Wiener Kongreß
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Der Wiener Kongress (18. September 1814 bis 9. Juni 1815) legte in Europa die Grenzen neu fest und definierte neue Staaten. Anlaß war die Niederlage von Napoleon Bonaparte, der zuvor die politische Landkarte des Kontinentes erheblich verändert hatte.
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[bearbeiten] Verhandlungen
Der Wiener Kongress beendete die Herrschaft Napoleons und die Vormachtstellung Frankreichs. Der eigentliche Sieger war Großbritannien, während Rußland zur führenden Kontinentalmacht aufstieg. Die Ziele, die sich die Teilnehmer des Kongresses gesteckt hatten, konnten für eine bestimmte Zeit auch erreicht werden: die Wiederherstellung des politischen Zustandes von 1789 (Restauration), die Rechtfertigung der Ansprüche der alten Dynastien (Legitimität) und die gemeinsame Interessenpolitik der Fürsten zur Abwehr revolutionärer Ideen (Solidarität).
Um eine sogenannte Neuordnung Europas durchzuführen, versammelten sich die führenden Politiker im November 1814 in Wien. Mehr als 700 Delegierte vertraten über 200 Staaten, Städte und Gemeinschaften. An diesem Wiener Kongress nahmen u.a. Metternich (Österreich), Talleyrand (Frankreich), Fürst Rasumowsky (Rußland), Herzog v. Wellington (England), Hardenberg und Humboldt (Preußen) teil.
Unzählige rauschende Feste begleiteten den Wiener Kongreß, die den österreichischen Staat täglich 80.000 Gulden kosteten.
Die Feste und Feierlichkeiten prägten das Bild des Wiener Kongresses, dessen politisch-diplomatische Aufgaben nur äußerst schleppend vorangingen. Der österreichische Feldmarschall Fürst von Ligne bemerkte dazu: "Le congrès ne marche pas, il danse." (Der Kongreß macht keine Fortschritte, er tanzt.)
[bearbeiten] Österreich
Österreich mußte auf seine niederländischen Ansprüche und seine ehemaligen Besitzungen am Oberrhein verzichten. Insgesamt zog sich Österreich aus dem deutschen Westen tendenziell zurück. Österreich bekam Galizien zurück, während Krakau und Umgebung zu einer von den drei Teilungsmächten garantierten Republik Krakau wurde. Auch Illyrien fiel an Österreich zurück. Mit dem Besitz der ehemaligen Republik Venedig und der Lombardei, zusammengeschlossen im Königreich Lombardo-Venetien, sowie der Zuweisung der Toskana an Erzherzog Ferdinand und Parma an die österreichische Ehefrau Napoleons Marie-Louise, hatten die Habsburger in Oberitalien eine noch stärkere Stellung als vor der Revolution. Im Norden kamen Salzburg und das Innviertel hinzu. Im Vergleich zu den territorialen Zugewinnen von Preußen und Russland blieb der Gebietszuwachs von Österreich allerdings begrenzt. Insbesondere gingen die ehemals österreichischen Niederlande (aus denen später Belgien hervorgehen sollte) verloren. Diese Gebiete fielen an die Niederlande und es entstand das Vereinigte Königreich der Niederlande. In Personalunion stellte das Haus Oranien-Nassau nicht nur den niederländischen König, sondern auch den Großherzog von Luxemburg.
[bearbeiten] Preußen
Preußen erzielte im Westen erhebliche Geländegewinne und konnte die Rheinprovinz sowie die Provinz Westfalen errichten, obwohl es lieber ganz Sachsen in Besitz genommen hätte und sich nunmehr mit dem Gebiet der ebenfalls neugebildeten Provinz Sachsen begnügen musste. Im Osten kamen die Provinz Posen und die Stadt Danzig hinzu, aber Preußen verlor die Gebietsgewinne aus der dritten Polnischen Teilung. An Bayern gab es Ansbach und Bayreuth, an Hannover Ostfriesland, Hildesheim, Goslar und den größeren Teil des Untereichsfelds ab und erhielt dafür Schwedisch-Pommern mit Rügen von Dänemark im Tausch gegen das Herzogtum Lauenburg. Mit dem Erwerb der rheinischen Gebiete wurde Preußen zum Schutzwall gegen Frankreich, das noch immer die Rheingrenze anstrebte, was auch für die linksrheinische Pfalz und Rheinhessen von größter sicherheitspolitischer Bedeutung war.
