Kommando z. b. V.

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Himmler begrüßt Männer des Führer-Begleit-Kommandos (FBK) und des Kommandos z. b. V. (inzwischen ausgebaut als RSD). Linksaußen: Johann Rattenhuber (Kommandeur RSD); von links nach rechts: Erich Kempka (Fahrer FBK), Bruno Gesche (Kommandeur FBK), Franz Schädle (Gesches Stellvertreter FBK), Adolf Dirr? (Offizier mit Handschlag); ganz rechts: Peter Högl (Rattenhubers Stellvertreter RSD)

Das Kommando z. b. V. war ein im Jahre 1933 als unabhängige Einheit ins Leben gerufenes „Kommando zum Schutz des Führers“, welches eng mit dem Führer-Begleit-Kommando zusammenarbeitete. Es entstand aus dem Kriminalkommando der staatlichen Gendarmeriepolizei Bayerns unter dem Adjudanten Heinrich Himmlers, Polizeihauptmann Johann „Hans“ Rattenhuber, der im Mai 1933 mit der Auf- bzw. Umstellung begann. Das ursprüngliche Kriminalkommando hatte schon 1932 innerhalb ihres Wirkungsbereiches beim Schutz Adolf Hitlers unterstützend eingegriffen. Das Kommando z. b. V. bestand aus professionellen Kriminalisten mit Erfahrung im Bereich Personenschutz und blieb, entgegen geschichtsfälschenden Behauptungen, unabhängig und nur dem Führer unterstellt.

Geschichte

SD-Ärmelraute des Sicherheitsdienstes des Reichsführers-SS, welche auch vom RSD getragen wurde.

Entwicklung

  • Kommando zum Schutz des Führers (Führerschutzkommando)
  • Kriminalkommando (Kriminal-Kommando)
  • Kommando z. b. V.
  • Reichssicherheitsdienst
    • Offizielle Bezeichnung lautete ab 1939 „Reichssicherheitsdienst Gruppe Geheime Feldpolizei z. b. V.“
    • Die Angehörigen waren nun ebenfalls Wehrmachtsangehörige und bekamen zusätzlich einen Wehrmachtsdienstgrad.

Aufbau und Auftrag

Das Kommando z. b. V. kam zunächst als Kriminalkommando nur innerhalb des Gebietes von Bayern zum Einsatz, was in dem Umstand begründet war, daß Himmler als Chef der Bayerischen Politischen Polizei nur innerhalb dieses Gebietes die politische Polizeigewalt innehatte, während diese in anderen Gebieten des Reiches anderen NS-Führern oblag.

SS-Gruppenführer und Generalleutnant Johann „Hans“ Rattenhuber

Im April 1934 wurden Rattenhuber und seine Männer anläßlich der Übernahme des Geheimen Staatspolizeiamtes in Berlin durch Himmler – der damit die Kontrolle über die Politischen Polizeien nahezu im gesamten Reichsgebiet übernahm – von diesem in die Reichshauptstadt berufen.

Reichssicherheitsdienst

Am 1. Juni 1935 erhielt Rattenhuber den Auftrag, das Kommando z. b. V. der Bayerischen Polizei zum sogenannten Reichssicherheitsdienst (RSD) stark auszubauen, der nun in umfassender Weise mit dem Personenschutz für Hitler in allen Gebieten des Reiches betraut wurde und dementsprechend quantitativ ausgebaut wurde, was naturgemäß mit einem erheblichen Bedeutungszuwachs für Rattenhuber einherging.

Auf Beschluß des Oberkommandos der Wehrmacht erhielten die RSD-Mitglieder nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges den Status von Wehrmachtsoffizieren, damit sie im Rahmen ihres Aufgabengebietes unkompliziert auf Personal und Gerät der Wehrmacht zurückgreifen konnten. Ihre offizielle Bezeichnung lautete ab 1939 „Reichssicherheitsdienst Gruppe Geheime Feldpolizei z. b. V.“. Die Stärke des RSD bei Kriegsbeginn war 200 Mann, bei Kriegsende 400 Mann.

Der RSD war auch für die Sicherheit anderer Würdenträger des Reiches zuständig, ebenfalls sorgten sie für den Schutz hoher Staatsgäste. Der RSD war verwaltungstechnisch dem Sicherheitsdienst des Reichsführers-SS unterstellt, allerdings de facto autark.

Götterdämmerung

Im Frühjahr 1945 erlebte SS-Gruppenführer und Generalleutnant Rattenhuber, gemeinsam mit seinen Männern und den letzten Männern des Führer-Begleit-Kommandos (darunter Rochus Misch), als Angehöriger der engsten Entourage von Hitler dessen letzte Lebenswochen im Berliner Führerbunker und schließlich seinen Freitod am 30. April mit, obwohl er zu diesem Zeitpunkt einen Schutzauftrag außerhalb des Bunkers hatte und somit die Tat und das Verbrennen der Leichen nicht miterlebte. Dies wurde gemäß Hitlers letzten Verfügungen vom FBK ausgeführt.

