Schlegel, August Wilhelm von

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August Wilhelm von Schlegel

August Wilhelm Schlegel, seit 1812 von Schlegel (Lebensrune.png 8. September 1767 in Hannover; Todesrune.png 12. Mai 1845 in Bonn), war ein deutscher Übersetzer und Schriftsteller der deutschen Romantik. Er übersetzte vor allem Werke der englischen Autorengruppe, die unter der Bezeichnung „Shakespeare“ bekannt geworden ist. Sein Bruder war Friedrich von Schlegel.

Leben

Gemälde von Adolf Hohneck
August Wilhelm von Schlegels Grab
Bonn, Alter Friedhof
Inschrift des Grabsteins
August Wilhelm S. wurde am 8. September 1767 als vierter Sohn Johann Adolf Schlegel’s in Hannover geboren. Sein Talent für Sprache und Verskunst, vom Vater und Oheim (Johann Elias S.) ererbt, kündigte sich schon an, während er das Gymnasium seiner Vaterstadt besuchte. Er bekannte nachmals selbst, er sei ein leidenschaftlicher Versemacher von Kindesbeinen an gewesen. Unter anderm trug er 1785 bei einem Schulactus die Geschichte der deutschen Dichtung in Hexametern vor, seine Neigung zu Philologie und Litteraturgeschichte dadurch schon jetzt bekundend. 1786 bezog er die Universität Göttingen, wo er das Studium der Theologie sehr bald mit dem der Philologie vertauschte. Schon im Juni des nächsten Jahres verdiente er sich mit einer lateinischen Abhandlung über die Homerische Geographie (1788 gedruckt) einen akademischen Preis. Seine hauptsächlichen Lehrer waren Heyne und Bürger. Für den ersteren verfertigte er 1788 das Register zum vierten Bande seines „Virgils“; mit dem letzteren wetteiferte er bald in poetischen Versuchen. In dem von Bürger redigirten Göttinger Musenalmanach und in Bürger’s Zeitschrift „Akademie der schönen Redekünste“ erschienen Schlegel’s erste Gedichte gedruckt, in der Form ungemein glatt und gewandt; ihre äußere Technik war im allgemeinen die Bürger’s, der denn auch seinen „poetischen Sohn“ und „Lieblingsjünger“ in prophetischen Versen volltönend pries. Seit 1789 verfaßte S. mehrere Recensionen von Werken der neuesten schönen Litteratur für die Göttinger gelehrten Anzeigen; auch sie bekundeten meistens einen reinen künstlerischen Geschmack, einen achtungswerthen kritischen Verstand, besondere Strenge und Feinheit in allem, was die äußere Form betraf, aber weder geniale Kühnheit noch ungewöhnliche Tiefe und Größe der Auffassung: der junge Kritiker war vielfach noch von den älteren Theorien und Musterbüchern einer correcten Poesie abhängig. Bedeutender erwiesen sich gleich seine frühesten ästhetischen und litterargeschichtlichen Charakteristiken, so die kritisch-philologische Abhandlung über Schiller’s „Künstler“ von 1791 und namentlich der Aufsatz „Ueber des Dante Alighieri Göttliche Komödie“ (1791) mit einer vortrefflichen Schilderung des Menschen und Dichters Dante, die, überall Herder’schen Anregungen folgend, in das künstlerische Wesen des großen Italieners, in seine Zeit und Welt sich liebevoll versenkte, und mit einer möglichst getreuen Uebersetzung ausgewählter Abschnitte aus der „Divina Commedia“ im Versmaß des Originals, doch mit freier behandelten Reimen. In den folgenden Jahren setzte S. diese Uebertragungsversuche fleißig fort, und bis 1797 erschienen in mehreren Zeitschriften, besonders auch in Schiller’s „Horen“, zahlreiche Proben aus Dante’s „Hölle“, „Büßungswelt“ und „Himmelreich“ verdeutscht. Neben und schon vor Dante lockte namentlich Shakespeare den jungen Dichter zur Uebersetzung. Gemeinsam mit Bürger begann er 1789 den „Sommernachtstraum“ zu übertragen, ließ die Arbeit aber vorerst ungedruckt, obgleich sie die ähnlichen Versuche Wieland’s und Eschenburg’s schon jetzt mannigfach übertraf. Aber die Thätigkeit an Shakespeare’s Dramen begleitete ihn, als er 1791 nach abgeschlossenen Universitätsstudien, vermuthlich durch Eschenburg’s Vermittlung, eine sorgenfreie