Zesen, Philipp von

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Philipp von Zesen.jpg

Philipp von Zesen (Lebensrune.png 8. Oktober 1619 in Prirau bei Dessau; Todesrune.png 13. November 1689 in Hamburg) war ein deutscher Dichter, Schriftsteller und Verfechter der deutschen Sprache.

Inhaltsverzeichnis

Wirken

Zu seinem Wirken heißt es:[1]

Philipp Zesen (Caesius, von Z.), geb. 8. Oktober 1619 zu Prirau im Fürstentum Anhalt, studierte in Halle, Wittenberg (Leipzig?), wurde kaiserlicher Pfalzgraf, geadelt, führte ein Litteratenleben, meist in Amsterdam und Hamburg sich aufhaltend, starb zu Hamburg den 13. November 1689. Seit 1648 war er Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft als der „Wohlsetzende“. Er ist bekannt als Gründer der Deutschgesinnten Genossenschaft (1643); er verfolgte in seinen vaterländischen Bestrebungen namentlich eine Reinigung der deutschen Sprache von Fremdwörtern, deren Ersatz durch deutsche vielfach den Spott und die Persiflage der Zeitgenossen herausforderte. Von seinen Romanen, die sich durch eine auffallend gute Prosa auszeichnen, waren gelesen und verbreitet: „Die adriatische Rosenmund“ (1645); „Ibrahims oder des durchlauchtigen Bassa und der beständigen Isabellen Wunder-Geschichte“ (1645); „Die afrikanische Sophonisbe“ (1647); „Lebensbeschreibung Lysanders und Kallisten“ (1650); „Assenat, das istz derselben und des Josefs heilige Stahts-, Liebes- und Lebensgeschichte“ (1670). Gleich am Beginne seiner litterarischen Laufbahn schrieb er eine Poetik: „Hochdeutscher Helikon oder Grundrichtige Anleitung zur hochdeutschen Dicht- und Reimkunst“ (1640). Über die von ihm gestiftete „Deutschgesinnte Genossenschaft“ gab er heraus: „Das hochdeutsche helikonische Rosenthal, das ist der Rosen-Zunft Ertzschrein. Durch den Färtigen. Gedruckt im Ertzschreine der Amstellinen 1669.“

Verdeutschungen

Erfolgreiche Verdeutschungen

Zesen erfand für zahlreiche Fremdwörter Verdeutschungen, die Eingang in die deutsche Sprache gefunden haben, wie Ableitung (für das Fremdwort Derivation), Abstand (Distanz), Angelpunkt (Pol), Anschrift (Adresse), Augenblick (Moment), Ausflug (Exkursion), Beifügung (Apposition), Beistrich (Komma), Besprechung (Rezension), Blutzeuge (Märtyrer), Bücherei (Bibliothek), Emporkömmling (Parvenü), Entwurf (Projekt), Farbgebung (Kolorit), Freistaat (Republik), Gesichtskreis (Horizont, Panorama), Glaubensbekenntnis (Credo), Gotteshaus (Tempel), Grundstein (Fundament), Kreislauf (Zirkulation), Leidenschaft (Passion), Letzter Wille (Testament), Mundart (Dialekt), Nachruf (Nekrolog), Rechtschreibung (Orthographie), Sinngedicht (Epigramm), Sterblichkeit (Mortalität), Verfasser (Autor), Vollmacht (Plenipotenz), Wahlspruch (Devise), Weltall (Universum).

