Heiliger Hain

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„Heiliger Hain“ von Arnold Böcklin

Heilige Haine waren besondere, mystische Orte in Germanien. Sie dienten den Urgermanen und Germanen als Gebets-, Opfer- und Weihestätten zu Ehren der Götter. Der ganze Hain galt als göttlich, als Heiligtum, ein Forst des Heiles. In der Antike, in Griechenland und Rom, sind diese geheiligten Wälder ebenfalls belegt.

Hain (Meyers Großes Konversations-Lexikon)

Hain, gehegtes Gehölz mäßigen Umfanges; heiliger H. (lat. lucus, auch nemus), ein dem religiösen Kult geweihtes Gehölz, wie sie fast in allen alten Religionskulten vorkommen und sich dem uralten Baumkultus (s. d.) anschließen. Schon Abraham baute dem Jehova einen Altar in dem Eichenhain Mamre bei Hebron; die Propheten aber rügen wiederholt den Götzendienst in Hainen, da das mosaische Gesetz den Jehovadienst ausschließlich in die Stiftshütte und später in den Tempel wies. Bei Griechen und Römern schuf man um die Tempel der Götter eingezäunte Haine durch Anpflanzungen von nicht fruchttragenden Bäumen. Entweihung und Beschädigung wurden mit schweren Strafen geahndet. Der nicht umfriedigte Raum war der Benutzung nicht entzogen, konnte daher auch mit fruchttragenden Bäumen bepflanzt sein; nur kam deren Ertrag dem Heiligtum zugute und wurde für Bedürfnisse des Kultus verwendet (so der der Feigenbäume der Athene). Die berühmtesten heiligen Haine der Griechen waren die Altis zu Olympia, der Eumenidenhain bei dem attischen Demos Kolonos, der H. der Artemis zu Ephesos,[631] in Italien der H. der Diana und Egeria am Nemisee, der der Furien bei Rom, der Musenhain in Latium; aber auch in Rom selbst gab es mehrere heilige Haine, z. B. am Aventinus. Wälder und Haine im allgemeinen waren bei den Römern der Obhut des Silvanus (s. d.) anvertraut. Ähnlich tritt die Verehrung heiliger Bäume und Haine bei den übrigen Völkern Europas, namentlich auch bei den alten Germanen und Kelten, auf; zahlreiche Konzilbeschlüsse bemühten sich, sie auszurotten. Dieser heiligen Haine gedenken schon Tacitus und Lucanus, der (»Pharsalia«, III, 399 bis 425) die Schilderung eines solchen gab. Arminius ordnete seine Scharen in einem solchen H., und auch Civilis versammelte dort seine Bataver zu Schmaus und Beratung. Wer in einen heiligen H. floh oder den Schatten eines heiligen Baumes erreichte, war der Strafe entronnen. Bei der Ausbreitung des Christentums wurden oft an der Stätte derartiger heiliger Bäume christliche Kultusstätten errichtet, wie es namentlich noch in Süddeutschland in den an den Marienkult sich knüpfenden Legenden hervortritt. Vgl. Schwartz, Indogermanischer Volksglaube (Berl. 1885); Peez, Haine und Heiligtümer (Wien 1899), und Literatur bei »Baumkultus«. – H. ist auch Bezeichnung der den Logen der Freimaurer entsprechenden Vereinigungen des Druidenordens.[1]

Germanen

Sowohl Wälder und Haine als auch einzelne Bäume genossen bei allen germanischen Stämmen heilige Verehrung. Ursprünglich mögen beide, vor allem die Wälder, als Wohnsitze der Seelen aufgefaßt worden sein. Wie aus Tacitus' Bericht zu erfahren ist, hielten es die Germanen nicht für angemessen, die Götter in Wände einzuschließen. Sie weihten ihnen Lichtungen und Haine (Germ 9), die Tacitus mit „Heilige Haine“ wiedergibt. So wurden auch die Oraklepferde in diesen Hainen gehalten (Germ 9). Im so genannten Semnonenhain verehrte der Stamm der Semnonen seinen höchsten Gott (Germ 30) und der Nerthus war ein ganzer Wald geweiht (Germ 40); die Cherusker hatten ihre Altäre auf Waldlichtungen errichtet ( Ann I,61) Fast alle Wörter für Tempel in den germanische Dialekten waren synonym zu „Hain, Wald“.

