Taiwan
Formosa ist eine Insel im West-Pazifik vor dem chinesischen Festland, von diesem getrennt durch die Formosa-Straße und Hauptinsel des Staates Taiwan. Formosa ist der historische Name der Insel, den portugiesische Seefahrer im 16. Jahrhundert vergaben („schöne Insel“), während Taiwan der einheimische und offizielle Name ist. Taiwan besitzt rund 0,38 Prozent der Fläche des chinesischen Festlandes und ist von der Größe her vergleichbar mit Baden-Württemberg. Die Hauptstadt ist Taipeh, dort steht Taipei 101 mit 509,8 Metern Höhe, ein Büro-, Einkaufs- und Aussichtsturm, Taiwans höchstes Gebäude.
Taiwan funktioniert de facto als unabhängiger Staat mit eigener Regierung, Währung und Streitkräften, wird aber nur von rund einem Dutzend Ländern anerkannt und von der Volksrepublik China als Provinz beansprucht.
Inhaltsverzeichnis
Entwicklung seit 1945
Formosa wurde 1945 nach Ende des Zweiten Weltkrieges und der Niederlage der Japaner von der Republik China besetzt, aber nicht offiziell an diese übergeben. Es bildet seit 1949 den Hauptteil der Republik, nachdem sich die antikommunistischen Truppen Chiang Kai-sheks nach dem verlorenen Bürgerkrieg gegen die Volksbefreiungsarmee Mao Ze Tungs auf die Insel zurückgezogen hatten. Gleichzeitig wird Taiwan von der kommunistischen Volksrepublik China beansprucht, wurde jedoch nie von ihr regiert. Dies schlägt sich im bis heute andauernden Taiwan-Konflikt nieder. Administrativ ist die Insel bei beiden Staaten als „Provinz Taiwan“ zugeordnet.
1945 wurde Formosa nach der japanischen Niederlage gemäß den alliierten Kriegszielen (Kairoer Erklärung) in die damalige Republik China – also zu den Gegnern Rotchinas – unter Führung von Chiang Kai-shek (1887-1975) eingegliedert, während auf dem chinesischen Festland der Bürgerkrieg zwischen der regierenden Kuomintang (KMT) und den chinesischen Kommunisten wieder aufflackerte. Die Truppen der Republik wurden von den Taiwanern zunächst begeistert begrüßt. Wegen verbreiteter Korruption, Inflationszunahme und wirtschaftlichem Niedergang kam es rasch zu Spannungen zwischen den gebürtigen Formosa-Insulanern und der von der antikommunistischen Kuomintang-Regierung eingesetzten Verwaltung, die sich beim Zwischenfall vom 28. Februar 1947 in einem blutig niedergeschlagenen Volksaufstand entluden. 1949 floh die Kuomintang-Regierung unter Chiang Kai-shek nach ihrer Niederlage im chinesischen Bürgerkrieg jedoch auf die Insel. Chiang Kai-shek war mehrmals, sowohl auf dem Festland als auch auf Formosa, Präsident der Republik China.
Internationale Stellung
Der rechtliche Status von Taiwan ist diplomatisch umstritten.
Haltung der USA
Seitens der USA gibt es seit 1971 keine Unterstützung mehr für die formelle Unabhängigkeit Taiwans (One-China-Policy). Den Status Quo legte der Taiwan Relations Act (1979) fest, aktualisiert durch ein Fact Sheet des US-Außenministeriums vom Februar 2025; einseitige Änderungen der Stellung Taiwans lehnt man in den USA ab.
Europäische Union
Dem folgt die EU: Sie erkennt Taiwan nicht als Staat an (One-China-Policy). Man praktiziert Zusammenarbeit ohne Anerkennung, Taiwans Unabhängigkeit wird nicht unterstützt. Es gilt die Indo-Pazifik-Strategie aus dem Jahr 2021.
UNO
Die UNO betrachtet Taiwan als Provinz Chinas ohne eigene Souveränität; sie bestätigte diesen Standpunkt in einem Positionspapier China (30. September 2025).
Die „Resolution 2758 der UN-Generalversammlung“ betraf die „Instandsetzung der Rechte der Volksrepublik China in den Vereinten Nationen“ in der 1976. Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen vom 25. Oktober 1971. Die Generalversammlung beschloss damals, die Volksrepublik China als einzig rechtmäßigen Vertreter des chinesischen Volkes anzuerkennen und ihre Vertreter in den UN-Organen gegen die der „nationalchinesischen“ Vertreter auszutauschen.
Dabei handelte es sich argumentativ nicht um einen satzungsgemäßen Ausschluss Taiwans (Formosa, Republik China), der förmlich ja allein bei einer „beharrlichen Verletzung der Grundsätze der UN-Charta“ vorgesehen ist, sondern in der Sprache der Diplomatie um einen Austausch der Volksvertretung. Allerdings ist Taiwan seitdem bis heute nicht mehr in der UNO vertreten. Einer neuerlichen Mitgliedschaft wird aufgrund des zu erwartenden Vetos der kommunistischen Volksrepublik China wenig Chancen eingeräumt.