Hofmeisterstellung in dem reichen Muilman’schen Handelshause zu Amsterdam fand. Er wandte sich zur Uebersetzung „Romeo’s“ und „Hamlet’s“. Daneben dachte er an ein Trauerspiel „Ugolino“, ein Trauerspiel „Kleopatra“, eine Geschichte der griechischen Dichtkunst und andere Pläne, die vorläufig noch keine feste Gestalt gewinnen konnten. Dabei wurde Bürger’s Einfluß immer mehr und mehr durch den Schiller’s und Goethe’s verdrängt, zumal seitdem S. 1794 als Mitarbeiter an den „Horen“ in brieflichen Verkehr mit Schiller gekommen war. Hatte er schon früher den Dichter der „Götter Griechenlands“ mehrfach im einzelnen nachgeahmt, so suchte er jetzt in Balladen und Romanzen, in episch-mythischen, allegorischen und sonstigen Gedichten Schiller’s Stil und Geist im ganzen sich anzueignen. In Schlegel’s hellenisirenden Gedichten konnte Schiller sich selbst, seine Gedanken und Gesinnungen, seine Sprache und seinen Ton wiederfinden; in der nach dem Spanischen frei bearbeiteten mohrischen Erzählung „Morayzela, Sultanin von Granada“ (1796 in G. W. Becker’s „Erholungen“ gedruckt) durfte er die Schreibart seiner historischen Prosaaufsätze sorgfältig nachgebildet sehen. Noch deutlicher ließ sich Schiller’s Einfluß in Schlegel’s ästhetisch-theoretischen Arbeiten wahrnehmen. Obwohl S. sich selbst weniger geschickt zur philosophischen Speculation als zur Beobachtung glaubte, strebte er doch, gleich Schiller, in den „Briefen über Poesie, Silbenmaß und Sprache“ (1795 und 1796 in den „Horen“ gedruckt) das Wesen des Rhythmischen philosophisch zu erklären, ohne aber über die Anfänge dieser Untersuchung, die Ableitung des Metrischen aus der Natur des Menschen überhaupt, hinauszukommen. Anspruchsloser und fruchtbarer an anregenden Winken waren die (damals nicht veröffentlichten) Betrachtungen über Metrik, welche S. kurz vor jenen „Briefen“ für seinen Bruder Friedrich niederschrieb, durchweg hier auf die eigene Erfahrung gestützt und besonnen gegen Klopstock’s metrische Schrullen polemisirend. Wie zu Schiller, so sah S. jetzt aber auch bewundernd zu Goethe auf; dessen jüngste Werke, die aus der Anschauung des griechischen Schönheitsideales geborenen Dichtungen und der Roman „Wilhelm Meisters Lehrjahre“, wurden ihm nunmehr Studium und Vorbild. Dadurch geläutert, nahm er 1795 die Uebersetzung Shakespeare’s auf’s neue vor und schmolz die früheren Versuche, die allzu sehr an Bürger’s Schule mahnten, vollständig um zu Schöpfungen, die, selbst Kunstwerke von reinster Formenschönheit, mit dem bedeutenden Inhalt auch die eigenthümliche künstlerische Form der englischen Originale getreu wiedergaben und überall den dichterischen Geist und das dichterische Wort Shakespeare’s erfolgreich wahrten. Der an Goethe’s Zergliederung des „Hamlet“ anknüpfende Aufsatz „Etwas über William Shakespeare bei Gelegenheit Wilhelm Meisters“ (in den „Horen“ 1796) kündigte die Grundsätze dieser neuen Uebersetzungskunst an, als deren erste Proben gleichzeitig im März 1796 Scenen aus dem zweiten Aufzuge des „Romeo“ in Schiller’s „Horen“ erschienen. Daran schloß sich im folgenden Jahrgang derselben Zeitschrift der Aufsatz über „Romeo und Julia“, die erste von unbedingter Bewunderung erfüllte Analyse eines Shakespeare’schen Stückes, die wirklich objectiv in den Geist und die ganze Schaffensart des fremden Künstlers eindrang. Zugleich legte S. nun aber auch den „Romeo“ vollständig verdeutscht vor und eröffnete mit ihm die Uebersetzung Shakespeare’scher Dramen, die 1797–1801 in 8 Bänden zu Berlin bei Joh. Friedr. Unger herauskam; 1810 folgte nach langjähriger Unterbrechung noch ein weiterer Halbband. Siebzehn Dramen Shakespeare’s hatte S. hier übertragen: „Romeo“, den „Sommernachtstraum“, „Julius Cäsar“, „Was ihr wollt“, den „Sturm“, „Hamlet“, den „Kaufmann von Venedig“, „Wie es euch gefällt“ und sämmtliche Königsdramen von „König Johann“ bis „Richard III.“[1]

