Frühneuhochdeutsch

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Frühneuhochdeutsch, in Abkürzung meist Fnhd., nennt man den Zustand der deutschen Sprache von ungefähr 1350 bis 1650.

Das Sprachsystem dieser dreier Jahrhunderte hebt sich in mehrfacher Hinsicht deutlich sowohl von der Sprache um 1200 (dem Mittelhochdeutschen) als auch von der um 1800 (dem Neuhochdeutschen) ab. Allerdings sind wie bei allen deutschen Sprachstufen längere Übergangszeiten anzusetzen, so daß sich die Sprache nicht von einem Jahre zum anderen, sondern erst im Laufe vieler Jahrzehnte spürbar änderte.

Die Gründe zur Abgrenzung des Frühneuhochdeutschen sind mannigfaltig: In der Mitte des 14. Jahrhunderts zeigen sich deutliche Ansätze zu überlandschaftlichen Schreib- und Verkehrssprachen, am frühesten in der Prager Kanzlei Kaiser Karls IV. Zudem bildeten sich in jener Zeit im Bereiche der Gebrauchsprosa neue Textsorten mit spezieller Art heraus, so z. B. Flugblätter und Sendbriefe. Außerdem setzte sich in der Mitte des 17. Jahrhunderts das (Ost-)Mitteldeutsche auch in niederdeutschen Sprachgebieten durch. Die ober- und mitteldeutsch geprägte spätere neuhochdeutsche Schriftsprache verdrängte in den nächsten Jahrhunderten zunehmends das in Norddeutschland angestammte Niederdeutsche aus dem öffentlichen Leben. Des weiteren kam es zu einem gewissen Sprachausgleich des Ost- und Westmitteldeutschen mit dem Ostoberdeutschen. Diese Angleichung beruhte nicht zuletzt auf dem erwachten Bewußtsein, daß man einem gemeinsamen großdeutschen Volk angehört.

Meist wird das Frühneuhochdeutsche in drei Abschnitte gegliedert:

  • Das ältere Frühneuhochdeutsche von etwa 1350 bis ca. 1500
  • Das mittlere Frühneuhochdeutsche des 16. Jahrhunderts mit dem Wirken Martin Luthers
  • Das jüngere Frühneuhochdeutsche von ca. 1600 bis 1650

Letztere beiden Abschnitte werden oft zusammengefaßt; jedenfalls bedeutsam ist der Bruch um 1500.

Schrifttum zum Frühneuhochdeutschen

  • Wilhelm Schmidt: Geschichte der deutschen Sprache. Ein Lehrbuch für das germanistische Studium
  • Christa Baufeld: Kleines frühneuhochdeutsches Wörterbuch, Niemeyer, Tübingen 1996, ISBN 3-484-10268-3