Wald

Aus Metapedia

Wechseln zu: Navigation, Suche
Pfeil 1 start metapedia.png Dieser Artikel befaßt sich mit dem Ökosystem Wald, für weitere Bedeutungen siehe Wald (Auswahlseite).
Ein oberbayerisches Waldstück

Ein Wald ist ein Ökosystem, das dauerhaft mit Gehölzen wie Bäumen bewachsen ist.

Inhaltsverzeichnis

Der Wald als deutsches Nationalsymbol

Im Gegensatz zu Nachbarländern wie etwa Frankreich ist Deutschland sehr waldreich. Der Wald ist für die Deutschen daher auch ein nationales Identitätssymbol; vor allem die Eiche, aber auch die Linde, gelten als sehr deutsche Bäume.

Ursprünge bei den alten Germanen

Der „Olympic National Park“ im VS-Bundesstaat Washington
siehe auch: Donareiche, Heiliger Hain

Das Verhältnis der Ur- und Alt-Germanen zu den Wäldern war ein religiöses und von Ehrfurcht geprägt. Im Wald wohnten Götter. Tacitus erzählte seinen römischen Lesern von den riesigen Urwäldern im germanischen Norden und vor allem von der Furcht der Bewohner „Germaniens“ vor dem Betreten bestimmter Waldbezirke. Vom Standpunkt der Mythenkunde des 19. Jahrhunderts aber war der Hinweis auf den mutmaßlichen Glauben der Germanen an den Ursprung ihrer Stämme wichtig, auf ihre geheimnisvolle Herkunft aus undurchdringlichen dunklen Wäldern. Diese Erzählung war von Tacitus und vielleicht sogar von seinen germanischen Informanten als ein Ursprungsmythos gedacht. „Wir erfahren von Tacitus, mit welch heiliger Scheu die Germanen ihre Wälder betraten. Noch heute wirkt die Stille oder das Rauschen der Bäume tief auf das Gefühl des Volkes ein“, hatte ein bekannter Germanist verkündet.[1] Im 19. Jahrhundert war dieser Ursprungsmythos sehr materialreich durch Forschungen „bewiesen“ worden, etwa von dem Germanisten und Mythologen Wilhelm Mannhardt in seinen Wald- und Feldkulten. In den aus Volkserzählungen rekonstruierten Glaubensvorstellungen der Germanen und ihrer Nachbarstämme suchte und fand dieser hochgelehrte Mann in Wald und Feld eine mythische Welt voller Dämonen vor. Diese Geistwesen beseelten Steine, hielten sich in Bäumen und Flüssen auf. Besonders wohl aber sollen sich die Geister in den deutschen Wäldern gefühlt haben: „Noch heute guckt fast aus jeder Ecke und aus jedem Baumstumpf ein Spukgesicht heraus und erschreckt die armen Leute, die dort Leseholz suchen“.[2] Wirklichkeitsbilder der Mythologen des 19. Jahrhunderts haben in unter Neuheiden gerade wieder Konjunktur.[3]

Das romantische Bild des Waldes

Wie die politische Waldmythologie, so entstammen auch die kulturellen Muster des heutigen Waldbewußtseins, welche die Medien vermitteln, der Epoche der Romantik. Auch diese kulturellen Bilder waren ein Ergebnis der städtischen Intellektuellenkultur. Zur Lebensweise der Intellektuellen des frühen 19. Jahrhunderts gehörte die räumliche und geistige Distanzierung von den Unbilden der Natur.[4] Es bedurfte erst der Sicherheit der Städte, um das Gefühl romantischer Natursehnsucht zu empfinden. Dazu gehörte von Anfang an die Erfahrung des Verlustes: des persönlichen lebensgeschichtlichen Verlustes eines Erfahrungsraumes, aber auch des Verlustes eines Teils der natürlichen Umwelt. Die Wälder der romantischen Dichter und Maler waren Seelenlandschaften, Erinnerungswälder, die diesen städtischen Intellektuellen bereits als Wohnort verloren gegangen waren. Als der Maler und Schriftsteller Adalbert Stifter seine berühmte Erzählung „Hochwald“ (1842) schrieb, lebte er in Wien. Jahrelang blieb er den böhmischen Wäldern seiner Erzählungen fern. Die meisterhaften Naturbeschreibungen schildern eine geträumte Landschaft aus der Kindheit. Wie es sein Biograph Wolfgang Matz[5] ausdrückt, war der Hochwald „die Naturfantasmagorie eines Städters“. Dabei waren die Wälder in Mitteleuropa damals längst keine unberührten Naturlandschaften mehr, sondern wirtschaftlich intensiv genutzte Flächen. Infolge wirtschaftlicher Übernutzung befand sich der Wald an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert in einer erbärmlichen ökologischen Situation. Die heutigen Waldzustände nehmen sich im Vergleich dazu idyllisch aus.