Erfolglose Verdeutschungen

Andere vorgeschlagene Fremdwortübersetzungen wirken heute teilweise kurios oder unbrauchbar, wie Blitzfeuererregung (für Elektrizität), Dichtling (Vers),[2] Dörrleiche (Mumie), Entgliederer (Anatom), Erzvater (Papst), Gemüthstrift (Affect),[2] Gottestum (Religion), Himmelinne (Juno),[2] Jungfernzwinger (Kloster), Kirchentisch (Altar), klägeln (querulieren), Kluginne (Pallas),[2] Krautbeschreiber (Botaniker), Leuthold (Patriot), Löschhorn (Nase),[2] Lotterbett (Sofa), Lusthöhle (Grotte), Lustinne (Venus),[2] Lustkind (Amor), Meuchelpuffer (Pistole), Schalksernst (Ironie), Schauburg (Theater),[2] Schießprügel (Flinte),[2] Selbstand (Person),[2] Spitzgebäude (Pyramide), Spottnachbildung (Parodie), Tageleuchter (Fenster), Weiberhof (Harem) oder Zeugemutter (Natur).

Der immer wieder zitierte „Gesichtserker“ (Nase) ist keine Wortschöpfung von Zesens, sondern, wie bereits im 19. Jahrhundert in sprachwissenschaftlichen Werken festgestellt, eine zu seiner Verspottung gedachte Erfindung seiner Gegner:

„Es wäre Zeit, daß man nach zweihundert Jahren wenigstens diesen Fleck von dem Bilde des Mannes entfernte, der viel gearbeitet, ernst gestrebt, wenn auch oft geirrt hat.“Otto von Leixner, in: Geschichte der Deutschen Literatur

Schriften (Auswahl)

  • Deutsches Helicons erster und ander Theil (PDF-Datei)
  • Adriatsche Rosemund (PDF-Datei)
  • Filip Zesens deutsch-lateinische Leiter zum hoch-deutschen Helikon (PDF-Datei)
  • Filips von Zesen Assenat. Das ist Derselben und des Josefs heilige Stahts-Lieb-und Lebens-geschicht mit mehr als dreissig schönen Kupferstükken gezieret (PDF-Datei)
  • Dichterisches Rosen- und Liljenthal (PDF-Datei)
  • Schöne Hamburgerin (PDF-Datei)
  • Die verschmähete, doch wieder erhöhete Majestäht – das ist, kurtzer Entwurf der Begabnüsse Karls des Zweiten, Königs von Engelland, Franckreich, Schotland, und Irland (PDF-Datei)
  • M.I.S. Mitternachts Kurtzer, iedoch verhoffentlich deutlicher und zum Anfange gnugsamer Bericht von der teutschen Reime-Kunst (PDF-Datei)
  • Durchaus vermehrter und zum viert- und letztenmahl in vier teilen ausgefärtigter Hoch-Deutscher Helikon: Darinnen ehrstlich eine grund-richtige anleitung wie ein hoch-deutsches Reim-band und gedichte auf allerlei ahrt ohne fehler recht und zierlich zu verfassen (PDF-Dateien: Band 1, Band 3)
  • Das Hochdeutsche Helikonische Rosentahl/ das ist/ Der höchstpreiswürdigen Deutschgesinneten Genossenschaft Erster oder Neunstämmiger Rosen-Zunft Ertzschrein
  • Filip Zesens deutsch-lateinische Leiter zum hoch-deutschen Helikon (PDF-Datei)
  • Hochdeutsche helikonische Hechel: oder, Des Rosenmohndes zweite Woche (PDF-Datei)
  • Philippi Caesii Deütscher Helicon: oder, Kurtze Verfassung aller Arten der deütschen jetzt üblichen Verse, wie dieselben ohne Fehler recht zlerlich zu schrelben, bey welchem zu besserm Fortgang unserer Pocale ein richtiger Anzeiger der deütschen gleichlautenden und einstimmigen so wohl männlichen als weiblichen Wörter (PDF-Datei)

Literatur

  • 96-book.png PDF Karl Dissel: Philipp von Zesen und die deutschgesinnte Genossenschaft, Leipzig 1890

Fußnoten

  1. Bilderatlas zur Geschichte der deutschen Nationallitteratur herausgegeben von Gustav Könnecke (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  2. 2,0 2,1 2,2 2,3 2,4 2,5 2,6 2,7 2,8 96-book.png HTML Herders Conversations-Lexikon, Band 5, Freiburg im Breisgau 1857, S. 778-779
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