Sikorski, Władysław

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Władysław Eugeniusz Sikorski (* 20. Mai 1881 in Tuszów Narodowy bei Mielec, Galizien/Österreich-Ungarn; † 4. Juli 1943 bei Gibraltar) war ein polnischer General, Politiker und in den Jahren 1939 bis 1943 Premierminister der Polnischen Exilregierung. Er besuchte die „École Supérieure de Guerre“ in Frankreich.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang

Herkunft

Władysław Sikorski entstammte einer kleinadligen, galizischen Familie, die am Aufstand 1831 beteiligt war. Als er vier Jahre alt war, starb sein Vater in einer Nervenklinik in der Nähe des damals zum k.u.k.-Reich gehörenden Lemberg.

Ausbildung

Ein Stipendium ermöglichte Władysław Sikorski ein Ingenieurstudium an der Polytechnischen Schule in Lemberg. Schon als Student engagierte er sich in politischen Zirkeln im Kampf um die Wiedererrichtung des polnischen Staates. 1904 leistete er seinen Militärdienst in der österr.-ungarischen Armee und wurde Reserveoffizier. 1911-1914 war er leitendes Mitglied der nationalistischen Schützenverbände, die von der österreichischen Verwaltung toleriert wurden.

Wirken

Während des Ersten Weltkrieges leitete Władysław Sikorski von Krakau aus die Anwerbung für die polnischen Legionen. Er war zunächst Vertrauensmann Pilsudskis, geriet aber später in einen gewissen Gegensatz, als sich Pilsudski mit seinen Schützenverbänden der politischen Einengung durch den eine austropolnische Lösung anstrebenden Obersten Nationalrat in Krakau durch Ausweichen in die unter deutscher Militärverwaltung stehenden Teile Polens entzog.[1]

Nach dem polnischen Überfall auf die Sowjetunion hatte er verschiedene Kommandantenfunktionen. Er befehligte die 5. polnische Armee und leitete ab 1921 den Generalstab. Am 16. Dezember 1922 wurde er Premierminister und Innenminister. Sein erklärtes politisches Ziel war das Herausdrängen der Volksdeutschen aus deren Heimat in den durch das Versailler Diktat Polen zugeschlagenen deutschen Gebieten. Bei einem Besuch in der Provinz Posen im April 1923 sagte er, „daß die deutsche Gefahr in Polen erst gebannt sei, wenn alles deutsche Land in polnische Hände übergegangen sei und der Feind nicht mehr im eigenen Land ernährt werden müsse“.

10. April 1923 - Polens Ministerpräsident Wladyslaw Sikorski proklamiert in Posen eine Verdrängungs- und Enteignungspolitik gegen die etwa 1.200.000 Deutschen, die in den seit 1919 zu Polen gehörenden preußischen Provinzen Westpreußen und Posen leben.

Bereits im Juli 1923 heißt es in einer Note des deutschen Auswärtigen Amts an den polnischen Gesandten:

Seit dem Zeitpunkt, in welchem einige früher preußische Provinzen an die Polnische Republik übergegangen sind, hat weit über eine halbe Million Deutscher, die zum größten Teil dort seit langem angesessen waren, dieses Gebiet verlassen. Die Umstände dieser Abwanderung, die für die Betroffenen vielfach Verarmung und Elend mit sich brachte, beweisen, daß sie in der Mehrzahl der Fälle nicht freiwillig vor sich ging. Daß diese Entdeutschung der westlichen Provinzen Polens planmäßig geschieht und ein politisches Ziel bildet, das nicht nur von nationalistischen polnischen Parteien, sondern auch von den polnischen Behörden bis zu den höchsten Spitzen hinauf angestrebt und gefördert wird, hat der frühere Ministerpräsident Polens, Sikorski, in seiner Rede im Rathaus in Posen am 10. April d. J. unzweideutig ausgesprochen. (…) Am 19. Juni hat ferner der Polnische Staatspräsident Herr Wojciechowski in Kattowitz eine Rede gehalten, in der die deutsche Kultur als perfide und Deutschland als ein Staat hingestellt wird, dem Gewalt über Recht geht. Auf zahlreichen Kundgebungen hervorragender polnischer Politiker in Wort und Schrift, die sogar das Verbleiben Ostpreußens in deutschem Besitz als eine Gefahr für Polen bezeichnen, darf in diesem Zusammenhange ebenfalls kurz hingewiesen werden. In allen diesen Äußerungen kommt tatsächlich ein Geist der Aggressivität und der Feindseligkeit zum Ausdruck, der gelegentlichen deutschen Äußerungen über die Entdeutschungspolitik Polens durchaus nicht innewohnt.[2]