„[...] Könige wählen sie nach Maßgabe des Adels, Heerführer nach der Tapferkeit. Selbst die Könige haben keine unbeschränkte oder freie Herrschergewalt, und die Heerführer erreichen mehr durch ihr Beispiel als durch Befehle: sie werden bewundert, wenn sie stets zur Stelle sind, wenn sie sich auszeichnen, wenn sie in vorderster Linie kämpfen. Übrigens ist es nur den Priestern erlaubt, jemanden hinzurichten, zu fesseln oder auch nur zu schlagen, und sie handeln nicht, um zu strafen oder auf Befehl des Heerführers, sondern gewissermaßen auf Geheiß der Gottheit, die, wie man glaubt, den Kämpfenden zur Seite steht. Deshalb nehmen die Germanen auch gewisse Bilder und Zeichen, die sie aus den heiligen Hainen holen, mit in die Schlacht. Besonders spornt sie zur Tapferkeit an, daß nicht Zufall und willkürliche Zusammenrottung, sondern Sippen und Geschlechter die Reiterhaufen oder die Schlachtkeile bilden. Und ganz in der Nähe haben sie ihre Lieben; von dorther können sie das Schreien der Frauen, von dorther das Wimmern der Kinder vernehmen. Ihr Zeugnis ist jedem das heiligste, ihr Lob das höchste: zur Mutter, zur Gattin kommen sie mit ihren Wunden, und jene zählen oder prüfen ohne Scheu die Stiche; auch bringen sie den Kämpfenden Speise und Zuspruch. [...] Im übrigen glauben die Germanen, daß es der Hoheit der Himmlischen nicht gemäß sei, Götter in Wände einzuschließen oder irgendwie der menschlichen Gestalt nachzubilden. Sie weihen ihnen Lichtungen und Haine, und mit göttlichen Namen benennen sie jenes geheimnisvolle Wesen, das sie nur in frommer Verehrung erblicken. [...] Als die ältesten und vornehmsten Sueben betrachten sich die Semnonen. Den Glauben an ihr hohes Alter bestätigt ein religiöser Brauch. Zu bestimmter Zeit treffen sich sämtliche Stämme desselben Geblüts, durch Abgesandte vertreten, in einem Haine, der durch die von den Vätern geschauten Vorzeichen und durch uralte Scheu geheiligt ist. [...] Dagegen macht die Langobarden die geringe Zahl berühmt: inmitten zahlreicher, sehr starker Stämme sind sie nicht durch Gefügigkeit, sondern durch Kampf und Wagemut geschützt. Dann folgen die Reudigner, Avionen, Angher, Variner, Eudosen, Suardonen und Nuitonen; ihnen allen gewähren Flüsse oder Wälder Sicherheit. Im einzelnen haben sie nichts Bemerkenswertes, insgesamt aber verehren sie Nerthus, das heißt die Mutter Erde, und glauben, die Göttin nehme teil am Treiben der Menschen, sie fahre bei den Stämmen umher. Es gibt auf einer Insel des Weltmeeres einen heiligen Hain, und dort steht ein geweihter Wagen, mit Tüchern bedeckt; einzig der Priester darf ihn berühren. Er bemerkt das Eintreffen der Göttin im Allerheiligsten; er geleitet sie in tiefer Ehrfurcht, wenn sie auf ihrem mit Kühen bespannten Wagen dahinfährt. [...]“ — in: Germania

Die Verehrung geheiligter Waldungen hatte war auch von taktischer oder schützender Natur, so ordnete Arminius seine Heerschar im Vorfeld der Hermannschlacht in einem Hain, und in einem solchen versammelte auch Civilis seine Bataver zu Schmaus und Beratung. Wer als Verfolgter in einen heiligen Hain fliehen konnte (oder den Schatten eines heiligen Baums erreichte), war unverletzlich. Auch die Berserker verweilten im Hain während ihrer Verwandlung in Vorbereitung auf die bevorstehende Schlacht.

Baumkult

Neben dem Waldkult hatten die Germanen auch einen tiefgewurzelten Baumkult. Von Agathias an, der im 6. Jahrhundert den Baumkult bei den Alemannen, und Gregor von Tours, der ihn bei den Franken bezeugt, haben sich zahlreiche Zeugnisse über den Baumkult vor allem in den Verboten altheidnischer Sitte der Geistlichen und weltlicher Fürsten erhalten. Unter den Bäumen galt vornehmlich die Esche als heilig (vgl. Yggdrasil), sodann die Linde, Ulme, Eiche, aber auch Tanne.

