Moabit

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Moabit

Staat: Deutsches Reich
Gau: Berlin
Landkreis: Berlin-Mitte
Einwohner: 69.955
Bevölkerungsdichte: 8.744 Ew. p. km²
Fläche: 8 km²
Postleitzahl: 10551, 10553, 10555, 10557, 10559, 13353
Moabit befindet sich entweder unter Fremdherrschaft oder wird durch die BRD oder BRÖ staatsähnlich verwaltet.
Bundesland: Berlin

Moabit ist ein Ortsteil im Bezirk Berlin-Mitte von Berlin. Bis zur Verwaltungsreform im Jahr 2001 war Moabit ein Ortsteil im ehemaligen Bezirk Berlin-Tiergarten. Über Berlin hinaus ist Moabit durch die Justizvollzugsanstalt und das größte Kriminalgericht Europas bekannt, weswegen Moabit oft als Synonym für das Gefängnis verwendet wird.

Lage

Der Ortsteil wird von den Wasserstraßen Spree, Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal, Westhafenkanal und Charlottenburger Verbindungskanal umschlossen. Als künstliche Insel ist Moabit durch 25 Straßen-, Bahn- und Fußgängerbrücken mit der umgebenden Stadtlandschaft verbunden.

Das Viertel Moabit, mit der Erlöserkirche und dem Gemeindehaus, von der Gotzkowskybrücke

Brücken

  • Föhrer Brücke
  • Torfstraßensteg
  • Brücke der Ringbahn
  • Brücke der Fernbahn
  • Fennbrücke
  • Nordhafenbrücke
  • Kieler Brücke
  • Sandkrugbrücke
  • Bahnbrücke am Hauptbahnhof
  • Hugo-Preuß-Brücke
  • Gustav-Heinemann-Brücke
  • Moltkebrücke
  • Kanzleramtssteg
  • Lutherbrücke
  • Bahnbrücke am S-Bahnhof Bellevue
  • Gerickesteg
  • Moabiter Brücke
  • Lessingbrücke
  • Hansabrücke
  • Wullenwebersteg
  • Gotzkowskybrücke
  • Kaiserin-Augusta-Brücke
  • Sickingenbrücke
  • Bahnbrücke über Verbindungskanal und Ludwig-Hoffmann-Brücke.

Die trennende Wirkung der Wasserläufe wird im Norden und Osten durch ausgedehnte Bahnanlagen und den Westhafen, den größten Berliner Hafen, noch verstärkt. Die angrenzenden Ortsteile sind Wedding im Norden, Mitte im Osten, Tiergarten und Hansaviertel im Süden (alle im Bezirk Mitte), sowie Charlottenburg im Westen und Charlottenburg-Nord im Nordwesten (jeweils Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf). Dabei machen die Anteile der Landgrenzen etwa 5 Prozent aus, alle weiteren Grenzen werden von Wasserwegen gebildet.


Größte Grünfläche ist der – nach einem früheren Bezirksbürgermeister benannte – Fritz-Schloß-Park, der als Trümmerberg auf einem ehemaligen Exerzierplatz entstand. Kleinere Grünflächen sind der Kleine Tiergarten und der Ottopark, beide befinden sich genau zwischen der Turmstraße und der Straße Alt-Moabit.

Name

Die Herkunft des Namens Moabit ist umstritten. Sehr wahrscheinlich läßt sich die Bezeichnung auf die ersten Bewohner dieses Gebietes, die Hugenotten, zurückführen. Die französischen Glaubensflüchtlinge nannten ihren neuen Wohnsitz in Anlehnung an das Alte Testament terre de Moab, denn sie fanden hier ebenso Zuflucht wie die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten im Land der Moabiter, bevor ihnen der Einzug ins Land Kanaan gestattet wurde.

Geschichte

Das Gebiet des heutigen Moabit war ab dem 13. Jahrhundert als Große Stadtheide unter Berliner Verwaltung und diente als Viehweide. Im 15. Jahrhundert wurden die Ländereien westlich Berlins Eigentum der brandenburgischen Kurfürsten, die die wildreichen Wälder südlich der Spree zu ihrem Jagdgebiet, dem Tiergarten, machten. Dem Wachstum der Residenzstadt unter dem Großen Kurfürst Friedrich Wilhelm fielen Teile des Tiergartens zum Opfer, was durch die Erweiterung um den Kleinen Tiergarten nördlich der Spree kompensiert wurde. Das gesamte Jagdrevier wurde bis 1859 mit einem umlaufenden Wildgatter versehen.

