Nie wieder Pizzeria ... (Andreas J. Voigt)

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Nie wieder Pizzeria ... ist ein Erlebnisbericht von Andreas J. Voigt vom 5. Juli 2006 nach seinem Besuch der „WM-Fanmeile“ in Berlin am 4. Juli 2006 während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006.

Erlebnisbericht

„Eines Tages werden wir Verteidiger des Vaterlandes junge Kameraden an unserer Seite erleben und wissen, welche bei der WM 2006 und danach als Kinder und junge Menschen zuerst während dieser Zeit gelernt haben, stolz auf Deutschland zu sein ... wenn auch nur auf den ‚Fanmeilen‘ mit schwarz-rot-goldener Flagge. Die ‚Kulturbereicherer‘ werden ihre Fahnen nach der WM wieder einmotten, denn ihnen geht es nur um Siege, um das Mitfeiern, darum, ‚Gewinner‘ zu sein – wir Patrioten dagegen tragen unsere Fahne das ganze Jahr im Herzen ... laßt die Farben, welche sie auch sein mögen, nach außen blitzen, laßt alle wissen, daß wir DEUTSCH sind! Germanophoben Linksextremisten, verbrecherischen Ausländern und pseudo-rechten Miesmachern zum Trotz: Wir lieben unsere Farben, wir lieben auch andere reichsdeutsche Farben, aber am meisten lieben wir das Vaterland!“[1]


Quelle
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Nie wieder Pizzeria ...

Fanmeilie Berlin.jpg

Ja, eine schmerzliche Niederlage. Italien „besiegt“ Deutschland in der 119. Minute (sic!) bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Die gegelten Modepüppchen jubeln, während „Herrmanns starke Riege“ (Großplakat im Dortmunder Stadion) trauert – aber erst mal der Reihe nach:

Um 20 Uhr brachen wir in Prenzlauer Berg mit 15 Mannen Richtung Siegessäule auf. Der Regionalsender hatte berichtet, daß der erwartete Ansturm noch nicht eingetreten wäre, auf der verlängerten Fanmeile wären noch Plätze genug. Die Spannung und die Vorfreude waren groß, unterwegs trafen wir immer mehr Schlachtenbummler mit dem gleichen Ziel. Um 20.30 Uhr angekommen, gingen wir zügig durch die Sicherheitskontrolle, ein tätowierter Kahlgeschorener winkte mich zu sich, und statt einer Leibesvisite, lächelte er mich an, klopfte mir auf die Schulter und sagte leise „Sieg“ – woher kenne ich ihn nur?

Die neu aufgestellten Leinwände waren leicht zu erreichen, wir fanden Plätze neben einem Bitburger-Stand, einer aus der Gruppe feierte Wiegenfest und der „Bölkstoff“ floß reichlich, was meine chronisch leere Geldbörse erfreute. Um 21 Uhr die Nationalhymne, ich schaue nach hinten, noch vor 20 Minuten leer, jetzt endlose Reihen Deutscher und Tausende Flaggen stolz empor gereckt. Eine Million Kehlen explodieren! Wir stimmen selbstredend mit ein, während in- und ausländische Fotografen das beeindruckende Spektakel mit der Linse verewigen – sogar während ich schreibe, verspüre ich erneut die Gänsehaut und die Rührung des Vorabends!

Das Spiel ist schnell erzählt: Kampf, Krampf, Sturm, Abwehr, Aufopferung und leider Erfolglosigkeit trotz durchgehendem Optimismus. Kurz nach der Halbzeit die einzige Störung: Albaner tauchten zehn Meter hinter uns auf, laut und provozierend, skandierten „Albania“ (oder so ähnlich) und schwenkten ein paar Fahnen. Auf einmal tat es etliche dumpfe Schläge, ein Aufschrei, eine deutsche Frau wurde umgeworfen, Empörung, dafür noch ein paar Schläge, die Masse machte Platz, jetzt konnte ich sehen, drei oder vier Albaner versuchten, sich aus dem Staub zu erheben, Zivilpolizisten tauchten auf, die Albaner wurden konsequent hinausbegleitet (ob sie wollten oder nicht), alles klatschte Beifall, ob jung oder alt, und stimmten in unser fröhliches Lied „Ihr könnt nach Hause fahr’n“ ein.