1926 geriet Sikorski in Konflikt mit Pilsudski und wurde nach dessen Staatsstreich politisch kaltgestellt. 1929 ging er nach Frankreich. Am 30. September 1939 wurde er dann in Frankreich zum polnischen Premierminister ernannt. Stalin heckte gemeinsam mit Sikorski das Märchen von der Kompensationstheorie, der sogenannten Westverschiebung, aus. Danach sollte Ostpreußen an die Sowjetunion fallen, ebenso sollte das polnisch annektierte sowjetische Gebiet an die Russen zurückgegeben werden. Als Gegenleistung sollte Polen die deutschen Gebiete bis an die Oder-Neiße Linie bekommen. Auf der Teheraner Konferenz (28. November bis 1. Dezember 1943) akzeptierte Churchill diese Kompensationsidee.

Sikorski sagte im September 1939 in seiner Eigenschaft als Ministerpräsident der polnischen Exilregierung:

„In diesem Kampf wird der preußische Geist vernichtet werden, und zwar gründlich – unabhängig davon, ob er nach außen von Hitler oder von irgendjemand anderem verkörpert wird.“[3]

Darüber hinaus schrieb Sikorski bereits 1940(!):

„Vorrang hat, daß die polnischen Streitkräfte mit neuen Waffen in die Lage versetzt werden, Ostpreußen, Danzig und die deutschen Teile Oberschlesiens unter Austreibung der Deutschen auf wirksamste Weise zu erobern. In diesem geschichtlichen Augenblick werden nur vollendete Tatsachen zählen!“[4]

Der exilpolnische Generalstab arbeitete auf Geheiß Sikorskis Pläne für eine polnische Militäradministration in Schlesien und Ostpreußen aus, wobei die Oder die polnische West-„Grenze“ markieren sollte.

Nach Beginn des Rußlandfeldzuges 1941 unterzeichnete Sikorski am 4. Juli mit dem sowjetischen Botschafter Iwan Majski ein Abkommen über die Bildung einer polnischen Armee im Osten (Sikorski-Majski-Abkommen). Dank diesem sollte angeblich die Sowjetregierung eine Amnestie für Polen erlassen, die zwischen 1939 und 1941 in die Sowjetunion deportiert worden waren. Dazu kam es jedoch nicht. Hierzu heißt es aus einem Gesprächsprotokoll im Kreml am 3. Dezember 1941:[5]

Dezember 1941: Władysław Anders, Władysław Sikorski,
Josef Stalin
General Władysław Sikorski: „Ich muss Ihnen mitteilen, Herr Präsident, dass Ihre Amnestieverlautbarung nicht befolgt wird. Viele unserer Leute, und zwar die wertvollsten, befinden sich heute noch in Arbeitslagern und Gefängnissen.“
Stalin (notiert): „Das ist unmöglich, die Amnestie betraf doch alle, und alle Polen wurden freigelassen.“
General Władysław Sikorski: „Ich habe hier eine Liste mit den Namen von etwa 4.000 Offizieren, die gewaltsam deportiert wurden und die sich gegenwärtig noch in Gefängnissen und Arbeitslagern befinden. [...] Diese Leute sind hier. Keiner von ihnen ist zurückgekehrt.“
Stalin: „Das ist unmöglich. Sie werden geflohen sein.“
General Władysław Anders: „Wohin hätten sie denn fliehen können?“
Stalin: „Na, vielleicht in die Mandschurei.“

In einem Auszug aus dem Protokoll Nr. 13 der Sitzung des Politbüros des CK der VKP vom 5. März 1940 heißt es:

„Erst recht zeigte sich der "Kremlherr" über die Handlungen der polnischen Exilregierung Ende 1939 bis Anfang 1940 erzürnt. Das Sikorski-Kabinett koordinierte die Aktionen der polnischen Befreiungsbewegung in der Westukraine und Weißrußland; trat für den Ausschluß der UdSSR aus dem Völkerbund ein; bestand auf der Aufnahme polnischer Bürger in ein zur Verlegung nach Finnland vorbereitetes Militärkorps der Alliierten; optierte für die Einbeziehung Englands und Frankreichs in einen Krieg gegen die UdSSR und ihre Zerschlagung. Sogar nachdem am 12. März 1940 der sowjetisch-finnische Friedensvertrag unterzeichnet worden war, schloß man in Moskau die Möglichkeit eines Krieges gegen die Westmächte nicht aus. In dem Fall hätten polnische Offiziere und Polizeimitarbeiter zu einer "fünften Kolonne" im Zentrum der UdSSR werden können.“[6]