Das romantische Landschafts- und Waldgefühl war in den intellektuellen Eliten entstanden. „Natur als Landschaft ist Frucht und Erzeugnis des theoretischen Geistes“.[6] Die nahe dem Wald lebende Bevölkerung auf den Dörfern konnte mit den forstgeschichtlichen und waldästhetischen Vorstellungen der Gebildeten zunächst nicht viel anfangen. Der Wald war für die bäuerliche Wirtschaft primär ein Nutzungsraum für Brenn- und Bauholz. Hinzu kamen diverse bäuerliche „Nebennutzungen“. Sie reichten von der Imkerei und der Weide bis zum Beerenpflücken und Harzzapfen.[7] Volkskundler „wissen“ es heute nicht mehr so genau wie vor 100 Jahren: Aber vielleicht glaubten viele auf den Dörfern, wie es Wilhelm Mannhardt beschrieb, damals wirklich daran, daß in den Bäumen des Waldes, in Felsen und Hügeln Geister und Dämonen hausen. Die „Waldeinsamkeit“, die Ludwig Tieck zum „Schlagwort“ der Romantik gemacht hatte, wurde keineswegs als heimelig und erholsam empfunden. Darauf weisen viele regionale Sagen hin, die z. B. von der Angst der Waldarbeiter erzählen. Für die Schönheit eines Waldes oder eines Flusses hatten die Bewohner der Dörfer vermutlich wenig Sinn. Adalbert Stifter erzählte davon, daß die Bauern die Wälder ihrer Gegend überhaupt nur dann besuchten, wenn dort gerade wieder einmal Nutzholz „ausgeteilt oder ausgewiesen“ wurde.[8]

Die Schönheitsvorstellungen der malenden und schreibenden Romantiker breiteten sich im Laufe des 19. Jahrhunderts rasch in der Bevölkerung aus. Zunächst erreichten sie das Forstwesen. Dafür ist die wissenschaftliche Forstästhetik ein Beispiel. Die Exponenten dieser angewandten Kulturwissenschaft wollten die Landschaftsvorstellungen der romantischen Dichter und Maler in die Realität des forstlichen Waldbaus übertragen. Wie auf den Ölgemälden sollten Steine, Bäche, stattliche Bäume zum „Schmuck der Waldungen“ werden. Heinrich von Salisch, einer der Gründer der Forstästhetik, sah den Naturgenuß als gleichwertig neben dem Kunstgenuß an. Der Besuch eines Waldes sollte für ihn zum Äquivalent eines Museumsbesuchs werden. Der schlesische Forstbesitzer von Salisch entwickelte am Beispiel des Waldes eine „Farbenlehre der Landschaft“.[9] mit feinen Abstufungen der Laub- und Grüntöne, des Wassers, Laubes und Mooses. Doch auch der Waldgeruch und die „Stimmen des Waldes“ – Windgeräusche und der Vogelgesang – gehörten zu seiner Ästhetik des Waldes.

Dieses romantische Bild bestimmt bis heute das Waldverständnis der Bevölkerung. Über alle sozialen Konflikte und Klassengegensätze der Industrialisierungsepoche hinaus breitete es sich im 19. Jahrhundert aus. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg hatte die Vorstellung vom Wald als Ort der Muße und als Symbol der menschlichen Eintracht mit der Natur durch Schule und Journalismus – nicht zuletzt auch durch die Institutionen der Arbeiterbildung – die Schicht der Industriearbeiter erreicht. Adolf Levenstein veröffentlichte 1912 seine „Arbeiterfrage“, ein Werk, das auf eine empirische Erhebung unter 8.000 Arbeitern zurückging. „Was denken Sie, wenn Sie auf dem Waldboden liegen, ringsum tiefe Einsamkeit?“, wollte er wissen. Die schriftlichen Antworten lassen erkennen, wie der Wald in der Bevölkerung bereits zum Gesamtsymbol für Natur geworden war. Ein Berliner Textilarbeiter versuchte, seine Gefühle im Stil romantischer Dichtung auszudrücken: „Ja. Ich liege im Moos und blicke empor zum reinen Firmament, nichts regt sich, nichts stört mich, ein unendlich wohliges Gefühl durchzieht die Brust, ich fühle es, wie ich langsam wieder Mensch werde, wie ich zur Natur zurückkehre, wie ich wieder eins werde mit dem großen, unendlichen All.“[10]

