgänge oder Wehrzeitverkürzungen[1] ausgeglichen werden. Außerdem werden bis zum 18. Lebensjahr vormilitärische Ausgebildete im Gegensatz zu Schulung der Reservisten allgemein nicht zum Effektivbestand der Wehrmacht eines Landes gerechnet und so bspw. bei Abrüstungsverhandlungen nicht berücksichtigt[2]. Kennzeichnend sind weiter Verknüpfungen mit der Jugend- und Turnbewegung, Ausnutzung der Technikbegeisterung, Anleitung/Unterstützung durch das Militär und die mangelhafte Umsetzung des Gewollten.

Inhaltsverzeichnis

Deutschland

Nach anfänglicher wehrsportlicher Zuständigkeit der FDJ übernahm die 1952 gegründete GST die Aufgabe. Hier waren Sektionen für die jeweiligen Sportarten zuständig. Mit dem Schuljahr 1. September 1978 wurde der Wehrunterricht zum Pflichtfach der 9./10. Klasse. Abgesehen von den GST-Uniformen war der Wehrunterricht mit dem zweiwöchigen Wehrlager noch Sache des Ministeriums für Volksbildung. Das Wehrlager wurde in der Regel nicht in den zentralen Ausbildungslagern (ZAL) der GST, sondern in Betriebs- und Pionierferienlagern ausgerichtet. Die Ausbilder waren zumeist Offiziersschüler. Die eigentliche Zuständigkeit der GST für die vormilitärische Ausbildung begann in der Regel mit der zweijährigen Berufsausbildung. Neben der Grundausbildung an Sturmbahn und Kalaschnikow wurden hier Spezialausbildungen durchgeführt. Die Mauerlehrlinge in der Berufsschule Strasburg (Uckermark) wurden als Tastfunker, die Landwirte als Militärkraftfahrer ausgebildet. Die Grundausbildung der NVA konnte so von sechs auf drei Wochen verkürzt werden. Vorbild war hierbei die Sowjetunion.

Frankreich

Um 1790 wurden kurzzeitig die Bataillons de L'Espérance und die Jeunes Bataillons geschaffen. Mit Gesetz vom 28. März 1882 hielten sich bis zum Lehrplan 1887 die Schießausbildung und exercices militaire für die Knabenvolksschulen. Eine Übertreibung des Militärischen durch Schülerbataillone wurde schnell aufgegeben. Nach einem Gesetzentwurf von 1924 Allgemeine Organisation der Nation für die Kriegszeit[3], nach Ablehnung auf dem Verwaltungsweg angewandt, hatte die ganze Bevölkerung die Pflicht zur Landesverteidigung. Vormilitärische Ausbildung wurde auf freiwilliger Basis von Vereinen, z.B. Fédération nationale des sociétés de culture physique et de tir=Landesverband der Vereine für Körperschulung und Schießen durchgeführt. Von den 450 000 Mitgliedern nahmen aber nur 25 000 an der préparation militaire teil.

Polen

Unter Marschall Pilsudski koordinierte das dem Kriegsministerium unterstellte Staatlichen Amt für körperliche Erziehung und militärische Vorbereitung die Ausbildung. Mit drei bis vier Unterrichtsstunden pro Woche nahmen ältere Schüler daran teil. Auch Spezialausbildungen wurden angeboten. 1937 wurde das Bildungsprogramm Zur Verteidigung der Republik verkündet. Die Liga der Freunde der Soldaten (LPZ), ab 1962 Liga für Landesverteidigung (LOK), übernahm die vormilitärische Ausbildung im kommunistischen Polen.

Sowjetunion

Was in der DDR die GST war, stellte hier die DOSAAF dar. Sie wurde 1951, ein Jahr vor der GST, gegründet. Vor allem mit dem Gesetz über die allgemeine Wehrpflicht vom 12. Oktober 1967, das bei der Sowjetarmee, den Grenztruppen und Inneren Truppen den Dienst von drei auf zwei Jahre, in der Seekriegsflotte von vier auf drei Jahre verkürzte, wurde daher die vormilitärische Ausbildung in den Schulen ab der 9. Klasse und den Berufsschulen durch militärische Grundausbildung und Zivilverteidigung ausgeführt. Auch hier war das Ministerium für Volksbildung federführend. Im System der militärpatriotischen Erziehung der Werktätigen der UdSSR wurde die Spezialausbildung weiterhin in der DOSAAF vorgenommen[4].

Tschecho-Slowakei

1932 wurde nach einer Wehrdienstverkürzung ein freiwilliger vormilitärischer Dienst für Achtzehnjährige eingeführt. Die Sokol-Jugend wurde dabei von Offizieren der tschechischen Armee unterstützt. Nach bestandener Abschlußprüfung war die Wahl des Truppenteils oder eine schnellere Beförderung in der Armee möglich. Bei den Privilegien ließ man sich wohl vom französischen Vorbild der Verfügungen zur Instruction prémilitaire et prémaritime vom 7. November 1908 und 24. September 1909 inspirieren.[5][6]
In der CSSR wurde 1956 eine vormilitärische Erziehung in den Schulen durch den Jugendverband und die Lehrer durchgeführt. Nach dem Zusammenbruch dieser paramilitärischen Aufrüstung während des Prager Frühlings 1968 wurde in den 7.-9. Klassen der Schule erst 1987 eine Art vormilitärische Ausbildung wieder eingeführt. Eine wehrsportliche Tätigkeit außerhalb der Schule und in den Berufsschulen wurde hier durch die Wehrorganisation Svazarm übernommen.

Ungarn

Der Ungarische Verteidigungsverband/Verband für Landesverteidigung MHSZ (Magyar Honvédelmi Szövetség) wurde am 29. Februar 1948 gegründet, im Zuge des Ungarischen Volksaufstandes 1956 zerschlagen und am 8. August 1967 neuaufgestellt. Gezielt wurden hier wehrpflichtigen Jungen angesprochen, ansonsten der übliche Wehrsport für die technikbegeisterte Jugend betrieben. Wie auch in den Bruderverbänden waren Dinge wie der Führerschein billig zu erwerben[7].

Siehe auch

Fußnoten

  1. Französisches Rekrutierungsgesetz von 1889, Artikel 85. (Gesetzentwurf)
  2. Völcker, Otto: Die Wehrausbildung der französischen Jugend. 1933. S. 9.
  3. Chambre Documents 1924, Nr. 6949, S. 85ff.
  4. Hübner/Effenberger: Wehrpolitische Massenarbeit unter Führung der Partei. 1982. S.31.
  5. Šindelář, Jan: Branná příprava (předvojenská výchova) naší mládeže. 1930.
  6. Mervart, Vladimír: Předvojenská výchova na škole národní. 1935.
  7. Vormilitärische Ausbildung der Jugend in Ungarn. In: Osteuropa. Heft 12. 1978. S. 754-756.
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