Kretzer, Max

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von Franz Skarbina
Kretzer, Max-Unterschrift.jpg

Max Kretzer (Lebensrune.png 6.[1] oder 7. Juni 1854 in Posen; Todesrune.png 15. Juli 1941 in Berlin) war ein deutscher Dichter und Schriftsteller. Er gilt als einer der frühesten Vertreter des deutschen Naturalismus.

Leben

Aufgewachsen in Posen, zog die Familie im Jahre 1867 nach Berlin. Dort zuerst als Fabrikarbeiter tätig, thematisierte er in seinen Werken vorrangig das einfache Leben des Arbeiters, das er aus eigener Erfahrung kennengelernt hatte. Er gilt als Schöpfer des sozialen Romans und hierbei speziell des Berliner Sittenromans. Ab 1880 konnte er von seiner Schriftstellerei leben und betätigte sich ausschließlich als Autor.

Quelle
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Freunde haben ihn den deutschen Zola genannt. Nichts kann thörichter sein. Zwischen den Beiden ist keine Gemeinschaft. Zola ist der lyrische Visionär, der die Welt von oben sieht, in die erhabene Grösse der Natur verloren, aus einer so kosmischen Anschauung herab, dass alles Menschliche verschwindet und nur wie jämmerliche Zuthat scheint; er misst das vergängliche Treiben der Menschen an der ewigen Harmonie des Alls, an der fruchtbaren Herrlichkeit der Erde, an der unerforschlichen Gewalt der Gesetze, welche über den Welten herrschen, und daneben ist freilich Alles nichtig, eitel und gemein. Kretzer ist der empörte Proletarier, der die Gesellschaft von unten sieht, aus dem Hasse des Geknechteten und Unterdrückten; er misst die Schicksale mit dem Neide des Enterbten, und darum ist oben Alles Lüge, Verbrechen und Schmach. Zola behandelt alle Menschen gleich, ohne Zorn und ohne Liebe, wie ein Forscher, der nur constatiren will. Kretzer beschönigt die Kleinen und verleumdet die Grossen, immer nur seiner gierigen Entrüstung gehorsam, wie ein Tribun, der begeistern, aufreizen und verbessern will. Zola will nichts als seine Kunst. Kretzer will mit seiner Kunst immer irgend eine Tendenz. Man thut ihnen Beiden Unrecht, wenn man sie mit einander vergleicht; aber freilich kann es sich Kretzer schon noch eher gefallen lassen. Seine Romane sind ohne Geist und ohne Form, in einem ungeschlachten, täppischen und verlegenen Stile, in krassen Effecten schwelgend, immer hart an der Caricatur, vorstädtisch thränenselig und mit einem naiven Hass gegen die Höhen der Menschheit, aber von einer unwiderstehlichen Leidenschaft, der man die Wahrheit anhört, von einem wilden Aufruhr des Gefühles, dem sich der geängstigte Geschmack vergeblich zu entringen sucht, und, während ihm die tragenden Gestalten meist ganz missrathen, in mancher Episode von einer Wahrheitlichkeit und Anschaulichkeit, wie sie so zwingkräftig und voll vom Safte des Lebens vor ihm kein anderer deutscher Autor vermocht hat. Eine Mischung von Dickens und d'Ennery mit socialistischem Grimm und Ekel versetzt — das ist Max Kretzer; das war Max Kretzer bis zum „Meister Timpe“. Seither ist er ein Bücherfabrikant geworden, nach dem die Litteratur nicht mehr zu fragen hat, weil er nach der Litteratur nicht mehr fragt.

Quelle: Hermann Bahr: „Studien zur Kritik der Moderne“, Frankfurt a.M. 1894, S.51f. (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!


Werke (Auswahl)

Max Kretzer (Foto).jpg
  • Die Verkommenen: Berliner Roman (1883) (PDF-Datei)
  • Bürgerlicher Tod: Drama in fünf Aufzügen (1888) (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Das bunte Buch - allerlei Geschichten (1889) (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Die Betrogenen. Berliner Sitten-Roman (1891) (PDF-Datei)
  • Irrlichter und Gespenster, Volksroman (1893) (Band 1, Band 2, Band 3)
  • Meister Timpe. Sozialer Roman (1895) (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Im Riesennest - Berliner Geschichten (1895) (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Ein Unberühmter und andere Geschichten (1895) (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Das Gesicht Christi, Roman aus dem Ende des Jahrhunderts (1897) (PDF-Datei)
  • Die Bergpredigt, Roman (1898) (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Der Sohn der Frau: Schauspiel in drei Aufzügen (1899) (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Verbundene Augen (1899) (Band 1 PDF-Datei, Band 2 Netzbuch und einzelne Seiten als PDF-Dateien speicherbar) jeweils Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Die Kunst zu heirathen: ein Possenspiel in drei Acten (1900) (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Familiensklaven, Roman (1904) (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Der Mann ohne Gewissen. Roman (1905) (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Berliner Skizzen (1898) (PDF-Datei)
  • Der Holzhändler (1900) (Band 1, Band 2)
  • Der Millionenbauer (1912) (PDF-Datei)
  • Ein verschlossener Mensch; Roman (1919) (PDF-Datei)
  • Die beiden Genossen. Sozialer Roman (1919) (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!
  • Drei Weiber: Berliner Sittenroman (1920) (PDF-Datei)
  • Die Sphinx in Trauer; Roman (1921) (PDF-Datei)

Siehe auch

Literatur

  • Erich Kloss: „Max Kretzer - Eine Studie zur neueren Litteratur“, Dresden, Leipzig, Wien 1896, mit einem Bilde Max Kretzers (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!

Fußnoten

  1. vgl.: Anton Schmid: „Die deutsche Litteratur in der Klemme: eine litterarische Randglosse“, Weimar 1890, S.15 (PDF-Datei) Für Nicht-VSA-Bewohner nur mit US-Proxy abrufbar!