Gefecht am Waterberg

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Zeitgenössische Darstellung des Scharmützels

Als Gefecht am Waterberg werden zusammenfassend einzelne Scharmützel in Deutsch-Südwest während des Hottentottenkrieges bezeichnet, die am Waterberg am 11. August 1904 ihren Höhepunkt fanden.

Inhaltsverzeichnis

Kontrahenten

Nach Übernahme des Kommandos hatte Befehlshaber Lothar von Trotha bis Juni 1904 ein Gefangenenlager aufbauen lassen, in das die entwaffneten Marodeure eingeliefert werden sollten. Anfang August 1904 rückten Schutztruppen vor gegen Herero-Gruppen unter Führung von Samuel Maharero, die sich nach vorangegangenen Kämpfen mit Familie und Vieh auf Weideland südöstlich des Waterberges gesammelt hatten. Dies waren allerdings nur Teile, nicht das ganze Volk. Hauptquelle zum Kampfgeschehen ist bis heute die Berichtsammlung des deutschen Generalstabs in Berlin aus dem Jahr 1906.

Kräfteverhältnis und Ausrüstung

Die eingesetzten deutschen Truppen umfaßten 2.000 Soldaten mit 1.625 Gewehren, 14 MG und 30 Geschützen, eingesetzt in sieben selbständigen Einheiten plus Kommandeursstab und Troß. Auf der Gegenseite standen etwa 12- bis 30.000 Herero, unter denen Leutwein etwa 10.000 Kämpfer vermutete. Realistisch sind 5- bis 8.000, davon 4.000 mit modernen Gewehren. Beide Parteien verfügten über Kavallerie.

Deutsche Nachrichtenmittel wie Morsefunk waren für die Kampfeinheiten nicht relevant, und die Blinksignale der Beobachter auf dem Waterberg konnten die besseren Geländekenntnisse der Herero kaum ausgleichen. An Zahl der Soldaten und Gewehre gleicher Qualität waren die Schwarzen doppelt überlegen. Die wenigen deutschen Maxim MG-01 mit vergleichsweise geringer Kadenz (550/Min.) sowie kleinkalibrigen Gebirgshaubitzen konnten wegen schwerfälligen Transports und Unübersichtlichkeit des gebirgigen Buschgeländes nicht überall zur Entfaltung kommen gegen einen gedeckten und wendig operierenden Gegner, der stets seinen Geländevorteil nutzte. Die deutschen Soldaten waren entweder unausgebildete Reservisten und Milizionäre der Kolonialsiedler oder Verstärkung aus Deutschland, die das Land und sein extremes Klima nicht gewohnt waren.

Schlachtplan

Vier deutsche Frontflügel sollten ab dem 11. August die Herero an den wichtigen Wasserstellen bei Hamakari am Waterberg einkreisen, entwaffnen und festnehmen. Die stärksten deutschen Kräfte sollten aus Westen und Südosten wirken, wobei schwächere Kräfte auf dem blockierenden Höhenzug nördlich und nordöstlich Flankenschutz und Beobachtung lieferten. Zwei Einheiten waren der massive Stoß aus Westen mit 40 % der Gewehre. Drei Einheiten waren der wendigere Stoß aus Südosten mit 32 % der Gewehre, aber zusätzlichen 8 MG zu den jeweils 8 Geschützen für beide Flügel. Kommandeur Lothar von Trothas Konzentration seiner eigenen Kräfte in Südosten hatte vor allem das Ziel, einen Ausbruch des Gegners über den „Streitwolfschen Weg“ von Waterberg nach Okakarara zu verhindern.

Gefechtsverlauf

Unsere Helden vom Waterberg
(Nach dem Lied „Lieb Vaterland magst ruhig sein“)

Aus allen Richtungen anrückend, konnten die Schutztruppen per Nordflügel, unterstützt durch Ludwig von Estorff aus Nordosten, den Waterberg besetzen und Beobachtungssignale geben. Auch der Stoß aus Westen drängte die Herero von ihrer Stellung am Wasser- und Weideplatz weg. Doch der stärkste deutsche Frontflügel wurde zerstreut. Eine der drei Gruppen verirrte sich schon beim nächtlichen Anmarsch im unübersichtlichen Gelände und verlor den Anschluß an die Truppe. Die geschwächten beiden anderen Gruppen wurden, in heftige Kämpfe ohne operative Wirkung verwickelt und umzingelt, bis die Munition kaum noch zur Selbstverteidigung reichte.

