Torresani, Carl

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Carl Baron Torresani (Lebensrune.png 19. April 1846 in Mailand; Todesrune.png 1907) war ein deutscher Offizier und Schriftsteller aus Österreich italienischer Herkunft.

Quelle
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Carl Baron Torresani.jpg

Es ist etwa zwanzig Jahre sind es her, seit er sein erstes Buch schrieb. Viele Novellen und umfangreiche Romane haben ihn unterdessen sehr bekannt gemacht. Er war erst einundsechzig Jahre alt, als er starb; war 1846 zu Mailand geboren worden, hatte in der Neustädter Akademie seine militärische Erziehung erhalten, als Leutnant unsere Feldzüge in Oberitalien mitgemacht, dann als Rittmeister den Abschied genommen und hatte von da an ein ziemlich unruhiges Leben geführt. Seit etwa zwanzig Jahren schrieb er Bücher.

Man könnte nun sagen: Er war ein begabter Unterhaltungsschriftsteller, ein flotter Geschichtenerzähler, temperamentvoll und amüsant. Man könnte alle diese literarischen Nekrologworte niederschreiben, könnte hervorheben, daß er freilich keine große Kunstform besaß, daß er aber andererseits als ein Sittenschilderer des österreichischen Adels einen gewissen kulturhistorischen Wert beanspruchen darf.

Aber man würde damit auf eine sehr papierne Weise einen sehr lebendigen Mann in seinem Wesen und in seinem Typus verfehlen. Karl Baron Torresani von Lanzenfeld, Italiener von Geburt, Österreicher von Gemüt, Rittmeister a. D., Lebenskünstler und Dilettant, Dichter und Globetrotter, Nachdenker und Fabulierer, und im ganzen ein überschäumender, brausender, stolzer und seitener Mensch. Sorglos in der Arbeit, manchmal stümpernd, manchmal mit Meistergriffen Gestalten und Empfindungen formend, kindlich naiv und männlich weise, in alltäglichen Witzen sprühend, dann wieder leuchtend in der Innigkeit einer zarten Lyrik: eine Art österreichischer Detlev v. Liliencron. Wie dieser immer noch von Säbelrasseln und Waffenklirren umgeben, wie dieser voll einer ehrlichen inneren Freude am Soldatenwesen, wie dieser noch manchmal getrieben, in ein unbändig jauchzendes Hurrarufen auszubrechen. Und wie Liliencron durch und durch schwarz-weiß, preussisch, so Torresani durch und durch schwarz-gelb, österreichisch.

Ich erinnere mich noch, wie ich vor zirka zwanzig Jahren seine „Schwarzgelben Reitergeschichten“ las. Als ganz junger Mensch, radikal, wie man in diesem schönen Alter ist, mißtrauisch und geistig hochmütig gegen alles, was so die „Reiter“ sind, die Soldaten, die Offiziere, na, überhaupt. . . Diese Reitergeschichten las ich widerstrebend und hochmütig. Künstlerisch belangreich kamen sie mir nicht vor, waren auch nirgends tiefsinnig, waren ganz und gar nicht, was man in der Literatur „komponiert“ oder „gearbeitet“ nennt. Aber da war ein heißer Jugendatem in ihnen, ein wehender Hauch von Tapferkeit, frohem Ungestüm, von Leichtigkeit des Daseins, von körperlicher Frische, daß meine Jugend davon ergriffen und angesengt wurde. Da war dann aber — bei näherem Zusehen — auch noch eine Plastik der menschlichen Figuren, eine greifbare Deutlichkeit, ein hörbarer Herzschlag, daß man alles, was geschah, unwillkürlich miterlebte. Diese Geschichten wirkten, als wenn mit lauter, zwingender Stimme irgendein reichbegabter Mensch sie eines Abends im Zimmer erzählen würde, ein Mensch, der ein Schauspieler ist, und ein Weltmann, und ein Temperament, und ein Charmeur, und — in erhöhten Sekunden — ein Dichter. Sie hatten das Beiläufige, Gelegentliche, das Improvisierte, aber auch das feurig Eindringliche und Vollendete solcher aus dem Stegreif in Gesellschaft zum besten gegebener Anekdoten.