[bearbeiten] Übrige deutsche Staaten
Bayern gewann zwar im Tausch gegen Tirol ganz Franken sowie Teile der Pfalz hinzu, konnte seine territorialen Ambitionen aber nicht ganz verwirklichen. Das Königreich Württemberg und das Großherzogtum Baden konnten ihren Territorialbestand aus der Rheinbundzeit behaupten, es fanden bis 1818 nur kleine Grenzkorrekturen statt.
Als Staaten wiedererrichtet wurden das in Personalunion mit dem Vereinigten Königreich verbundene ehemalige Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg (nun zum Königreich Hannover erhoben ), Braunschweig, Oldenburg, Hessen-Kassel und die Stadtstaaten Hamburg, Lübeck, Bremen und Frankfurt. Auf der Verliererseite des Kongresses stand das Königreich Sachsen. Das Königreich verlor fast zwei Drittel seines Territoriums und 40 % seiner Einwohner in den nördlichen und östlichen Gebieten sowie in Thüringen an Preußen, das aber einen Teil dieser thüringischen Gebiete dann an das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach abtrat.
[bearbeiten] Polen
Die Grenzen Polens wurden auf dem Wiener Kongreß festgelegt. Allerdings fiel die mehrheitlich polnisch besiedelte Provinz Posen dabei an Preußen.
[bearbeiten] Auswirkungen
Es war das Volk der verschiedenen europäischen Nationen, die den Sieg über die napoleonischen Truppen errangen, aber es waren beim Wiener Kongreß von 1815 dann die Herrscherhäuser, die die Früchte des Sieges über Napoleon unter sich aufteilten.
Alles was bei diesem Kongreß herauskam, war wieder der übliche fürstliche Länderschacher, das "Neuordnen" von Besitz und Boden der eigentlich der Masse des Volkes zustand. Eine neuerliche Unterdrückung und Ausbeutung des arbeitenden Volkes war die Folge. Durch die zunehmende Industrialisierung, welche durch die technischen Errungenschaften des beginnenden 19.Jahrhunderts nun rapide anwuchs, bildete sich in den Städten aus vom Lande vertriebenen Bauern, die in die Städte strömten, und dort schon ansässigen verarmten Handwerkern ein neuer Stand - die Arbeiterklasse: besitzlos, rechtlos, schamlos ausgebeutet. Frauen und Kinderarbeit waren an der Tagesordnung, der Arbeitstag einschließlich Samstag betrug 16 Stunden. Sie "hausten" in den Elendsquartieren der sog. "Zinskasernen". Von irgendwelchen sozialen Einrichtungen konnte keine Rede sein.
Aber nicht nur die Arbeiterklasse, auch das unterjochte Bauerntum am Lande, das Kleinbürgertum, die Studentenschaft und letztlich das Großbürgertum, die Bourgeoisie, waren mit der Herrschaft des Feudaladels, der Kirche und des Hofes unzufrieden. Der Staatskanzler Fürst Klemens Lothar Wenzel Metternich entwickelte mit seinem Polizeipräsidenten Josef Graf von Sedlnitzky einen bis dahin noch nie gesehenen Polizeiapparat und ein allgegenwärtiges Spitzelunwesen, das die Bewohner Wiens bis in die Intimsphäre überwachte. Man zog sich - wenn man konnte - in seine Wohnung zurück und lebte ausschließlich für seinen Beruf und seine Familie. Irgendwelche nicht genehmen Vereine oder gar politische Agitationen waren strikt verboten. Die Geschichtsforschung nennt diese Zeit des Vormärz daher auch die "Biedermeierzeit".
Es erscheint daher als nur allzu verständlich, daß es hier im Untergrund langsam zu gären begann, die Masse des Volkes ihren bisher vorenthaltenen gerechten Anteil an Regierung und Politik haben wollte. Und dieser politische Vulkan der unterdrückten Massen sollte dann im Jahr 1848 in fast allen Staaten Europas vehement ausbrechen. Dies wird derart schwerwiegende Folgen nach sich ziehen, deren causale Auswirkungen bis weit in das 20.Jahrhundert hineinreichen werden.
