Reiter-SA

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Rechte Kragenpatte der SA-Reitergruppe „Hessen“,
Reitersturm 3 in der Reiter-Standarte 48

Reiter-SA oder SA-Reiterei war ab 1933 (ab 1929/30 noch SA-Reiterstürme) die Bezeichnung für die berittenen Einheiten der Allgemeinen SA der NSDAP. Am 23. August 1934 wurden sie in SA-Reiterstandarten (amtliche Abkürzung SA-RSt.), auch Reiterstandarten der Allgemeinen SA umbenannt. Erster Reichsreiterführer der Reiterstandarten war der SA-Obergruppenführer Karl-Siegmund Litzmann.

Unterstellung und Struktur

SA-Reitersturmflagge des SA-Reitersturms 2 in der SA-Reiterstandarte 41
Reiter-SA, Ansichtskarte.jpg

Die Reiter-SA war zum einen der Inspektion der SA-Reiterei und zum anderen der Inspektion der SA-Reitschulen im SA-Hauptamt unterstellt.

Die Mitgliedschaft in den Reiterverbänden war freiwillig und das Mitglied der Reiter-SA war vom üblichen „SA-Dienst“ befreit. Die berittenen SA-Einheiten standen seit dem 23. August 1934 in direkter Konkurrenz zur Reiter-SS. Seit dem 10. März 1936 bildete die Reiter-SA die Basis des Nationalsozialistischen Reiterkorps.

Die Reiter-SA war in etwa wie militärische Kavallerieeinheiten gegliedert:

  • Reichsinspekteur für Reit- und Fahrausbildung (Karl-Siegmund Litzmann)
    • die Reichsinspektion war der Reichs-Reiterführer-Schule in Berlin-Zehlendorf-Düppel unterstellt
  • Reitergruppe (3–9 Standarten)
  • Reiterstandarte (3–5 Sturmbanne)
  • Reitersturmbann (3–5 Stürme)
  • Reitersturm (3–4 Trupps)
  • Reitertrupp (3–4 Scharen)
  • Reiterschar (1–2 Rotten)
  • Reiterrotte (4–8 Mann)

Der SA-Gruppenreiterführer war dem Reichsinspektor (auch Reichsinspekteur) verantwortlich und wurde in der SA-Gruppenreiterschule ausgebildet. Die Reitergruppen entsprachen den Gruppen der Allgemeinen SA, waren diesen bis 1945 zugeteilt und verwendeten bis 1938 deren Gruppenfarben.

Gleich der Allgemeinen SA war die Reiter-SA in eine aktiv I-Einheit (18–35 Jahre) und eine aktiv II-Einheit (35–45 Jahre) eingeteilt. Aktiv I-Einheiten waren in Stürme, Sturmbanne, Standarten und Reitergruppen gegliedert. Aktiv II-Einheiten umfaßten Stürme, Sturmbanne und Standarten.

Jede Reiterstandarte bestand in der Regel aus drei aktiven Einheiten (Sturmbann I–III) und ggf. aus zwei Reserveeinheiten (Sturmbann IV–V). SA-Angehörige über 45 Jahre konnten auf eigenen Antrag hin in der Reserve-SA eingesetzt werden. Diese war in Reservestandarten, Reservestürme und Reservesturmbanne gegliedert.

Uniformierung

Die Reiter-SA trug die aktuellen Uniformen der SA. Am rückwärtigen Rand des rechten Kragenspiegels trugen sie seit 1936 entsprechend der Knopffarbe zwei überkreuzte Metallanzen vor der Einheitsbezeichnung. Angehörige der Stäbe trugen nur die überkreuzten Lanzen. Hinzu kam ein zweiter Schulterriemen, während am Diensthemd oder am Dienstrock nur ein Achselstück getragen wurde.

Nach 1938 wurde die Allgemeine SA nach militärischen Gesichtspunkten reorganisiert. Dadurch fielen die bisherigen Gruppenfarben der SA weg und wurden durch reguläre Waffenfarben ersetzt. Aus diesem Grunde wurde die Zugehörigkeit zur SA-Reiterei mit der Farbe Orange symbolisiert. Auch erhielten die Uniformen der Reiter-SA ein zweites Schulterstück.