Forderung nach Aufklärung des Verbrechens von Katyn und Ermordung

Im Jahr 1943 entdeckten die siegreichen deutschen Truppen die Massengräber der sowjetischen Massenerschießungen an polnischen Offizieren und Intellektuellen im vormals sowjetisch besetzten Gebiet bei Katyn, Winniza und auch anderswo. Die Deutschen luden das Internationale Rote Kreuz und Forensikspezialisten aus neutralen Ländern wie Schweden, Spanien und der Schweiz ein. Die Untersuchungskommission des Roten Kreuzes bestätigte die sowjetischen Verbrechen und die polnische Exilregierung unter General Sikorski verurteilte sie. Churchill und Roosevelt blieben stumm.[7] Churchill habe Stalin den Kopf Sikorskis vor die Füße legen müssen, um die Russen zu beschwichtigen.

Sikorskis Regierung wandte sich an das Internationale Rote Kreuz mit der Bitte, die Umstände zu untersuchen, unter denen ihre Offiziere umgekommen waren. Als Reaktion darauf brach die UdSSR die diplomatischen Beziehungen zur polnischen Exilregierung ab.

Sikorski, der sich bei Stalin nach dem Massaker von Katyn mit Nachdruck über den Verbleib der Tausende polnischen Offiziere erkundigt hatte und die Briten zur Anerkennung der Wahrheit drängte, kam bei einem bis heute ungeklärten Flugzeugabsturz am 4. Juli 1943, nur 16 Sekunden nach dem Start ins Meer vor Gibraltar, ums Leben. Der Pilot der Royal-Air-Force-Maschine sagte später als einziger Überlebender aus, daß diverse Flugsteuerungshebel blockiert hätten.

Bereits am 6. Juli 1943 titelte der Völkische Beobachter: „Sikorski von London ermordet.“ Durch die Umstände seines Todes, wurde ein Attentat auf Sikorski wegen seiner beharrlichen Forderung nach Aufklärung des Verbrechens von Katyn vermutet.[8] Nach einer 2008 im Auftrag Polens durchgeführten gerichtsmedizinischen Untersuchung seiner exhumierten Leiche starb er an den durch den Absturz verursachten inneren Verletzungen. Der Bericht ließ offen, ob die Notlandung das Ergebnis von Sabotage gewesen oder durch den Piloten gezielt herbeigeführt worden ist.[9] Der Verdacht richtet sich gegen den sowjetischen Diktator Josef Stalin als auch gegen den damaligen britischen Premier Winston Churchill. Es lag im Interesse Großbritanniens die britisch-sowjetische Kriegsallianz aufrechtzuerhalten und einen deutsch-sowjetischen Separatfrieden zu verhindern. Bis heute blieb die lückenlose Aufklärung der Vorgänge unmöglich, weil Akten vernichtet oder manipuliert wurden und unter Verschluss gehalten werden.[10] Laut der am 1. Juli 2011 bei Arte ausgestrahlten Produktion Churchills Verrat an Polen gebe es kaum Zweifel: der Absturz sei ein Anschlag – von Stalin initiiert und von Churchill geduldet.


Rolf Hochhuth hat in seinem Drama Soldaten (1967) die Auffassung vertreten, Winston Churchill habe Sikorski umbringen lassen, was er auf Mitteilungen eines Zeitzeugen stützte und auf die Überlegung, es habe auf britischer Seite ernste Befürchtungen gegeben, Stalin könne durch Sikorski womöglich „aus dem Kriege herausgeärgert [werden], in einen Separatfrieden mit Berlin“.[11]

Die Akten, die die Ergebnisse der Untersuchungen zu Sikorskis Tod beinhalten, bleiben bis zum Jahr 2041 unter Verschluß. Im September 2008 erklärte das polnische „Nationale Gedenkinstitut“, es gebe den „berechtigten Verdacht einer kriminellen Todesursache“. Daraufhin wurde wegen des Verdachts eines „kommunistischen Verbrechens“ ermittelt.[12]

Filmdokumentation

Im Jahre 2010 wurde im Auftrag des NDR von Christoph Weinert und Dierk Ludwig Schaaf ein 52-minütiger Dokumentarfilm mit dem Titel Churchill's Verrat an Polen - Der mysteriöse Tod des General Sikorski produziert, der am 1. Juli 2011 - ohne Wiederholung - bei Arte ausgestrahlt wurde. (Möglichkeit zum herunterladen)

Verweise

Literatur

Quelle

Fußnoten

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