Café Germania (Berlin)

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Das Café Germania in Berlin

Das kleine Wirtshaus Café Germania war eine überregional bekannte und berüchtigte Kneipe in Berlin-Lichtenberg, welche vornehmlich Treffpunkt nationalgesinnter Gäste war. Die Eröffnung war im Dezember 1997, die Schließung fand im November 1998 statt.

Geschichte

Fasching im „Braunen Café“

Eröffnung

Sleipnir und Patriot 19-8 treten im Cafe auf, 7. November 1998.jpg

Die Jura-Studentin und JN-Aktivistin Nadine Stefanie Kortegast aus Hennigsdorf in Brandenburg eröffnete 1997 unweit der ehemaligen Stasi-Zentrale in Lichtenberg das Café Germania in der Normannenstraße 5. Ideengeber und Projektleiter für diesen vaterländischen Gastronomiebetrieb war Andreas J. Voigt, dem nach seiner Haftentlassung aufgefallen war, daß es in seiner neuen Heimat Berlin an einem „Patrioten-Treffpunkt“ fehlte. Kortegast griff die Idee auf, ließ sich beraten und wagte den Schritt.

Gäste

Da Kortegast bei den Jungen Nationalen aktiv war, blieb es nicht aus, daß ab dem ersten Tag nationale Gäste die Hauptkundschaft ausmachten. Dies lag auch an der Person Voigt, welcher nach außen als „Betreiber“ auftrat, um die Pächterin vor Repressalien des politischen Gegners zu schützen. NPD-Aktivisten und Politker, Anti-Antifa-Aktivisten, Skinheads der Blood-and-Honour-Bewegung, völkische Patrioten, Rocker und Burschenschafter bevölkerten das Café vornehmlich am Wochenende.

Unter der Woche waren es apolitische Nachbarn, Bauarbeiter und unverdächtige Laufkundschaft, aber auch ein Stammtisch ehemaliger Stasi-Verwaltungsangestellter, allesamt PDS-Wähler, das wöchentliche Treffen der Einzelhändler Normannenstraße sowie der Stammtisch der im Café gegründeten „Kameradschaft Germania“.

Veranstaltungen

Das „braune Café“ vollgepackt und wehrbereit – „wir kriegen sie alle!“
Kampfspuren an der Fassade, aber die teuren schußhemmenden Scheiben hielten stand.
Polizeischutz gegen kriminelle Rotfaschisten

In den Gasträumen fanden zahlreiche Veranstaltungen statt, hier ein Auszug:

1997

1998

  • Jahrestreffen der studentischen Mädelschaft „Elsa Brändström, 1998
  • Völkischer Volkstanzabend, 1998
  • Fasching, 1998
  • Egerländer Volksfest, 1998
  • Bierfest zum 1. Mai, 1998
  • Sommersolidaritätsfest, 1998
  • Lesung „Nation und Europa“, 1998
  • Sedantag, 1998
  • Schwäbisches Weinfest, 1998
  • Oktoberfest, 1998
  • Who-the-fuck-is-Silvio-Meier-Bierfest, 1998
  • Konzert mit Jörg Hähnel, 1998
  • Konzert mit Patriot 19/8, 1998
  • Konzert mit Sleipnir, 1998
  • Tanz in den Weltenbrand, Abschlußfeier, 29. November 1998

Gegnerschaft

Von Anfang an gab es Anfeindungen gegen das „Braune Café“. Am Neujahrsmorgen 1998 fand der erste Angriff durch Linksextremisten statt, alle Scheiben der geschlossenen Schänke wurden durch das Bombardement der Pflastersteine beschädigt, respektive eingeworfen. Ab diesem Zeitpunkt hörten die Angriffe dann nicht mehr auf. Immer wieder kam es zu Sachbeschädigungen in der Nacht bei leeren Räumlichkeiten. Diese blieben schließlich aber wirkungslos, da die Betreiberin Panzerglas einsetzen lassen hatte.

