Wilhelm II. (Deutsches Reich)
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Wilhelm II., mit vollem Namen Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen aus der Dynastie der Hohenzollern, (* 27. Januar 1859 in Berlin, Preußen; † 4. Juni 1941 in Doorn, Niederlande), war der Sohn von Kaiser Friedrich III., Kaiser des Deutschen Kaiserreiches und König von Preußen vom 15. Juni 1888 bis zum 28. November 1918. Seine Regierungszeit wird auch wilhelminische Epoche genannt.
Inhaltsverzeichnis |
[bearbeiten] Die Geburt
Die Geburt des Prinzen war ausgesprochen schwierig und blieb nicht ohne Folgen: Der linke Arm des Kindes wurde durch den Gebrauch einer Geburtszange so verletzt, daß er zeitlebens gelähmt und deutlich kürzer blieb. Das Kind wurde zuerst für Tot gehalten, so daß die Rettung der Mutter an erster Stelle stand, bis sich eine Hebamme herließ, das Neugeborene gründlich durchzurütteln, so daß dieser dann doch den ersten Schrei ausstieß. Keinen gesunden Thronfolger geboren zu haben, empfand die Mutter als persönliches Versagen und war nur schwer bereit, die Behinderung ihres Sohnes zu akzeptieren. Sobald Wilhelm sich seiner Behinderung bewusst geworden war, versuchte er, diese krampfhaft zu verbergen. Demzufolge ließ er auf späteren Fotos den behinderten Arm zumeist in der Manteltasche oder verbarg ihn anderweitig. Wilhelm erlebte seine frühe Kindheit dementsprechend als Tortur. Nichts blieb unversucht, die Behinderung zu beheben - selbst die abenteuerlichsten Wundermittel fanden Anwendung. Wilhelm erwies sich jedoch von erstaunlicher Energie und lernte es, mit einem Arm das Gewehr zu halten, das Segel, das Ruder und das Tennis-Racket. Die Kunst des Reitens allerdings erwarb er sich nur unter Qualen, da er auf Grund seiner schwierigen Geburt auch unter Gleichgewichtsstörungen litt.
[bearbeiten] Die Jugend
Nach dem Abitur in Kassel studierte Wilhelm vier Semester an der Universität Bonn 13 verschiedene Disziplinen, Chemie ebenso wie Kunstgeschichte und Rechtswissenschaften. In seiner Jugend war er ein großer Verehrer Bismarcks. Im Jahre 1879 verlobte er sich mit der drei Monate älteren Prinzessin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, die er am 27. Februar 1881 heiratete.
[bearbeiten] Der Kaiser
Im Dreikaiserjahr 1888 folgte der neunundzwanzigjährige Hohenzollern-Prinz seinem am 9. März verstorbenen Großvater Wilhelm I. und seinem nach nur 99 Amtstagen verstorbenen Vater Friedrich III. auf den preußischen Königs- und den deutschen Kaiserthron.
Kaiser Wilhelm II. geriet durch seine Sozialpolitik, die die Arbeiterschaft mit der Regierung versöhnen sollte, in Gegensatz zu Bismarck und drängte ihn 1890 zum Rücktritt. Er beeinflusste ungewollt durch seine unausgeglichene Innen- und Außenpolitik die weltpolitische Entwicklung seiner Zeit in einer für Deutschland letztendlich schicksalhaften Weise.
[bearbeiten] Der Fehler von Caprivi
Der als Bismarcks Nachfolger ernannte Leo Caprivi versäumte im Jahre 1890 als folgenschwersten Fehler, den mit Rußland geschlossenen Rückversicherungsvertrag zu erneuern. Als Folge geriet Deutschland daraufhin, wie von Bismarck zeitlebens befürchtet, in die Enge zwischen Frankreich und Rußland. Andererseits konnte am 10. August 1890 auf friedlichem Wege die Rückgabe der englisch besetzten Insel Helgoland an Deutschland erreicht werden. England trat die Insel im „Helgoland-Sansibar-Vertrag“ wieder an das Deutsche Reich ab, wofür das Deutsche Reich auf seine Ansprüche auf das vor der Küste von Deutsch-Ostafrika liegende Sultanat Sansibar und weitere Rechte in Ostafrika verzichten mußte.