Der Reiz des Beiläufigen und Gelegentlichen fand sich dann auch in Torresanis folgenden Büchern. Er war sehr fleißig. Es kam der große Doppelroman „Mit tausend Masten“ — „Auf gerettetem Kahn“, es kam „Die Juckerkomteß“. Aber da waren noch andere Dinge in Torresani aufgeblüht. Eine sprühende Farbigkeit, eine quellende, unerschöpfliche Phantasie, die allem, was er hervorbrachte, etwas Müheloses, leicht Hingeworfenes gab, ein Reichtum an Menschen, in dem es von zahllosen Gestalten nur so wimmelte. Da war in dem breiten Fluß seiner Handlungen eine reissende Strömung, ein sausendes Gefälle, ein Tempo, das uns im Schwung gefangen und mit sich fortnahm. Und es war eine beschreibende Kraft da, die es vermochte, Naturszenen, Städte, Schlösser, Säle in unvergeßlichen Stimmungen vor uns hinzustellen. Jetzt, nach zwanzig Jahren, nachdem so viele andere Eindrücke auf mich eingewirkt haben, in dem Augenblick, in dem ich von Torresanis jähem Tod höre, seine Bücher nicht zur Hand habe, erinnere ich mich des Baumes, der in der „Juckerkomteß“ gefällt wird, dann der duftenden Waldszene am Uhustand. Ich erinnere mich des kleinen Theresianisten im ersten Teil des Doppelromans, an den armen Onkel, der der Reihe nach auf allen Schlössern seiner Verwandten Logierbesuche absolviert, an komische und wilde Offiziersgestalten, an liebliche und merkwürdige Frauen, wie an wirkliche Existenzen. Und diese scharfe Einprägsamkeit ist wohl eine Probe auf die Persönlichkeit eines Erzählers.

Ich meine, es kommt jetzt wenig, es kommt überhaupt gar nicht drauf an, zu untersuchen, ob der Baron Torresani ein Dichter gewesen ist, wie viel er als Dichter war, wie viel Karat seine Kunst besaß und wert ist. Er ist — unter anderem — auch ein Dichter gewesen, und ein Künstler, er war aber darüber hinaus eine wunderbare menschliche Erscheinung, einer von jenen Menschen, die infolge ihrer Zusammensetzung aus den Extraktivstoffen eines Landes dazu bestimmt sind, die ganze Art des Landes aufklärend zu beleuchten, glänzend zu repräsentieren. Man trifft im Leben manchmal solche Menschen, und sie wirken wie die Offenbarung des tiefsten Wesens eines Volkes. Es ist ein Zufall, daß Torresani auch geschrieben hat, es ist vielleicht gar nicht sein Beruf gewesen, aber es ist unschätzbar, daß er seine Persönlichkeit in solchen haltbaren und durchsichtigen Gefäßen auffing, wie Bücher es sind. So haben wir eine Gestalt gewonnen, an der sich vieles aufzeigen ließe, was den Österreicher ausmacht und den österreichischen Offizier. In ihm lebte jene träumerische, verfeinerte Lyrik, die unsere besten Aristokraten manchmal haben, jene geistige Regsamkeit, die voll Talent ist und voll Bescheidenheit, und die man bei unseren Offizieren so oft findet. (Saar und Leopold v. Hörmann haben als Offiziere begonnen.) Und jenes Kunstgefühl, jene unwillkürliche Kultiviertheit, die dem Österreicher im Blut sitzt; in diesem italienisch-deutsch-slawisch gemengten, heißen Blut.

Quelle: in: „Gestalten und Erscheinungen“ Von Felix Salten, Berlin 1913, S. 64ff. (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!


Werke (Auswahl)

  • Schwarzgelbe Reitergeschichten
  • Aus der schönen wilden Lieutenants-Zeit
  • Mit tausend Masten
  • Steyerische Schlösser: Roman in 3 Büchern
  • Die Juckercomtesse
  • Der beschleunigte Fall. Roman.
  • Oberlicht. Die Geschichte eines Ehebruchs
  • Aus drei Weltstädten
  • Weiße Mauern
  • Auf gerettetem Kahn

Literatur

  • „Säbel und Feder. Zum sechzigsten Geburtstag Carl Baron Torresanis“, Dresden 1906 (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Einführung in sein Werk in: „Richard Maria Werner: Vollendete und Ringende - Dichter und Dichtungen der Neuzeit“, S. 147ff. (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Johann Heinrich Blumenthal: „Carl Freiherr Torresani. Sein Leben und Werk“, Wien, Bergland-Verlag 1957

Fußnoten

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