Faust (Goethe)

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Goethes Handschrift – Der Tragödie zweiter Teil, 5. Akt: Bergschluchten (Die Engel):

Gerettet ist das edle Glied
Der Geisterwelt vom Bösen,
Wer immer strebend sich bemüht,
Den können wir erlösen.
Und hat an ihm die Liebe gar
Von oben teilgenommen,
Begegnet ihm die selige Schar
Mit herzlichem Willkommen.

Faust ist ein dichterisches Werk von Johann Wolfgang von Goethe, das er als Bühnenstück verfaßte und das aus mehreren Teilen besteht. Faust gilt als das bedeutendste und meistzitierte Werk der deutschen Literatur.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Daraus gingen dann hervor:

Der Stoff lehnt sich an die Geschichte des deutschen Wissenschaftlers Johann Georg Faust an. Im Mittelpunkt der Tragödie steht das Leben Heinrich Fausts, der nach absoluter Erkenntnis um jeden Preis strebt. Er schließt mit dem Teufel (Mephisto) deshalb einen Pakt. Dieser will ihn jedoch mit einer Liebschaft zu Gretchen versuchen. Das Gretchen entlehnte Goethe ebenfalls einer historischen Gestalt, der Dienstmagd Susanna Margaretha Brandt. Gretchen ermordet ihr gemeinsames uneheliches Kind und befiehlt sich Gott. Somit hat der Teufel am Ende dennoch sein Spiel verloren.

Im zweiten Teil erwacht Faust, so daß die Geschehnisse des ersten Teiles wie ein Traum anmuten. Geschildert werden darin dessen seelische Nöte. Der Teil beschreibt auch einen geistigen Ausflug in die Antike.

Inhalt

Übersicht

Heinrich Faust, wie sein historisches Vorbild Johann Georg Faust (ca. 1480–1538), ein angesehener Forscher und Lehrer zu Beginn der Neuzeit, zieht eine selbstkritische Lebensbilanz und kommt zu einem doppelt niederschmetternden Fazit: Als Wissenschaftler fehle es ihm an tiefer Einsicht und brauchbaren Ergebnissen, und als Mensch sei er unfähig, das Leben in seiner Fülle zu genießen. Tief deprimiert und lebensmüde geworden, verspricht er dem Teufel (Mephisto) seine Seele, wenn es diesem gelingen sollte, Faust von seiner Unzufriedenheit und Ruhelosigkeit zu befreien. Mephisto schließt mit Faust einen Pakt in Form einer Wette, verwandelt ihn zurück in einen jungen Mann, nimmt ihn mit auf eine Reise durch die Welt und hilft ihm, die Liebschaft mit der jungen Margarete (Gretchen) einzufädeln. Als diese dann ein uneheliches Kind zur Welt bringt, tötet sie es, aus Verzweiflung halb wahnsinnig geworden, und wird verhaftet. Faust, der sie mit des Teufels Hilfe vor der Hinrichtung retten will und vergeblich versucht, sie zur Flucht zu überreden, muß sie schließlich ihrem Schicksal und der Gnade Gottes überlassen.

Der Teufelspakt, Stahlstich von Julius Nisle (um 1840)

Handlungsverlauf und Charaktere geben geübten Interpreten keine Rätsel auf: Ein nicht mehr junger Wissenschaftler ist beruflich und privat durch und durch unzufrieden. Als sich ihm eine Gelegenheit bietet, seiner verzweifelten Situation zu entkommen, nimmt er sie rücksichtslos wahr und verschreibt sich dem Teufel. Der Teufel (Mephisto), dem neben Zauberkräften auch Humor und Charme zu Gebote stehen, ist bestrebt, Faust vom rechten Weg abzubringen. Ein von Mephisto besorgter Zaubertrank bewirkt, daß Faust sich spontan in Gretchen, ein sehr junges und naives Mädchen, verliebt. Seine Liebe zu ihr erscheint zwar aufrichtig, dennoch richtet er das Mädchen zugrunde, indem er es verführt, schwängert und dann nicht vom Wahnsinn erretten kann.

