Dicks, Henry

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Henry Victor Dicks (* 1900 in Pernau, Estland; † 12. Juli 1977) war ein jüdisch-britischer Militärpsychiater, spezialisiert auf kollektive Psychopathologie. Die Armee entsandte ihn zu Rudolf Heß als dieser 1941 in England landete. Er erstellte später den Fragebogen für Kriegsgefangene Nr. 3, mit dem er die Gesinnung deutscher Kriegsgefangener des Zweiten Weltkrieges erfasste und in propagandistisch verwertbare Kategorien einteilte.

Leben

Herkunft und Ausbildung

Dicks Vater war in Pernau jüdischer Exporteur, Schifffsbesitzer und britischer Vizekonsul. Seine Mutter entstammte einer, wie es im Nachruf hieß, kultivierten deutschen Akademikerfamilie. Der Sohn erhielt eine klassische Bildung in Sankt Petersburg. Er sprach fliessend englisch, russisch und deutsch sowie passabel französisch. Mit dem Zerfall des russischen Zarenreiches und den Unabhängigkeitsbestrebungen Estlands floh die Familie 1917 nach England.

Im russischen Bürgerkrieg kehrte er in den Reihen der britischen Interventionsarmee als Übersetzer des Miltärgeheimdienstes nach Nord-Russland zurück. Einige Zeit war er bei der britischen Militärmission im Stab von General Denikin in Südrussland und im Kaukasus.

Nach Verlassen der Armee studierte er in Cambridge Medizin, das er 1930 abschloß um Chefassistent von Lord Horder, dem Leibarzt des Köngishauses, zu werden. Kurz darauf wechselte er in die neugegründete Tevistock Klinik, ein Hort der neuen "dynamischen Psychologie" Sigmund Freuds (Psychoanalyse), wo er bald stellvertretender Klinikdirektor wurde. Dicks diagnostizierte dort psychische Erkrankungen unter Einbeziehung des jeweiligen sozialen Umfeldes des Probanden.

Zweiter Weltkrieg

Mit Beginn des Krieges wechselte er in ein Zentrum für akute Neurosen in Watford, trat dann 1941 als Psychiater in die Armee ein und wurde deren oberster Chef im Londoner Distrikt. Wegen seiner Deutschkenntnisse und dem manipulativen Potential der psychoanalytischen Methode sandte man ihn und andere Psychiater der Tavistock-Klinik, wie John Rawlings Rees, zu Rudolf Heß, der zu Friedensverhandlungen in England gelandet war. Neben dem Informationsgewinn sollte dieser eventuell psychiatrisiert werden um ihn nicht nach Genfer Konvention als Kriegsgefangenen behandeln zu müssen. Heß sagte später aus er sei von Dicks unter Drogen gesetzt worden. Dieser veröffentlichte zusammen mit Rees 1948 das Buch Der Fall Rudolf Hess. Ein Problem in Diagnose und forensischer Psychiatrie".

Als Generaloberst diente Dicks in den folgenden vier Kriegsjahren in der alliierten Interventionsarmee (SHEAF) als Berater zur Frage deutscher Moral. In der Nachrichtenabteilung der Division für psychologische Kriegsführung (Psychological Warfare Division, PWD) erstellte er Analysen. Die militärische Formation mit ihren 1500 Mitarbeitern war geheim und weder dem amerikanischen Kongress noch dem britischen Parlament bekannt. Für PWD fertigte Dicks den Fragebogen für Kriegsgefangene Nr. 3, der eine Gefangenenbefragung vereinheitlichte und besonders von der Kampfgruppe Rosenberg verwendet wurde. Er selbst interviewte 1000 deutsche Kriegsgefangene und optimierte das System innerhalb einiger Monate. 1944 erstellte er als Chef des "Direktorats der Armeepsychiater" das Forschungsmemorandum No. 11/02/9A, auch „Psychologische Basis der Wehrmacht“ betitelt.

Dicks Ergebnisse setzten die propagandistischen Abteilungen des PWD in gezielte Zersetzungstätigkeit gegen die Wehrmacht und die Zivilbevölkerung um. Dabei mixte man reale und erfundenen Nachrichten und streute Gerüchte hinter der gegnerischen Front mittels Druckerzeugnissen und Radio. In der Darstellung war ein monolitischer alliierter Macht- und Moralanspruch begleitet von Greuelpropaganda und anzüglicher Herabwürdigung einzelner deutscher Repräsentanten, wobei man jedoch nie Adolf Hitler („Wenn das der Führer wüsste...“) oder den einfachen Soldaten verbal angriff.

Die Arbeiten des PWD, deren Mitarbeiter häufig aus der US-amerikanischen Werbeindustrie hervorgegangen waren, bildeten den Grundstein für die empirische Soziologie, die nach 1945 eine weite Verbreitung fand um die Interessen von Bevölkerungsgruppen zur Herrschaftssicherung und für den Warenabsatz zu erfassen.