Im Glauben an die Baumseele wurzelt auch in der Germanischen Mythologie das Motiv der Edda. Danach wurden die ersten Menschen aus den Bäumen askr (Esche) und embla (Ulme?, vgl. ahd. elmboum) geschaffen, in dem die Asen Wodan, Hönir und Lodur ihnen Atem, Blut und menschliche Gestalt gaben (Völuspa 18).

Auch die Pfahlgötter Nordeuropas und der deutsche Weihnachtsbaum beruhen auf den Baumkult unserer germanischen Ahnen.

Nordgermanien heute

Auf die weite Verbreitung des Heiligen Hains im Kult geben die skandinavischen Ortsnamen Hinweis. So lassen sich z. B. in Schweden eine Reihe von Ortsnamen finden wie Fröslunda, Nörlunda, Ullund, Tislund, Onslund, wobei Torslunda auch in Dänemark vorkommt. In Norwegen fehlt diese Art von Ortsnamen fast völlig (Forsetlund und evtl. Nalum sind Ausnahmen), was jedoch mit der geringen Bewaldung Norwegens zusammenhängen mag.

Naturschutzgebiet „Heiliger Hain“

Bei Betzhorn in der Gemeinde Wahrenholz im Norden des Landkreises Gifhorn in Niedersachsen befindet sich ein 56,16 Hektar großes Naturschutzgebiet, das seit 1913 (mit ursprünglicher Kulturlandschaft der Lüneburger Heide) nach dem Landschaftsgemälde des Malers Arnold Böcklin „Heiliger Hain“ genannt wurde.

Der Heilige Hain ist eines der größten Heidegebiete im Landkreis Gifhorn. Es befindet sich auf dem Hang des Könnschiersberges, einem Grundmoränenhang auf 80 m über NN, und zieht sich zur Niederung des Oerrelbaches hinunter. Das Gebiet ist von zahlreichen Wanderwegen durchzogen. Es weist eine typische Heidelandschaft auf, die sich in trockenere und feuchtere Zonen gliedert. Entsprechend ist der Bewuchs unterschiedlich, aber in den Pflanzengesellschaften typisch für einen Ausläufer der Lüneburger Heide. Auf der trockenen Sandheide finden sich neben den typischen Heidepflanzen wie Besenheide und Wacholder beispielsweise Glockenheide und verschiedene Ginster. Feuchte Moorheide ist ebenfalls vorhanden. Es gibt auch einen kleinen Wald aus Kiefern, Fichten, Eichen und Birken in urigen Wuchsformen.

Die Tierwelt ist mit Kreuzottern, Blindschleichen, Zaun- und Waldeidechse sowie zahlreichen Insekten wie Sandbienen und Schmetterlingen vertreten. Im Norden des Gebietes liegt ein Gedenkstein, der an den Heidedichter Hermann Löns erinnert. Er wohnte 1912 zwei Monate im nahen Wahrenholz. Als einziges Gebäude im Naturschutzgebiet gibt es einen historischen Schafstall. 48,15 ha des Gebiets liegen im FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) Rüssenbergheide - Külsenmoor, Heiliger Hain.

Zitat

  • „Der heilige Hain ist ein heilender und göttlicher Wald, ein spiritueller Ort, ein Tempel der Natur, ein Hort zauberkräftiger Pflanzen und Tiere. Der heilige Hain war der Tempel der heidnischen Germanen. Dort fanden Rituale, Orakel und Zauberei statt. Es war ein Ort der Naturverehrung, ein Ort für Heilungszeremonien, für Meditation und Innenschau. Doch in erster Linie ist er ein Bewußtseinszustand.“ — Dr. phil. Christian Rätsch

Siehe auch

Literatur

  • Christian Rätsch: Der heilige Hain – Germanische Zauberpflanzen, heilige Bäume und schamanische Rituale, AT Verlag (5. Auflage; 2005), ISBN 978-3038002048
  • R.Simek, Lexikon der germanischen Mythologie (2006); S. 175-178. Kröner Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-520-36803-X.

Verweise

Fußnoten