Figuren

  • Dr. Heinrich Faust, ein Gelehrter
  • Mephistopheles (Mephisto), sein Teufel
  • Margarete, genannt Gretchen, ein junges Mädchen, Fausts Geliebte
  • Marthe Schwerdtlein, Gretchens Nachbarin
  • Wagner, Fausts Famulus (Studentische Hilfskraft)
  • Valentin, Gretchens Bruder
  • Hexe
  • Schüler
  • Lieschen, eine Bekannte Gretchens
  • Direktor, ein Theaterdirektor
  • Dichter
  • Lustige Person, ein Schauspieler
  • Raphael, Gabriel und Michael, drei Erzengel
  • Der Herr, Gott
  • Geist, Erdgeist

Außerdem: Chor der Engel, Chor der Weiber, Chor der Jünger, Spaziergänger aller Art, Bauern, Geister, Lustige Gesellen, Hexentiere, Böser Geist, Walpurgisnacht-Figuren, Stimme von oben, ein Pudel, Meerkatzen der Hexe.

Geflügelte Worte

Wegen seines großen Bekanntheitsgrades und der Bedeutung, die man dem Text und seinem Autor beimißt, und auch wegen der leichten Reproduzierbarkeit von Versen, ist Goethes Faust die Quelle zahlreicher geflügelter Worte, die bis heute oft zitiert werden, vielfach auch, ohne daß dem Zitierenden ihre Herkunft bewußt ist. Dabei entwickelten die Verse aus ihrem Textkontext herausgenommen teilweise eine andere als die ursprünglich intendierte Bedeutung. Ein Beispiel hierfür ist das Zitat „Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“, das im ursprünglichen Kontext des Osterfestes eindeutig auf den Zweifel an der märchenhaften christlichen Auferstehungsbotschaft bezogen ist,[1] als geflügeltes Wort aber meist allgemein als Bild für den Zweifel an einer Botschaft/Wahrheit auch außerhalb des religiösen Bereichs verstanden wird. Georg Büchmann[2] führt über fünfzig geflügelte Worte aus dem ersten Teil des „Faust“ an.

Einige Beispiele:

  • Der Worte sind genug gewechselt, laßt mich auch endlich Taten sehn! (214)
  • Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor! (358)
  • Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. (765) – Ausdruck des Zweifels an der christlichen Botschaft
  • Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein (940) – Betreten eines persönlichen Freiraumes, wo die gesellschaftlichen Sittlichkeitsvorschriften nicht durchgesetzt werden.
  • Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust! (1112) – Ausdruck eines inneren Interessenkonflikts
  • Das also war des Pudels Kern! (1323) – In der abgeleiteten Redensart steht „des Pudels Kern“ für einen wesentlichen Sachverhalt, der lange Zeit verborgen war und plötzlich aufgedeckt wird.
  • Nun sag, wie hast du’s mit der Religion? (Du bist ein herzlich guter Mann, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.) (3414) – Gretchenfrage; der Angesprochene wird mit einer direkten – ihm unangenehmen – Frage konfrontiert
  • Name ist Schall und Rauch (3457)

Literatur

  • Faust, eine Tragödie, Beide Teile in einem Bande (1862) (PDF-Datei)
  • Hans Lebede: Faust, der Tragödie erster Teil synoptisch (zusammengefaßt und gegenübergestellt), 1912 (PDF-Datei)
  • Goethes Faust (Teil 1), illustriert von Alexander Zick, 1887 (Netzbuch)
  • Erich Schmidt: Goethe’s Faust in ursprünglicher Gestalt (1894) (PDF-Datei)
  • Karl Justus Obenauer: Der faustische Mensch. Vierzehn Betrachtungen zum zweiten Teil von Goethes „Faust“, Jena 1922
  • Else Rost: Goethes Faust, eine Freimaurertragödie – Versuch einer Erklärung (1937) (PDF-Datei)

Verweise

Fußnoten

  1. Rüdiger Bernhardt: Faust Teil I, Königs Erläuterungen Band 21, Bange Verlag, Hollfeld, 10. Aufl., 2010, S. 102
  2. August Methusalem Georg Büchmann war ein deutscher Philologe aus Berlin. Büchmanns größtes Werk war die Sammlung und Herausgabe des deutschen Zitatenschatzes als „Geflügelte Worte“.
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