Die vorletzte Minute der Verlängerung ist gekommen, wir bereiten uns auf ein Elfmeterschießen vor, dann fällt das erste Tor der Italiener. Stille, Entsetzen, Ungläubigkeit. Das 2:0 in der 120. Minute war so unnötig (und so unverdient) wie ein Kropf – oder Dünnpfiff. Apropos Pfiff: Abpfiff! Die ersten Unmutsäußerungen, vereinzelte volle Bierbecher fliegen, die ersten verlassen die Meile. Wir hinterher, aber nicht, ohne ein „Abschiedsbier“ vom netten deutschen Wirt mitzunehmen, der Tränen in den Augen hatte, während seine Frau schluchzte und tapfer weiterzapfte.

WM 2006.jpg
WM 2006, Berlin.jpg

Zuerst hören wir wütende oder zynische Verwünschungen:

  • „Ich esse nie wieder in einer Pizzeria ...“,
  • „Wir ziehen den Tottis die Nudeln aus dem Topf ...“,
  • „... scheiß Itaker ...“,
  • „... blöde Spaghettifresser ...“,
  • „Ich bin lieber Verlierer als Italiener ...“,
  • „Wenn meine italienischen Kollegen mich morgen ärgern, werden die abgeschoben ...“

Überall wird gelacht und selbst gedichtet. Ich halte nun meine Augen offen: werden jetzt die ersten „Neupatrioten“ ihre Fahne ins Gebüsch werfen? Oder gedemütigt hinter sich her schleifen? Die deutsche Mannschaft beschimpfen? Mit Selbstironie, Spott und deutscher Schwermut reagieren? Mitnichten! Schon 10 – 15 Minuten nach Abpfiff die ersten Lobeshymnen. Das „Lied der Deutschen“ wird in der Menge angestimmt. Jungs trösten ihre Mädels – und vielfach (eher meistens) umgekehrt. Ein Schwabe schreit: „Wir haben uns verdammt gut verkauft!“

Ein Uhr morgens – am neuen Hauptbahnhof angekommen, staunen wir nicht schlecht: alles voll, frenetisch, jubelnd! Was ist los? Haben Italiener Freigang? Nein ... Haben wir vielleicht doch noch in der verlängerten Verlängerung gesiegt? Auch nicht, aber eine unüberschaubare Masse in Schwarz, Rot und Gold steht vor uns, hinter uns und neben uns. Sie röhren „Deutschland, Deutschland, Deutschland“, was sich in dem herrlichen Bahnhofsgebäude wie ein magisches Raunen anhört! Auf dem Bahngleis angekommen, das gleiche: Die Tausenden Fahrgäste in Richtig Ost rufen „Super“, und die Tausenden gegenüber in Richtung West antworten natürlich „Deutschland“! Wie kann das sein? Ich habe schon viele WM miterlebt, war 1990 in Italien, aber so etwas ist für mich auch neu. Sollte dieser WM-Patriotismus nachhaltig wirken? Das ist wohl so ...

Fanmeilie Berlin2.jpg

Wir kommen nicht in die S-Bahn hinein, sie ist schon voll, plattgedrückte Gesichter mit aufgemalten deutschen Farben lächeln uns mitfühlend zu. Zwei hübsche blonde Mädels schauen mich an, sie sind „obenrum“ nur jeweils in eine Deutschlandflagge gewickelt – sonst nichts! Sie sprechen mich an, höflich, ... aber auf Englisch. Wahnsinn – zwei amerikanische Studentinnen aus Florida (Grüße nach Daytona Beach), die ihr Hotel am Alexanderplatz nicht fanden. Wir sind natürlich Kavaliere und begleiten sie dort hin – zu Fuß. Noch einen Absacker erhalten, die mir aufgezwungene Visitenkarte entgegengenommen – und weiter geht’s. Zu Fuß, denn auch die Straßenbahn ist überfüllt. Hey, das plattgedrückte Gesicht kommt mir doch bekannt vor ...?! Am „Burger King“ vorbei, die Schlange steht bis auf die Straße. Daneben ein italienisches Café mit bescheidener Beflaggung. Im beleuchteten Innenraum herrscht vollkommene Leere. Nie wieder Pizzeria? Ich verstehe ...

Auf dem Weg „in den Prenzlberg“ hupen unserer dezimierten Gruppe zahlreiche Fahrer zu, Fahnen werden geschwenkt, auf dem Gehweg Grüße und Küsse von Unbekannten, alles so fröhlich und ausgelassen. Inzwischen glaube ich fast, wir hätten doch gesiegt und würde dies erst am nächsten Tag nach dem Aufstehen erfahren ... Kopfschütteln, weiter, 20 bis 30 Pennäler haben sich um eine Litfaßsäule versammelt und schwenken ihre zahlreichen Fahnen, sie nehmen uns kaum wahr, ihre Augen glänzen, ihre Gemüter rasend. Rauschgift? Nicht unmöglich, aber eher der Rausch des neuen Patriotismus! Noch lange hören wir ihre Hallelujas: „Berlin, Berlin, wir wohnen in Berlin“ und „’54, ’74, ’90, 2010“! Drei Uhr im „Zeckenkiez“, nun schon beinahe zu Hause, eine Gruppe schwarzgekleideter „Nix-Wieder-Deutschland-Freier“ kommen uns entgegen, nahezu ohne Zwischenfall vorbei, einer traut sich dann doch, leise „Italia“ zu locken. Er bekommt von uns einen halben Liter Bier spendiert – alles auf ein Mal und mit Schwung ... Nix „Italia“!

