Deutsch-Samoa

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Deutsch-Samoa bezeichnet dasjenige Gebiet der Samoainseln, das als Kolonialterritorium 1914 von Neuseeland auf englische Anweisung hin dem Deutschen Reich entrissen und rechtswidrig annektiert wurde. Deutsch-Samoa war neben dem Deutschen Schutzgebiet Togo die einzige deutsche Kolonie, die 1914 nicht mehr vom Reich subventioniert werden mußte.[1]

Erläuterung

Plakat zur Ausstellung „Samoa“. Die Völkerschau wurde von Dr. Otto Johannes Lehmann (1876–1960) organisiert, kommissarischer Leiter des Frankfurter Museums für Völkerkunde von 1919 bis 1935.[2]

Am 14. November 1899 wurde zwischen dem Deutschen Reich, Großbritannien und den USA der Samoa-Vertrag abgeschlossen. Ab dem 17. Februar 1900 stand Westsamoa, die „Perle der Südsee“, unter deutschem Schutz und galt fortan als „Deutsch-Samoa“. Am 14. August 1900 wurde die Selbstverwaltung der Samoaner feierlich eingeführt. Die von Gouverneur Wilhelm Solf eingeführte Selbstverwaltung sowie die friedliche Koexistenz von Eingeborenen und den neuen deutschen Herren war Anfang des 20. Jahrhunderts einmalig und im Kern erfolgreich. Es gelang ihm 1908/09, nach seiner Rückkehr aus dem Heimaturlaub, den Lauati-Aufruhr (Mau a Pule) ohne Waffengewalt zu beenden, allerdings nur nachdem das deutsche Ostasiatische Kreuzergeschwader eindrucksvoll in den Hafen einfuhr.

Am 19. Juni 1912 wurde Geheimer Regierungsrat Dr. jur. Erich Bernhard Theodor Schultz-Ewerth (1870–1935), seit 1901 im Lande (als Bezirksrichter, Januar 1904 Referent, im Juli 1904 Kaiserlicher Oberrichter und 1910 Erster Referent), Solfs Nachfolger. Mit der Besetzung Samoas durch neuseeländische Truppen 1914 nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs geriet er in Gefangenschaft, aus der er 1919 gesundheitlich angeschlagen entlassen wurde.

Rassenvermischung

Eine Erscheinung des deutschen Kolonialismus war Rassenmischung. Als Carl Eduard Michaelis, ein deutscher Rassehygieniker 1911 in einem „Offenen Brief an den Pflanzerverein von Samoa“ (Samoanische Zeitung, 1. April 1911) die Rassenvermischung Deutscher mit Samoanerinnen anprangerte, wurde er dafür – entsprechend dem Geist des liberalen und christlich-universalistischen deutschen Kolonialgedankens – von deutschen Kolonialbeamten der Insel verwiesen.[3]

Liedgut (Ausschnitt)

Hauptartikel: Ohne Hemd und ohne Höschen
In Honolulu,
im Lande der Azoren,
und auf Samoa
ist das so Brauch.
Da geh’n die kleinen Mädchen,
zum Tanze in das Städtchen,
ohne Hemd und ohne Höschen
mit einem Feigenblatt

Literatur

  • Heinrich Schnee:
    • Die koloniale Schuldlüge, Knorr & Hirth, München 1924 (HTML-Version)
    • Die deutschen Kolonien vor, in und nach dem Kriege, Quelle und Meyer, Leipzig 1935
  • Hermann Joseph Hiery:[4]
    • Das Deutsche Reich in der Südsee (1900–1921). Eine Annäherung an die Erfahrungen verschiedener Kulturen, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1995, ISBN 3-525-36322-2
    • Die deutsche Südsee 1884–1914. Ein Handbuch, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2001, 2. Aufl. 2002, ISBN 3-506-73912-3
    • Bilder aus der deutschen Südsee: Fotografien 1884–1921, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2004, ISBN 978-3-506-70112-1
  • Claus Nordbruch: Deutsche Kolonialleistungen gegen die Kolonialschuldlüge, in: Rolf Kosiek / Olaf Rose (Hgg.): Der Große Wendig – Richtigstellungen zur Zeitgeschichte, Bd. 1, Grabert Verlag, Tübingen 2006, S. 101–113
  • Bruce Gilley: [5]Verteidigung des deutschen Kolonialismus, Edition Sonderwege bei Manuscriptum, 2021, darin das Kapitel Die Südsee: Der Glockenturm von Ponape (S. 119–140)

Fußnoten

  1. Bruce Gilley: Verteidigung des deutschen Kolonialismus, Edition Sonderwege bei Manuscriptum, 2021, S. 91
  2. Lehmann wurde aus gesundheitlichen Gründen am 1. August 1935 dienstunfähig geschrieben und am 1. April 1936 in den Ruhestand verabschiedet.
  3. Bruce Gilley: Verteidigung des deutschen Kolonialismus, Edition Sonderwege bei Manuscriptum, 2021, S. 125 f.
  4. Professor für Neueste Geschichte an der Universität Bayreuth (Lebensrune.png 1957)
  5. Bruce Gilley (Lebensrune.png 1966) ist ein US-Politologe.