Konjunktur

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Unter Konjunktur (lateinisch coniunctura [= „Verbindung“], im Sinne von sich aus der Verbindung verschiedener Erscheinungen ergebende Lage, zu lat. coniungere = „verbinden“) versteht man zyklische Schwankungen im Auslastungsgrad der Produktionskapazitäten einer Volkswirtschaft.

Einzelne Meßwerte, wie Produktion, Beschäftigung, Lagerbestände, Rohstoffmärkte, Leitzins und Preisentwicklung geben Hinweise darauf, welche zyklische Amplitude die Konjunktur nehmen wird. Gemessen wird das konjunkturelle Geschehen durch den Grad der Kapazitätsauslastung oder der Kapazitätsausweitung, der wichtigste Indikator hierfür ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP).

Rezession und Depression

Gegensatz zur aufblühenden Konjunktur ist die Rezession (Abschwung), und der als Depression bezeichnete ökonomisch-zyklische Tiefstand. Die Rezession ist bestimmt von einer merklichen Abschwächung der Hochkonjunktur, pessimistischen Prognosen für die Wirtschaftslage, einem Rückgang der Nachfrage, vollen Lagerbeständen, Abbau von Überstunden und beginnender Kurzarbeit, nachlassenden Investitionen, der Stilllegung von Produktionsanlagen, stagnierenden oder sinkenden Preisen, Löhnen und Zinsen sowie fallenden Börsenkursen.[1]

Im Jahr 2009 ging das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) preisbereinigt um fünf Prozent zurück. Das war der größte Rückgang der Nachkriegsgeschichte, im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise nach dem Kollaps der Investmentbank „Lehman Brothers Inc.“ am 15. September 2008.

Allzeittief des Baltic Dry Index im November 2015

Im November 2015 fiel der (seit 1985 gemessene) Baltic Dry Index auf sein Allzeittief (504 Punkte). Der Index mißt Frachtkosten von Massengütern; namentlich Schiffstransportkapazität für Trockenschüttgut (= Eisenerz, Zement, Düngemittel, Kohle, Kies, Kunststoff-Granulat, Industriemetalle und andere Rohstoffe). Der Baltic Dry Index gilt als sogenannter „Frühindikator“ des weltwirtschaftlichen Geschehens. In der Regel spiegeln sich die Entwicklungen im Index mit einer zeitlichen Verzögerung von acht bis zwölf Monaten in der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wider. Wenn es im Anschluß daran dann so billig wie noch nie ist, etwa Kiwis um den halben Erdball zu verschiffen und zu fliegen, bedeutet dies, daß die Nachfrage nach globaler Transportkapazität eingebrochen ist. Das heißt, wenn der Baltic Dry Index absinkt, muß angenommen werden, daß weitere konjunkturelle Eckdaten sich – später anschließend und synchron – auf schwache Werte einpendeln werden.

Die Weltkonjunktur befindet sich dann in einer Rezession. Da jedoch auch China an diesen Entwicklungen gleichsinnig teilhat, deuten Ökonomen den deutlichen Absturz des Baltic Dry Index vom November 2015 als Vorboten einer sehr ernsten ökonomischen Weltdepression.[2] Das weitere Absinken des Baltic Dry Index Anfang 2016 (unter 400 Punkte) bricht alle Negativ-Rekorde.[3] Eine in internationalen Wirtschaftskommentaren als „economic collapse“ und „economic meltdown“ bezeichnete Kernschmelze der globalen Wirtschaftstätigkeit rückt näher. Nachdem die „Atlanta FED“ ihre Wachstumsprognose für die Vereinigten Staaten 2016 zwischen Februar und April 2016 zuerst von 2,5 % auf 2,3 % und dann auf 0,1 % herabgesenkt hat, berief die Notenbank der Vereinigten Staaten für den 11. April 2016 eine „Notfall-Sitzung“ ein.[4]

Literatur

  • Joachim Starbatty (Hg.): Klassiker des ökonomischen Denkens. Teil I und II in einer Gesamtausgabe (Teil I: Von Platon bis John Stuart Mill; Teil II: Von Karl Marx bis John Maynard Keynes), Nicol Verlagsgesellschaft, Hamburg 2012, ISBN 978-3-86820-126-0 [Erstausgabe: C.H. Beck, München 1989]
  • Verein Monetäre Modernisierung (Hg.): Die Vollgeld-Reform. Wie Staatsschulden abgebaut und Finanzkrisen verhindert werden können. Mit Beiträgen von Hans Christoph Binswanger, Joseph Huber und Philippe Mastronardi. Edition Zeitpunkt, Solothurn ³2013, ISBN 978-3-9523955-0-9
  • Paul Schreyer: Wer regiert das Geld? Banken, Demokratie und Täuschung, Westend Verlag, Frankfurt am Main 2016, ISBN 978-3-86489-626-2
  • G. Edward Griffin: Die Kreatur von Jekyll Island: Die US-Notenbank Federal Reserve – Das schrecklichste Ungeheuer, das die internationale Hochfinanz je schuf, Kopp-Verlag, Rottenburg am Neckar 2006, ISBN 978-3938516287
  • John Perkins: Bekenntnisse eines Economic Hit Man. Unterwegs im Dienst der Wirtschaftsmafia. Goldmann Verlag, München, 6. Auflage 2007 [Originalausgabe: Berrett-Koehler Publishers, Inc.; San Francisco 2004], ISBN 978-3-442-15424-1

Verweise

Fußnoten