Hexe

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Zwei Hexen fliegen zum Blocksberg, Radierung von Francisco Jose de Goya aus den „Los Caprichos“, 1796/97

Eine Hexe (ahd. hagazussa „Zaunreiterin“; mhd. hecse, hesse) ist im alten Volksglauben eine weibliche, meist sehr häßliche (bucklig, krumme Nase) und alte, seltener aber auch eine verführerisch schöne, mit dem Teufel im Bunde stehende Gestalt, die Zauberkräfte besitzt und diese im Gegensatz zur Fee zumeist im negativen Sinn einsetzt. Zur Zeit der Hexenverfolgung wurde der Begriff Hexer bzw. Hexe für Männer und Frauen verwendet, die der Hexerei bezichtigt wurden. Hexen reiten der Sage nach auf Besen und anderem durch die Luft und versammeln sich auf abseits gelegenen Plätzen zum Hexensabbat, wo sie zum Beispiel auf dem Blocksberg zu mitternächtlicher Stunde mit dem Teufel buhlen.

In der frühen Neuzeit folgten mit der Veröffentlichung der Hexenlehre, des Hexenhammers im Jahre 1487, jahrhundertelang Hexenprozesse und -verfolgungen, denen zahllose als Hexen verdächtigte Mädchen und Frauen, aber auch als Hexer beschuldigte Männer, zum Opfer fielen.

Etymologisch geht der Sammelbegriff „Hexse“ (auch: hess, hezze, haghetissa, häxen, hägs) wohl auf das althochdeutsche haga-zussa, (ganz änhlich altenglisch haegtesse) „Zaunsitzerin“, bzw. das bedeutungsverwandte altnordische tunrida „Zaunreiterin“ zurück.

Geschichte

Bereits im Altertum gab es den Glauben an Hexen, wie zum Beispiel bei Theokrit, Horaz und Lukianos belegt ist. Aber die Voraussetzung eines besonderen dazu erforderlichen Bündnisses mit dem (christlichen) Teufel[1] entstand erst nach der Christianisierung der germanischen Welt, als die alten und ursprünglichen heidnischen Feste und Versammlungen bei Todesstrafe verboten waren und die treu gebliebenen Anhänger des früheren Glaubens sich heimlich (oft Nachts) treffen mussten, um die alten germanischen Götter zu verehren und die gewohnten Festlichkeiten zu begehen. Da es vornehmlich die alten Frauen waren, welche die althergebrachten Bräuche bewahrten und ausübten, kamen sie von seiten der christlichen Eiferei in den Verdacht der Zauberei, und da auch die Teilnehmer an den nächtlichen Zusammenkünften selbst Gerüchte von gefahrvollem Spuk ausstreuten, um ihre ebenso abergläubischen Verfolger zurückzuschrecken, entstand sehr bald die Meinung, daß die Hexen im Bunde mit dem leibhaftigen Teufel ständen und in seinem Dienst alles Unheil, welches über Ortschaften, Familien und Personen hereinbrach, verursachten.

Zwar traten auch unter den Christen einzelne Männer, wie Agobard, Erzbischof von Lyon (gest. 840), und Burchard, Bischof von Worms (gest. 1025), schon damals gegen diese Eiferei auf, aber ihre Stimme verhallte in dem Zetergeschrei des unwissenden und fanatischen Priesterheeres. So wurden wiederholt Gesetze gegen Hexen und Zauberer erlassen. Der Bischof von Brixen wagte es gar, die Inquisitoren aus seinem Sprengel zu jagen, mit der Begründung, sie seien offenbar irrsinnig. Auch weltliche Gewalten weigerten sich, die Urteile der Inquisitoren zu vollstrecken. Das änderte sich erst, als Papst Innocenz VIII die sogenannte Hexenbulle herausgab, die dann selbst schärfste Strafen jedermann androhte, der sich der Hexenverfolgung widersetzen sollte. In allen Kirchen wurden dann Predigten über die Hexenlehre zwingend vorgegeben; das einfache Volk glaubte, was ihm als reinste göttliche Wahrheit von der ja allein im Besitz der Erkenntnis befindlichen Kirche gelehrt wurde. Schon im Jahr 1487 fand der erste große Hexenbrand mit etwa 90 Opfern in Straßburg statt, und dann brannten überall in der christlichen Welt die Scheiterhaufen.

Die Vermischung von Zauberei und Ketzerei war eine bequeme Methode zur Unterdrückung jedes auch nur schwach aufkeimenden Widerstandes gegen kirchliche und christliche Vorherrschaft. Beide konnten von der Einwirkung des – vom Christentum konstruierten – Teufels hergeleitet werden, und die Masse zeigte sich der Vernichtung der Ketzer, an welcher der Kirche einzig lag, um so geneigter, wenn ihnen zugleich Zauberei und „Teufelsbündnis“ angehängt wurde.

