Warschauer Aufstand

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Von den polnischen Putschisten am 4. August 1944 beherrschtes Warschauer Stadtgebiet.

Der „Warschauer Aufstand“ war ein von der Sowjetunion initiierter, militärischer Aufstand der sogenannten „Polnischen Heimatarmee“ gegen die deutschen Truppen während des Zweiten Weltkriegs vom 1. August bis 2. Oktober 1944 innerhalb des Warschauer Stadtgebietes.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Arzelino „Lino“ Masarié, Ritterkreuzträger der Waffen-SS, in Radzymin im Speckgürtel von Warschau im August 1944 beim Aufstand schwer verwundet, er verstarb am 9. August 1944 – wie so viele deutsche Soldaten in und um Warschau.

Sowjetischer Aufruf zum militärischen Aufstand

SS-Gruppenführer Heinz Reinefarth (links) mit freiwilligen Kosaken

Der den Kämpfen in Warschau vorhergehene Aufruf des moskautreuen Lubliner Komitees zum Kampf um die „Freiheit Polens“ diente auch dem Zweck, das Ende der polnischen Heimatarmee, die London gehorchte, herbeizuführen.

In der gleichen Absicht verbreitete der Moskauer Sender am 30. Juli 1944 folgenden Aufruf:

„Warschauer an die Waffen! Stoßt gegen die Deutschen vor, vereitelt ihren Plan, die öffentlichen Gebäude zu zerstören, helft der Roten Armee beim Übersetzen der Weichsel. Sendet Nachrichten, weist Wege. Aus einer Million Warschauer Bürger möge eine Million Soldaten werden, die die deutschen Eroberer verjagen und die Freiheit zurückgewinnen. Die ganze Bevölkerung der Stadt muß sich im Feuer der Befreiungsarmee vereinigen. Warschauer Bürger an die Waffen! Überfallt die Deutschen, erleichtert den sowjetischen Truppen die Übersetzung der Weichsel, eine Million Einwohner sind eine Millionenarmee von Menschen, die um die Freiheit Polens kämpfen!"

Der Kommandeur der Heimatarmee (poln. Armia Krajowa - AK) rechnete daher stündlich mit dem Angriff der Roten Armee auf die Stadt, die sich nach dem Willen des Stabes der Heimatarmee gleichzeitig selbst befreien sollte. Zwar war bekannt, daß die Sowjets in allen eingenommenen Gebieten die Einheiten der Heimatarmee entwaffnet und aufgelöst hatten, aber man vertraute in der Führung der AK darauf, daß die Augen der Weltöffentlichkeit auf Warschau gerichtet seien. Immerhin sagten sich die Bürger von Warschau:

„Der englische König hat unsere Grenzen garantiert, er hat sein Wort nie gebrochen."

Der Aufstand beginnt

Im Vertrauen auf die Verbündeten gab der Kommandeur der AK, General Graf Tadeusz Bor-Komorowski am 1. August 1944 im Einvernehmen mit der Londoner Exilregierung den Befehl zum Warschauer Aufstand.

Kampfverlauf

Die bewaffneten Verbände der polnisch-nationalistischen Heimatarmee „Armia Krajowa“ positionierten sich zunächst am östlichen Ufer der Weichsel. Von dort aus beschossen sie dann die westliche Uferseite der Altstadt. Noch heute kann man die Granat-und Einschußlöcher an den Befestigungsanlagen des Flusses zur Innenstadt hin besichtigen.

Schon am ersten Tag gelang es den Aufständischen, die meisten deutschen Dienststellen von der Außenwelt abzuschneiden, Ihre Bewaffnung umfaßte Granatwerfer, im Erdkampf eingesetzte Flugabwehrkanonen und Panzernahbekämpfungsmittel. Bewundernswert war die Tapferkeit, berüchtigt aber die Grausamkeit der Aufständischen. Dazu der Historiker Kurt Zentner:

„Die Bahnhöfe Warschaus werden zuerst erobert, alle Durchgangsstraßen gesperrt. Die deutschen Soldaten, die sich in dem eroberten Gebiet der Warschauer Innenstadt befinden, werden erbarmungslos niedergemacht. Verwundete werden aus den Fenstern der Lazarette gestürzt, Krankenschwestern buchstäblich geschlachtet. Wehe dem Deutschen, der in die Hände der Aufständischen fällt!"

Die rasch herangezogenen deutschen Kräfte bestanden weitgehend aus Russen, Aserbeidschanern und aus Strafeinheiten ( → SS-Sturmbrigade „Dirlewanger“), da reguläre Einheiten nicht verfügbar waren. Auch sie kämpften mit äußerster Härte, so daß ihr Oberbefehlshaber SS-Obergruppenführer Erich von dem Bach-Zelewski einschreiten mußte. So ließ er beispielsweise den gleichnamigen Chef der Sturmbrigade „Kaminski“ wegen Übergriffen gegen die Zivilbevölkerung hinrichten.

Als der polnische Aufstand an Fläche gewann, sah man sich gezwungen, dem Treiben schnellstmöglich ein Ende zu bereiten und zerstörte dabei den Großteil der Stadt durch massive Luftangriffe. Besonders bemerkenswert sind dabei die zielgenauen Treffer auf die Häuser der historischen Altstadt, wo alle Etagen vom Dachgeschoß bis hin zum Keller durchschlagen wurden, aber die Fassaden stehen blieben.