Die Aktion gegen Rechts („Initiative gegen Rechtsextremismus“) – unter der Leitung des damaligen Lichtenberger Bürgermeisters Wolfram Friedersdorff (PDS) – blieb, trotz Lesungen und Aktionstagen im Rathaus, ebenfalls erfolglos. Auch behördliche Schritte mit dem Ziel einer Aberkennung der Gaststättenkonzession liefen ins Leere.

Am 23. Mai 1998 gingen etwa 40 bis 50 teilweise vermummte Personen aus dem linksautonomen Spektrum mit Pflastersteinen und Sprühdosen gegen das Cafe Germania vor. Vorausgegangen war eine Kundgebung zum Thema „Antifaschistische Aktion – Lesen gegen das Vergessen“ gegen eine dort ursprünglich geplante Wahlkampfveranstaltung der NPD.

Im Herbst 1998 erfolgte ein Angriff vermummter Linksextremisten auf das mit ca. zehn Gästen besetzte Café während der Übertragung eines Fußballspiels. Der Versuch, die Räumlichkeiten zu stürmen, wurde abgewehrt. Die Gäste, angeführt von Oliver Schweigert, verfolgten die Angreifer bis zum Rathaus Lichtenberg, wo diese von bewaffneten Bereitschaftspolizisten in Empfang genommen wurden. Die Kriminalpolizei hatte die Zusammenrottung der Vermummten im Park hinter dem Bezirksamt bemerkt und Einsatzkräfte herbeigerufen. Zum gleichen Zeitpunkt hielt die Polizei ein mit Vermummten besetztes Fahrzeug in der Ruschestraße an, welches voller Bewaffnung und Molotowcocktails war. Es kam zu zahlreichen Verhaftungen, die Gerichtstermine gingen noch in das Jahr 2000 hinein, drei der rotfaschistischen Angreifer wurden vor dem Landgericht Berlin rechtskräftig verurteilt.

In den Medien war es der übliche „Kampf“ von Links- und „Rechtsextremisten“, für die Nachbarschaft war es aber bedeutender – sie hatte zunehmend Angst. Der bis dahin öffentlich bekundete persönliche Zuspruch für das Café verstummte nun weitgehend, da keiner zwischen die Fronten geraten wollte.

Silvio-Meier-Gedenkdemonstration

Am 21. November 1998 demonstrierten etwa 1.000 „Antifas“ gegen das Café, es kam zu Rangeleien mit der Polizei.[1] Skinheads und Anti-Antifa-Kämpfer aus der Normannenhütte griffen die Teilnehmer der Silvio-Meier-Gedenkdemonstration mit Flaschen an, es kam zu vorläufigen Festnahmen. Das vollbesetzte Café Germania wurde von mehreren Hundertschaften beschützt, die die Pflastersteine der kriminellen Demonstranten mit Fahrzeugen, Schilden und ihren Körpern abwehrten.

Medien

Das Medieninteresse war stets groß, Links gegen Rechts ist bekanntermaßen immer für eine Schlagzeile gut. Internationale TV-Medien waren öfter zu sehen, größere Reportagen sendeten BBC (England) und CNN (VSA).

Schließung

Kortegast schloß das Café Ende November 1998. Der Dreijahresvertrag enthielt ein einjähriges „Probejahr“, in welchem Pächterin und Verpächter jeweils kündigen konnten. Dies tat dann der Verpächter, der persönlich unter starken Druck geraten war. Weder Angriffe noch vermeintliche finanzielle Sorgen vermochten ein Ende des Cafés zu bewerkstelligen, auch wenn einschlägige Journaille-Macher gegenteiliges berichteten.[2]

Projekt Germania

Das Café Germania in Dresden machte 1999 Schlagzeilen. Voigts Idee eines „patriotischen Treffpunkts“ traf auf fruchtbaren Boden, viele Gastronomen aus der ganzen Bundesrepublik Deutschland wollten erfahren, wie man „rechte“ Gäste ohne „linke“ Störer anlocken konnte und bedienten sich der protokollierten Erfahrungswerte des Cafés Germania in Berlin,[3] die Voigt kostenfrei vermittelte.

Normannenstraße 5a

In den Räumlichkeiten des ehemaligen Café Germania, Normannenstraße 5a, befand sich viele Jahre die Stasi-Kneipe „Zur Firma“.[4]

Fußnoten