Leopold I. (Anhalt-Dessau)

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Leopold I. (Anhalt-Dessau) II.jpg

Leopold I., Fürst von Anhalt-Dessau, genannt: „Der Alte Dessauer“ (Lebensrune.png 3. Juli 1676 in Dessau; Todesrune.png 9. April 1747 in Dessau) war souveräner Fürst von Anhalt-Dessau, Generalfeldmarschall dreier preußischer Könige und Feldherr, der erste wichtige preußische Heeresreformer und einer der populärsten deutschen Generäle der Preußischen Armee.

Inhaltsverzeichnis

Wirken

Leopold I., Prinz von Anhalt-Dessau, hier mit dem Band zum Schwarzen Adlerorden
„Der Alte Dessauer“ von Adolph von Menzel um 1850

Als der junge König Friedrich II von Preußen den Thron bestieg, da fand er als Führer der Wehrmacht den Mann vor, der schon beim Regierungsantritt seines Vaters die preußische Armee befehligt hatte: Fürst Leopold von Anhalt-Dessau. In der Gestalt dieses Mannes verkörpern sich all die Kräfte, die in der Zeit Friedrich Wilhelm I dem preußischen Staat geformt und die aus dem zuvor zersplitterten Lande eine einheitlich durchgestaltete schlagbereitete Macht geschaffen haben. Wie der König, so war der alte Dessauer selbst eine männliche unbändige Willensnatur, die in der einmal eingeschlagenen Richtung vorwärtsstürmend jeden Widerstand überrannte und mit einer bisweilen eigensinnigen Hartnäckigkeit die selbstgesteckten Ziele jäh und unbeirrbar verfolgte. Der Feldmarschall Leopold von Dessau hat das preußische Heer zu einem Machtinstrument des Staates geschliffen, indem mit der Genauigkeit eines Uhrwerks jedes Rädchen den ihm angewiesenen Platz ausfüllte.

Als der Fürst Johann Georg von Anhalt sich im Jahre 1659 mit der Prinzessin Henriette von Oranien, der Schwägerin des großen Kurfürsten, vermählte, da trat damit das älteste brandenburgische Fürstenhaus der Askanier mit dem neuen Herrschergeschlecht von Brandenburg, den Hohenzollern, in verwandtschaftlicher Beziehung, die beiden Häusern zum Segen wurde.

Aber so ungetrübt das Glück des fürstlichen Paares war, eine Prinzessin folgte der anderen, der Thronerbe blieb aus. Erst nach 17 jähriger Ehe kam er zur Welt. Der überglückliche Fürst ließ eine Denkmünze mit der Unterschrift Tandem! (Endlich!) prägen und bat den Kaiser zum Taufpaten bei dem jungen Prinzen Leopold.

Nach einer vorzüglich geleiteten Erziehung, die allerdings das Fluchen des eigenwilligen Prinzen nicht hatte unterdrücken können, wurde dieser mit 12 Jahren vom Kaiser zum Oberst und Inhaber eines Regiments ernannt.

Damit trat der Waffendienst für ihn in den Vordergrund, ohne daß er seine lateinischen, geschichtlichen und vor allem mathematischen Arbeiten zunächst darüber vernachlässigte.

Den 17jährigen machte der Tod des Vaters zum Regierenden Fürsten von Anhalt-Dessau. Aber obwohl 1695 vom Kaiser für mündig erklärt, überließ er die Regierung doch noch drei Jahre lang der Mutter, um – da er sich durch und durch als Soldat fühlte – erst einmal seine militärische Ausbildung zu vollenden.

In den Niederlanden kam er 1695 zum ersten Mal mit seinem Regiment ins Feuer und wurde nach der Einnahme von Namur zum Generalmajor befördert. Zwei Jahre später vermählte er sich zum Entsetzen seiner Familie mit der Dessauer Apothekentochter Anna Luise Föse, die der Kaiser schließlich auf seine Bitte zur ebenbürtige Reichsfürsten erhob. Leopold wußte, daß auf die Welt pfeifen darf, wer eine eigene Melodie hat.

Unermüdlich war der Fürst in der Ausbildung seiner Truppe. Er führte den für die damalige Zeit unerhörten Gleichschritt ein und ersetzte die leicht zerbrechliche hölzernen Ladestöcke durch eiserne. Seine Manneszucht war unerbittlich. Immer wieder führte er persönlich die Soldaten in Versuchung, um sie auf die Probe zu stellen. Er schickte den Posten Leckerbissen von der Tafel. Nahm einer sie, dann kam er in Arrest. Er gab Befehle, die der Manneszucht widersprachen. Gedachte der Soldat, sie auszuführen, dann war es um ihn geschehen. Drohte aber der Soldat ihm, dem General, der solches zu befehlen wagte, mit Verhaftung, dann wurde er öffentlich belobt und beschenkt. So schuf er eine Disziplin, die in schärfstem Gegensatz stand zu der der Landsknechte.

