Germanische Sprachen

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Die germanischen Sprachen sind ein Zweig der indogermanischen Sprachfamilie. Sie umfassen etwa 15 Sprachen mit rund 500 Millionen Muttersprachlern, über 700 Millionen einschließlich der Zweitsprecher. Ein charakteristisches Phänomen aller germanischen Sprachen gegenüber den anderen indogermanischen Sprachen sind die Veränderungen im Konsonantismus durch die Germanische Lautverschiebung.

Inhaltsverzeichnis

Erläuterung

Germanische Sprachen werden von über 480 Millionen Menschen in Nord-, West- und Mitteleuropa, Nordamerika, Südafrika und Australien gesprochen. Das Englische ist hierbei die zahlenmäßig am häufigsten gesprochene Sprache, da sie auch als internationale Umgangssprache fungiert. Nach Struktur und Entwicklung lassen sich drei verschiedene Zweige unterscheiden, nämlich West-, Ost- und Nordgermanisch.

Die germanischen Sprachen werden wegen ihrer Ähnlichkeit in Phonologie, Grammatik und Wortschatz zusammengefaßt und gehen vermutlich auf ein Ur-Germanisch zurück, von dem es keine Überlieferungen gibt. Gemeinsame Merkmale sind Eigenschaften, die durch die erste Lautverschiebung zustandegekommen sind, die Verlagerung des Wortakzents auf die erste Silbe, Reduktion der Kasusmarkierung, Vereinfachung der Verbkonjugation, in der Verbmorphologie die Herausbildung starker Verben sowie die Differenzierung zwischen starker und schwacher Flexion bei den Adjektiven.

Germanische Sprachen

Alle germanischen Sprachen gehen wohl auf eine Urgermanische Sprache zurück, aus der sich im Laufe der Zeit verschiedene weitere Sprachen entwickelt haben:

  • Ostgermanisch
    • Burgundisch (Todesrune.png)
    • Gotisch (Todesrune.png)
    • Krimgotisch (Todesrune.png)
    • Langobardisch (Todesrune.png)
    • Wandalisch (Todesrune.png)
  • Nordgermanisch /Skandinavisch
    • Altnordisch (Todesrune.png)
    • Dänisch
    • Färöisch
    • Isländisch
    • Norwegisch (Bokmål, Høgnorsk, Nynorsk, Riksmål)
    • Schwedisch

Vergleichende Beispiele

Folge Tabelle veranschaulicht anhand von gängigen Begriffen die Verwandtschaft der germanischen Sprachen. Die Wörter haben den gleichen Ursprung, können aber teilweise andere Bedeutungen besitzen.

Hochdeutsch Niederländisch Englisch Schwedisch Gotisch
Bein been bone ben
Blut bloed blood blod bloþ
Bruder broer brother bror broþar
Erde aarde earth jord aírþa
Feuer vuur fire fon
Haß haat hate hat hatis
Haus huis house hus hûs
Licht licht light ljus
Tier dier deer djur
Wasser water water vatten wato

Entwicklung

Grimmsches Gesetz

Das 1822 von Jacob Grimm formulierte Gesetz, das als erste oder germanische Lautverschiebung bekannt geworden ist, beschreibt erstmals systematisch den Lautwandel innerhalb der indogermanischen Sprachen, insbesondere das Muster für die Veränderungen der Verschlußlaute. Die erste Lautverschiebung setzte etwa zwischen 1200 und 1000 v. d. Z. ein und war zwischen 500 und 300 v. d. Z. abgeschlossen; durch sie kam es zur Differenzierung zwischen den germanischen und den übrigen indogermanischen Sprachen.

Gemäß der ersten Lautverschiebung wurden die stimmlosen Verschlußlaute p, t und k im Althochdeutschen zu stimmlosen Reibelauten f, d und h, im Englischen zu f, th und h (z. B. lateinisch pater zu althochdeutsch Fater, englisch father, neuhochdeutsch Vater); die stimmhaften Verschlußlaute b, d und g wurden zu den stimmlosen Verschlußlauten p, t und k (z. B. lateinisch dens zu englisch tooth); die behauchten Verschlußlaute bh, dh, gh wurden zu stimmhaften Reibelauten und schließlich zu den stimmhaften Verschlußlauten b, d, g (z. B. indogermanisch ghostis zu neuhochdeutsch Gast).

Die zweite oder hochdeutsche Lautverschiebung vollzog sich von etwa 500 bis 800 n. d. Z.; diese Verschiebungen im Konsonantensystem führten zur Ausgliederung der althochdeutschen Dialekte aus den übrigen germanischen Sprachen und Dialekten. Betroffen waren hiervon die hochdeutschen Dialekte Süddeutschlands, die die Grundlage für das spätere Neuhochdeutsche bildeten.