Zum damaligen Naturbewußtsein zählte außerdem eine quasi moralische Dimension. Levenstein fand im Waldgefühl seiner Arbeiter, daß sie dem Zusammenspiel der unterschiedlichen Lebensformen in der Natur vielfach eine höhere Moral zusprachen als den Sozialbeziehungen in der menschlichen Gesellschaft: Natur als Wunschtraum und Modell für eine glücklichere Zukunft. Auch dieser Gegensatz Natur–Kultur–Gesellschaft wirkt bis heute. Die harmonische, wie von Künstlerhand geordnete Natur des Waldes, seine Einsamkeit und Stille fungieren noch immer als Gegenentwurf zur unübersichtlichen Großstadt und zur Welt der Technik.

Politisches Symbol

Die politische Aufladung der romantischen Idylle aus Malerei und Dichtung hatte bereits kurz nach dem Ende der romantischen Bewegung, also in der Mitte des 19. Jahrhunderts, eingesetzt. In der Zeit des aufkommenden Nationalismus wurde der deutsche Wald zunehmend zu einem politischen Symbol. In der deutschen Liebe zu den schönen, wilden Wäldern erkannten die nationalistischen Publizisten eine deutsche Eigenart, die sie zu einer wesentlichen Dimension des deutschen Nationalcharakters erklärten. Mochten die anderen Völker, vor allem die Engländer und Franzosen, ihre Parks und Ziergärten lieben, das taten ja auch die Deutschen. Sie hatten aber außerdem den deutschen Wald, etwas in seiner Art einmaliges.

Dieser Aussage lag die Vorstellung zugrunde, daß sich Nationalcharaktere als kollektive Identitäten von Stämmen und Völkern nicht allein aus der gemeinsamen Geschichte, sondern auch aus der Bodenbeschaffenheit ableiten. Darauf bezog sich Wilhelm Heinrich Riehl,[11] der einflußreichste Waldideologe des 19. Jahrhunderts. In Deutschland bestimme der Wald immer noch das Bild der Landschaft. Dichte Wälder symbolisierten für ihn die Wildnis der Natur. Bei anderen Völkern, speziell in Frankreich und England, wo die Wälder schon früh gerodet worden waren, bestimme nicht die natürliche Kraft des Volkstums den Kulturstil, sondern die Ordnung der Zivilisation. Die Nachbarvölker des Westens seien mithin in ihre kulturelle Endphase eingetreten. Sein Fazit: In der Wildnis der deutschen Wälder ruhe nicht nur ihre völkische Vergangenheit, dort liege auch die Verjüngungskraft ihrer Zukunft verborgen.

Wald als Volksgut: Schonung des Waldes an den Rastplätzen der Reichsautobahnen. Die Deutsche Polizei. Heft 20. 1938

Im Nationalsozialismus

Die nationalsozialistische Bewegung griff diese Anschauungen wieder auf. Publizisten beschrieben eine Parallele zwischen dem deutschen Volk und seinen Wäldern und zeigten dem Volk den Wald als soziales Vorbild. „Der Wald als Erzieher“ lautete der Titel eines Buches, welches eine Parallele zwischen Baum und Mensch und zwischen Wald und Volk entwickelte.[12] Hinzu kam, daß man davon ausging, ein waldreiches Land wie Deutschland müsse nicht nur eine höherwertige Bevölkerung hervorbringen als waldarme Länder, wie etwa England und Frankreich, sondern eben gerade das Vorhandensein und die Schonung der Wälder in der Vergangenheit, gegenüber der materialistischen Ausbeutung bei anderen Völkern, zeuge von einem besseren Volkstum.

Die Mythenbilder der romantischen Germanenforscher waren nicht vordergründig politisch gemeint. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und in der Zeit des Nationalsozialismus wurden sie aber auch politisch verwendet.