Seit 1701 war Fürst Leopold als preußischer General fast ununterbrochen im Felde, zunächst im spanischen Erbfolgekrieg gegen die Franzosen, dann im nordischen Krieg gegen die Schweden. Die Siege über die Franzosen von Höchstädt 1704, von Cassano 1705, von Turin 1706 machten den ebenso kaltblütigen wie rücksichtslosen jungen Fürsten neben dem Oberbefehlshaber, dem Prinzen Eugen, zu einem der volkstümlichen Feldherrn Europas. Die Eroberung Rügens und Stralsunds, die Preußen später in den Besitz von Stettin und Vorpommern brachte, hob ihn auf den Gipfel des Ruhms. Der dankbare König verlieh ihm als ersten den Schwarzen Adlerorden und ernannte ihn 1712 zum Feldmarschall.

Noch weit herzlicher gestaltet sich das Verhältnis des Anhalter Fürsten zu Preußen, als Friedrich Wilhelm I. 1713 den Thron bestieg. Hier fanden sich zwei Männer, die beide durch und durch Soldaten waren, schlicht, einfach, gerade, keinen Widerspruch duldend, unter rauher Schale ein warm empfindliches Herz fast scheu bergend, sparsame Hausväter, aber mit vollen Händen gebend, wenn es zu helfen galt.

Bisweilen war es hart um hart gegangen zwischen Friedrich Wilhelm und Leopold. Und einmal waren Monate gewesen, da hatte sich der König von seinen alten Freund grollend zurückgezogen, er wollte niemand sehen. Er blieb sogar dem Tabakskollegium fern. Man hatte durch gefälschte Dokumente den Feldmarschall verdächtigt, mit dem Erzherzogtum Österreich in geheimen Bunde zu sein. Der König von Preußen sollte verhaftet, der Kronprinz und der kaiserlicher Vormundschaft katholisch erzogen und zum König ausgerufen werden. So geschickt war der Betrüger im Fälschen der Handschriften gewesen, daß Friedrich Wilhelm später beim Verhör nicht im Stande war, die vor seinen Augen hergestellten Nachahmung seiner Schrift von dieser selbst zu unterscheiden.

Um den Grund der königlichen Ungnade auf die Spur zu kommen, faßte sich Leopold von Dessau eines Tages schließlich ein Herz und folgte dem König unbemerkt in seine Gemächer. Als Friedrich Wilhelm bestürzt zum Degengriff, warf der Feldmarschall seinen fort und erbot sich, mit seinem Leben für seine völlige Unschuld einzustehen. Wie hier, so entwaffnete der Alte Dessauer im dienstlichen und persönlichen Verkehr durch ungeschminkte Offenheit und Geistesgegenwart jeden sich gegen ihn erhebenden Groll. Wie seine Soldaten mit ihm durch dick und dünn gingen, wie sie ihn liebten und fürchteten zugleich, so hing auch das niedere Volk an seinem Landesvater, mochte er sie auch durch die grausame Härte, mit der er jeden gegen seinen Willen sich erhebenden Widerstand zerbracht, durch seine ungezügelte Jagdleidenschaft und die Unberechenbarkeit seines Wesens oft bis aufs Blut reizen. Aber da er nicht nur selbst jederzeit zu derben Späßen aufgelebt war, sondern auch Sinn dafür besaß, wenn er der Gefoppte war, so söhnte man sich immer wieder mit diesem Fürsten aus.

Kein deutscher Fürst der Neuzeit hat so unumschränkt regiert wie Leopold von Anhalt. Er glaubte die Zukunft des Landes am besten gesichert, wenn er allen Grund und Boden zum Krongut machte. Er rottete nicht nur den Adel in seinem Lande aus, in dem er den Familien von Krosigk, von der Lochau, von Werder, von Ziegesar und den übrigen zwangsweise ihre Stammsitze abkaufte, sondern nahm auch den Bauern, den Mühlenbesitzern und selbst den Landespredigern ihrer Acker und Höfe gegen geringes Entgelt fort. Wenn er auch die so erzielten Einnahmen zur Hebung der Wirtschaft verwandte Wege, Brücken, Elbdämme, Vorwerke, Mühlen baute, Ödland in Siedlungen verwandelte und, abgesehen von seiner Jagdbesessenheit, die Unsummen verschlang, äußerst sparsam war, so ging doch der Wohlstand des Landes, dem ein freier Mann auf freier Scholle fehlte, immer mehr zurück.