Am 1. Mai wurden die Männer des Kommandos entlassen und versuchten innerhalb der zehn Gruppen aus der Hauptstadt zu entkommen. Eine Gruppe wurde von Rattenhuber angeführt, zwei weitere von SS-Brigadeführer Wilhelm Mohnke. Nur wenige entkamen, die meisten fielen oder wurden gefangengenommen, darunter Rattenhuber. Ewald Lindloff (FBK) und Peter Högl (RSD) starben gemeinsam kurz nach Mitternacht am 2. Mai an der Weidendammer Brücke durch sowjetischen MG-Beschuß.

Stellung

Historiker geben an, daß Hitler das FBK gegenüber dem RSD – zumindest in den ersten Jahren – bevorzugte. In der Reihenfolge der Fahrzeugkolonne des Führers war das FBK immer das „B-Fahrzeug“, somit das zweite Fahrzeug hinter dem A-Fahrzeug Hitlers, erst danach kamen die Fahrzeuge des RSD. Dennoch standen diese Leibwächter dem Reichskanzler, zumindest physisch, näher als alle anderen, nur Hitlers Kammerdiener Heinz Linge war wohl noch näher dran.

Das Kriminalkommando war aufgrund der kriminalistischen Fähigkeiten für die Vorauskommandos zuständig, die manchmal Wochen vor Großveranstaltungen vor Ort waren und die Sicherheitslage analysierten und den Besuch des Reichskanzlers vorbereiteten.

Ausrüstung

Beste Bewaffnung, Schieß- und Sportausbildung, finanzielle Zulagen und Kleidergeld waren selbstverständlich, Kommandoführer mußten über Frack und Smoking „mit Zubehör“, einen Schrankkoffer und „einen guten kleinen Lederkoffer“ verfügen. Die Einheit war in „Hauskommando“, „Vorkommando“ und „Begleitkommando“ aufgeteilt.

Vorbildcharakter

Die Sicherungsgruppe (SG) des Bundeskriminalamtes (bei Aufstellung 30 Kriminalbeamte, darunter ehemalige Spezialisten für Spionage- und Sabotageabwehr) wurde nach dem Vorbild des Kriminalkommandos aufgebaut. Paul Dickopf, Kopf des Aufbaus des BKA, beauftragte im September 1952 einen Kriminalinspektor, ehemaliger Angehöriger des RSD, mit einem Gutachten über den Reichssicherheitsdienst. Die SG wurde in Schutz-, Begleit- und Ermittlungsdienst aufgeteilt, wie das die Kriminalkommando-Experten Jahre früher erfolgreich vorgemacht haben.

Bekannte Mitglieder

  • Johann Bergmüller
  • Ludwig Bergmüller
  • Peter Högl (Todesrune.png 2. Mai 1945)
  • Josef Jörg
  • Johann Küffner
  • Franz Lutz (Todesrune.png 8. November 1939 im Dienst beim Bürgerbräuattentat auf Hitler)
  • Konrad Schmidbauer
  • Ludwig Wurmannstätter

SS-Führer als fliegendes Personal im Kriminalkommando

Flugzeugführer

  • Baur, Hans; SS-Brif.; SS-Nr. 171.865; Flugkapitän des Führers
  • Betz, Georg; SS-Ostubaf.; SS-Nr. 255.419; Flugkapitän
  • Doldi, Adolf; SS-Ostubaf.; SS-Nr. 276.881; Flugpionier und Flugzeugführer (am 21.8.1944 gefallen)
  • Henke, Paul; SS-Stubaf.; SS-Nr. 293.539; Flugkapitän
  • Mortsiepen, Paul; SS-Hstuf.; SS-Nr. 276.879; Flugzeugführer
  • Nein, Hermann; SS-Hstuf.; SS-Nr. 337.816; Flugkapitän, Begleitmaschine des Führers
  • Schnäbele, Karl; SS-Ostubaf.; SS-Nr. 276.326; Flugkapitän des Reichsführer-SS
  • Zintl, Max; SS-Hstuf.; SS-Nr. 177.001; Flieger/Regierungs-Oberinspektor

Schlosser/Maschinist

  • Friedrich, Hans; SS-Hstuf.; SS-Nr. 455.220; Flugzeugschlosser
  • Hunn, Bernhard; SS-Hstuf.; SS-Nr. 276.843; Flugzeugmaschinist

Bordfunker

  • Germann, Hans; SS-Hstuf.; SS-Nr. 254.519; Funker auf Begleitflugzeug des Führers
  • Hinz, Erwin; SS-Ostuf.; SS-Nr. 457.600; Flugzeugfunker
  • Leciejewski, Paul; SS-Hstuf.; SS-Nr. 177.000; Flugzeugfunker
  • Osswald, Emil; SS-Ustuf.; SS-Nr. 457.601; Flugzeugfunker

Literatur

Peter Hoffmann: Die Sicherheit des Diktators – Hitlers Leibwachen, Schutzmaßnahme, Residenzen, Hauptquartiere, Piper Verlag (1982), ISBN 978-3492021203

Siehe auch