Der Wald rund um den Altvater

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Der Wald rund um den Altvater ist ein Artikel von Dr. E. Hohlbaum aus der Zeitschrift Altvater – Zeitschrift des mähr.-schles. Sudeten-Gebirgs-Vereins (Ausgabe September/Oktober 1963), der die Gegebenheiten des Waldes und die Nutzung des Rohstoffes Holz im Altvatergebirge aufzeigt.

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Quelle
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Latschen an der Hochscharschlucht

In einer beinahe durchwegs zusammenhängenden Fläche von 764.103 Hektar bedeckte der Wald die heimatliche Erde in Mähren und Schlesien. Davon entfielen auf Mähren 609.993 Hektar, das sind 27,5 % der Landesfläche, und 174.110 Hektar oder 33,82 % der Landesfläche auf Schlesien. Durch diesen mächtigen Waldbesitz wurden Mähren und Schlesien mit zu einer Stätte der ältesten Forstkultur der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie. Die Aufgeschlossenheit des Großgrundbesitzes und die vorausschauende und planende Tüchtigkeit unserer Forstleute gestaltete und prägte mit dieser großen Waldfläche nicht nur das äußere Bild unserer Heimat, sondern der Wald wurde durch eine sinnvolle Forstwirtschaft zu einem einmaligen Macht- und Wirtschaftsfaktor für das ganze Land. In unserem engeren Heimatgebiet, dem eigentlichen Altvaterland, war der gesamte Wald ausschließlich in den Händen des privaten Großgrundbesitzes. Erst 1920 wurde nur ein Anteil des Besitzes des damals regierenden Fürsten von Liechtenstein von den Tschechen verstaatlicht. Der Kampf um den Reichtum dieses Waldbesitzes mit den Tschechen schwebte als ständige Bedrohung bis zum Herbst des Jahres 1938 über uns allen. Von der großen Menge der Öffentlichkeit kaum bemerkt, wurde mit den Tschechen durch 20 Jahre von allen Waldbesitzern zähe gerungen und verhandelt, ständig beeinflußt von den rasch wechselnden politischen Obliegenheiten des Tages. Was hier von unseren Groß-Waldbesitzern zur Deutscherhaltung des ganzen Altvaterlandes geleistet worden ist, gehört mit zum Besten der Geschichte der Landes rund um den Altvater. Manche Konzessionen mußten unter anderem damals gemacht werden, und viel Geld floß in die weitgeöffneten Taschen der maßgeblichen Tschechen, um immer wieder und immer wieder die Verzögerung der drohenden Verstaatlichung der Besitze zu erreichen.

Fürst Liechtenstein, Graf Harrach, Baron Franz Klein, Hoch- und Deutschmeister und die Männer des Erzbistum Breslau, sie alle, diese ehrenfesten Namen der alten Geschlechter und die designierten Vertreter des Kirchenbesitzes, sie haben einen guten Kampf gekämpft um den Wald, um den allzeit großen Beschützer und Ernährer vieler Menschen, ihrer und unser aller Heimat.

Diese großen Waldflächen glichen aber nicht immer dem gepflegten und schönen Bild, das wir alle im Herzen, damals 1945 mit in eine ungewisse Fremde genommen haben. Erst um die Mitte des vorigen [19.] Jahrhunderts setzte eine geordnetere und modernere Forstwirtschaft ein. Vor diesem Zeitpunkt waren unsere Wälder, wie viele andere auch, in einem recht argen Zustand, bedingt durch die damaligen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse. Der in unserer Heimat im großen betriebene Bergbau hatte große und größte Mengen an Holz gefordert, nicht nur der Edelmetallbergbau, sondern vor allem der Eisenbergbau und der Hüttenbetrieb. Der Hüttenbetrieb als solcher verdankt in Schlesien überhaupt seine Entstehung weniger dem spärlichen Eisenerzvorkommen, als vor allem den ausgedehnten Waldkomplexen und deren Holzreichtum.