Gefechtsergebnis

Die Schwachstelle ausnutzend gelang den Herero bis in den nächsten Tag mit Familien und großen Teilen ihres Viehs die Flucht nach Südosten über den bewußten Streitwolfweg und trockene Flußläufe. Mit 28 Toten und 60 Verletzten hatte die deutsche Truppe 4,4 % ihrer Sollstärke verloren und fast 10 % ihrer Kampfstärke. Durch die erfolgreiche Flucht des Gegners wurde das Operationsziel in keinem Punkt erreicht und wenig mehr gewonnen als zurückgelassene alte und kranke Herero sowie Reste einer Rinderherde.

Verfolgung

Die bis zum 14. August verfolgenden deutschen Truppen verloren einige weitere Soldaten und Tragtiere durch Wasserstellen, welche die Herero bei ihrem Rückzug durch Tierkadaver vergiftet hatten. Ihr Zug durch die Omaheke auf englisch kontrolliertes Gebiet schien einem wohlerwogenen Plan zu folgen. Die Strecke war gangbar und schon früher von Herero genutzt worden. Viele kleine Gruppen folgten getrennt einem gemeinsamen Weg, wobei stets kampfbereite Nachhuten die verfolgenden deutschen Truppen auf Distanz hielten, auch durch Anzünden von Grasfeuern. Diese wirksame Herero-Taktik verhinderte zwar die Festnahme durch deutsche Truppen, verlegte ihnen aber auch selbst den Rückweg, an dem sie offenbar kein Interesse hatten.

Nach dem Gefecht am Waterberg wollte von Trotha die Südost-Grenze der Omaheke abriegeln und keinen Herero mehr zurücklassen. Mit Schreckschüssen sollten sie wieder Richtung Wüste gescheucht werden. Der häufig angeprangerte „Schießbefehl“ v. Trothas vom 2. September war eine öffentliche Proklamation mit nichtöffentlichem abschwächendem Zusatz für die Soldaten, womit auf ungeschickte Weise Einschüchterung zur Befriedung der Unruhen dienen sollte.

Wüstenschicksal

Abgesehen davon, daß sich mit seinen wenigen Soldaten ein so großer Raum nicht sperren ließ, wurde die Sperre am 12. Dezember durch Anordnung der Reichsregierung aufgehoben. Trotha meldete entsprechend am 10. März 1905, noch insgesamt 4.093 Herero am Wüstenrand aufgegriffen zu haben. Deren Zusammensetzung und 166 Todesfälle aus Entkräftung vor Einlieferung in die Gefangenschaft zeigen, daß diese Zurückgelassenen für einen weiteren Weg in die Wüste nicht infrage gekommen wären. Als nach Beginn der Regenzeit deutsche Patrouillen dem Fluchtweg der übrigen folgend bis zur Grenze des britischen Betschuanalandes vorstießen, fanden sie tatsächlich eine Anzahl mit ihrem Vieh in der Wüste umgekommen. Zwar hatten Tausende Herero entweder die Flucht aufgegeben oder wie Maharero auf seinem Reitochsen Betschuanaland erreicht, doch da unklar bleibt, wieviele Herero in die Wüste zogen und wieviele in der britischen Kolonie ankamen, stehen alle Zahlenangaben auf unsicherem Schätzgrund.

Nachdem Stämme des Hererovolkes unter Maharero die einzigen gewalttätigen Aufrührer im Siedlungsgebiet geblieben waren, lag der deutschen Schutztruppe vor allem an deren Verhaftung. Die Gefechte waren jedoch ein militärischer Mißerfolg, den die Herero zum Rückzug auf britisch besetztes Kolonialgebiet nutzten, von wo sie Waffen und Munition erhalten hatten und ihnen auch Asyl versprochen wurde.

Literatur

Verweise

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