Werturteilsfreiheit

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Werturteilsfreiheit ist in der Wissenschaftstheorie die Anforderung an eine Aussage, frei von normativem Gehalt zu sein. Häufig wird der Begriff auch in einem engeren Sinne verwendet und schließt nur moralische Bewertungen aus.

Der „Naturalistische Fehlschluß“

Problematisch an Max Webers Diktum von der zwingend erforderlichen Wertfreiheit der Forschung in den Sozialwissenschaften, ist seine These des naturalistischen Fehlschlusses.

Normen und Tatsachen

Diese These besagt, daß Normen und Tatsachen einander wesensfremd seien, und daß das Eine grundsätzlich nie aus dem Anderen logisch abgeleitet werden könne. Fragt man daraufhin die Sozialwissenschaftler der eigenen Epoche oder der eigenen Disziplin, woher denn Moral, Sitte, Wertentscheidungen und normative Anschauungen herstammten, dann verweisen sie notgedrungen auf das tatsächliche Vorhandensein normsetzender Traditionen und normsetzender Institutionen.

Umstandslos wird so aus der These einer ontologischen Verschiedenheit von Norm und Tatsache ein stilles (unausgesprochenes) Eingeständnis, daß Moralfragen eben doch abgeleitet sind: Sie sind Standpunkte, die aus Machtdurchsetzung herstammen, aus Machtpersistenz erwachsen und mittels Machterwerb unzweifelhaft auch gegründet (und in diesem Sinne allerdings: abgeleitet) werden können.

Sittliche Substanz

So gesehen bewegt sich die – intuitiv zunächst so eingängige – These Webers von der Wesensverschiedenheit von Norm und Tatsache stets in bedenklicher Nähe zu kirchlich-metaphysischen Traditionen, die die faktische Herkunft von Dogmen, Dekreten, Vorschriften, sittlichen Schranken und Gesetzen kaschieren möchten und die bestrebt sind, Normbildungsverfahren systematisch jeder Erörterung zu entziehen.

Die sittliche Substanz eines Zeitalters kann durchaus widerspruchsfrei als Ressource verstanden werden, die sich langsam verbraucht (wie etwa der Hinduismus ja den Geist aller Zeitalter als eine solche ausdünnende, schlechter und verderblicher werdende Quelle versteht). Eine Sozialwissenschaft jedoch, die sich zurückzieht auf die Unerkennbarkeit der Ursprünge von Sittlichkeit und Normativität, leistet selber weniger als nichts auf ihrem ureigenen Forschungsgebiet.

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