Das Wissen um die Gesetzmäßigkeiten des Lautwandels ist insofern von Bedeutung, als es die Verwandtschaft der germanischen und indogermanischen Sprachen bestätigt und die Entwicklung moderner Sprachen wie z. B. Englisch, Niederländisch und Niederdeutsch aus den alten germanischen Sprachen aufzeigt. Das Grimm’sche Gesetz zeigt, daß sich Veränderungen innerhalb einer Sprache und auch in Sprachgruppen allmählich vollziehen und nicht Ergebnis willkürlicher Änderungen in einzelnen Wörtern sind. Grundlage für die von Grimm abgeleiteten Gesetzmäßigkeiten war eine Abhandlung des dänischen Philologen Rasmus Christian Rask über den Ursprung des Altnordischen von 1818. Das Werk Jacob Grimms wurde durch die Ausführungen des dänischen Philologen Karl Adolf Verner zur Akzentverschiebung ergänzt (→ Vernersches Gesetz; Deutsche Sprache).

Vernersches Gesetz

Das Verner’sche Gesetz ist eine von dem dänischen Philologen Karl Adolf Verner (1846–1896) im Jahr 1875 entdeckte Ausnahmeregel zur ersten Lautverschiebung, die einige Aussagen der früher erschienenen Arbeit des deutschen Philologen Jacob Grimm (siehe Grimmsches Gesetz) modifiziert. Das Verner’sche Gesetz beschreibt die gesetzmäßige Verschiebung des Wortakzents, die in Wörtern der germanischen Sprachen nach der von Grimm beschriebenen Konsonantenverschiebung eingetreten ist. Nach Grimm verschoben sich die Laute p, t und k der indogermanischen Ursprache in den germanischen Sprachen zu f, th und h. Indogermanisch b, d und g wurden gleichzeitig zu Germanisch p, t und k. Verner entdeckte, daß dies nur eintritt, wenn der Wortakzent auf die Stammsilbe fällt. Liegt der Wortakzent auf einer anderen Silbe, werden Indogermanisch p, t und k zu Germanisch b, d und g. Verner wandte diese Regel auch auf die Konsonanten s und r an. Das Verner’sche Gesetz besagt, daß in den germanischen Sprachen mediale und finale Frikative (Reibelaute in Mittel- und Endstellung) stimmhaft werden, wenn sie in der indogermanischen Ursprache nach einer unbetonten Silbe standen. Die Bedeutung seiner Arbeit für das Studium der Sprachen liegt darin, daß sie zeigt, daß Sprachwandel entwicklungsbedingt auftritt und phonetische Gesetze keine Ausnahmen oder Lücken aufweisen.

Runen

Runen sind in Stein, Metall oder Holz geritzte Schriftzeichen der Runenschrift der germanischen Völker. Runeninschriften wurden in ganz Westeuropa auf Steinmonumenten und Gegenständen wie metallenen Speerspitzen und Amuletten gefunden; die dichteste Fundrate weisen die Britischen Inseln, Skandinavien und Deutschland auf. Das frühurnordische Runenalphabet, das nach den ersten sechs Buchstaben auch Futhark genannt wird, hatte ursprünglich 24 Buchstaben. Auch das Späturnordische und das Südgermanische verwendeten noch diese überlieferten 24 Zeichen. Erst im Anglofriesischen erfolgte eine Erweiterung auf 28, mitunter auch auf 33 Buchstaben. In Skandinavien verringerte sich während der Wikingerzeit das Inventar auf 16 Zeichen (jüngeres Futhark). Die Runen besitzen nicht nur einen Lautwert, sondern repräsentierten auch einen Begriff, der mit dem Runennamen identisch ist. Damit ist die Runenschrift nicht nur eine Laut-, sondern auch eine Begriffsschrift. Verwendet wurden die Runen vor allem für Gedenkinschriften und als Weihe- oder Besitzerinschriften auf diversen Gegenständen. Als Symbole und Zeichen magischen Charakters dienten sie auch kultischen und prophetischen Zwecken.

Man nimmt an, daß die Runen auf das von italischen Stämmen in den Ostalpen verwendete nordetruskische Alphabet und das lateinischen Majuskelalphabet zurückgehen, und im 2. oder 3. Jahrhundert n. d. Z. von einem im Gebiet des modernen Böhmen lebenden germanischen Volk entwickelt wurden. Die ältesten erhaltenen Inschriften stammen aus der Mitte des 3. Jahrhunderts. Vom 4. bis zum 12. Jahrhundert wurden Runen im nord- und mitteleuropäischen Raum allgemein verwendet. Aus dieser Zeit sind mehr als 4.000 Runeninschriften und einige Runenmanuskripte erhalten. Eine Form der Runenschrift blieb in Skandinavien während des Mittelalters neben der von der Kirche verwendeten lateinischen Schrift in Gebrauch. In ländlichen Gebieten Schwedens wurden Runen gelegentlich bis ins 17. Jahrhundert verwendet. Manchmal wurden sie auch eingesetzt, um das lateinische Alphabet zu bereichern. Dies ist beispielsweise bei dem Zeichen „Dorn“ (þ) der Fall, das im angelsächsischen England für das th stand und im modernen Island noch in Gebrauch ist.

Siehe auch

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