Geschichte

Ab Januar 1933 wurden die SA-Reiterstürme massiv ausgebaut. Ab April 1933 wurde die Vereinigung der ländlichen Reit- und Fahrvereine Deutschlands sowohl in die Sturmabteilung als auch in die Schutzstaffel übernommen. Ihren Mitgliedern blieb es überlassen, ob sie einzeln oder geschlossen als Reiterscharen, Reitertrupps oder gar als komplette Reiterstürme eintraten. Mit ihrer Eingliederung wurde die ehemalige Vereinigung der Reit- und Fahrvereine mit bestehenden SA-Reiterstürmen vereinigt und rein militärisch organisiert. So war beispielsweise der spätere SS-Generaloberst Paul Hausser vor seinem Wechsel in die SS Standartenführer der Reiter-SA. Laut der Anfang 1931 von Ernst Röhm aufgestellten Quotenregeln wurden 90 Prozent der Vereinigung der Reit- und Fahrvereine der Sturmabteilung und 10 Prozent der Schutzstaffel zugeteilt.

Zweiter Weltkrieg

Nach dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden die Mitglieder der Reiter-SA überwiegend in die Wehrmacht einberufen und dort vor allem in den Kavallerie-Einheiten eingesetzt. Nach dem Ende des Krieges wurden die sogenannten „NS-Kampforganisationen“ 1946 in Nürnberg angeklagt. Auf diesem Nürnberger Militärtribunal wurde die Reiter-SA als integraler Bestandteil der Gesamt-SA nicht als sogenannte „verbrecherische Organisation“ eingestuft und ihre Mitglieder, sofern diese sich nicht aktiv an angeblichen „Kriegsverbrechen“ beteiligt hatten, freigesprochen und „rehabilitiert“.

Braune Husaren (Lied der Reiter-SA)

„Braune Husaren“ war das Lied der Reiter-SA (als Schwarze Husaren für die Reiter-SS) nach dem „Husarenlied“ (auch Rote Husaren, die oft mit den „Zietenhusaren“ gleichgesetzt werden) von Hermann Löns nach einer alten Soldatenweise, Musik von Otto Koch:[1]

„Kein Hindernis ist unüberwindlich“ von Professor Eber
Plakette der Reiter-SA „Für Verdienste um die wehrhafte Ertüchtigung der Deutschen Reiterjugend“
1. Heiß ist die Liebe,
Kalt ist der Schnee, der Schnee;
Scheiden und Meiden,
Und das tut weh.
Braune Husaren die reiten,
Die reiten niemals, niemals Schritt;
Herzliebes Mädchen, und Du,
Du kannst nicht mit.
2. Weiß ist die Feder
An meinem braunen, braunen Hut;
Schwarz ist das Pulver,
Rot ist das Blut.
Braune Husaren die reiten,
Die reiten niemals, niemals Schritt;
Herzliebes Mädchen, und Du,
Du kannst nicht mit
3. Das grüne Gläslein
Zersprang mir in der, der Hand;
Brüder, ich sterbe
Fürs Vaterland.
Braune Husaren die reiten,
Die reiten niemals, niemals Schritt;
Herzliebes Mädchen, und Du,
Du kannst nicht mit
4. Auf meinem Grabe,
Solln rote Rosen stehn
Die roten Rosen
Und die sind schön.
Braune Husaren die reiten,
Die reiten niemals, niemals Schritt;
Herzliebes Mädchen, und Du,
Du kannst nicht mit

Filmbeiträge

Aufnahmen der Reiter-SA
Braune Husaren
Zum Vergleich: Rote Husaren (Stabsmusikkorps der Bundeswehr mit Soldatenchor)
Tenor Richard Tauber singt das Husarenlied

Siehe auch

  • Adolf Kob – Inspekteur der SA-Reiterei 1933–1936, Reichsreiterführer sowie Reichsinspekteur für Reit- und Fahrausbildung ab Oktober 1942
  • Carl-Friedrich Freiherr von Langen – Goldmedaille bei den Olympischen Sommerspielen 1928 und seit 1933 als SA-Oberreitführer einer der prominentesten Mitglieder der Reiter-SA

Fußnoten

  1. in: Die weiße Trommel (1934), Lieb Vaterland (nach 1935) und Liederbuch der Fallschirmjäger (1983)