Erich von dem Bach-Zelewski nimmt die Kapitulation der Aufständischen durch General Bor-Komorowski an

Die versprochene Hilfe für die Aufständischen blieb indes aus: Die östlich der Weichsel stehende sowjetische Heeresgruppe griff nicht ein. Seine Truppen, so Sta­lin, seien zu erschöpft. Die Westmächte ließen es mit Worten des Bedauerns bewenden und blockierten sogar den Nachschub aus der Luft, um Differenzen mit den Sowjets zu vermeiden und die Verhandlungen über die Nutzung sowjetischer Bomberstützpunkte im Fernen Osten nicht zu gefährden. Polen war von seinen Verbündeten abermals verraten worden.

Sowjet-Führung

Die Sowjet-Führung hatte natürlich kein wirkliches Interesse am Erfolg dieser Volkserhebung, denn sie wußte ja schon von der Neuaufteilung Europas und plante mit einer jüdisch-kommunistisch geführten Lubliner Regierung, die in Moskau geschult worden war; genauso wie die deutschen Kommunisten für die spätere DDR.

Ein wichtiges strategisches Ziel wurde aber dennoch erreicht: Die Deutschen zogen aus Warschau ab und die Rote Armee konnte ohne Verluste einziehen, um Kräfte für den Endkampf um Berlin zu sparen – russische Taktik!

Kapitulation unter ehrenhaften Bedingungen

Am 2. Oktober 1944 kapitulierten die Aufständischen, soweit sie nicht gefallen waren oder sich in die Wälder um Warschau geflüchtet hatten, nach tapferem Kampf. Die Wehrmachtführung beschloß mit Unterstützung des Generalgouverneurs Frank und des Auswärtigen Amtes, die Aufständischen-Armee nicht als Freischärler bzw. Partisanen einzu­stufen, sondern ihr eine Kapitulation unter ehrenvollen Bedingungen und die Kriegs­gefangenschaft nach den Normen des Völkerrechts zu gewähren.

Die Kapitulationsbedingungen beließen den Offizieren ihre Seitenwaffe, übertrugen die Gewährleistung der Ordnung im Stadtgebiet von Warschau von der Führung der AK ausgesuchten bewaffneten Einheiten. Sie erkannten die Offiziersdienstgrade der Aufständischen an und bezogen auch das nicht kämpfende Gefolge in den Kriegsgefangenenstatus ein.

Schließlich garantierten sie, daß weder Kriegsgefangene noch die Zivilbevölkerung wegen Beteiligung an den Kämpfen, während der Kämpfe ausgeübter Tätigkeit oder auch politischer und propagandistischer Tätigkeiten belangt werden. General Bor-Komorowski attestierte seinem deutschen Gegner nach 1943 ritterliches Verhalten.

Personen und Zahlen

Befehlshaber

Russische Freiwillige der Waffen-Sturm-Brigade „RONA“

Deutsche Verteidigungstruppen

Polnische und sowjetische Aggressoren

Flagge der polnischen Aufständischen
  • Tadeusz Bór-Komorowski (Polnischer Untergrundstaat)
  • Tadeusz Pełczyński (Polnischer Untergrundstaat)
  • Antoni Chruściel (Polnischer Untergrundstaat)
  • Karol Ziemski (Polnischer Untergrundstaat)
  • Edward Pfeiffer (Polnischer Untergrundstaat)
  • Leopold Okulicki (Polnischer Untergrundstaat)
  • Jan Mazurkiewicz (Polnischer Untergrundstaat)
  • Zygmunt Berling (polnischer General)
  • Konstantin Rokossovsky (Sowjetunion)

Truppenstärke

Deutsches Reich

  • Ursprünglich 13.000 Mann[1], später dann nach Auskunft des „Museums des Warschauer Aufstandes“ 25.000 Mann, nach vereinzelter Quellen nach Eintreffen von Verstärkungen rund 35.000 Mann

Polen und Russen

Anfänglich 20.000 Mann, schnell wuchs die Zahl auf 49.000 Mann[2] (darunter vereinzelte Frauen), ab dem 14. September 1944 erhebliche Unterstützung an Material und Soldaten durch die 1. Volksarmee „Armia Wojska Polskiego“ (1 AWP) unter Generalmajor Zygmunt Berling, die unter dem Befehl des „Marschalls der Sowjetunion“ Konstantin Konstantinowitsch Rokossowski stand. Unterstützt wurde der mörderische Aufstand von verschiedenen Luftstreitkräften:

  • Royal Air Force (darunter polnische Staffeln) (4. August bis 21. September)
  • Südafrikanische Luftwaffe
  • USAAF (nur am 18. September)
  • Rote Luftwaffe (ab dem 13. September)

Verluste

Deutsches Reich

Aufständische

  • 10.000 bis 15.000 Tote
  • 5.200 bis 6.000 Vermißte
  • 5.000 bis 25.000 Verwundete
  • 15.000 Kriegsgefangene
1. Berling-Armee
  • 5.660 Tote, Verwundete und Vermißte

Verweise

Fußnoten

  1. Włodzimierz Borodziej: Der Warschauer Aufstand 1944, S. 74 der englischsprachigen Ausgabe The Warsaw Uprising of 1944
  2. Andrew Borowiec: Destroy Warsaw! Hitler's punishment, Stalin's revenge, Praeger, 2001, Seite 6, ISBN 0-275-97005-1
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