Der Begriff des Politischen

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Buch

Der Begriff des Politischen.jpg
Titel: Der Begriff des Politischen
Untertitel: Text von 1932 mit einem Vorwort und drei Corollarien
Autor: Carl Schmitt
Verleger: Duncker & Humblot
Verlagsort: Berlin
Erscheinungsjahr: 1932
Originalsprache: Deutsch
ISBN: 978-3428087259

Der Begriff des Politischen ist eine Schrift von Carl Schmitt, die auf einen Vortrag aus dem Jahre 1927 zurückgeht und im Jahre 1932 erstmals publiziert wurde. Sinn des Politischen ist die Fähigkeit, Freund-Feind-Unterscheidungen treffen zu können, denn um den Ausnahmezustand zu beherrschen, muß immer auch der mögliche Feind erkannt werden. Der Staat muß aufgrund einer vollzogenen Feindmarkierung dann auch bis zum Äußersten gehen können. Wer Freund und Feind nicht zu erkennen und zu unterscheiden vermag, kann keine Politik betreiben und muß letztlich scheitern. Dies ist dann immer auch der Beginn der Erosion staatlicher Herrschaft.

Nach Schmitt steht und fällt das Politische mit dieser Unterscheidungsfähigkeit. Das bedeutet, daß das Politische eine Feinderkennung zwingend voraussetzt. Dem Liberalismus spricht er diese Fähigkeit ab, da dieser aus seiner eigenen Begrifflichkeit heraus nicht über die Fähigkeit der Feinderkennung verfügt. Versagt jedoch der Staat bei der Freund-Feind-Unterscheidung, wird das Politische universell, denn die Gesellschaft ist nicht der Staat. Somit stellt Schmitt das Politikmonopol des Staates generell in Frage. Der Begriff des Staates setzt zwar den Begriff des Politischen voraus, daraus folgt aber gleichzeitig, daß sich das Politische (also die Fähigkeit, Freund und Feind unterscheiden zu können) auch in völlig anderen Gruppen manifestieren kann.

Schmitt stellt fest, daß ein Kampf immer zwischen Völkern stattfindet, die durch die Feindschaft zu einem anderen Volk geeint, ja dadurch erst definiert werden. Sollte dieser außenpolitische Gegensatz gegenüber etwaigen innenpolitischen Gegensätzen an Bedeutung verlieren, der Staat also in sich zerrüttet sein, so droht gemäß der Definition des Politischen ein Bürgerkrieg. Weiterhin stellt er fest, daß sich auch religiöse Gegensätze zu politischen Gegensätzen steigern können, wenn sie nur intensiv genug werden. Der so entstandene Gegensatz wäre dann auch nicht mehr religiös, sondern wiederum zwangsläufig politisch.

Einen Gedanken über die Strategie, Machiavelli zu diffamieren, zitiert Carl Schmitt in seiner Schrift „Der Begriff des Politischen“:

„Dieses Schicksal ist Machiavelli widerfahren, der, wenn er ein Machiavellist gewesen wäre, statt des Principe wohl eher ein aus rührenden Sentenzen zusammengesetztes Buch geschrieben hätte. In Wirklichkeit war Machiavelli in der Defensive, wie auch sein Vaterland Italien, das im 16. Jahrhundert den Invasionen von Deutschen, Franzosen, Spaniern und Türken ausgesetzt war. Die Situation der ideologischen Defensive wiederholte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Deutschland, während der revolutionären und napoleonischen Invasion der Franzosen. Damals brachten Fichte und Hegel den Machiavelli wieder zu Ehren, als es für das deutsche Volk darauf ankam, sich eines mit einer humanitären Ideologie expandierenden Feindes zu erwehren.“

Zitate

  • „Sind innerhalb eines Staates organisierte Parteien imstande, ihren Angehörigen mehr Schutz zu gewähren als der Staat, so wird der Staat bestenfalls ein Annex dieser Parteien, und der einzelne Staatsbürger weiß, wem er zu gehorchen hat.“
  • „Es wäre tölpelhaft zu glauben, ein wehrloses Volk habe nur noch Freunde, und eine krapulose Berechnung, der Feind könnte vielleicht durch Widerstandslosigkeit gerührt werden. Daß die Menschen durch einen Verzicht auf jede ästhetische oder wirtschaftliche Produktivität die Welt z. B. in einen Zustand reiner Moralität überführen könnten, wird niemand für möglich halten; aber noch viel weniger könnte ein Volk durch den Verzicht auf jede politische Entscheidung einen rein moralischen oder rein ökonomischen Zustand der Menschheit herbeiführen. Dadurch, daß ein Volk nicht mehr die Kraft oder den Willen hat, sich in der Sphäre des Politischen zu halten, verschwindet das Politische nicht aus der Welt. Es verschwindet nur ein schwaches Volk.“
  • Demokratie ist „... eine aus tausend verschiedenen Quellen zusammengeströmte, nach Schichten ihrer Bekenner höchst verschiedene Weltanschauung, welche aber in einem konsequent ist: insofern ihr nämlich die Macht des Staates über den Einzelnen nie groß genug sein kann, so daß sie die Grenzen zwischen Staat und Gesellschaft verwischt, dem Staat alles das zumutet, was die Gesellschaft voraussichtlich nicht tun wird, aber alles beständig diskutabel und beweglich erhalten will und zuletzt einzelnen Kasten ein spezielles Recht auf Arbeit und Subsistenz vindiziert.“

Siehe auch

Verweise

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