Die Besiedelung des heutigen Moabit begann 1685 mit dem Bau des Staakensetzerhaus an der Westgrenze des Wildparks. 1698 überließ Kurfürst Friedrich III. den auf dem Areal des heutigen Humboldthafens liegenden Weinberg dem Hugenotten Menardié, der hier ein Gasthaus betrieb. Im Jahr 1717 siedelte König Friedrich Wilhelm I. zwischen der heutigen Straße Alt-Moabit und der Spree Hugenotten an. Die Glaubensflüchtlinge sollten hier Maulbeerbäume für die Seidenraupenzucht anpflanzen, was jedoch an der unzulänglichen Qualität der Böden scheiterte. So wurden die Grundstücke schon zehn Jahre später für andere, meist gärtnerische Zwecke verwendet und es entstanden hier die ersten Sommersitze Berliner Bürger.

In den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts begann auch die militärische Nutzung großer Teile des Gebiets von Moabit. Die königlichen Pulvermühlen westlich des Moabiter Weinbergs machten 1717 den Anfang und bis 1734 dehnten sich die militärischen Anlagen bis dicht an die Hugenotten-Kolonie aus. Die Bezeichnung Pulverwiesen für die Spreewiesen südlich der Militäranlagen hielt sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Das Militärgebiet wirkte wie ein Riegel und verhinderte eine direkte Verbindung zwischen Moabit und Berlin.

Im westlichen Teil des heutigen Moabit, der bis 1938 noch zu Charlottenburg gehörte, eröffnete 1735 ein Franzose eine Schenke. Der wegen seiner geringen Größe petit Martin oder berlinisch Martinicken genannte Wirt gab dem damals unbebauten Feld den Namen Martinickenfelde. Auf diesem Gebiet entwickelte sich später das Fabrikenviertel von Moabit.

Zwei Westfalen erhielten um 1769 Ländereien von Friedrich II. im Gebiet des heutigen Westfälischen Viertels von Moabit. Ihnen wurde auferlegt, die Brandenburger darin zu unterrichten, lebende Hecken nach westfälischer Art zur Einfriedung ihrer Höfe anzulegen. Die Westfalen errichteten auf ihren Anwesen Gaststätten, die sich steigender Beliebtheit bei der Stadtbevölkerung des ausgehenden 18. Jahrhunderts erfreuten. Moabit war damit zu dieser Zeit ein Naherholungsgebiet mit ländlichem Charakter.

Industrialisierung

In einer ersten Expansionswelle wichen die Industriebetriebe, die in Berlin keine Grundstücke mehr fanden und deren Geruchs- und Lärmbelästigung in der gewachsenen Stadt nicht mehr geduldet wurde (Feuerland), in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Moabit aus. Dabei war die Lage an der Spree als Transportweg für Kohle, Rohmaterial und die Produkte entscheidend.

Bereits 1836 hatte die Maschinenbauanstalt der Königlichen Seehandlung ihre Erweiterung am Spreeufer östlich der Kirchstraße begonnen; 1850 wurde sie von Borsig als zweiter Moabiter Standort übernommen, 1898 geschlossen und abgerissen für den Bau von Mietskasernen. August Borsig selbst hatte 1847 den Bau eines Eisenwerks südlich der Straße Alt-Moabit bis zum Spreeufer etwa von der heutigen Elberfelder Straße bis zur Krefelder Straße begonnen, dies mehrfach erweitert und dort auch seine Villa Borsig errichtet.

Moabit wurde besonders im ausgehenden 19. Jahrhundert immer stärker bevölkert. 1861 kam es zur Eingemeindung nach Berlin, die besiedelte Fläche nahm zu und viele Großindustrien wurden durch den Neubau von Mietskasernen in den Wedding verdrängt. Die Großindustriellen rechneten sich aus, daß mit Miete mehr Geld zu verdienen sei als mit der Produktion von Gütern. Außerdem sind Mietwohnungen weniger von der wirtschaftlichen Lage abhängig, und bringen immer einen regelmäßigen Ertrag. So wurde aus dem ehemaligen Produktionsgebiet ein reines Arbeiter-Wohnviertel. Lediglich im Westen Moabits sind noch Industrieanlagen wie beispielsweise die berühmte AEG-Turbinenfabrik erhalten.

Die Herbert-Norkus-Gedenktafel in der Fichte-Real-Schule.

Zur geistlichen Betreuung der überwiegend aus Schlesien stammenden katholischen Arbeiter der Moabiter Industriegebiete wurde im Jahr 1867 mit Unterstützung des Fabrikanten August Julius Albert Borsig, des Sohnes von August Borsig, das erste nachreformatorische Kloster Berlins gegründet, das Dominikanerkloster St. Paulus mit gleichnamiger Pfarrkirche. In den Jahren 1892 bis 1893 wurde das heutige Kirchengebäude im Stil der Neogotik nach Plänen von Engelbert Seibertz an der Oldenburger Ecke Waldenserstraße errichtet. 1920 wurde Moabit Teil des neugebildeten Bezirks Tiergarten.

Der Hitlerjunge Herbert Norkus

Kanufahrten auf der Spree, westlich der Gotzkowskybrücke, im Jahr 2013. Mit Blick auf die Moabiter Fabriken.