Um nach dem Niedergang des Edelmetallbergbaues für die verarmte Bevölkerung neue Verdienstmöglichkeiten zu schaffen, überließen die Waldbesitzer und vor allem die Bischöfe jenen, die damals Eisenhämmer anzulegen beabsichtigten, zur Ansiedlung und zur Benützung rund um die Betriebe große Waldflächen. Man wählte zur Ansiedlung naturgemäß die Nähe der Ortschaften und zur Nutzung des Waldes die Talsohlen. Es waren bei dieser Wahl nicht nur die bequemen Nutzungsmöglichkeiten allein maßgebend, sondern vor allem die Zu- und Abfuhrmöglichkeiten. Waldwege und Abfuhrstraßen waren nur wenige vorhanden.

Blick auf Karlsbrunn

Unter diesen Gesichtspunkten kam es dann 1795 zur Gründung der Eisenhütten und Hochöfen in Buchbergsthal, 1703 und 1704 Ludwigsthal und Hubertskirch, und schon früher gegründet wurden Endersdorf, Klein-Mohrau, Zöpptau, Mähr. Aussee, usw. Alle diese waren Großverbraucher nicht nur von Holz, sondern vor allem der für die Verhüttung im großen Ausmaß nötigen Holzkohle. Ungezählte Kohlenmeiler brannten daher damals im Altvaterland. Als letzter romantischer Rest davon blieben zwei Meiler im Forstrevier Gabel bis zum Schluß bestehen. Aber nicht allein die Hochöfen und Hütten zehrten am Bestand des Waldes, sondern auch die neugegründeten Glasfabriken, vor allem Hohen-Bartenstein (nachmals Lindewiese), Würbenthal und andere. Diese benötigten ja ebenfalls größte Mengen Holz und Holzkohle, denn Steinkohle war wegen der Transportschwierigkeiten noch nicht greifbar, und der billige Rohstoff Holz lag bequem vor den Toren. Dazu benötigte die Glasindustrie noch Pottasche. Die Gewinnung der Pottasche war jenerzeit in fast allen Forsten gebräuchlich. Bei uns bestanden die letzten Pottaschebrennereien noch in der Oberförsterei Ober-Thomasdorf, unter meinem Urgroßvater um die Jahrhundertwende. Zu all diesem kam der normale Bedarf der Bevölkerung an Bau- und Brennholz. Was Wunder, dies konnte nicht lange gut gehen!

Unter diesen Bedingungen nahm der immense Reichtum der Wälder sehr rasch ab, da man ja bei diesem Holzverbrauch fast vom Kapital allein und nicht von den Zinsen lebte. Holz wächst nur an Holz, Produktionsmittel und Produkt können in der Forstwirtschaft nicht voneinander getrennt werden. Wenn das Produkt Holz genutzt werden will, muß man das Produktionsmittel, den Baum, mitfällen. So rasch, wie der Wald in jener Zeit verbraucht wurde, war kein Nachwuchs und Zuwachs möglich. Dies um so mehr, wenn man bedenkt, daß interessanter Weise ein einziger Hochofen, der mit Holz betrieben wurde, am Ende des 18. Jahrhunderts für die Produktion von einer Tonne Roheisen die gesamte Holzmenge von ungefähr 5,5 Hektar Wald verbrauchte. Ebenso war es bei der Holzkohle. Für den Hüttenbetrieb Aussee wurden zum Beispiel allein im Jahre 1700, belegt durch alte Rechnungsausweise, von der Hohenstädter und Ausseer Seite des Waldes von den Köhlern 3.525 Fuhren Holzkohle angeliefert.