Zu seinem Wirken heißt es:[2]

Einer der größten Uebersetzungskünstler Deutschlands und vortrefflicher Kritiker; Sohn des geistlichen Liederdichters Johann Adolf Schlegel (1721-93), wurde als Göttinger Student Bürger's Freund, der nicht ohne Einfluß auf ihn blieb, als Jenaer Docent Mitarbeiter an Schiller's „Horen“ und dem Musenalmanach, ging 1801 nach Berlin und hielt hier sehr besuchte Vorlesungen über schöne Künste und Literatur. In den Jahren 1804-18 war er „Lebensgenosse“ der Frau von Staël, die er durch die halbe Welt begleitete, und nahm 1818 eine ordentliche Professur an der neu begründeten Universität Bonn an, deren größte Zierde er bis zu seinem Tode gewesen, und wo er sich vorwiegend mit dem Studium der indischen Sprache beschäftigte. Hauptarbeit seines Lebens ist die meisterhafte Uebertragung von sechzehn Shakespeare'schen Dramen. Seine geschiedene Frau Karoline, geborene Michaelis, verwittwete Böhmer, nachmals verehelichte Schelling, interessant durch ihren Briefwechsel, betheiligte sich an der Uebersetzung von „Romeo und Julie“. Mit seinem Bruder Friedrich wurde er der Vorkämpfer für die Romantik.

Germaine de Staël

„Nach Madame de Staël bestimmen politische Institutionen, Vorgänge, Wertmaßstäbe zu bestimmten Zeiten, Gesetze, Religionen, aber auch die geographische Lage und das Klima die Literatur eines Volkes. Sie veröffentlichte 1800 die Schrift De la littérature, in der sie die Idee entwarf, dass die Geschichte einer Literatur nur im Kontext ihres gesellschaftlichen und moralischen Zustands begriffen werden kann. Die französische literarische Öffentlichkeit war damals sehr frankophon, man hielt die französische Literatur für die vollkommenste. Madame de Staël behauptete nun, dass die französische Literatur nur eine unter vielen sei und den Literaturen des Nordens aber der Vorrang gebühre, da sie melancholisch und verträumt, philosophisch und freiheitlich seien. Sie rief die Franzosen auf, sich nicht mehr nur am Vorbild der heidnischen, mediterranen Antike zu orientieren, sondern an der christlich-germanischen Kultur des Mittelalters. Dies wurde als ungeheuerliche Provokation aufgefasst. Madame de Staël erhielt sehr unfreundliche Kritiken. 1803 wurde sie wegen konspirativem Widerstand gegen Napoleon verbannt. Sie nutzte diese Zeit für einen ausgedehnten Deutschlandaufenthalt, wo sie u. a. August Wilhelm Schlegel traf. 1805 reiste Madame de Staël mit Schlegel nach Italien, wo sie Inspiration für ihren Roman Corinne (1807) fand. 1810 erschien ihr heute bekanntestes Werk De l'Allemagne, das aber sofort verboten wurde; Madame de Staël musste abermals ins Exil gehen. In diesem Buch schilderte sie ihre Deutschlandeindrücke und begeisterte sich für die romantische deutsche Literatur, insbesondere für deren Enthusiasmus und Ernsthaftigkeit. Sie resümierte, dass in Deutschland trotz politischer Ohnmacht und überholter gesellschaftlicher Verhältnisse eine moderne Literatur geschaffen wurde, während Frankreich in seiner Nachahmung der Klassik erstarrte. Das Buch erschien einige Jahre später in Frankreich und begeisterte viele junge Leute durch das märchenhafte Bild Deutschlands.“[3]

