Zarizyn
heutiges Wappen der Stadt
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| Staat: | Russland |
|---|---|
| Oblast: | Wolgograd |
| Einwohner: | 1.018.898 |
| Bevölkerungsdichte: | 1.803 Ew. p. km² |
| Fläche: | 565 km² |
| Höhe: | 80 m |
| Postleitzahl: | 400000–400138 |
| Telefon-Vorwahl: | (+7) 8442 |
| Kfz-Kennzeichen: | 34, 134 |
| Koordinaten: | ♁48° 42′ N, 44° 29′ O |
| Bürgermeister: | Vladimir Martschenko |
Zarizyn ist eine russische Millionnenstadt und die frühere Bezeichnung für Stalingrad und später Wolgograd. Bekannt wurde der Ort durch eine bedeutende Schlacht des Zweiten Weltkrieges im Rußlandfeldzug als „Schlacht um Stalingrad“. Des Weiteren ist die Stadt bekannt für die Schalcht um Zarizyn während des russischen Bürgerkrieges. Nach dem Bürgerkrieg wurde die Stadt am 10. April 1925 nach den Massenmörder Josef Stalin, dem befehlsführenden Politkommissar der Verteidiger von Juni bis Oktober 1918, in Stalingrad umbenannt.
Seit 1961 heißt die Stadt offizell Wolgograd.
Heute hat die Stadt an der Wolga 1.018.898 Einwohnern (Stand 2024).
Geschichte
Etymologie und Gründung
Der Name Zarizyn (russ. Царицын) leitet sich nicht vom russischen Wort für „Zar“ ab, sondern vom tatarischen „Sary Su“ oder „Zaritsa“ – dem Namen eines kleinen Nebenflusses der Wolga. Die Festung wurde 1589 vom Russischen Zarenreich als Grenzbefestigung gegen nomadische Überfälle der Tataren, Kalmücken und Nogai gegründet. Sie diente der Sicherung der Wolga-Handelsroute und der südlichen Reichsgrenzen. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich Zarizyn zu einer wichtigen Handels- und Garnisonsstadt. Im 18. und 19. Jahrhundert wuchs sie durch deutsche Kolonisten (Wolga-Deutsche), die in der Umgebung siedelten, sowie durch die Anbindung an das Eisenbahnnetz.
Russischer Bürgerkrieg – Die erste „Schlacht um Zarizyn“ (1918–1919)
Während des Russischen Bürgerkriegs wurde Zarizyn zum strategisch entscheidenden Knotenpunkt. Die Stadt kontrollierte die Wolga-Transportroute für Getreide aus dem Süden in die hungernden Industriegebiete des Nordens. Im Sommer 1918 entsandte Lenin den Volkskommissar Josef Stalin als Bevollmächtigten für die Lebensmittelbeschaffung in den Süden. Stalin übernahm faktisch die militärische Führung und organisierte die Verteidigung gegen die zarentreuen Don-Kosaken unter Ataman Krasnow und weiße Truppen. Mit eiserner Hand und verbrecherischer Methoden – inklusive standrechtlicher Erschießungen, Säuberungen von „konterrevolutionären Elementen“ und Konflikten mit dem offiziellen Oberkommando unter Trotzki – hielt er die Stadt. Stalins Rolle wurde später massiv heroisiert, um seinen Aufstieg zur Macht zu legitimieren. Tatsächlich handelte es sich um brutale Stellungskämpfe mit hohem Blutzoll auf beiden Seiten. Die Verteidigung Zarizyns trug wesentlich dazu bei, dass die Bolschewiki den Süden Russlands nicht vollständig verloren.
Umbenennung in Stalingrad (1925)
Am 10. April 1925 wurde die Stadt für den Personenkult um Stalins in Stalingrad umbenannt. Dies geschah auf dem Höhepunkt der innerparteilichen Machtkämpfe, in denen Stalin seine Rolle im Bürgerkrieg systematisch aufbaute und teils überhöhte.
Schlacht um Stalingrad (1942–1943)
Die Stadt erlangte weltweite Berühmtheit durch die Schlacht um Stalingrad, eine der blutigsten und entscheidendsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs. Die deutsche 6. Armee unter General Paulus und verbündete Truppen versuchten, die Wolga-Stadt zu erobern, um die sowjetische Ölversorgung aus dem Kaukasus zu unterbrechen. Die Schlacht dauerte vom 17. Juli 1942 bis zum 2. Februar 1943. Sie endete mit der Einkesselung und Kapitulation der 6. Armee. Die Verluste waren enorm: Schätzungen gehen von über einer Million Toten auf beiden Seiten aus. Die sowjetische Propaganda machte Stalingrad zum Symbol des „Großen Vaterländischen Krieges“. Aus kritischer Sicht war die Schlacht ein tragisches Gemetzel, das durch Stalins starre „Keinen Schritt zurück“-Befehle (Befehl Nr. 227) und die rücksichtslose Opferung von Soldaten und Zivilisten geprägt war. Die Stadt wurde fast vollständig zerstört.
Umbenennung in Wolgograd (1961)
Nach Stalins Tod und der Entstalinisierung unter Chruschtschow wurde die Stadt 1961 in Wolgograd umbenannt. Dies war Teil der systematischen Tilgung des Stalin-Kults. Dennoch behielt die Stadt ihre symbolische und propagandistische Bedeutung. In Russland wird der Name Stalingrad bis heute an Gedenktagen zum Jahrestag des Sieges offiziell verwendet.