[bearbeiten] Flottenpolitik
[bearbeiten] Kolonialpolitik
[bearbeiten] Der Erste Weltkrieg
Aufruf Kaiser Wilhelms II. an das Deutsche Volk zu den Kriegserklärungen an Deutschland im August 1914:
Trotz seiner Vermittlungsversuche im Juli 1914 konnte Wilhelm II. nicht verhindern, daß sich aus der Balkankrise nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajevo der Erste Weltkrieg entwickelte. Der Kaiser war überzeugt, daß der Krieg von den Regierungen Russlands, Frankreichs und Englands geplant worden war, um Deutschlands Vormachtstellung zu vernichten. Die Übermacht der Gegner breitete ihm vom ersten Tage an quälende Sorgen.
Nach dem militärischen und politischen Zusammenbruch des Deutschen Reiches gegen eine "Welt von Feinden" verkündete der Novemberverbrecher Max von Baden am 9. November 1918 eigenmächtig und gegen dessen Willen die Abdankung des Kaisers.
Thronverzicht des deutschen Kronprinzen
„Ich verzichte hiermit ausdrücklich und endgültig auf alle Rechte an der Krone Preußens und an der Kaiserkrone, die mir, sei es aufgrund der droht Entsagung seiner Majestät des Kaisers und Königs, sei es aus einem anderen Grunde, zu stehen möge. Urkundlich unter unsere höchsteigenhändigen Unterschrift.
Gegeben in Wieringen am 1. Dezember 1918. gez. Wilhelm.“
[bearbeiten] Das Ende
Wilhelm II. erhielt von der holländischen Königin das Angebot in ihrem Land Asyl zu finden und ging in die Niederlande ins Exil. Er erklärte am 28. November offiziell unter Druck seinen Thronverzicht. Dort schrieb er seine Erinnerungen "Wilhelm II. – Ereignisse und Gestalten 1878-1918" und verbrachte seine freie Zeit u. a. in seinem Forst mit Jagd und dem Fällen von Bäumen. In dem Aufkommen der nationalsozialistischen Bewegung hoffte er, durch Adolf Hitler wieder auf den Thron zu gelangen, wurde aber enttäuscht. Während der Kriegshandlungen der Wehrmacht in den Niederlanden stand sein Grundstück unter besonderem Schutz. Daraufhin schrieb er Hitler dennoch nach dem erfolgreichen Frankreichfeldzug einen Brief, in dem er Hitler für das lobte, was er selbst damals nicht geschafft hatte.
Der letzte Kaiser des Deutschen Reiches starb am 4. Juni 1941 und wurde auf Anordnung Hitlers mit militärischen Ehren beigesetzt, den Medien war jedoch untersagt worden über die Bestattung ausführlich zu berichten. Nur engsten Familienmitgliedern und einigen Offizieren wurde die Reise in die Niederlande zur Teilnahme an den Trauerfeierlichkeiten gestattet. Der Leichnam wurde nicht, wie der der Kaiserin nach Deutschland überführt, sondern im Park von „Huis Doorn“ bestattet. Der bislang letzte deutsche Kaiser hatte verfügt, daß eine Überführung ins Deutsche Reich erst nach der Wiedererrichtung der Monarchie in diesem vorgenommen werden darf.
Das bislang letzte deutsche Kaiserpaar im Exil im Haus Doorn |
[bearbeiten] Siehe auch
[bearbeiten] Verweise
[bearbeiten] Weltnetz
- Tabellarischer Lebenslauf
- Briefwechsel mit Houston Stewart Chamberlain
- Seiner Majestät zum 146. Geburtstag
[bearbeiten] Audio
[bearbeiten] Schriften
Die Reden Kaiser Wilhelms II. in den Jahren 1888-1912. Gesammelt und herausgegeben von Johannes Penzler:
[bearbeiten] Literatur
- Wilhelm II. – Ereignisse und Gestalten 1878-1918 (Bestellmöglichkeit), Ausschnitte aus dem Buch (PDF-Datei)
- Eberhard Straub: Kaiser Wilhelm II. in der Politik seiner Zeit, Landt-Verlag, ISBN-13: 978-3938844106
Historisch:
- G. Hinzpeter: Kaiser Wilhelm II: Eine Skizze nach der Natur gezeichnet, 1888
- Baron von Falkenegg: Die Weltpolitik Kaiser Wilhelm II: Zeitgemäße Betrachtungen, 1901
- Anton Oskar Eugen Klaussmann: Kaiserreden. Reden und Erlasse, Briefe und Telegramme Kaiser Wilhelms des Zweiten.
[bearbeiten] Dokumentation
- "Wilhelm II. - Die letzten Tage des Deutschen Kaiserreichs", Dokumentation von Christoph Weinert
| Amt | Vorgänger | Regierungszeit | Nachfolger |
|---|---|---|---|
| König von Preußen | Friedrich III. | 1888-1918 | - |
| Deutscher Kaiser | Friedrich III. | 1888-1918 | - |