Athenaeum

„Athenaeum“ ist der Titel einer Zeitschrift, die von den Gebrüdern August Wilhelm und Friedrich Schlegel herausgegeben und in Berlin gedruckt wurde. Zwischen 1798 und 1800 erschienen insgesamt sechs Hefte. Es bildete das zentrale literarische Organ der Frühromantik in Jena. Andere Beiträger waren Dorothea Schlegel, Caroline Schlegel, Novalis, August Ferdinand Bernhardi, Sophie Bernhardi, Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, August Ludwig Hülsen und Karl Gustav Brinckmann. Eine Fortsetzung war die von Friedrich Schlegel 1803 herausgegebene Zeitschrift „Europa“.

Zitate

  • „Wenn man das Nibelungenlied, das eine glorreiche Welt darstellt, große Menschen mit einer vaterländischen, männlichen Gesinnung, wenn man ein solches Werk zum ‚Hauptbuch bey der Erziehung der deutschen Jugend‘ macht, dann wird es auch gelingen, kraftvolle Männer zu erziehen und die Einheit des Reiches wieder herzustellen.“

Ehrungen

  • 1808: korrespondierendes Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
  • 1813: Erneuerung des alten Familienadels
  • 1818: korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen[38]
  • 1822: auswärtiges Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften
  • 1824: Ehrenmitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften in Sankt Petersburg
  • 1831: Ehrenmitglied der Preußischen Akademie der Künste
  • 1843: auswärtiges Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
  • Straßen in Deutschland wurden nach ihm benannt, u. a. in Bonn und Lünen an der Lippe.
  • Seit 1965 verleiht die Society of Authors den Schlegel-Tieck Prize für deutsch-englische Übersetzungen.

Schriften (Auswahl)

  • Ueber dramatische Kunst und Litteratur (PDF-Dateien: Band 1, Band 2, Band 3)
  • Indische Bibliothek (PDF-Dateien: Band 1, Band 2)
  • Vorlesungen über schöne Litteratur und Kunst (PDF-Dateien: [Band 1?], Band 2, Band 3)
  • Poetische Werke (PDF-Dateien: Band 1, Band 2)
  • Blumensträusse italiänischer, spanischer und portugiesischer Poesie (PDF-Datei)
  • Berichtigung einiger Missdeutungen (PDF-Datei)
  • ION, ein Schauspiel (PDF-Datei)
  • Briefwechsel mit seinen Heidelberger Verlegern (PDF-Datei)

Siehe auch

Literatur

  • „August Wilhelm und Friedrich Schlegel.“ In Auswahl hrsg. von Oskar F. Walzel (1897) (PDF-Datei)
  • Rudolf Schwill: „August Wilhelm Schlegel über das Theater der Franzosen“ (1898) (PDF-Datei)
  • Karl Alt: „Schiller und die Brüder Schlegel“ (1904) (PDF-Datei)
  • Ernst Behler: Die Zeitschriften der Brüder Schlegel. Ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Romantik, Darmstadt 1983

Verweise

Fußnoten

  1. Franz Muncker: Schlegel, August Wilhelm von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 31, Duncker & Humblot, Leipzig 1890, S. 354–368
  2. Dreihundert Bildnisse und Lebensabrisse berühmter deutscher Männer“ von Ludwig Bechstein, Karl Theodor Gaedertz, Hugo Bürkner, Leipzig am Sedantage 1890, 5. Auflage (PDF-Datei) Für Nicht-USA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  3. Deutsche Romantik von Michael Lausberg, 5. Juli 2016