Als der Fürst dem König Friedrich Wilhelm einmal riet, in Preußen gleichfalls Adel und Bauern auszurotten, da warf der Kriegsminister und Generalfeldmarschall von Grumbkow ein, daß man ein großes Land nicht so regieren könne wie ein kleines. „Und dann haben Euer Durchlaucht in ihrem Lande ja auch nichts als Juden und Bettler!“ Tatsächlich traf diese Bemerkung von Grumbkows den Nagel auf den Kopf. Adel und Bauern waren in Anhalt enteignet. Es gab nur noch einen reichen Stand: die Juden. Der König war viel zu sehr Staatsmanns, um seinen Dessauer Freunde auf diesen verhängnisvollen Wege zu folgen.

Als der junge Friedrich den Thron bestieg, da war ihm der alte Haudegen seines Vaters zwar wegen seiner großen Erfahrung unentbehrlich. Aber die Umständlichkeit und Langsamkeit, dazu der Eigensinn des altgewordenen machen es dem König unmöglich, sich seiner bei den wesentlichen Entscheidungen zu bedienen. Er verwandte den Feldmarschall, der sich aus reichsfürstlicher Treue sich gegen das Kaiserhaus mit allen Kräften gegen den Einfall in Schlesien zur Wehr gesetzt hatte, nur auf Nebenschauplätzen oder im Hinterland. Erst als er im zweiten schlesischen Krieg, durch dringende politische Geschäfte gezwungen, sich eine Zeit lang nach Berlin begeben mußte, gab er dem alten Feldmarschall den Oberbefehl über die Hauptmacht. Bei der Schlacht bei Kesselsdorf entschied die überlegene Ruhe, das leuchtende Vorbild des sich unbekümmert dem tollsten Kugelregen Aussetzenden und die Kriegserfahrenheit des Feldherrn vieler Schlachten nicht nur den Tag, sondern den ganzen Krieg. Zwei Tage später, am 17. Dezember 1745, besetzten seine Truppen Dresden. Diese Siege führten am 25. Dezember 1745 zum Frieden von Dresden zwischen Preußen, Österreich und Sachsen.

Wie der Alte Dessauer seine ganze Liebe dem Fußvolk zuwandte, wie er unermüdlich bemüht war, die Infanterie bis ins letzte auszubilden, so daß sie in der Schlacht mit der gleichen Selbstverständlichkeit die vorgeschriebenen Griffe ausführte, wie blindlings vor stürmte in das feindliche Feuer, so gleicht die Kriegskunst, mit der er seine Siege erfocht, der berechenbaren Technik, mit der der Ingenieur seiner Maschine arbeiten läßt. Diese Taktik des alten Dessauer, die bei Kesselsdorf ihren letzten Lorbeer pflückte, ist das getreue Abbild eines Zeitgeistes, dessen letzte Verkörperung auf dem Gebiete des geistigen Lebens um die Jahrhundertmitte in Gottsched vom Schauplatz abtritt. Wie in Gottscheds kritischer Dichtkunst der Dichter den nach strenger Regel aufzubauenden Wortmassen gebietet, wie im Weltbild des Deismus Gott als der himmlische Weltbaumeister der Welt nachdem ihr eingehämmerten Gesetz wie ein Uhrwerk abzulaufen befohlen hat, so steht, in Leopold von Dessau zum letzten Mal, der Feldherr von der streng gefügten Ordnung seines Heeres, das nach unverrückbaren Befehl mit der Zuverlässigkeit eines Uhrwerks seiner Schlachten schlägt.

Nachkommen

Generalfeldmarschall von Anhalt-Dessau

Kinder

  1. Wilhelm Gustav (1699–1737), Ahnherr der Grafen von Anhalt
  2. Leopold Maximilian (1700–1751), preußischer Generalfeldmarschall, folgte 1747 seinem Vater als Leopold II.
  3. Dietrich (1702–1769), preußischer Generalfeldmarschall
  4. Friedrich Heinrich Eugen, (1705–1781), preußischer Generalmajor
  5. Henriette Marie Luise (1707–1707), sie lebte nur fünf Tage
  6. Luise (1709–1732) – verheiratet mit Fürst Victor Friedrich von Anhalt-Bernburg (1700–1765)
  7. Moritz (1712–1760), preußischer Generalfeldmarschall
  8. Anna Wilhelmine (1715–1780), blieb unverheiratet und kinderlos, erbaute Schloss und Park Mosigkau
  9. Leopoldine Marie (1716–1782) – verheiratet mit Markgraf Heinrich Friedrich von Brandenburg-Schwedt (1709–1788)
  10. Henriette Amalie (1720–1793), lebte fast 40 Jahre in Bockenheim bei Frankfurt, baute in Bockenheim und Kreuznach kleine Schlösser, starb in Dessau
  • illegitim mit Sophie Eleonore Söldner (1710–1779), welche später den Amtsmann Johann August Rode heiratete, aus dessen Ehe u. a. August von Rode hervorging.
  1. Georg Heinrich von Berenhorst (1733–1814)
  2. Karl Franz von Berenhorst (1735–1804)

Andere Nachkommen

Literatur

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