Bekannt wurde dieses Viertel in nationalen Kreisen vor allem wegen des Mordes an dem Hitlerjungen Herbert Norkus, am 24. Januar 1932. Sein Leichnam wurde an diesem Sonntagmorgen in dem Haus Zwinglistraße 4 aufgefunden. Sein Leben hatte er in diesem Viertel verbracht, es konnte aber bisher nicht nachgewiesen werden, ob er hier auch tatsächlich geboren worden ist. Die Familie Norkus hatte ein Milchgeschäft, und somit wahrscheinlich ihre Wohnung in die Wiclefstraße. Die Schule, an der er studiert hat, und in welcher für ihn nach seinem Verscheiden eine Gedenktafel eingeweiht wurde, war die Fichte-Realschule. Später besuchte er die Kirschner Oberrealschule in der Zwinglistraße. Das Krankenhaus, in dem sein Leichnam untersucht wurde, war das Moabiter Krankenhaus. Im Bezug auf die Wasch- und Plättanstalt in der Zwinglistraße, in der er starb, sie könnte der Familie Norkus bekannt gewesen sein, Arbeiterfamilien konnten hier zweifellos ihre Bekleidung zum Säubern einliefern. Braunhemden wären dabei wohl erst nach dem 30. Januar 1933 einbegriffen.

In dem Buch „Blutzeugen“ wird zu der Person Herbert Norkus bemerkt, er gehörte nicht nur der Hitlerjugend, aber auch der Marine-HJ an. Als Mitglied letzter Gliederung könnte er z.B. Kanufahrten auf der Spree gemacht haben, sowie es die Anfang des 21. Jahrhunderts bei der Gotzkowskybrücke noch gibt. Aktivitäten, bzw. Zeltlager seiner „normalen“ HJ-Kameradschaft könnten möglicherweise in dem, nach durchqueren des Ortsteils Charlottenburgs rasch erreichten Forst Grunewald stattgefunden haben. Im benanten Buch heißt es zu seiner Eingliederung, er gehörte dem „Gefolgschaft 1, Berlin, Schar 2, Hansa-Beusselkietz“ an. Die durchaus oben auf dem linken Ärmel, bzw. Schulterstück der Uniform aufgenähte Nummer des HJ-Banns fehlt. Letztendlich war er der Kameradschaft Beusselkietz, und dessen Führer Gerhard Mondt unterstellt. Der Name der Kameradschaft wies auf die Umgebung der Beusselstraße hin. Drei Namen führender Personen in seinem HJ-Bezirk werden namentlich in dem Augenzeugenbericht zu seinem Tod genannt.

Beachtet man die kommunistischen Gegner in der zur Zeit roten Hochburg Moabit, so muß es, auf Grund des geschätzten Alters des Motorradfahrers und im Falle gleichaltriger Gesinnungsgenossen, um ungefähr 18- bis 20-jährige Personen gehandelt haben. Vorausgesetzt daß die Verteilaktion um 6 Uhr in der Turmstraße anfing, um 7 Uhr in der Berlichingenstraße angehalten, und um 7.30 Uhr in der Gotzkowskystraße weitergeführt wurde, so hat dann der Mord an Herbert Norkus um ungefähr 8 Uhr, also beim Morgengrauen stattgefunden. Das bedeutet im Hinsicht auf die derzeitige Stärke der Moabiter Kommunisten, daß sie im Stande waren an einem winterlichen Sonntagmorgen in aller Frühe 35 teilweise mit Dolchen bewaffneten, auf jedem Fall gewaltbereiten Personen innerhalb einer Stunde zu mobilisieren. Ob der mutmäßliche Mörder Willi Simon der Motorradfahrer war, ist nicht bekannt geworden.

Liste im Ortsteil Moabit tätiger HJ-Führer im Jahr 1932

  • Kameradschaftsführer Kelbach

Erhaltene historische Giebel

(Teilweise historische Giebel zeigen immer noch wie das Viertel Moabit anfang der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ausgesehen hat. Bemerkenswert ist dabei eine Aussage in einem Augenzeugenbericht zu dem Mord an Herbert Norkus, wo es heißt, bei der Verteilaktion sei es treppauf, treppab[1] gegangen. Das weist möglich auf die Mietskasernen hin, wo man beim Eingehen auf einer Treppe stieß, die zu den einzelnen Wohnungen führte.)

Bekannte, in Moabit geborene Personen

  • Rudi Godden (1907–1941), Sänger und Filmschauspieler

Siehe auch

Literatur

  • A.K. Busch, Blutzeugen. Beiträge zur Praxis des politischen Kampfes in der Weimarer Republik. Zweite überarbeitete und erweiterte Auflage. Nordland verlag 2010. ISBN 978-3-9812409-0-0

Fußnoten

  1. Heinz Goerz und Franz-Otto Wrede, Unsterbliche Gefolgschaft, (Seite 16).