Auch heute werden die deutschen Wälder immer noch besungen und wegen ihrer Schönheit geliebt. Infolge der Umerziehung durch die alliierten Besatzer nach dem Zweiten Weltkrieg ist der Wald als politisches Symbol, wie andere Optimismus und Stärke ausdrückende Nationalsymbole, verdrängt worden.

Gegenwart

Die politische Bewirtschaftung deutscher Mythen, also auch des Mythos vom deutschen Wald, ist nach dem Zweiten Weltkrieg bald an ihr Ende gekommen. Freilich mochte selbst die symbolängstliche BRD am Anfang noch nicht völlig auf die Symbolkraft des Waldes und des deutschen Eichbaums verzichten. Das Eichblatt zierte jede Münze vom 1-Pfennig- bis zum Markstück. Und auf der Rückseite der 50-Pfennig-Münze war eine „Kulturfrau“ – tatsächlich die damalige Bezeichnung für Waldarbeiterinnen – gerade damit beschäftigt, einen Eichenschößling als Symbol einer verheißungsvollen Zukunft einzupflanzen.

Elias Canetti schrieb 1960 über die Deutschen und ihr Verhältnis zum Wald:

„Das Rigide und Parallele der aufrecht stehenden Bäume, ihre Dichte und ihre Zahl erfüllt das Herz des Deutschen mit tiefer und geheimnisvoller Freude. Er sucht den Wald, in dem seine Vorfahren gelebt haben, noch heute gern auf und fühlt sich eins mit den Bäumen.“[13]

Waldsterben und Naturschutzbewegung

Hauptartikel: Waldsterben

Dem deutschen Wald wurde in den 1980er Jahren von vielen Journalisten nur noch eine kurze Zeit des Überlebens verheißen. Rudi Holzberger (1995) hat in seiner Untersuchung des journalistischen Diskurses über das Waldsterben die Medienkarriere des Themas minutiös analysiert. Als Forstwissenschaftler und Umweltschützer im Jahre 1978 aufgrund ihrer ökologischen Untersuchungen zum ersten Mal Hinweise auf den bedrohlichen Zustand vieler Wälder gaben, reagierten die Presse und das Fernsehen ungewöhnlich schnell. Zwei bis drei Jahre später bestimmte das Thema die gesamte Diskussion über Natur. Wer als Wissenschaftler zur Vorsicht vor einem ungebremsten Alarmismus warnte, hatte keine Aussicht, in den Medien überhaupt zur Kenntnis genommen zu werden. Der „sterbende Wald“ war zur Metapher für eine weltweite Umweltkatastrophe geworden (→ Klimakatastrophismus).

Die Waldromantik wurde aus ihren deutschen Tradition in linke Zusammenhänge übertragen. Das Waldsterben wurde zum Symbol der Ausbeutung. „Erst stirbt der Baum, dann stirbt der Mensch“, hieß eine bekanntes Schlagwort. Doch die Tatsache, daß in der Angst vom Waldsterben der alte Mythos von den Deutschen und den ihre Kultur und das Leben spendenden Wäldern nachhallte, ist kaum zu bestreiten.

Neue Walderfahrung

Hatten die nach dem Krieg in Deutschland aufgewachsenen noch ein Verhältnis zum Wald und ein Wissen um die Natur, ist dies heute verschwindend gering. Das verbliebene Waldwissen stammt bei derartig reduzierten Formen kaum von Naturbeobachtungen selbst, zumal auch der Biologieunterricht in den letzten Jahrzehnten nur sehr selten in freier Natur gehalten wird. Demgegenüber gibt es Bestrebungen, den Kindern den Wald wieder näherzubringen. Erlebnispädagogische Projekte setzen auf Waldkindergärten oder führen Kinder aus der Großstadt wieder in die freie Natur.

Siehe auch

Literatur

Fußnoten

  1. Mogk: Germanische Religionsgeschichte und Mythologie, 2. Aufl. Berlin/Leipzig. 1921, 31
  2. Mannhardt 1875, 43
  3. Lehmann 1999, 181ff.
  4. Elias 1986
  5. 1995, 152
  6. Ritter 1974, 146
  7. Radkau 2000
  8. Stifter 1990, 26
  9. von Salisch 1902, 39, 51, 116f.
  10. Levenstein: Die Arbeiterfrage, München 1912, 370
  11. 1894, 50–57
  12. Mammen 1934
  13. Elias Canetti: Masse und Macht, Hamburg 1960, S. 195
Meine Werkzeuge