So wurde in unserer Heimat der billige Rohstoff Holz auf einmal zur Mangelware und stieg im Preis sehr hoch an. Hütten und Hochöfen versuchten sich zwar, sobald es nur überhaupt möglich war, auf Steinkohle umzustellen, da sich im Laufe der Zeit die Transportmittel und Transportwege gebessert hatten, aber dies wurde bei den weiten Anfuhrwegen teuer und unrentabel, und so gingen sie langsam aber endlich ein. So war zum Beispiel für Buchbergsthal 1874, für die Ludwigsthaler Hütten 1877 das Ende gekommen. In Endersdorf erloschen 1884 die Feuer. Schon vor dem Ende dieser industriellen Entwicklung sahen daher unsere Wälder aus als wie ein Pelz, den die Motten gefressen haben. Dies war aber interessanter Weise nicht allein bei uns so, sondern genau die gleiche parallele Entwicklung machte nach Angaben von Forstmeister W. Koch der Ostrand der Schwäbischen Alb durch.

Revier Gabel

Auch in jagdlicher Beziehung sah es nicht immer so aus, wie wir es als nobelgeführtes Waidwerk, das den Schöpfer im Geschöpfe ehrt, in Erinnerung haben. Mein Urgroßvater, der durch 41 Jahre Oberförster in Oberthomasdorf war, schreibt in seinen Lebensaufzeichnungen, wörtlich zitiert dazu: „Wenn ich über den desolaten forstlichen und jagdlichen Zustand, welcher in den Jahren 1840 bis 1870 herrschte, berichten sollte, müßte ich ganze Bände voll schreiben. Holz- und Wilddiebstahl waren an der Tagesordnung. Die Wilderer hielten förmliche Jagden ab, hetzten mit Hunden und durchstreiften ungescheut rottenweise die Forste. Daß es infolgedessen oft Kämpfe zwischen dem Forstpersonal und den Lumpen setzte, ist wohl selbstverständlich und wundere ich mich oft, daß ich und meine Schutzbefohlenen wenn auch nicht ganz, so doch erträglich mit halbwegs heiler Haut davongekommen sind.“

Diese jagdliche Situation war am schlechtesten in den Jahren des politisch so unruhigen vormärzlichen Österreich und natürlich im Revolutionsjahr 1848 selbst. 1852 erließ Österreich als eines der ersten Länder ein Forstschutzgesetz, das die Handhabe bot, wieder gesunde Verhältnisse in den Waldreichtum der ganzen alten Monarchie zu bringen.

Es ist nun die hervorragende Leistung unserer Forstleute, daß es ihnen im Laufe eines Jahrhunderts gelang, den Wieder zu ordnen, aufzuforsten, in ihm wieder Vorräte und Reserven anzusammeln und außerdem noch den laufenden Bedarf zu decken. Dies ist ein weiteres Ruhmesblatt in der Geschichte des Waldes rund um den Altvater. Mit sicherem Blick für die Realitäten einer heraufkommenden modernen Wirtschaft verwalteten sie mit Können, Umsicht und Bescheidenheit den ihnen anvertrauten Besitz. Mit ihrer Hege und Pflege des Waldes schufen sie ein großes, volkswirtschaftliches Kapital. So konnte langsam wieder das Waldbild und damit das äußere Bild unserer Heimat entstehen, wie wir es eben in der Erinnerung behalten haben. (...)

So rundet sich in dieser kurzen und skizzenhaften Rückschau das Bild unseres Waldes, gute und schlechte Zeiten durchlaufend, Krisen und Katastrophen blieben ihm nicht erspart. Aber allzeit in guten und bösen Tagen blieb er der Freund, Beschützer, Ernährer und die erholsame Ruhe und Güte unserer Menschen in weitem Kreise rund um den Altvater.


Das höchste und schönste Lied aller Lieder ist das Rauschen des ewigen Waldes. Es ist das Lied, dessen Akkorde voll Schönheit, Harmonie und Klangfarbe wie ein Choral zur Ehre Gottes den Erdball durchbrausen. – J. Kober

Quelle: Altvater – Zeitschrift des mähr.-schles. Sudeten-Gebirgs-Vereins, Ausgabe September/Oktober 1963, S. 114–115