Nachkriegszeit

Für Dicks fand man nach Kriegsende Verwendung in der Alliierten Kontrollkommission zur Einschätzung des deutschen Personals. Schließlich arbeitete er mit Antropologen in Europa und den VSA an Projekten über Kultur und Persönlichkeit der Deutschen, finanziert von der UNESCO. Mittels Umfragen prüfte man laufend die politische Einstellung und das Sozialverhalten in den westalliierten Besatzungszonen. Dabei stellte er etwa fest, "das die spezielle Bevölkerungsgruppe junger deutscher Frauen von 18 bis 30 in größerem Umfang als in anderen Ländern nachweislich alle Moral verloren haben und als „sexverrückt“ bezeichnet werden können." Dicks stellt hier zwar einen Zuammenhang zwischen „Kriegsmüdigkeit, Schwierigkeiten der Nahrungsversorgung, dem Tod von Söhnen und Ehemännern, der Trennung durch Evakuierung, Verelendung und dem Verlust häuslichen Lebens“ her, die „einen ganz brutalen Umschwung hin zu Desillusionierung und Apathie hervorriefen“[1], allerdings findet er die Ursachen nicht in Flächenbombardements des SHAEF, Vergewaltigungen durch einfallende Besatzerarmeen, Vertreibungen und plötzlicher Perspektivlosigkeit. Er zieht keine persönlichen Konsequenzen aus seiner aktiven Teilnahme und Forcierung des Krieges.

1946 wurde Dicks Professor für Psychiatrie an der Universität Leeds, kehrte aber zwei Jahre später für den Rest seines beruflichen Lebens an leitender Stelle in die Tavistock-Klinik zurück. 1949 gründete er dort eine Einheit für Familienpsychiatrie. Fortan betrieb er personenbezogene Konfliktforschung und beriet Ehepaare die sich von der Psychoanalyse Erkenntnisse für ihr Leben versprachen [2].

Am Columbus Centre der Universität Sussex befasste sich Dicks mit „kollektiver Psychopathologie“ (des ehemaligen Gegners), aus der sein Werk „Lizensierte Massenmörder. Eine psychopathologische Studie einiger SS-Killer“ (engl.) hervorging.

Dicks verbrachte viel Zeit als Seniormitglied in beruflichen und wissenschaftlichen Körperschaften. Er war Vorsitzender der Medizinischen Sektion der britischen psychologischen Gesellschaft, Mitglied der nationalen Vereinigung für geistige Gesundheit [3], der Weltförderation für geistige Gesundheit [4], Funktionär und Präsident der königlichen ärztlich-psychologischen Vereinigung [5] und Vorsitzender des Schulungskommitees für eheliche Dynamik des Familienplanungsvereins für sexuelle Volksgesundheit in England [6].

Ein Nachruf im Psychiatric Bulletin des Royal College of Psychiatrists nennt Dicks einen „der wie kein anderer seine Begabungen und Qualitäten so effektiv zum Nutzen so vieler anwenden konnte... jenen, die das Privileg hatten mit ihm zu arbeiten ein großer Freund, ein brillanter und kultivierter Geist, ...eine hochgeschätzte Person der britischen Psychiatrie“. [7] Er hinterließ seine Frau Maud Dicks, vier Kinder und fünf Enkel. Keines seiner Bücher erschien in deutscher Sprache.

Veröffentlichungen

  • zivil:
    • Clinical Studies in Psychopathology: A Contribution to the Aetiology of Neurotic Illness (1939)
    • mit J.R.Rees: The Case of Rudolf Hess; A Problem in diagnosis and forensic psychiatry. (London, New York 1948)
    • Observations on Contemporary Russian Behaviour. London: Tavistock 1952
    • Marital tensions. Clinical Studies Towards a Psychological Theory of Interaction. London: Routledge, 1967
    • Fifty years of the Tavistock Clinic, London, Routledge & K. Paul. 1970
    • Licensed Mass Murder A Socio-psychological study of some SS killers. London Sussex University Press 1972
  • militärisch :
    • "An Appreciation of Some Psychological and Medical Aspects of Post-Invasion Duties" (August, 1943; dt.: Einschätzung einiger psychologischer und medizinischer Aspekte der Aufgaben nach der Invasion)
    • Research Memorandum No. 11/02/9A., auch Psychological Foundations of the Wehrmacht (Februar 1944)
    • "German Political Attitudes. An Analysis and Forecast of Likely Reactions Confronting the Allies in Occupied Germany" (Oktober, 1944; dt.: Deutsches politisches Verhalten. Eine Analyse und Vorausschau wahrscheinlicher Reaktionen mit denen die Alliierten im besetzten Deutschland konfrontiert werden)
    • "National Socialism as a Psychological Problem" (Januar, 1945)
    • "Germany after the War. A Resuma with Commentary." (Februar, 1945)

Fußnoten

  1. Daniel Lerner: Sykewar.Psychological warfare against Germany, D-Day to VE-Day,George W. Stewart, Publisher, Inc.. New York, 1949
  2. PD Günther Reich: Innere Welt und Beziehungsgestaltung – Die Pionierarbeit Henry V. Dicks’ für die Paartherapie. Kontext 34: 76-78, 2003
  3. Council of the National Association for Mental Health
  4. World Federation for Mental Health, WFMH
  5. Royal Medico-Psychological Association
  6. Family Planning Association, fpa
  7. J. D. Sutherland, Henry Dicks. Psychiatric Bulletin, Oct 1977; 1: 6 - 7