Auch die protestantische Geistlichkeit betrieb die unter dem Banner des Teufels- und Hexenglaubens geführten Verfolgungen, und es fanden in den protestantischen Ländern eher sogar noch mehr Hexenprozesse statt als in den renaissancegeprägten und noch eher pragmatischer gesinnten katholischen. So ist zum Beispiel in einem Bericht des sachsen-coburgischen Centgrafen Kaspar Langen vom 19. April 1628 von dem protestantischen Herzog Johann Kasimir zu lesen:

Seine fürstlichen Gnaden hätten sich endlich entschlossen, die Hexen und Drutten, beides hier uf'n Lande, so viel möglich, exterminiren, ausrotten und zu gebührlicher, wohl verdienter Straf, die Reichen mit den Armen und die Alten mit den Jungen, nehmen zu lassen, maßen der Anfang bereits darzu gemacht worden“ etc.

Auch über die kontroverse Frage: „ob die Untersuchungskosten vom Fiskus oder von den Erben der justifizierten Hexen getragen werden sollten“, ließ der Herzog 1628 ein Gutachten von dem Coburger Schöppenstuhl einholen, welches erwartungsgemäß dahin ausfiel

daß die Obrigkeit berechtigt sei, die Güter der wegen Hexerei Kondemnirten zu konfisciren, und da an anderen Orten die ob crimen haereseos eingezogenen Güter ganz oder zum halben Teil den Inquisitoribus ad exstirpandos haereticos zugeschlagen werden sollten, und sollte ein Christ dasjenige, was vom Teufel immediat herrührt, zu behalten nicht begehren, sondern selbst der Obrigkeit offeriren, damit solch verflucht Geld zur Ausrottung der Hexerei angewendet werden möchte“.

Dieses Gutachten lässt, neben judenchristlich-theistischer Unduldsamkeit, als eine weitere Triebfeder der Hexenverfolgung auch die profane Geldgier erkennen. In England, wo König Jakob I. höchst eigenhändig als Schriftsteller gegen Hexen und Teufelsbündnisse vorging, erhielt ein gewisser Matth. Hopkins, der 1644 alle Provinzen des Landes auf der Hexenjagd durchzog, für die „Entdeckung“ einer Hexe 20 Schilling und schrieb ein besonderes Werk über die Kunst, Hexen ausfindig zu machen, auf dessen Titel er sich Hopkins, Hexenfinder, zeichnete.

Noch zu Ende des 16. Jahrhunderts verurteilte ein einziger „Hexenrichter“, Niocolaus Remigius (französisch Nicolas Rémy), 800 „Hexen“ in Lothringen zum Tod auf dem Scheiterhaufen, und fast zwei Jahrhunderte später endeten in Mexiko zwei Hexenprozesse (1860 und 1873) mit Verbrennung der Opfer.

Auch noch nach der noch heute vom Vatikan durchaus anerkannten Lehre kann ein Mädchen, eine Frau, nur dadurch zur Hexe werden, wenn sie sich dem Teufel leibhaftig und körperlich vermählt, woraus sich sogar leibhaftiger Kindersegen ergeben kann. Entsprechend können Männer – was aber selten vorkommt, Hexer werden, wenn der Teufel sich ihnen gegenüber in eine schöne Frau verwandelt.

Siehe auch

Literatur

  • Artgemeinschaft – GGG (Hg.): Hexenwahn und Hexenprozesse, o. J. [64 S.], Bezugsnachweis
  • Johann von Ewich: Von der Hexen, Die man gemeiniglich Zauberin nennet, oder auff niedersechsisch Töuerschen, Natur, Kunst, Macht und Thaten, Item von den Merckzeichen da bey sie zu erkennen und straff, damit sie zu züchtigen: Ein billich und rechtmessiges bedencken : Mit einverleibter erklerung, was von der wesentlichen verenderung und wasser prob der Hexen zu halten sey, 1585 (PDF-Datei)
  • Wilhelm Pressel: Hexen und Hexenmeister, oder Vollständige und getreue Schilderung und Beurtheilung des Hexenwesens, 1860 (PDF-Datei)
  • Wilhelm Gottlieb Soldan: Geschichte der Hexenprozesse, neu bearbeitet von Heinrich Heppe. Stuttgart 1880
  • Johann Diefenbach: Der Hexenwahn vor und nach der Glaubensspaltung in Deutschland. Mainz 1886
  • Gunnar Heinsohn / Otto Steiger: Die Vernichtung der weisen Frauen. Beiträge zur Theorie und Geschichte von Bevölkerung und Kindheit, 14. Aufl. mit einem ausführlichen, aktualisierten Nachwort zur erweiterten Neuausgabe, Area-Verlag, Erftstadt 2005, ISBN 978-3-89996-340-3 [487 S., Lizenzausgabe des März-Verlages, Augsburg]

Fußnoten

  1. Der Teufel, ebenso der Herr Beelzebub, waren den Germanen allerdings völlig unbekannt.