Ayrer, Jakob (der Ältere)

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Jakob Ayrer der Ältere.jpg

Jakob [Jacobus] Ayrer der Ältere (Lebensrune.png um 1544 in Nürnberg; Todesrune.png 26. März 1605 ebenda) war ein deutscher Dramatiker und Autor von Fastnachtsspielen.

Leben

Ayrer kam in seinen Jugendjahren ohne weiteren Besitz nach Nürnberg, wo er dann als Eisenhändler tätig war. Er brachte es durch Selbststudium in Bamberg vom Gerichtsschreiber zum Hof- und Stadtgerichtsprokurator und siedelte 1593 seines evangelischen Bekenntnisses wegen nach Nürnberg über und starb dort am 26. März 1605 als Gerichtsprokurator und kaiserlicher Notar.

Ayrer hat, angeregt durch Hans Sachs und englische Komödianten, von 1595 bis 1605 mehr als 100 meist weltliche Stücke in Reimpaaren verfaßt, von denen das „Opus theatricum“ insgesamt 30 Tragödien und Komödien, 36 Fastnachts- und Singspiele, eine Dresdener Handschrift und drei andere Stücke enthält. Die Stoffe der Dramen, von denen mehrere zusammen oft ein Ganzes bilden, stammen insbesondere aus Volksbüchern, dem Heldenbuch, Novellen Boccaccios und Belleforests, aber auch aus englischen Stücken, denen er den Narren (Jan Clam, Jan Posset) entnahm. Seine kurzen strophischen Singspiele entsprechen den englischen Jigs. In Sprache, poetischer Auffassung und Charakteristik kann sich Ayrer nicht mit Hans Sachs messen, er versteht sich aber besser auf krasse theatralische Effekte und auf spannende, verwickelte Handlung.[1]

Zu seinem Wirken heißt es nach anderer Quelle:[2]

„Jakob Ayrer, der fruchtbare Dramatiker nach der neuen ‚Englische Manier und Art‘ wurde am 13. Oktober 1593 in Nürnberg Bürger und starb hier am 26. März 1605 als ‚Notarius publicus und der Gerichten Procurator‘. – Sein erst 1618 zu Nürnberg aus seinen nachgelassenen Konzepten von seinen Freunden herausgegebenes ‚Opus theatricum‘ enthält 30 ‚ausbündige schöne Komödien und Tragödien von allerhand denkwürdigen alten Römischen Historien und anderen politischen Geschichten und Gedichten‘ und 36 ‚schöne lustige kurzweilige Fastnacht- oder Possenspiele‘ (darunter 9 Singspiele). Es sollte noch ein zweiter Band mit 40 Stücken herauskommen, welcher aber nicht erschien; 3 Stücke sind außerdem handschriftlich erhalten. Ayrer ‚versuchte die alte deutsche Knittelverskomödie durch die Kunstmittel der Engländer neu zu beleben‘, (Creizenach, Die englischen Komödianten CXIII), aber ‚die raffinierten Kunstmittel der Engländer konnten in der starren undramatischen Form nicht zur Geltung kommen‘.“

Werke (Auswahl)

  • Bamberger Reim-Chronik von Jahre 900–1599 (PDF-Datei)
  • Ein historischer Lustspielabend (PDF-Datei)
  • Historischer processus juris (PDF-Datei)
  • Tractatus methodicus et accuratissimus de triplici genere homicidiorum (PDF-Datei)
  • Opus theatricum. Dreissig aussbündtige schöne Comedien und Tragedien von allerhand Denckwürdigen alten Römischen Historien und ander Politischen Geschichten und Gedichten, Sampt nach andern sechs und dreissig schönen lustigen und kurtzweiligen Fassnacht oder Possen Spilen (Nürnberg 1618)
  • Die ehrlich Bäeckin mit ihren drei vermeinten Liebsten (Netzbuch)

Literatur

  • Jakob Franck: Ayrer, Jakob. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 708–710.
  • Karl Schmitt: Jakob Ayrer – Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Dramas. Marburg 1851 (PDF-Datei)
  • Gottfried Höfer: Die Bildung Jakob Ayrers. Weber, Leipzig 1929

Verweise

Fußnoten

  1. Brockhaus’ Konversationslexikon. F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894–1896
  2. Gustav Könnecke (Hg.): Bilderatlas zur Geschichte der deutschen Nationallitteratur (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!