Resümee einer denkwürdigen und beeindruckenden Nacht:

Wir sind kein Land der Zweiten oder Dritten Welt: es brannten keine Häuser, Selbstmorde waren nicht zu verzeichnen, die Familien von Spielern und Trainerstab wurden nicht bedroht, und am nächsten Tag wurden die Häupter immer noch hoch getragen. Wir sind das Land der Dichter und Denker, eine geistige und wirtschaftliche Elite, wir sind Exportweltmeister, Weltmeister der Erfindungen und „wir sind Papst“ – was wollen wir mehr?

Auch in der Stunde einer „sportlich-nationalen Niederlage“ haben wir Deutschen endlich gelernt, uns selbst zu lieben. Und wir altgedienten Patrioten sind wie nie zuvor gefragt, denn diese Liebe will und muß, wie jede Liebe, gepflegt werden.

Andreas J. Voigt

Berlin, am 5. Juli 2006

Nachsatz:

Heute gehe ich einkaufen, brauche Wasser, habe einen leichten Brand. Wähle eine Tiefkühlpizza – von „Wagner“ aus Deutschland, natürlich ... Sehe eine Mutter mit ihren drei Kindern zwischen ca. 6 und 11 Jahren. Alle drei tragen ein Deutschland-Hemd und schwarzrotgoldene Gesichtsbemalung. Katzenjammer, ade! Jetzt erst recht? Jetzt erst recht!

Nach-Nachsatz:

Weltmeister der Herzen!

Vize-Vize-Weltmeister ... aber, wie eine sehr junge Kameradin mir schreibt: „WIR sind Weltmeister der Herzen!“

Mit einem sensationellen 3:1 besiegen wir Portugal und erhalten somit mehr als ein Trostpflaster. Stuttgart platzte aus allen Nähten, auf der „Berliner Fanmeile“ eine Million Schlachtenbummler, kein Anzeichen von Trauer oder Resignation. Am Sonntag um 12 Uhr am Brandenburger Tor wurden die wahren Weltmeister gefeiert – und schon wieder eine Million Menschen. Die Nationalmannschaft sagt DANKE, während die Heerschar das Vaterland feiert!

Und immer wieder höre ich die Frage: Was bleibt übrig? Ein junger Mann in Schwarz-Rot-Gold sagte in einer Fernsehsendung stellvertretend für Millionen junger Menschen:

„Das war einmalig, ein einschneidendes Erlebnis – ich werde es nie vergessen!“

Auch heute sehe ich noch zahlreiche Fahrzeuge mit der Flagge am Fenster, aber das, was man nicht sieht, was unter der aufgebrochenen Oberfläche brodelt, die seit der „Stunde Null“ versiegelt war, ist noch beeindruckender. Wie der „Kaiser“ Beckenbauer sagte, es wurde höchste Zeit, daß Deutschland die Fesseln der Vergangenheit abgeworfen hat. Ein Satz, der viele vaterlandslose Gesellen und „Genossen“ erschauern läßt.

Und der Multi-Kulti-Alptraum der Pharisäer nach der WM? Nun, heute verabschiedete sich die SPD von der „Migrations-Romantik“ und plädiert in der Ausländerpolitik für einen Kurs „ohne Selbstbetrug und Träumereien“. Die Partei grenze sich von den „multikulturellen Tendenzen“ bei den Grünen ab. Für diese Erkenntnis brauchten wir zwar keinen farbigen WM-Patriotismus, aber geschadet hat er wohl auch nicht, was viele rechte Kritiker zuerst vorausgesagt hatten.

„Wer jetzt nicht lebt, wird nichts erleben ...“ singt Herbert Grönemeyer, und in diesem Punkt stimme ich zu: Ich lebe für Deutschland – und Deutschland für mich.

Berlin, am 10. Juli 2006

Quelle: Nie wieder Pizzeria ...Voigts persönliche Netzpräsenz


Siehe auch

Fußnoten

  1. Eine Nachbetrachtung von Andreas J. Voigt vom Juli 2010