Naundorff, Karl Wilhelm

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Karl Wilhelm Naundorff.jpg

Karl Wilhelm Naundorf[f] (Lebensrune.png 1785; Todesrune.png 10. August 1845 in Delft) war ein Franzose und der offiziell niemals anerkannte König Ludwig XVII. von Frankreich, der sein Leben lang ohne Erfolg um die Anerkennung seiner Rechte kämpfte.

Allerdings gab es eine Reihe von Personen, die sich zur damaligen Zeit für Ludwig XVII. ausgaben, so auch z. B. ein gewisser Eleazer Williams aus den VSA. Dessen Geschichte arbeitete Mark Twain in seinen Roman „Huckleberry Finns Abenteuer und Fahrten“ ein.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Das als König Ludwig XVII. bezeichnete und später unter dem Namen Karl Wilhelm Naundorff bekanntgewordene Kind wurde 1785 als zweiter Sohn seiner Eltern Ludwig XVI. und Marie Antoinette geboren und 1789 durch den Tod seines älteren Bruders der Dauphin. Nach der Hinrichtung des Königs war er in den Augen der Bourbonen der rechtmäßige König Ludwig XVII. Im Juli 1793 wurde im Zuge der Französischen Revolution der Sohn der Mutter entrissen und in die „Erziehung“ eines fanatischen „Republikaners“, des Schusters Simon, gegeben. Ab Januar 1794 wurde er dann in Einzelhaft gehalten, ohne jede Berührung mit anderen Menschen und ohne jede Beschäftigungsmöglichkeit in einem halbdunklen Kerker des Temple verwahrt. Nach Robespierres Hinrichtung erleichterte sich zwar die Gefangenschaft, doch blieb sonst alles beim alten. Der offiziellen Geschichtsauffassung zufolge erkrankte dann der prinzliche Knabe und starb im Alter von zehn Jahren am 8. Juni 1795.

Daß schon in diesen Jahrzehnten weitgehende Unklarheit darüber bestand, ob der Prinz tot sei oder nicht, beweist auch eine Geheimklausel des Pariser Friedensvertrages vom 30. Mai 1814, worin es heißt:

„Wenn auch die hohen Vertragsmächte keine Gewißheit bezüglich des Todes Louis XVII. haben, erfordern doch die Lage Europas und die öffentlichen Interessen, daß sie, Ludwig-Stanislaus-Xaver, den Grafen von Provence, mit der Regierung in Frankreich betrauen. Sie behalten sich aber für die nächsten zwei Jahre das Recht vor, sich jede Gewißheit über die Tatsache zu verschaffen, die später entscheiden soll, wer der wahre Beherrscher von Frankreich sein soll.“[1]

1810 tauchte er in Preußen auf, erlernte das Uhrmacherhandwerk und wurde preußischer Bürger in Spandau. Er sprach Französisch wie seine Muttersprache und schrieb auch auf Französisch. Das Deutsche beherrschte er nur lückenhaft. 1821 zog er nach Brandenburg an der Havel. Erst nach der französischen Juli-Revolution 1830 ging er 1833 nach Paris, um sich als berechtigter Thronerbe auszuweisen. Der Grund für diese späte Rückkehr lag darin begründet, daß seine beiden Oheime Ludwig XVIII. und Karl X., die Brüder Ludwigs XVI., nicht die geringste Neigung gehabt hätten, ihren Neffen als echten König anzuerkennen. 1834 versuchte er in Paris seine Ansprüche durchzusetzen. Unter den Anhörenden war auch sein früheres Kindermädchen Agathe de Rambaud. Dabei sprach er zu ihnen so, als kenne er sie von der Kindheit an und gab auf die meisten Fragen die richtige Antwort. Er wurde von etwa zwanzig Personen, die den Knaben Ludwig gekannt hatten, als der echte Ludwig XVII. identifiziert, darunter von mehreren noch lebenden Ministern und Hofbeamten des ermordeten Königspaars und vor allem von seiner alten Kinderfrau, Frau von Rambaud, die wiederholt bekundete, sie habe den ihr anvertraut gewesenen Prinzen an bestimmten Kennzeichen, insbesondere an einem untrüglichen Muttermal und einer kleinen Narbe an der Lippe, einwandfrei wiedererkannt.

Brief Naundorffs an den amtierenden König Ludwig Philipp:[2]

Brief Naundorffs an König Ludwig Philipp 1836.jpg

Er wurde daraufhin 1836 vom amtierenden König Ludwig Philipp nach England ausgewiesen. Von dort ging er nach Holland, wo ihm sein Abstammungsnachweis gelang und wo er dann 1845 an einer Vergiftung starb.

Bereits 1944 hatte der Forscher André Castelot Haarreste aus dem Grabe Naundorffs mit Haaren aus der Kinderzeit Ludwigs XVII., Sohn Ludwigs XVI. und Marie Antoinettes, die beide auf dem Schafott endeten, vergleichen lassen. Die Untersuchung ergab die völlige Übereinstimmung der beiden Haarproben, was zu der zwingenden Schlußfolgerung führt, daß sie von ein und derselben Person stammen. Diese These bestätigte auch der Professor und Kriminaltechniker Edmond Locard in Lyon.

Die Haare des Dauphin fanden sich in einem Tagebuch Marie-Antoinettes, das sie im Gefängnis geführt hatte und das nach ihrem Tod zunächst Robespierre zugestellt worden war. Diejenigen Naundorffs waren seinem Grab in Delft entnommen worden. Demnach wäre also tatsächlich der Uhrmacher Karl Wilhelm Naundorff, der lange Zeit in Spandau und später in Crossen lebte, und der aus seiner Heimat, weil er sein Recht suchte, ausgewiesen wurde, der rechtmäßige Ludwig XVII., König von Frankreich und Navarra gewesen, wie auch die Inschrift auf seinem Grab in Delft besagt. Wie anders hätte die Weltgeschichte verlaufen können, wenn 1815 anstatt des unerfreulichen Ludwig XVIII. der wahre Thronerbe Ludwig XVII. der Nachfolger Napoleons geworden wäre.

Siehe auch

Literatur

  • Beschreibung der Lebensgeschichte in: Friedrich Bülau: Geheime Geschichten und räthselhafte Menschen. Sammlung verborgener oder vergessener Merkwürdigkeiten, Band 2, 1850 S. 49 ff. (PDF-Datei)
  • Otto Tschirch: Die Naundorff-Legende. Darstellung und Kritik, 1911
  • Hans Steen: Naundorff. König oder Schwindler?, 1946

Verweise

Fußnoten

  1. zitiert in: „Das aufgehellte Naundorff-Rätsel“ (Zeit-online, 1. April 1948)
  2. in: Bayreuther Zeitung, Jahrgang 1836, S. 662 (PDF-Datei)
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